Magazinrundschau - Archiv

The Nation

164 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 17

Magazinrundschau vom 18.09.2007 - The Nation

Anders als in Europa nimmt man das mit der Wahrheit im amerikanischen Journalismus immer noch ernst. Darum wird dort die Frage, ob auch wirklich immer wahr ist, was in Ryszard Kapuscinskis Büchern manchmal zu schön klingt, um wahr zu sein, ernst genommen. Andrew Rice verweist auf John Ryles Kritik an Kapuscinski im Times Literary Supplement (die hier nachzulesen ist) und kommt zu einem zwiespältigen Schluss: "Kapuscinski war notorisch vage über den genauen Anteil der Erfindung in seinen Büchern. In 'Meine Reisen mit Herodot', verfällt er in die Verteidigung des Fabulierers, bemüht die Wandelbarkeit der Erinnerung, und sagt: 'Die Vergangenheit existiert nicht. Es gibt nur unendlich viele Arten, sie wiederzugeben.' Ich glaube, hier macht er einen Fehler, und dieser Fehler ist wichtig. Aber ich kann mich nicht dazu durchringen, ohne Kapuscinskis Wahrheiten auszukommen, nur weil einiges falsch ist."

Magazinrundschau vom 31.07.2007 - The Nation

Schlimme Zeiten fürs Zeitungs-Geschäft, wenn nun schon Rupert Murdoch als Hoffnungsträger erscheint, meint Eric Alterman. Der nun wohl tatsächlich erfolgende Verkauf des Wall Street Journal-Eigners Dow Jones an Murdoch verheißt aus seiner Perspektive deshalb wirklich nichts Gutes: "Das Magazin New Republic argumentiert, dass Murdochs Übernahme von Dow Jones in einem 'entscheidenden Moment für Liberale' geschieht, 'die endlich ihre maßlose Feindseligkeit aufgeben und einen Kreuzzug für die Zeitungen beginnen sollten'. Es ist allerdings von den Liberalen recht viel verlangt, einen 'Kreuzzug' für ein Unternehmen zu beginnen, dessen Meinungsseiten sie in der Regel als Feiglinge, Verräter und Verbrecher beschimpfen. Liberale täten nichts lieber, als für die Sache der Medien zu kämpfen, wenn es um die Aufdeckung von Korruption und Mut gegenüber den Mächtigen ginge. Dafür bräuchten wir freilich Meiden, die diese Verantwortung ernst nehmen. Nach allem, was Murdochs Medien beim Whitewater-Skandal, bei Clintons Impeachment-Verfahren, der 2000er Wahl, Florida und fast jeder größeren Bush-Unternehmung geleistet haben, kommen sie dafür kaum in Frage.

Magazinrundschau vom 19.06.2007 - The Nation

Lakshmi Chaudhry fragt sich, ob Hillary Clinton als amerikanische Präsidentschaftskandidatin ein Problem mit ihrer weiblichen Wählerschaft bekommen könnte. Chaudhry staunt, dass die Linken als konservativ geltende Clinton selbst von Frauenverbänden und Feministinnen abgelehnt wird, die doch lieber einen progressiveren Mann an der Spitze der Macht sähen. "Inzwischen bemerken die meisten Feministinnen, dass die Möglichkeit, einer durch und durch Linken als erste weibliche Präsidentin so wahrscheinlich ist, wie das sprichwörtliche Kamel, das durchs Nadelöhr geht. So sehr wir auch die Rückständigkeit unseres Landes in Sachen weiblicher Führungskräfte bedauern mögen, die Sorte Frauen, die es in anderen Teilen der Welt bis zur Spitze schafft, wenn man einmal von Chiles Michelle Bachelet absieht, sind aus demselben Holz geschnitzt wie ihre männlichen Gegenspieler. Susan Douglas mag ihr vorwerfen, sie verkörpere 'das Dschingis-Khan-Prinzip der amerikanischen Politik', aber Hillary Clinton ist kein Abziehbild der alten Maggie Thatcher oder Indira Gandhi, und sie steht in jedem Fall links von Angela Merkel."

