Magazinrundschau - Archiv

Polityka

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Magazinrundschau vom 28.04.2009 - Polityka

Die Schauspielerin Krystyna Janda spricht im Interview (hier auf Deutsch) über ihren neuen Film "Der Kalmus" und den Tod ihres Mannes. Der Film, gedreht von Andrej Wajda, erzählt nach einer Geschichte von Jaroslaw Iwaszkiewicz von einer alternden Frau, die ihre Söhne während des Warschauer Aufstands verloren hat, und die sich in einen jungen Mann verliebt, der ebenfalls tödlich verunglückt. Diese Geschichte wird unterbrochen von Monologen, in denen Janda den Tod ihres Mannes, des Kameramanns Edward Klosinski, betrauert. Die Kritik hat den Film eher oberflächlich aufgenommen, meint Janda: "Ich konnte es nicht glauben, als die Journalisten diesen Film als eine Affäre zwischen einer alternden Frau und einem jungen Mann beschrieben haben. (...) Für mich ist ein junger Körper immer der Körper eines Kindes, der Körper meiner Söhne. Marta fragt Bogus, warum er keine Bücher liest, warum er im Leben genau das machen will und nicht etwas anderes, es macht ihr Sorgen, dass er sich nicht weiter bilden will, es schmerzt sie, dass er nicht ehrgeizig ist, dass er ihrer Meinung nach sein Leben vertut. Sie fragt ihn, ob er Geld braucht. Aber gleichzeitig ist das ein junger Mann, der sie angemacht hat und den sie anziehend findet."

Magazinrundschau vom 21.04.2009 - Polityka

Ryszarda Socha schildert die Versuche Ulrich von Krockows, den Besitz der Familie in Pommern wiederzuerlangen. Es ist eine sehr verwickelte Geschichte: "Im Danziger Staatsarchiv reichen Dokumente, die das Geschlecht derer von Krockow und dessen Güter betreffen, bis ins 13. Jahrhundert zurück. Je nachdem, wer gerade in Pommern die Oberhand hat, nennen sich die Herren von Krokowa mal Krokowski, mal von Krockow. Im 20. Jahrhundert wechselte ihre Heimat mehrfach die staatliche Zugehörigkeit. Daher wandte sich Ulrich von Krockow auch nicht an den Präsidenten, um die polnische Staatsbürgerschaft zu erwerben. Er bemühte sich lediglich beim pommerschen Wojewoden um eine Bestätigung, dass er diese Staatsbürgerschaft besitzt. Die Geschichte dieser Bemühungen währt bereits 19 Jahre, hat gerade einen Kreis beschrieben und ist wieder beim Ausgangspunkt angelangt. (...) Vom Ausgang dieses Falles hängen das Schicksal des Landsitzes ab, den Ulrich in Pommern erworben hat, und gegebenenfalls auch das Schicksal anderer pommerscher Schlösser und Ländereien aus der Vorkriegszeit."
Stichwörter: Danzig, Staatsbürgerschaft

Magazinrundschau vom 24.03.2009 - Polityka

Adam Szostkiewicz unterhält sich in der Polityka (hier auf Deutsch) mit Bischof Alojzy Orszulik, der 1989 als Kirchenvertreter die Verhandlungen zum und am Runden Tisch beobachtete: "Das erste Treffen, am 27. Januar, war ziemlich steif. Beim zweiten aber, im März 1989, als zugestimmt wurde, die Solidarnosc wieder zu registrieren, den Staatsrat aufzulösen und ihn durch den Präsidenten zu ersetzen, war die Atmosphäre besser. Bei dieser Sitzung wurde auch über die Zusammenstellung einer Delegation für die Inauguration des Runden Tisches diskutiert. Tadeusz Mazowiecki verlangte, dass es während der Gespräche keinen Alkohol geben sollte. Als es aber in den Verhandlungen zum Durchbruch kam, gingen wir in der Pause in die Kantine und fanden dort auf den Tischen Wein und Cognac vor. Die Regierungsseite hielt sich nicht an die Abmachung. Hinzu kam, dass Kiszczaks Agenten die vollen Tische filmten. Wie das so ist, einige Teilnehmer beider Seiten kannten sich und waren sehr herzlich zueinander. Herr Mazowiecki und ich hielten Abstand. (Der Regierungssprecher Jerzy) Urban hat ein Foto veröffentlicht, auf dem wir an einem Tisch sitzen, auf dem ein Viertel Liter Cognac steht. Wir waren allerdings nicht der Meinung, dass das ein Grund war zu protestieren, das Wichtigste war der Ausweg aus der Sackgasse und der Beginn der Verhandlungen."
Stichwörter: Alkohol, Solidarnosc

