Magazinrundschau - Archiv

Reuters

6 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 17.03.2026 - Reuters

Ob die Identität des aus der Anonymität heraus arbeitenden Street Artists Bansky wirklich gelüftet wurde, wird sich zeigen müssen - aber Simon Gardner, James Pearson und Blake Morrison sind sehr überzeugt, dass sie dem Phantom mit einer detaillierten internationalen Recherche auf die Schliche gekommen sind. Wie sie recherchiert haben, liest sich tatsächlich, trotz der demonstrativen No-Nonsense-Attitüde des Textes, über weite Strecken so spannend wie ein Journalismus-Thriller: Alte Polizeiakten aus den Neunzigern wurden ebenso gesichtet wie eine ukrainische Ortschaft besucht, wo Banksy und sein Team zuvor ein Statement gegen den Krieg an einer Wand hinterlassen haben. Und all das wurde wiederum mit Daten der ukrainischen Einwanderungsbehörde abgeglichen. Die Namen zweier Hauptverdächtiger kursieren seit Jahren: Robert del Naja, im Hauptberuf Musiker bei Massive Attack und im Nebenberuf Stencil Artist wie Banksy - und Robin Gunningham. Tatsächlich bestätigten Bewohner des ukrainischen Ortes anhand von Fotos, dass sie Del Naja gesehen haben, aber ein weiterer Mann, der ebenfalls an den Bildern arbeitete, unerkannt geblieben ist. Zugleich tauchte ein Polizeidokument in New York auf, dass die Verhaftung eines Robert Gunningham in den Neunzigern bei einer Aktion belegt, die Bansky zugeschrieben wird. "Später erfuhren wir von Leuten, die mit ukrainischen Einwanderungsprozeduren vertraut sind, dass ... del Naja tatsächlich die Ukraine betreten hatte" und zwar "kurz bevor Banksys Wandmalereien auftauchten. Aber es gab keinen Beweis, dass Gunningham, Guetta oder irgendein anderer, der als Banksy gilt, in dieser Zeit ebenfalls in die Ukraine gereist war. ... Im Jahr 2008 sagte Steve Lazarides, dass er und Bansky 'einvernehmlich' beschlossen hatten, getrennte Wege zu gehen. Eine seiner letzten Amtshandlungen als Banskys Manager bestand eigenen Angaben zufolge darin, für seinen Kunden eine legale Namensänderung in die Wege zu leiten. Robert Gunningham wurde jemand anderes, unter einem Namen, der niemals mit ihm in Verbindung gebracht werden könnte. ... Wir haben sämtliche uns vorliegenden Informationen durchsucht und sie mit öffentlichen Dokumenten cross-referenziert und konnten dadurch den Namen identifizieren, von dem wir glauben, dass Bansky ihn angenommen hat. Es handelt sich um einen der populärsten Namen in Großbritannien, so gewöhnlich, dass er ihm dazu dient, sich unter unser aller Augen zu verbergen. ... Dieser Name ist David Jones", ein Name, der im Zusammenhang mit Banksy auch in anderen Dokumenten zu finden ist. "Am 28. Oktober 2022, der Tag an dem Duley und Del Naja in die Ukraine einreisten, überschritt auch ein 'David Jones' die Grenze und zwar am selben Übergang. ... Die Quellen verrieten uns auch den Geburtstag auf Jones' Pass - er ist identisch mit Gunninghams Geburtstag. ... Bansky, geboren als Robin Gunningham, nahm also später den Namen David Jones an. (Ob er den Namen noch immer nutzt, ist unklar). Und Robert Del Naja, Gunninghams einstiges Graffiti-Idol, sein Freund und ein Mann, von dem es selbst lange hieß, er könne Banksy sein, war zumindest bei einem Anlass sein geheimer Partner-Künstler."

