
Mit über hundert Büchern und einer Gesamtauflage von fast
15 Millionen ist
György Moldova der meistgelesene zeitgenössische ungarische Schriftsteller. Er ist eine Identifikationsfigur für diejenigen, die ansonsten kaum jemanden haben: Menschen mit
linker Identität, für urbane, antiliberale Antidemokraten und kommunistische Kreise sowie für rassistischen Antirassisten, die ihre Kritik am Rassismus davon abhängig machen, welche Gruppe er betrifft. Sándor Révész
nähert sich in einer umfangreichen Abhandlung diesem Phänomen: "Folgende Parameter erklären die außerordentliche Beliebtheit und Wirkungskraft von Moldova in der Kádár-Ära: Die meisterhafte Bedienung des
populärliterarischen Werkzeugs, die strikte Verfechtung der Monokausalität, die Gleichzeitigkeit von
Gefügigkeit gegenüber dem System und
partiellem Widerstand, die Befriedigung der Bedürfnisse nach Konformität und Kritik. Daneben gibt es aber auch die stetige thematische Pionierarbeit. Moldova hat über unzählige Themen öffentlich wirksam
zum ersten Mal geschrieben: über 1956, die Judenfrage, die Romafrage, die unzureichende Kriminalitätsbekämpfung, verschiedene Industriezweige, öffentliche Leistungen, die dramatische Lage peripherer Regionen, Korruption, IM-Netzwerke, Ferenc Puskás, Che Guevara, die 'Aussiedlung' der Deutschen, Kulakengeschichten, Strafbataillonen des Militärs, Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft, Krise des Fußballs, der moderne Israel... "