Magazinrundschau - Archiv

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11 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 2

Magazinrundschau vom 13.01.2009 - Portfolio

Andrew Rice porträtiert Barney Frank, den scharfzüngigen Vorsitzenden des Finanzausschusses des Repräsentantenhauses, der im Zentrum der Debatte steht, ob der Kongress "hat, was es braucht, um die Regeln der Finanzwelt neu zu schreiben". Frank ist nicht jedermanns Liebling. F.D. Roosevelt ist sein Held. Er ist Jude, schwul, "geht wie ein Pinguin, spricht in einem unverwechselbar zischenden Schnellfeuer-Patois" und zitiert gern Schumpeter, Hegel und den Komiker Henny Youngman. Außerdem ist er "berühmt für seinen beißenden Witz, sein vulkanisches Temperament und dafür, Argumente, die er dumm findet, lächerlich zu machen und Industriemanagern in der Öffentlichkeit wie privat Standpauken zu halten. Als ehemaliger Harvard-Doktorand ist seine einzige Erfahrung in Geschäften die, dass er als Jugendlicher in Bayonne, New Jersey am Fernfahrerrastplatz seines Vaters Benzin eingefüllt hat. Seine Verkündung einer neuen Ära von Regulierungen - und freche Entlassung vorsichtigerer Stimmen - hat geradezu stratosphärische Ängste in der Wall Street ausgelöst, was zu der Frage führte, ob Frank - oder eigentlich der Kongress - das angemessene Temperament und die Erfahrung hat, die Regeln der komplizierten Welt der Finanzen neu zu schreiben." Hier sein Brüllduell mit dem rechtskonservativen Bill O'Reilly von Fox.

Außerdem: Gary Weiss porträtiert den Mann, der das meiste Geld mit der Finanzkrise verdient hat: John Paulson, der in einer zwei-Jahres-Wette darauf gesetzt hat, "dass die Kalamitäten, die wir jetzt erleben, passieren würden". Weiss findet das unsympathisch und fragt: "Wenn er all das kommen sah, war es richtig von ihm, sein Wissen für sich zu behalten, still Handel treibend, während das Finanzsystem zusammenbrach?" Aber Paulson hat keinen Geheimfond betrieben, jeder hätte sich daran beteiligen können. Lloyd Grove schließlich porträtiert CBS- und Viacom-Boss Sumner Redstone als egomanischen, hinterhältigen und total übergeschnappten Mistkerl.

Magazinrundschau vom 18.11.2008 - Portfolio

Der Schriftsteller und ehemalige Broker Michael Lewis hat die beste Reportage über die Finanzkrise geschrieben, die bislang zu lesen war. Spannend wie ein Krimi und für den Laien werden tatsächlich einige Hintergründe verständlich. Sein Held ist der Broker Steve Eisman, der früher als die meisten begriff, wie absolut marode und verkommen der Immoblienmarkt war, gegen CDOs (mehr hier) spekulierte und irgendwann begriff, dass selbst dies den Immobilienspekulanten noch nützte. In der Wall Street verkörpert Eisman den offenbar raren Typus des Skeptikers. "Die zweite Firma, für die Eisman [als Analyst für Ames Financial in den Neunzigern] volle Verantwortung bekam, war Lomas Financial, eine Firma, die gerade aus einem Bankrott entstanden war. 'Ich habe eine Verkaufsempfehlung abgegeben, weil sie ein Stück Scheiße war', sagt Eisman. 'Ich wusste nicht, dass man keine Verkaufsempfehlung für Firmen abgeben sollte. Ich dachte, es gebe drei Kategorien - kaufen, halten, verkaufen - und man sucht die aus, die man für die richtige hält.' Er wurde angehalten, generell etwas optimistischer zu sein, aber Optimismus war nicht Eismans Stil. Optimismus und Eisman bewohnen nicht mal denselben Planeten."
Stichwörter: Lewis, Michael, Optimismus