Magazinrundschau vom 16.05.2023 - Reuters

Die Zahl der Drogentoten ist in Deutschland erneut gestiegen, meldeten neulich die Medien (etwa hier): Fast 2.000 Menschen sind im Jahr 2022 durch Drogengebrauch ums Leben gekommen. In Amerika lag die Zahl der Drogentoten im Jahr 2021 bei 107.000 - umgerechnet auf die Bevölkerung sind das zwölfmal so viel. Drazen Jorgic erzählt in einem Longread für Reuters, wie es zu dieser Zahl kommen konnte: durch Fentanyl, eine synthetische Droge, fünfzig oder hundertmal stärker als Heroin. Schon das Einatmen oder eine Spur auf der Haut können tödlich sein. Die immer stärkere Präsenz dieser Droge, die oft beigemischt wird, ist sozusagen das Meisterstück der vier Söhne Joaquín Guzmáns oder "El Chapos", der in Amerika in einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt. Diese "Chapitos" haben in einem Krieg mit der mexikanischen Polizei obsiegt (der mexikanische Präsident López Obrador ließ einen der Söhne, der schon festgenommen war, wieder laufen, weil er die militärische Schlagkraft des Sinaloa-Kartells fürchtete). Die "Chapitos" haben es geschafft, "Mexiko von einem Transitland für in China hergestelltes Fentanyl zu einem wichtigen Produktionszentrum zu machen, so ein halbes Dutzend US-Beamte und DEA-Quellen. Um dies zu erreichen, bauten Chapitos ein Netz von illegalen Labors in ganz Sinaloa auf und steigerten den Schmuggel von chemischen Grundstoffen aus China. Die Einnahmen sind astronomisch. Das Kartell kann chemische Grundstoffe im Wert von 800 Dollar in Fentanyl-Pillen oder -Pulver umwandeln, die Gewinne von bis zu 640.000 Dollar einbringen, heißt es in einer der Anklageschriften vom April, die in New York eingereicht wurde. Mit diesem Geld, so die amerikanische Staatsanwaltschaft, haben die Brüder eine Kriegskasse aufgebaut, mit der sie Politiker und Polizisten bestechen und eine ständig wachsende Armee von Auftragskillern finanzieren, die ihre Interessen schützen." Die vier Söhne haben sich übrigens in einem offenen Brief gegen die Anschuldigungen gewehrt: Sie "bestritten, Beamte getötet oder gefoltert oder Menschen an Tiger verfüttert zu haben".

Magazinrundschau vom 01.10.2019 - Reuters

China scheint sein Truppenkontingent in Hongkong erhöht zu haben, und es scheint sich dabei nicht um Truppen der Volksbefreiungsarmee zu handeln, die bisher über Hongkong wachten, sondern um die auf Aufstände spezialisierte Bewaffnete Volkspolizei (auf Englisch: People's Armed Police, kurz PAP), berichtet Reuters in einem ausführlichen Dossier unter Bezug auf diplomatische Quellen. Auch diese Truppen hat Xi Jinping im letzten Jahr unter sein direktes Kommando gebracht: "Die PAP ist ein Schlüsselement  in Xi Jinpings Bestrebungen, die Kontrolle der Kommunistischen Partei über die 1,4-Milliarden-Nation zu verstärken, während parallel eine potente Streitmacht aufgebaut wird, um Amerika als dominante Macht in Asien zu ersetzen. Die PAP hat laut der amerikanischen National Defense University bis zu einer Million Soldaten, ungefähr die Hälfte des stehenden Heers. Die Hauptaufgabe dieser paramilitärischen Truppe besteht in der Verteidigung gegen innere Feinde - Aufstandsbekämpfung und Schutz der Top-Funktionäre. In den letzten Jahren bekämpfte die Truppe Unruhen in  Xinjiang und Tibet." Die Truppe soll auch dazu dienen, das Image Chinas aufzubessern: Im Jahr 1989 "musste die chinesische Führung noch auf reguläre Truppen zurückgreifen, um die Proteste mit Panzern und Maschinengewehren niederzuschlagen. Das Blutbad in der chinesischen Hauptstadt war ein Schlag für den Ruf der Partei. Danach baute die Führung die PAP zur Kontrolle der Massen auf."

