Magazinrundschau - Archiv

Respekt

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Magazinrundschau vom 02.04.2019 - Respekt

Aufbruchstimmung spürt Erik Tabery nach der Wahl der liberalen Bürgerrechtlerin Zuzana Čaputová zur Präsidentin der Slowakei auch in Tschechien - die Überschrift seines Artikels ("Tschechische Präsidentin Čaputová") lässt es erahnen: "In den tschechischen sozialen Netzwerken sah es Samstagabend so aus, als sei Zuzana Čaputová nicht zur slowakischen, sondern zur tschechischen Präsidentin gewählt worden. Es herrschte dort reine Begeisterung. Natürlich unter jenen, die vor einem Jahr Miloš Zeman keinen Erfolg gewünscht haben. Diese Feier mag naiv und unsinnig erscheinen, aber sie ist es nicht. Die Slowakei hat ein wenig Hoffnung nach Tschechien gesandt." Der politische Kampf ums slowakische Parlament beginne dort nun freilich erst und sei noch nicht entschieden. Dennoch - auch die Wahl Čaputovás erinnere daran, "dass das Spiel immer noch offen ist, dass nichts selbstverständlich gegeben ist, und immer wieder neue Versuche gemacht werden müssen. Der Kampf um die Gestalt der Welt ist nicht entschieden - und wird im Grunde niemals enden."

Magazinrundschau vom 05.02.2019 - Respekt

Der 90-jährige tschechische Schrifststeller und ehemalige Dissident Pavel Kohout schreibt an seinen früheren Weggefährten, den heutigen tschechischen Staatspräsidenten Miloš Zeman einen offenen Brief, nachdem dieser ihm nicht mehr auf private Briefe geantwortet habe. Kohout bereut darin, dass er Zeman bei seiner ersten Kanditatur gewählt habe, und fragt sich, wie es kommen konnte, dass ein Mann, der am ersten Tag seiner Präsidentschaft noch die Europafahne gehisst habe, inzwischen zum Spalter der Gesellschaft geworden sei. Und er schließt seinen langen Brief mit zwei Ratschlägen: "Noch hast du Zeit, dich von deinen eigennützigen Beratern und den schlechten Meinungen, die dir schaden, zu befreien! Dies schreibt dir ein Mensch, der immer noch die neunzig Jahre seines Lebens bewertet und versucht, Fehler wiedergutmachen, zu denen neuerdings auch die erste direkte Präsidentenwahl gehört. Und wenn du dazu keine Kraft und keine Lust hast, Miloš, solltest du so schnell wie möglich zum Wohl der Republik die Präsidentenstafette an einen begabten Politiker der nächsten Generation übergeben, der von den nationalen Katastrophen und Zerwürfnissen unbelastet ist. (...) Ich weiß, dass so ein persönlicher Aufruf lächerlich klingen mag, aber wenn du ihm nachkommen würdest, wärest du für immer der große Mann, der du sein wolltest."