Magazinrundschau vom 28.10.2008 - Portfolio

Was würde er tun, wenn er Besitzer der New York Times wäre? Auf diese Frage, antwortet der 37-jährigen Internet-Entrepreneur Marc Andreessen, Mitgründer von Netscape, im Interview: "Sofort die Printausgabe einstellen. Auf Angriff spielen. Tun, was Intel 1985 getan hat, als es um ein Haar von den Memory Chips der Japaner zerstört worden wäre, damals das Hauptgeschäft von Intel. Wie alle wissen, hat Intel diesen Geschäftszweig lieber selbst zerstört, ihn einfach aufgegeben und sich auf sein viel kleineres Geschäft konzentriert, Mikroprozessoren, denn das würde der Markt der Zukunft sein. In dem Moment, in dem Intel aufgehört hat, sich zu verteidigen und in den Angriff ging, war seine Zukunft gesichert. Die Zeitungskonzerne müssen genau dasselbe tun. Die Finanzmärkte haben gegen die Zeitungen spekuliert, also praktisch auf deren Bankrott gesetzt. Wenn Sie eine der großen Zeitungen sind und die Printausgabe einstellen, würde Ihre Aktie wahrscheinlich steigen, obwohl Sie 90 Prozent Ihrer Einnahmen verlieren würden. Denn dann spielen Sie auf Angriff. Und wissen Sie was? Dann sind Sie eine Internetfirma."
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Stichwörter: Finanzmärkte

Magazinrundschau vom 23.09.2008 - Portfolio

Es kursieren ja immer neue Gerüchte über Milliardäre, die die New York Times kaufen wollen. Einer ist der mexikanische Baulöwe Carlos Slim Helu, der gerade 6,4 Prozent am Konzern erworben hat. Ein anderer ist Raymond Harbert, der reichste Mann Alabamas, dessen Vater sein Vermögen mit Stahl machte. Sheelah Kolhatkar schreibt ein langes Porträt über Harbert: "So könnte es sein, dass das Schicksal der im ganzen Land (und vielleicht der ganzen Welt) meistbewunderten journalistischen Institution von diesem Vermögen mitbestimmt werden könnte. Es wurde einst von einem Mann gemacht, der sich mit einem Gewehr bei Betriebsratsgründungen blicken ließ und nie einen Republikaner traf, den er nicht mochte. Das dürfte den Nerv der New York Times für Ironie treffen..."

Etwas unheimlich wird einem auch bei Roger Lowensteins Besprechung des Buchs "The Numerati" von Stephen Baker, der die Beobachtung des Konsumentenverhaltens durch Google, Smartcards und Krankenversicherungen allen Ernstes als positive Utopie zeichnet.
Stichwörter: Der die Mann, Alabama

Magazinrundschau vom 19.08.2008 - Portfolio

In einem großen Report über die Zukunft des Fernsehens stellt Mark Harris den drei großen Fernsehstationen ABC, CBS, und NBC einen vorläufigen Totenschein aus. Todesursache: Exzessives Leben und schlechte Planung: "Die Abendnachrichten wurden niedergemäht von der hitzigen, schnellen Rund-um-die-Uhr-Aktualität der Kabelsender. Zur Primetime sieht sich niemand mehr Wiederholungen an - und Wiederholungen waren das einzige Mittel, mit Comedies und Serien Geld zu machen. Apropos alte Schule und halbstündige Sitcoms: Es gab einmal eine Zeit, da liefen 50 von ihnen gleichzeitig - heute keine einzige mehr. Auf einmal haben die Leute aufgehört, sie zu mögen. Nachrichtenmagazine am Abend? Gerade noch gehalten. Geschützte Zeitfenster? Zuschauer, die ans Websurfen in Hypergeschwindigkeit gewöhnt sind, werden sich wohl kaum noch eine neue Show ansehen, nur weil sie zu faul sind, den Sender nach 'Der größte Verlierer' zu wechseln. Das Publikum für Nachmittagssoaps, lange eine verlässliche Einnahmequelle, ist so dramatisch geschrumpft, dass dieses Format in den nächsten Jahren ganz verschwinden könnte. Das sind alles sehr schlechte Nachrichten für ein Medium, das keine neue Idee seit dem Jahr 2000 hatte, als CBS mit 'Survivor' den Goldrausch mit Reality-TV-Wettbewerben eröffnete."
Stichwörter: Geld, Sitcom