Magazinrundschau vom 12.06.2007 - The Nation

Die "neuen Atheisten" und ihre Bestsellererfolge in den USA schaffen es nun auch auf den Titel der Nation. Diese Bücher seien zwar nicht Ausdruck einer allgemeinen Abkehr von der Religion, meint Ronald Aronson. Aber die große nichtreligiöse Minderheit in den USA sei bisher ohne Stimme gewesen: "Ein bedeutender Ausschnitt aus der Bevölkerung wurde marginalisiert, ignoriert und beleidigt. Und schließlich gehören nichtgläubige Personen häufig höheren Bildungsgraden an... Der große Erfolg der Neuen Atheisten besteht darin, sie erreicht zu haben, um zu ihnen und für sie zu sprechen."

Magazinrundschau vom 08.05.2007 - The Nation

Nicholas von Hoffman schwärmt exklusiv im Internet von französischen Präsidentschaftskandidaten, die sich zweieinhalb Stunden lang ohne Unterbrechung beharken. "Hin und her ging es hier, wie unter Erwachsenen. Auch die Debatte zwischen Abraham Lincoln und Stephen A. Douglas zur Frage der Sklaverei und der Zukunft der Union im Jahr 1858 ging über Stunden. Was dagegen heutzutage unter politischer Debatte läuft, ist nicht mehr als ein Tonschnipsel. Die republikanischen Kandiaten waren in einer Talkshow aufgerufen, nicht länger als sechzig Sekunden zu antworten. Derartige Begrenzungen sind die Regel in der amerikanischen Debattenkultur und lassen vermuten, dass diese Politiker nicht fähig sind, ein Thema in mehr als 100 Wörtern zu behandeln. Danach geht ihnen anscheinend das Material aus. Sie sind auf kurze Ausbrüche abgerichtet, mehr nicht."

Magazinrundschau vom 27.02.2007 - The Nation

Robert Nathan und Jo-Ann Mort fragen sich, warum eigentlich keine Filme wie "Norma Rae" mehr gedreht werden. Martin Ritts Klassiker von 1979 erzählt die Geschichte einer Arbeiterin, die die erste Gewerkschaft für Textilarbeiter in Amerika mitbegründete. "Es wäre einfach, die Unterhaltungsindustrie für die Unsichtbarkeit von Arbeitern verantwortlich zu machen. Fragen Sie Autoren im Showgeschäft und sie sagen: 'Niemand hat ein Interesse daran, solche Leute auf dem Bildschirm zu sehen' und 'Wenn das Publikum sowas sehen wollte, würden die Studios es machen' und schließlich die Antwort, die man auf praktisch jede Frage zu den gegenwärtigen Bedingungen im amerikanischen Filmgeschäft bekommt 'Die Studios haben eine Mega-Hit-Mentalität, sie machen keine kleinen Filme'. Aber vielleicht gibt es auch noch einen anderen Grund. 'Norma Rae' 1979 zu drehen, war hart genug; jetzt wäre es vielleicht sogar unmöglich. Das Land hat sich verändert. Es ist schwieriger geworden, eine Massenbewegung für soziale und wirtschaftliche Veränderungen zu bilden oder eine große Anzahl von Amerikanern zu finden, die sich für soziale Solidarität interessieren. Wenn populäre Unterhaltung ihrer Definition nach Massenunterhaltung ist, was passiert, wenn es keine Masse mehr gibt, wenn nur eine kleine Anzahl Menschen kulturelle Gemeinsamkeiten besitzt? In diesem Fall, für wen würde Sie 'Norma Rae' machen?