Magazinrundschau vom 29.01.2019 - Respekt

Anlässlich der im November vermeldeten Geburt der ersten zwei genetisch modifizierten Babys in China unterhält sich Martin Uhlíř mit dem tschechischen Biotechnologieexperten Jaroslav Petr, der prognostiziert, dass die Entwicklung sich nicht aufhalten lasse und die Genmanipulaton dank CRISPR-Schere irgendwann auch legal stattfinden werde. "In einer Mitteilung der amerikanischen Akademie der Wissenschaften von 2017 heißt es, dass es keine prinzipiellen ethischen Bedenken dagegen gebe, die Einwände betreffen nur den Sicherheitsaspekt. Nach dem aktuellen Erkenntnisstand gelten genetische Eingriffe am Menschen als gefährlich, doch sobald man die Risiken erforscht haben wird, steht dem im Grunde nichts mehr entgegen." Uhlíř wendet ein, nach dem Klonen der ersten Säugetiere habe man auch befürchtet, dass Kinder geklont werden - was nicht stattgefunden habe. Darauf Petr: "Weil es keinen nennenswerten Gewinn bringt. Was hat ein Mensch von geklonten Kindern? Aber wenn ich Ihnen sage, dass ich Ihre zukünftigen Kinder vor Krebs schützen kann? (…) Sobald es eine Nachfrage gibt, werden die Verbote fallen." Wird man sich darauf einigen können, dass die Manipulation nur zum Zwecke medizinischer Heilung, nicht aber zu einer "Verbesserung des Menschen" geschehen wird? Petr bezweifelt, dass sich das voneinander abgrenzen lässt, letztlich gehe es immer um eine Verbesserung des Menschen. "Wir alle haben irgendeine Disposition. Es gibt viele Varianten, die irgendein Risiko erhöhen. Zum Beispiel lässt es sich genetisch begründen, an welcher Stelle wir Fett ansetzen - ob wir zu einem dickeren Bauch oder einem dickeren Hintern neigen, und es ist bekannt, dass ein großer Bauchumfang gefährlicher ist. Wenn jemand werdenden Eltern versprechen kann 'Ich werde Ihrem Kind die günstigere Variante mit ins Erbgut geben', werden sie wohl nicht Nein sagen. (…) Auch wenn dies alles noch Zukunftsmusik ist, ist es höchste Zeit, schon jetzt über die Grenzen zu diskutieren. Ärzte, Philosophen, Ethiker sollten sich jetzt eine Meinung dazu bilden. Sobald sich die Risiken beseitigen lassen und der genetische Eingriff möglich wird, ist eine Diskussion darüber zu spät."

Magazinrundschau vom 08.01.2019 - Respekt

Der französische Journalist Philippe Lançon, der vor vier Jahren den Anschlag auf Charlie Hebdo knapp überlebte, antwortet auf die Frage, wie sich die französische Satire nach dem Anschlag verändert habe: "Den hassvollen Reaktionen auf den Inhalt einer Nummer entnehmen wir Kollegen oft, dass es immer schwerer wird, mit einem Scherz auf aktuelles Geschehen zu reagieren, sich über etwas Ernstes lustig zu machen. Ich würde das aber nicht nur dem Attentat zuschreiben, sondern der Mischung langjähriger ökonomischer und gesellschaftlicher Krisen in Frankreich, dem Gefühl vieler Menschen, in der gegenwärtigen globalisierten Welt die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben, dies alles verknüpft mit den sozialen Netzwerken, die den Respekt vor der Komplexität der Dinge und dem Maßvollen zunichte machen. Die französische Gesellschaft hat eine Überempfindlichkeit gegenüber der umgebenden Welt entwickelt, und kaum einer mag über wirklich alles lachen. Es ist eine schlechte Zeit für die Satire, aber so ist es." Nach dem Januar 2015 hatte Charlie Hebdo keine Karikatur zum Islam mehr auf dem Titel - hat man damit der neuen Empfindlichkeit nachgegeben?, fragt Kateřina Šafaříková. "Das ist wohl so", antwortet Lançon, "aber der Hauptgrund ist prosaischer - die Morddrohungen gegen Charlie gingen auch nach dem Anschlag weiter. Und nicht nur eine, es gab relativ viele, fast jede Woche eine neue. Diese Zeitschrift und ihre Mitarbeiter stehen unter einem extremen Druck und wollten eine weitere Tragödie vermeiden. Außerdem wollte die Redaktion jenen - meiner Meinung nach Dummköpfen - nicht rechtgeben, die behaupten, Charlie Hebdo sei eine antimuslimische, antiarabische Zeitschrift."

Respekt bringt außerdem ein langes Interview mit der tschechischen Schriftstellerin Radka Denemarková anlässlich ihrer neuen Romanpublikation, die von mehreren China-Aufenthalten der Autorin inspiriert ist. "Wie soll man das nennen, was in China geschieht und was die ganze Welt uneingestanden bewundert?", fragt sich Denemarková. Sie hat sich mit Dissidentenkreisen um den Redakteur Xi Zhiyuan befreundet, in der Folge wurde sie von einer Pekinger Veranstaltung wieder ausgeladen. "Ich bin in China allem begegnet, was man sich unter einem brutalen Polizeistaat vorstellen kann. Das überstürzte Wirtschaftswachstum vollzieht sich in Form einer riesigen industriellen Verunreinigung, Umweltzerstörung und eines Städteausbaus unglaublichen Ausmaßes, der die Umgebung verschlingt. Als würde ich Schlittschuh laufen und hören, wie unter mir das Eis knackt und in der Ferne die Schollen ächzen - ein alter Zyklus geht zu Ende, und die Welt dreht sich in einem Wirbel der Zensur und Autozensur."