Magazinrundschau vom 22.07.2008 - Portfolio

"The Last Media Tycoon", so der Titel des Artikels, ist eine Frau: Katharine Weymouth, Enkelin der legendären Katharine Graham und jetzt ihre Nachfolgerin als Verlegerin der Washington Post. Auch hier wütet die Krise in Ausmaßen, die in Deutschland noch unvorstellbar sind, berichtet Lloyd Grove in einem ausführlichen Porträt. Höchste Wichtigkeit hat daher das Zusammenspiel von Zeitung und Webseite, die bisher vollkommen getrennt agiert haben. "Die unternehmerische und räumliche Trennung hat zu zwei sehr verschiedenen und kollidierenden Kulturen geführt. Jetzt unterstehen beide Bereiche erstmals einer Person - Weymouth." Und die ist durchaus optimistisch, dass daraus etwas neues entstehen kann. "Denkt an die Musikindustrie", erklärte sie ihrer Belegschaft. "Sie waren alle in so einer Situation, einige haben überlebt, andere nicht. Apple hat sich vollkommen neu erfunden. IBM nicht. TiVo nicht. Microsoft erfindet sich ständig neu. Google ist eine Art brillantes One-Hit-Wunder. Jetzt versucht es, andere Einkommensquellen aufzutun, ist dabei aber aus meiner Sicht nicht sehr erfolgreich. Ich hoffe, mir fällt etwas ein, dass unser iPod wird."

Magazinrundschau vom 25.03.2008 - Portfolio

Rupert Murdoch setzt alles daran, die New York Times in die Finger zu kriegen, glaubt der ehemalige Chefredakteur der New York Times, Howell Raines. Und die Chancen für eine feindliche Übernahme stehen laut Raines gar nicht so schlecht: "Es ist ein Glaubenssatz im Newsroom der Times, dass die Stiftung der Sulzberger-Familie kugelsicher ist. Gut möglich, soweit es die Bedrohungen betrifft, zu deren Abwehr es konstruiert wurde: Ein oder zwei abweichlerische Cousins, die die Familie zum Verkauf zwingen. Aber ist es gebaut, um wiederkehrende interne Kämpfe mit Hedge Fonds oder Investment Banken abzuwehren, die die Zwei-Klassen Aktien-Struktur der New York Times Co. angreifen? In den letzten Wochen haben der New Yorker Investor Scott Galloway und seine Firebrand Partner zusammen mit dem Hedge Fond Harbinger Capital Partner große Pakete von Times-Aktien gekauft. Das zeugt von der Verletzlichkeit der Stiftung gegenüber Trends, die in ihrer Häufung einmalig sind - dem finanziellen Niedergang der Times, räuberischen Investoren, der Wall Street und der Angst der Familie um die Aktienpreise, dem Auftauchen Murdochs als mächtigstem Individuum in der Massenkommunikation. All diese Faktoren können zu einem Punkt führen, an dem das Undenkbare möglich wird."

Außerdem in diesem Heft: Nach Jahren des Aufstiegs gehen die Karrierechancen amerikanischer Frauen plötzlich wieder zurück, berichtet Harriet Rubin. Jesse Eisinger wundert sich über die "Keine Konsequenzen"-Ökonomie, in der Vorstände sogar für Misserfolge belohnt werden.

