Vor zwei Jahren wies das Wiener Burgtheater eine Einladung zum neugegründeten internationalen
Theaterfestival POSzT des Budapester Nationaltheaters unter dem Direktoren Attila Vidnyánszky zurück (
mehr hier). Am diesjährigen Treffen nahm das Burgtheater zum ersten Mal teil, der Gastauftritt (mit Jan Bosses Tschechow-Inszenierung "Die Möwe") endete am gestrigen Abend mit einem Eklat,
meldet Népszabadság. Nach der Vorstellung verlas
Martin Reinke (in der Rolle des Jewgenij Dorn) eine politische Erklärung auf Deutsch und auf Englisch und überraschte damit den anwesenden Vidnyánszky aber auch das Publikum vollkommen: Das
Burg-Ensemble bekundete in der Erklärung seine Solidarität mit denen, die - wie Teile der ungarischen Theaterszene - die
wachsenden Demokratiedefizite ertragen müssen. (
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Ein Skandal dieses Theatertreffens ist die
grundlose Ablehnung der Kandidatin für den Vorsitz der fachlichen Jury,
Judit Csáki, durch die von Vidnyánszky angeführte Ungarische Theatrumgesellschaft. Die Vereinigung der Theaterkritiker rief daraufhin zum
Boykott auf, dem sich bisher zahlreiche Fachzeitschriften, Onlineportale aber auch Schriftsteller wie
Péter Esterházy,
Pál Závada oder
Lajos Parti Nagy, Kunst- und Kulturhistoriker wie
Péter György oder
János Rainer M. und Regisseure wie
Róbert Alföldi oder
Árpád Schilling anschlossen. Weiterhin verkündeten einige teilnehmenden Theaterhäuser (Örkény, Szputnyik), dass sie zwar ihre Stücke spielen, sich jedoch aus dem Wettbewerb zurückziehen würden. Péter Urfi stellt die Zukunft des Festivals unter den gegebenen Umständen
grundsätzlich in Frage: "Das
anhaltende Schweigen über den wachsenden Boykott wird immer peinlicher. Zwar kann ein protziges Festival die Absagen von Intellektuellen wie Esterházy, Parti Nagy, Péter György, Závada u.a. vom Tisch fegen, doch die Liste mit bestimmenden Figuren des gegenwärtigen ungarischen Theaters wie Alföldi, Schilling oder der Direktorin der Vereinigung der unabhängigen Theaterhäuser Adrienn Zubek wird auch immer länger. Sie alle zu ignorieren ist - gelinde gesagt - eine Unverschämtheit, was erneut zu der Frage führt, was für eine Veranstaltung aus dem POSZT geworden ist."