Magazinrundschau vom 13.11.2018 - Respekt

Gleicher, als man oder frau denkt: Silvie Lauder hat sich mit der britischen Wissenschaftsjournalistin Angela Saini unterhalten, die für ihr Buch "Inferior" (Besprechung im Guardian) Hunderte aktueller wissenschaftlicher Studien zum Thema Geschlechterunterschiede ausgewertet hat und von dem Ergebnis selbst überrascht wurde: "Ich habe von Kind an die Wissenschaft geliebt, die klaren Antworten, die etwa die Mathematik anbietet, habe schließlich sogar Maschinenbau studiert - und war in der Klasse gewöhnlich das einzige solche Mädchen. Ich dachte immer, mein Gehirn sei eben nicht so wie das von anderen Frauen und war schockiert, als ich jetzt erkannte, dass dem nicht so ist. … Es gibt kein männliches und kein weibliches Gehirn. Ich bin lediglich einen anderen Weg gegangen als andere Frauen, aber nicht, weil sie ein anderes Gehirn hätten, sondern weil sie anders erzogen wurden oder aus einer anderen Kultur kamen." Auf die Frage nach möglichen Lösungen für das Rollenproblem meint Saini: "Man kann die Dinge ganz allmählich ändern. Ich bin Freiberuflerin, und wenn ich zu irgendeiner Konferenz reise, dann bitte ich mir als Teil des angebotenen Services eine Kinderbetreuung aus. Und sehr häufig kommt man mir entgegen, und wenn es bedeutet, dass die Tochter oder der Sohn des Organisators auf mein Kind aufpasst. Wenn wir alle - Männer wie Frauen - anfangen, bestimmte Dienste einzufordern, und wenn Männer vermehrt Zeit mit ihren Kindern verbringen, dann wird sich die Situation verändern."

Magazinrundschau vom 06.11.2018 - Respekt

Jaromír Nohavica, einer der populärsten tschechischen Liedermacher der letzten Jahrzehnte, hat soeben von Präsident Putin eine Medaille für seine Verdienste um die Vermittlung russischer Kultur entgegengenommen. Die polnische Newsweek schreibt dazu, Putin habe mal wieder einen "nützlichen Idioten" gefunden und trauert, dass es ausgerechnet der auch in Polen so beliebte Sänger sein müsse. Auch in Respekt übt Marek Švehla Kritik und versucht, sie differenziert zu begründen: "Als der Liedermacher in Zeiten der 'Normalisierung' eigene dichterische Übertragungen der Lieder Wladimir Wyssozkis und Bulat Okudschawas zu singen begann, vermittelte er dem tschechischen Publikum einen eher unbekannten Kontakt zur Sowjetunion. Das war nicht das unendlich öde und zugleich arrogante und aggressive Reich des Bösen, sondern ein Land, in dem eine subtile Alternativkultur existierte, deren kritische Haltung für uns in Hinblick auf das Regime und uns selbst eine Anregung war. Nohavicas Versionen von Wyssozki und Okudschawa (hier ein Beispiel: Er kehrte nicht aus dem Krieg zurück) gehörten deshalb zum Besten, was in den kulturell ausgedörrten Achtzigerjahren in der Tschechoslowakei entstand. Das Russische, von dem man ansonsten die Schnauze voll hatte, störte einen in Nohavicas Darreichung nicht, sondern eröffnete im Gegenteil einen Raum, über den der Besucher seiner Konzerte gerne mehr erfahren wollte. Wenn also in Tschechien jemand eine Auszeichnung für die Vermittlung russischer Kultur verdient hat, ist es genau der Liedermacher aus Těšín. Nur, so wie zu Wyssozkis Zeiten bewegt sich auch heute die russische Kultur nicht im luftleeren Raum. Sie ist von einer schmutzigen Politik und einem Zynismus der Macht umgeben, auf die ein Künstler nolens volens reagieren muss. Nohavica reagiert und hat sich erneut dazu entschlossen, Russland zu vermitteln und uns näherzubringen. Doch diesmal sind es keine Kritiker am Rande, denen er zuhört und bei seinem Publikum Gehör verschaffen möchte. Im Gegenteil: Indem er die Medaille von Putin entgegennimmt, huldigt er einem Regime, das nach außen von der Freundschaft zwischen den Völkern spricht, sich aber nur mit jenen befreundet, die Putin und seine imperialistische Politik unterstützen, mit den anderen aber einen Krieg führt."