Magazinrundschau vom 06.02.2007 - The Nation

Negar Azimi führt uns in die Welt der äygptischen Blogger, die immer wieder von den Behörden drangsaliert werden, aber hin und wieder auch einen Erfolg verbuchen können, zum Beispiel mit einem Video, das folternde Polizisten zeigt. Zwei von ihnen wurden nach der Veröffentlichung verhaftet. "Einfach indem er das Video auf ein Blog hochlud, erreichte der als Demagh MAK bekannte Web-Impresario gewaltig Aufmerksamkeit, sowohl zu Hause wie im Ausland. Den Link zum Video, der unter Aktivisten und Journalisten weitergereicht und auch bei YouTube gepostet wurde (bis es wegen seines obszönen Inhalts entfernt wurde), griffen schließlich die etwas mutigeren Zeitungen in Ägypten sowie arabische Satellitensender wie Al Dschasira und Dream TV auf. Sogar einige Dschihadi-Webseiten ergriffen das Wort, empört über die Exzesse des ungläubigen ägyptischen Regimes."
Stichwörter: Al Dschasira, Dreamer, Exzess, Folter

Magazinrundschau vom 14.11.2006 - The Nation

Kein Mensch braucht Meinungsseiten und Leitartikel, findet Eric Alterman. "Würden viele Zeitungen nicht sofort viel besser werden, wenn sie ihren Kommentarteil rausschmeißen und die politische Bandbreite und das Fachwissen ihrer Kolumnisten erweitern würden? Ich würde sogar noch weiter gehen: Warum nicht dem Beispiel des allgemein bewunderten britischen (liberalen) Guardian und des (konservativen) Economist folgen und die ohnehin meist künstliche Trennung von 'Tatsachen' und 'Meinung' aufheben? Warum lassen wir Journalisten nicht einfach erzählen, was sie für wahr halten und inwiefern und warum sie das tun? Diese Lösung würde den spannendsten Teil der Blogosphäre übernehmen, ohne die entscheidende Funktion von Zeitungen in einer demokratischen Gesellschaft aufzuheben."

Magazinrundschau vom 17.10.2006 - The Nation

In einer großen Afghanistan-Reportage beschuldigt Christian Parenti die Regierung des Präsidenten Karzai der Korruption und macht auch die Amerikaner für Missstände verantwortlich, die zum Wiederaufstieg der Taliban führen: "Fünf Jahre nach dem Sieg über die Taliban hat Kabul nur drei Stunden Strom am Tag und unsauberes Trinkwasser. Das Gesundheitssystem existiert nicht, beziehungsweise wird von Hilfsorganisationen aufrechterhalten, und den Grundschulen fehlen Lehrer. Die Regierung veranlasst so gut wie keine öffentlichen Arbeiten. Es gibt kein System der Nahrungssicherheit, keine Pläne für die Landwirtschaft, und auch die staatlichen Industriebetriebe erhalten so gut wie keine Unterstützung."

Magazinrundschau vom 26.09.2006 - The Nation

Mit sichtbarer Schadenfreude berichtet Max Blumenthal vom Erbfolgekrieg bei der erzkonservativen Washington Times, der sich nicht mehr in den bisherigen Rassimus-, Sexismus- und Dilettantismusvorwürfen zu erschöpfen scheint. "Preston Moon, der jüngste Sohn des Führes der koreanischen Einheitskirche und Finanziers der Times, Sun Myung Moon, hat ein Besetzungskomitee eingerichtet, um den Chefredakteur Wesley Pruden zu ersetzen - und zwar mit jemand anderem als Prudens Wunschkandidaten, dem leitenden Redakteur Francis Coombs. Preston Moon will laut einem Redaktionsmitglied Pruden und Coombs die Kontrolle der Zeitung entreißen, um das Blatt aus der konservativen Ecke zu holen, die von extremen rassistischen Neigungen und Verbindungen zu nativistischen und neo-konföderalen Organisationen geprägt wird."
Stichwörter: Sexismus, Washington, Rassismus