Magazinrundschau vom 03.03.2009 - Polityka

Ein niederschmetterndes Bild der polnischen Politikerkaste zeichnet (hier auf Deutsch) Adam Krzeminski. Einen weltläufigen und gebildeten Mann wie Bronislaw Geremek findet man dort nicht mehr. Und die Politiker haben auch kein Interesse daran, einen solchen hochkommen zu lassen. "Der aggressive Provinzialismus und die nationale Eigenbrötelei der PiS haben den Stil der polnischen Politik der letzten Jahre bestimmt. Es sind nicht allzu viele Politiker der jüngeren Generation auf der Bildfläche erschienen, obwohl es Tausende gut ausgebildeter junger Leute gibt, die polnische und ausländische Hochschulen absolviert und sich in internationalen Institutionen bewährt haben. Doch es gibt kein System, sie für die politischen Parteien anzuwerben, um von einer langfristig angelegten Steuerung ihrer Karrieren nach anderen als rein klientelistischen Prinzipien gar nicht erst zu reden. Vor einigen Jahren antwortete ein führender Politiker einer unserer Parteien auf die Frage, wie viele Stipendiaten seine Gruppierung zu Stiftungen von Schwesterparteien in Frankreich, Deutschland oder Großbritannien geschickt habe, amüsiert: Bin ich denn ein Selbstmörder, dass ich mir einen Henker heranziehe, der mit irgendwann einmal den Kopf abschlägt?"

Magazinrundschau vom 24.02.2009 - Polityka

Marcin Zaremba schreibt (hier auf Deutsch) über die Entdeckung des Massengrabs in Marienburg, in dem vermutlich hauptsächlich Deutsche liegen: "Dass die Entdeckung der Überreste zu einer Sensation werden konnte, zeigt, dass es um unser historisches Gedächtnis nicht allzu gut bestellt ist. Wir haben vergessen, dass unser Land übersät ist von Hunderten ähnlicher Gräber. Zumeist handelte es sich um Schützengräben, um Bombenlöcher, um Festungsgräben. Der Weg entlang der Todesgruben führt von Allenstein über Danzig, Graudenz, Kolberg, Schneidemühl, Stettin. Überall dort, wo es 1945 flächendeckende Bombenangriffe gegeben hatte oder verbissene Kämpfe stattgefunden hatten, also in Ostpreußen und auf dem Pommernwall, lagen Menschen- und Tierleichen. Im April und im Mai wurde der Gestank unerträglich. Die Fliegen waren so groß wie nie zuvor und schwärmten in Massen über den Schlachtfeldern." Damals musste man die Leichen schnell beseitigen, heute könnte man allerdings etwas pietätvoller vorgehen: "Ein Internetuser bemerkte kürzlich, dass ein Skandal ausgebrochen wäre, hätte man die Arbeiten in Katyn mit einem Bagger ausgeführt."
Stichwörter: Danzig, Stettin

Magazinrundschau vom 10.02.2009 - Polityka

Auf dem Gebiet der alkoholisierten Literatur ist Polen eine Weltmacht, stellt Justyna Sobolewska fest. Vorbildliche Aufklärung zu diesem Thema leisten Julian Tuwims "Wörterbuch des Trinkens" und das amerikanische das Magazin Modern Drunkard. "Aus dieser alkoholischen Fundgrube kommt man – ähnlich wie bei Tuwim – nur schwer wieder heraus, bevor man sie zuende gelesen hat. Wobei das Magazin Modern Drunkard seit über 10 Jahren erscheint, alle seine Ausgaben sind im Internet zugänglich und – soviel zur Warnung – es macht genauso süchtig wie Alkohol. In Tuwims Werk imponiert der Erfindungsreichtum der polnischen Sprache. Wodka wird zum Beispiel folgendermaßen genannt: karierter Perkal, Gebet oder Fusel und in Fastenzeiten trank man 'weißen Mocca', also Wodka aus der Tasse. Von den volkstümlichen Cocktails dreht es sich einem im Kopf, zumindest von den sogenannten polnischen '30 ml Starka, 15 ml Ungarischer Wein, 10 ml Pflaumenextrakt, 10 ml Sauerkirschsaft, 10 Tropfen gesättigter Honig, 10 ml Zitronensaft, 5 Tropfen Danziger Kümmel, 4 ml Angosturabitter, alles vermischt mit Eis, und in das Glas ein kleines Stück Zitronenschale und eine Kirsche'. Dieses Rezept stammt aus dem Buch 'Der neue perfekte Koch' von 1929 und gibt ausgezeichnet den alkoholischen Wohlstand der Vorkriegszeit wieder."