Magazinrundschau vom 23.10.2018 - Respekt

Der tschechische Staatspreis für Kultur ist in der Krise. Nachdem unlängst der Dichter Petr Hruška und andere Juroren aus der Literatur-Jury zurücktraten, um gegen die gegenwärtige, von den Kommunisten unterstützte Koalitionsregierung zu protestieren, bröckelt es auch unter den bereitwilligen Preis-Empfängern, wie Jindřiška Bláhová berichtet. Den renommierten Staatspreis für Literatur, den dieses Jahr der Schriftsteller Jiří Hájíček erhalten hätte, hat dieser mit der Begründung abgelehnt, dass die Juroren durch ihren Rücktritt den seit 1989 neutralen und rein fachlichen Preis nun überhaupt erst politisiert hätten. Auch andere Kulturschaffende sehen den Rücktritt der Jury durchaus kritisch. Hruška hatte seinen Rücktritt damit begründet, dass ein Staatspreis "nicht nur den geehrten Schriftsteller, sondern auch die Regierung repräsentiere", mit der er sich allerdings nicht identifizieren wolle. Mit einer ähnlichen Argumentation hat nun die Familie des Film- und Theaterregisseurs Evald Schorm den posthum verliehenen Staatspreis in der Kategorie Kinematografie für den verstorbenen Filmemacher abgelehnt: "Es wäre eine Ironie des Schicksals, wenn Evald Schorm, der fast sein ganzes Leben lang persönlich und beruflich vom kommunistischen Regime niedergedrückt wurde, einen Gedächtnispreis der gegenwärtigen Regierung empfinge, die mit ausdrücklicher Unterstützung der kommunistischen Partei zustandgekommen ist und von einem Menschen angeführt wird, der mit dem Staatssicherheitsdienst zusammengearbeitet hat", schrieb die Witwe dem Kulturminister, der mit Verständnis reagiert hat (was wiederum die bestehende Jury erbitterte, die bei Nichtverleihung nun ihrerseits zurücktreten will). Kulturredakteurin Jindřiška Bláhová befindet: "Über die Vorgehensweise der zurückgetretenen Juroren lässt sich streiten - Evald Schorms Familie aber ist nicht ganz in derselben Situation, und ihre Haltung ist absolut verständlich und zu respektieren. Gücklicherweise sind die Zeiten vorbei, in denen man einen Staatspreis nicht ablehnen konnte. Ganz im Gegenteil, ein offizieller Preis lässt sich als Anlass begreifen, seine Haltung als Bürger auszudrücken. Auch das ist Teil der Demokratie - und die Fachkommission, so sehr sie auch bedauern mag, dass ihr Urteil nicht respektiert wurde, wird das gewiss verkraften."