Magazinrundschau vom 04.12.2018 - Reuters

Die Verfolgung der Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang ist in letzter Zeit häufig thematisiert worden. Dennoch ist das große Online-Dossier, das Reuters unter dem Titel "Tracking China's Muslim Gulag" veröffentlicht, lesenswert: Denn es handelt sich um eine ganz trockene, visuell allerdings beeindruckend aufgemachte Bilanz der Bautätigkeiten in der Provinz, die zeigt, das im Lauf von nur 18 Monaten Dutzende von Lagern entstanden sind. Einige davon riesigen Ausmaßes. Zwei Quellen standen den Autoren zur Verfügung: Satellitenbilder und öffentliche Ausschreibungen: "Die meisten Gebäude sind seit Anfang 2017 gebaut worden, sagt Shawn Zhang, ein Jurastudent in Kanada, der die Regierungsdokumente und Open-Soruce-Satellitenbilder nutzte, um Dutzende von Lagern zu identifizieren. Seit neuestem, sagt Zhang, hat die Regierung aufgehört, neue Ausschreibungen zu veröffentlichen, während sie ältere aus dem Internet löscht."
Stichwörter: Uiguren, Xinjiang, Gulag, Kanada, Tracking

Magazinrundschau vom 19.11.2013 - Reuters

In einer sehr detaillierten Recherche beschreiben Steve Stecklow, Babak Dehghanpisheh und Yeganeh Torbati das iranische Firmengeflecht Setad, mit dem sich Ayatollah Khamenei ein gigantisches Imperium aufgebaut hat und das Reuters auf einen Wert von 95 Milliarden Dollar schätzt. Setad besitzt Immobilien und Anteile an allen wichtigen iranischen Branchen, an Ölindustrie, Telekommunikation, aber auch Straußenfarmen und der Produktion von Anti-Baby-Pillen. "Reuters hat keinen Hinweis gefunden, dass Khamenei Setad benutzt, um sich selbst zu bereichern. Aber Setad verleiht ihm Macht. Über Setad stehen Khamenei finanzielle Mittel zur Verfügung, deren Wert die Besitztümer des Schahs übertrifft. Wie Setad an dieses Vermögen kam, spiegelt wider, wie der 1979 gestürtzte Monarch an einen Großteil seines Besitzes kam - durch das Beschlagnahmen von Immobilien. Reuters sechsmonatige Recherche hat ergeben, dass Setad sein Reich auf der systematischen Enteignung von tausenden Häusern gewöhnlicher Iraner aufgebaut hat: Von Mitgliedern religiöser Minderheiten wie den Bahai und den Schiiten, von Geschäftsleuten und Iranern im Ausland."
Stichwörter: Pille, Reue, Enteignungen, Schiiten

Magazinrundschau vom 12.04.2011 - Reuters

Die Revolution frisst ihre Käufer! In einer hervorragend recherchierten Geschichte erzählt Yinka Adegoke, wie Rupert Murdoch mit dem sozialen Netzwerk MySpace, das er 2005 kaufte, scheiterte. "Interviews mit Managern von MySpace und News Corp zeigen eine unüberwindliche kulturelle Spaltung, die die Probleme der einst dominanten Website noch verschärfte und ihren Verfall beschleunigte. MySpace ist längst ausgestochen von einem Rivalen, den Murdoch einst einen 'Kommunikationsdienst' nannte - Facebook. Viele Mediengesellschaften haben sich bei ihren Versuchen, im Internetzeitalter anzukommen, verrannt. Aber wenige hatten in eine so prominente Firma investiert wie MySpace. Seit dem Desaster der Fusion von AOL und Time Warner war keine Medienpartnerschaft schärfer beobachtet worden." Die für 2012 avisierten Ergebnisse sagen alles: MySpace rechnet mit Werbeeinahmen von 156 Millionen Dollar. Facebook, das zum Zeitpunkt des MySpace-Kaufs viel kleiner war, projiziert Einnahmen von 5,7 Milliarden Dollar. Interessant in diesem Zusammenhang: ein Blogeintrag von Chris Dixon über die möglichen Strategien von Google gegen Facebook.