Magazinrundschau vom 03.02.2009 - Polityka

Im Interview mit der Polityka (hier auf Deutsch) steht Leszek Balcerowicz, von 1989 bis 1991 in den ersten nichtkommunistischen Regierungen unter Tadeusz Mazowiecki und Jan Krzysztof Bielecki Vizepremier und Finanzminister Polens, fest zu seinem Ruf eines Liberalen. Angst hatte er nicht, als er damals seine Wirtschaftsreformen durchpaukte. "Ich erinnere mich an eine sehr starke Anspannung. Mir half, dass ich mich nicht auf blinden Glauben verließ, sondern auf das Durchspielen der Varianten, die wir hatten. Ich war fest davon überzeugt, dass eine andere Strategie zum Scheitern verurteilt und unsere nur riskant war. Das reduzierte den Stress."

Magazinrundschau vom 20.01.2009 - Polityka

Von 900.000 Studentinnen in Polen soll sich jede Neunte mit ihrem Körper nebenbei etwas hinzuverdienen, berichtet Barbara Pietkiewicz (hier auf Deutsch). Früher nannte man diese Frauen Konkubinen, heute heißen sie "Gesponserte" und regeln ihre Pflichten vertraglich: "Wenn eine Studentin einen Sponsor haben möchte, ist sie natürlich aufgrund derselben Qualitäten, die für eine Agentur zählen, hervorragend dafür geeignet. Allein schon ihr Status muss für einen Sponsoren anziehend sein. Da ist jemand, der studiert, sich entwickelt, und er hilft ihr dabei, indem er die Rolle eines Mäzens übernimmt - spricht das nicht geradezu von jeder Sünde frei? Die von den Agenturen, sagt Joanna Sztobryn-Giercuszkiewicz, betrachten das als ihr Metier, auf Dauer oder nur vorübergehend, aber es ist, wie es ist. Anders dagegen die Gesponserten. Zu Marika sagten sie, eine Prostituierte wähle sich ihren Kunden nicht aus. Zu der komme, wer will und wie er will. Eine Gesponserte dagegen, zumal eine hübsche, könne nicht nur wählen, sondern im Werkvertrag auch festlegen, was beim Sex für sie in Betracht kommt und was nicht."
Stichwörter: Mäzene

Magazinrundschau vom 13.01.2009 - Polityka

2009 jährt sich der 20. Jahrestag des demokratischen Umbruchs in Polen. Alles begann an einem Runden Tisch. Marek Henzler stellt die Politiker vor, die dabei waren und erzählt, was aus ihnen wurde. Ein kleines who's who der polnischen politischen Zeitgeschichte. "Am Runden Tisch und in den Arbeitsgruppen saßen unter anderem drei spätere Präsidenten Polens (Lech Walesa, Aleksander Kwasniewski und Lech Kaczynski), fünf zukünftige Premiers (Czeslaw Kiszczak - der aber keine Regierung bilden konnte -, Tadeusz Mazowiecki, Leszek Miller, Jan Olszewski und Jaroslaw Kaczynski), vier Vizepremiers (Jan Janowski, Grzegorz Kolodko, Aleksander Luczak und Kazimierz Olesiak), sechs Marschälle und Vizemarschälle in Sejm und Senat (Mikolaj Kozakiewicz, Jacek Kurczewski, Zbigniew Romaszewski, Andrzej Stelmachowski, Jozef Slisz und Andrzej Wielowieyski), über 25 Minister und doppelt so viele Vizeminister, etwa 100 Abgeordnete und Senatoren, einige Präsidenten der Höchsten Gerichte und Tribunale, Botschafter, aber auch Chefredakteure neuer oder neu aufgelegter Zeitungen."

Magazinrundschau vom 23.12.2008 - Polityka

Adam Michnik erklärt im Interview mit Jacek Zakowski (hier auf Deutsch), warum er sich nicht davon abbringen lässt, dass die Kommunisten auch einige Verdienste um die 3. Republik erworben haben: "Ich habe die Formulierung 'ehrenwerter Mann' schon einmal gebraucht und bin heute lieber vorsichtig. Ich bin nicht dafür zuständig, Zertifikate auszustellen. Aber erinnere dich daran, dass ich schon vor dem Runden Tisch von der anderen Seite den Vorwurf hörte, wir kümmerten uns nicht um die Polen in Litauen, die von den Litauern diskriminiert würden. Als Staatspräsident hatte Jaruzelski genügend Mittel, um solche Emotionen zu schüren. Wenn die Kommunisten damals die ukrainische Frage so gehandhabt hätten, wie es die Radio-Maryja-Rechte heute tut, hätten sie die ethnischen Emotionen anheizen können. Aber sie taten es nicht. Bei aller Verdammung des kommunistischen Systems und sämtlichen Verbrechen der volkspolnischen Zeit sowie den Sauereien, die einen großen Teil der polnischen Gesellschaft demoralisierten, muss man klar sagen: 1989 haben diese Leute das Examen in polnischem Patriotismus bestanden."