Magazinrundschau vom 18.09.2018 - Respekt

Nach der Ankündigung des tschechischen Premierministers Andrej Babiš, nicht einmal fünfzig Kriegswaisen aus Syrien aufnehmen zu wollen, konstatiert Erik Tabery, Chefredakteur der Wochenzeitung Respekt, resigniert: "Mit seinem Zynismus verändert Andrej Babiš unseren genetischen Code. Er erklärt uns, dass man nicht helfen muss oder nur dann helfen soll, wenn es sich auszahlt. Außerdem verleugnet er unsere Tradtition, hinter der er sich noch unlängst verschanzt hat. (…) Während [Staatsgründer] Tomáš G. Masaryk die Tschechen den Humanismus als Programm gelehrt hat, prägt Babiš uns ein, dass wir uns nicht für unsere Gleichgültigkeit schämen sollen. Masaryk wusste, dass seine These ein paar Jahrzehnte brauchen würde, um sich durchzusetzen; Babišs Aussage ist wesentlich verführerischer und schlägt deshalb schnell Wurzeln. Hinter dieser 'Gleichgültigkeit' verbirgt sich jedoch ein noch wichtigeres Ziel. Masaryk wusste, wenn er den Tschechen eine anspruchsvolle Aufgabe auftrug, würde es sie selbstbewusster und stärker machen. Babiš will genau das Gegenteil. Ein Land, das ein paar Waisenkinder fürchtet, ist ein verängstigtes Land, das einen starken Beschützer braucht. Und dafür steht Babiš bereit."

Magazinrundschau vom 17.07.2018 - Respekt

Dass Frauen, die in einer gleichberechtigten Beziehung leben und weniger durch Haushalt und Kinder belastet werden, ein zufriedeneres Sexualleben haben - zu diesen noch neueren Erkenntnissen skandinavischer Forscher sind tschechische Sexualwissenschaftler bereits in den Fünfzigerjahren gelangt, schreibt Kateřina Lišková, die kürzlich eine englischsprachige Studie über Sexualität im Sozialismus veröffentlicht hat ("Sexual liberation, Socialist style. Communist Czechoslovakia and the Science of Desire, 1945-1989"). Nach dem kommunistischen Umsturz 1948 wurde ein neues Familiengesetz eingeführt, das die noch von Österreich-Ungarn übernommene Vorrangstellung des Mannes in der Familie aufhob und Gleichstellung herbeiführen sollte. Auch eine liberale Haltung zur Homosexualität sei in der Tschechoslowakei früh diskutiert worden. Der Sexualwissenschaftler Kurt Freund hatte versucht, homosexuelle Männer zu "heilen", und war zu der Erkenntnis gelangt, dass es unmöglich, weil offenbar genetisch vorgegeben sei, und hatte sich daraufhin für eine Entkriminalisierung der Homosexualität stark gemacht und zumindest die gesellschaftliche Debatte vorangetrieben. Viele dieser fortschrittlichen Erkenntnisse seien allerdings mit der Niederschlagung des Prager Frühlings und der einsetzenden "Normalisierung" verloren gegangen.

Magazinrundschau vom 10.07.2018 - Respekt

Unter anderem über das Genre Kriegsfilm unterhält sich Jindřiška Bláhová auf dem Karlsbader Filmfestival mit dem großartigen amerikanischen Indie-Filmemacher Richard Linklater, dessen letzter Film "Last Flag Flying" von drei Vietnam-Veteranen handelt. Linklater erinnert sich an die achtziger Jahre, als promilitärische Filme wie "Top Gun" in die Kinos kamen und selbst der Profisport auf militarisierte Weise gezeigt wurde. Auch heute sei die Armee allgegenwärtig, aber die Atmosphäre habe sich verändert: "Es sind nur noch so wenige Menschen in der Armee, dass alle anderen sich schuldig fühlen und sich eine Dankkultur gegenüber dem Militärdienst entwickelt hat. Darüber gibt es dann Filme à la: Danke, dass ihr für uns gekämpft habt. Aber die wirklichen Soldaten hassen das." Hollywood selbst besitze keine politische Agenda, da gehe es nur ums Geld. Wenn man dort überzeugt sei, dass ein Kriegsfilm Geld einbringe, werde ein Kriegsfilm produziert, wenn ein Antikriegsfilm einträglich aussieht, machten sie den. "Aber ich stelle mir schon die Frage, wie man einen guten Antikriegsfilm macht. Die Leute sehen selbst noch in der Niederlage Heroismus und denken, dass sie es vielleicht auch besser hätten hinkriegen können. Und so tragen alle Kriegsfilme auf ihre Weise zu weiteren Kriegen oder einer Kriegsmentalität bei."