Stichwörter: Murdoch, Rupert

Magazinrundschau vom 26.02.2008 - Portfolio

"The Kurdistan region is Paul Wolfowitz?s wet dream". Der Schriftsteller Denis Johnson ist für Portfolio nach Irakisch-Kurdistan gefahren und staunt nicht schlecht - die Wirtschaft boomt, es gibt so etwas wie Demokratie, und die Amerikaner werden geliebt: "Liebe. Liebe! Investoren fliegen aus allen Richtungen des Globus heran, und Ausländer gibt es in der Stadt Erbil viele, aber wenn man schüchtern erwähnt, dass man Amerikaner sei, dann wird einen der Cafe- oder Ladenbesitzer zur Seite nehmen, in die Arme greifen und mit der leidenschaftlichen Ernsthaftigkeit eines volltrunkenen Onkels sagen: 'Ich spreche nicht nur für mich, sondern für alle Kurden. Bringen Sie bitte die US Army dauerhaft hierher. Sie sind willkommen. Nein, selbstverständlich akzeptiere ich Ihr Geld nicht, bitte nehmen Sie diese Dinge als ein Geschenk an Amerika an.'"

Außerdem: Der Schriftsteller Jay McInerney schwimmt mit den ganz großen Fischen durch die Art Basel Miami Beach.

Magazinrundschau vom 12.02.2008 - Portfolio

Nach eigenen Schätzungen verliert die amerikanische Filmindustrie jährlich zwei Milliarden Dollar durch Internet-Piraterie, die Musikindustrie 3,7 Milliarden. Daniel Roth zeigt, warum das Empire seinen Kampf gegen die Piraten überhaupt nicht gewinnen kann - wegen Teenagern wie Ethan, der den MediaDefender knackte, die von der Industrie benutzte Sicherheitssoftware: "Er kam hinter die Gehälter der Top-Programmierer sowie die Namen und Kontaktinformationen, die CEO und Mitgründer Randy Saaf aufbewahrte (mit Bemerkungen, wer in der Videospiel-Branche ein 'Arsch' sei und welcher Risikokapitalgeber nicht mit Geld rausrückte). Ethan bekam auch heraus, wie die Software zur Bekämpfung der Piraten funktionierte." Selbst als Ethan all seine Informationen bei einer P2P-Börse veröffentlichte, bekamen die MediaDefenders nichts mit.

Magazinrundschau vom 22.01.2008 - Portfolio

Seelisch mag Britney Spears wie ein Wrack erscheinen, wirtschaftlich ist sie noch immer Gold wert, rechnet Duff McDonald in einem Artikel über die Britney-Ökonomie vor, die er auf jährlich 110 bis 120 Millionen Dollar veranschlagt: Sogar ihr 2007er Album verkaufte sich trotz allem Ärger gut. Ihre Tourneen haben 150 Millionen Dollar eingespielt; im Durchschnitt nimmt sie mit einer ihrer 265 Solo-Shows laut dem Tourdaten auswertenden Pollstar 583.238 Dollar ein. Aber von Britney kann man weit mehr verkaufen als nur ihre Musik: Der Pure Nachtclub in Las Vegas verkaufte angeblich Plätze an einem Tisch in ihrer Nähe für 50.000 Dollar. Und sie selbst verlangt zwischen 250.000 und 400.000 Dollar, nur bei einem Event aufzutreten."

Joe Keohane staunt, wie unverhohlen - und erfolgreich - die Fastfoodcompany CKE Restaurants auf Junkfood setzt. "Andere Ketten fühlen sich heutzutage gezwungen, wenigstens so zu tun, als würden sie sich um die Gesundheit ihrer Kunden scheren, und haben angefangen, Päckchen mit Äpfeln oder irgendwas mit Joghurt und Walnüssen oben drauf anzubieten. Hardee's und Carl's Jr. laufen mit Absicht in die andere Richtung: Ohne jegliches Bedauern schaffen sie ein Arsenal von hochpreisigen Monstrositäten mit viel Fett und vielen Kalorien."
Stichwörter: Las Vegas