
Leah McLaren war noch nicht lange in London, als sie auf eine Party eingeladen wurde. Bedingung:
ausgefallene Kleidung. Für die Kanadierin
bedeutete das ein schickes Cocktailkleid. An der Haustür des Gastgebers erlebte sie dann einen Clash of Civilizations aus nächster Nähe, als eine Frau öffnete, deren
bloße Brüste als Zielscheibe dekoriert waren. "Als ich mich wieder gefangen hatte, schaffte ich es tatsächlich, mich auf der Party zu amüsieren, obwohl ich mich wie eine Schuldirektorin in Sodom und Gomorrha fühlte. Der Abend, der von Kunst- und Medientypen aus dem Westen Londons bevölkert war, sprudelte über vor Nazis, Dominas, Pornstars, unzähligen Männer in Drag-Outfit, Frauen in Reizwäsche, einem Model mit
Bikini und Jesusbart und einem Pärchen (es zu erklären, wäre zu kompliziert), das sich gemeinsam als 'Vagina dentata' verkleidet hatte. Es war ein Mordsspaß. Es wurde schnell klar, dass das Gebot zur 'ausgefallenen' Kleidung von allen mit größtem Aufwand befolgt wurde, abgesehen von mir, der tumben Kanadierin. Denn wie schon A. A. Gill sagt: 'Ausgefallene-Kleider-Parties sind im Gegensatz zu emotionaler Offenheit, Kinderbetreuung und Pediküren eine jener inkonsequenten und nebulösen kleinen Sachen, denen sich der Engländer mit einer unendlichen, verbissenen,
Alles-oder-Nichts-Attitüde widmet.' Die Frage ist: warum?"