
Als eine "
Republik der Solisten"
beschreibt Justyna Sobolewska
Polens Literaturszene in der Polityka (
hier auf Deutsch). Und sie tröstet über die enttäuschten Hoffnungen auf die große Freiheitserzählung, auf einen neuen
Bruno Schulz oder
Witold Gombrowicz hinweg: "Nach 1989 hat sich weniger die Literatur selbst verändert, als ihre Rolle und Funktionsweise: das literarische Leben, der Verlagsmarkt, die Medien. Unsere Erwartungen an sie stammen noch aus einer anderen Epoche... Aus einer Welt, in der man wusste, wer ein herausragender Schriftsteller ist und wie der literarische Kanon aussieht, sind wir in eine Welt eingetreten, in der
Hierarchien nicht mehr klar definiert sind. Literaturpreise
sprießen wie Pilze aus dem Boden - demnächst werden wir uns beklagen können, dass sie wie in Großbritannien die
Literaturkritik schlichtweg ersetzen. Die Zeit, die nun angebrochen ist, hat Professor Marian Stala während einer Diskussion im "Salon der
Polityka" als eine Zeit der Verleger bezeichnet. Da sie das Marketing und sämtliche Instrumente der Werbung in der Hand haben, sind sie es heute auch, die einem Buch ein langes Leben sichern können. Die Explosion der Kulturzeitschriften vom Beginn der neunziger Jahre endete mit der
Tabloidisierung der Kultur in den Medien. Aber heute gibt es die nächste Welle eines kulturellen Aufschwungs, nur im
Internet. Beinahe jede Woche entstehen neue Zeitschriften, Portale und Webseiten über Literatur (erst jüngst die interessante Seite
dwutygodnik)."