Der rumänisch-amerikanische Politikwissenschaftler
Vladimir Tismăneanu kann im
Interview mit der
taz absolut nicht verstehen, warum der rumänische Präsident
Nicușor Dan das
Anti-
Extremismus-
Gesetz zurückgewiesen hat (mehr
hier und
hier). Das zeigt ihm, wie wenig sich Rumänien noch mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt hat: Anders als der Präsidentschaftskandidat George Simion sei Dan kein Faschist, doch es mangele ihm an historischer Bildung: "Nicușor Dan stammt aus Făgăraș im Kreis Brașov, einer Gegend, in der
antikommunistische Partisanen in den frühen 1950er Jahren einen erbitterten Guerillakampf führten. Einige, wenn auch keineswegs alle dieser Kämpfer, waren zuvor Mitglieder der Jugendorganisation der Eisernen Garde (der 'Kreuzbruderschaften') gewesen. Die lokale Folklore hat die Geschichte dieser Partisanen
romantisiert. In diesem Umfeld lernte Dan die politische Tradition des Widerstands kennen, allerdings in einer idealisierten Fassung, die er für die historische Wahrheit hält. ... Für ihn erscheinen diese Akteure als
Freiheitskämpfer, weshalb er sich schwertut, juristische Verurteilungen ihres Hintergrunds und ihrer Ideologie vorbehaltlos zu unterstützen."
Laut einer Recherche der
AFP wurden beim russischen Angriff auf das
Theater in Mariupol 600 Menschen getötet - nun ist es kurz vor Jahresende unter Leitung des Besatzer wiedereröffnet worden, berichtet Sonja Zekri in der
SZ. Gegeben wurde der sowjetische Märchenklassiker "Die feuerrote Blume", im Publikum applaudierten russlandtreue Apparatschiks aus dem Donbass. Nirgends demonstrierte Putin seine
Grausamkeit mehr als in Mariupol, so Zekri: "Das russischsprachige Portal
Vot Tak, auf Deutsch auf der Seite
Dekoder, hatte bereits vor einem Jahr berichtet, dass sich die russischen Behörden um Touristen fürs
Beachen am Asowschen Meer bemühen. Am Strand seien zweieinhalb Kilometer Promenade mit Schaukeln und Sonnensegeln entstanden. Im Zentrum Mariupols finde man Taxis für Fahrten auf die Krim und Anzeigenzettel für Wehrdienstverträge." Nachdem sich die ukrainischen Verteidiger des Asow-Stahlwerkes ergeben hatten, "hat Russland
ein Vermögen investiert - und Wohnraum konfisziert -, um aus den Ruinen ein
urbanes Idyll zu schaffen. All diese Anstrengungen kulminieren nun in der glanzvollen Wiedereröffnung des Theaters. Man sieht die Bilder von goldenen Lüstern und Marmorsäulen und Künstler-Selfies und muss an frühere russische Propagandakonzerte denken, im syrischen Palmyra beispielsweise oder im georgischen Zchinwali."
Im
Interview mit der
taz zeigt der ukrainische
Priester Serhiy Dmytriyev, der selbst zur Orthodoxen Kirche der Ukraine gehört, null Sympathie für die Russisch-Orthodoxe Kirche ( für ihn eine "radikale religiöse Organisation, ähnlich der Hisbollah") oder die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche unter Moskauer Patriarchat, auch wenn sich diese von Moskau losgesagt hat: "Lächerlich. Wir sehen die
russischen Pässe der Bischöfe, wir sehen, was in den russisch besetzten Gebieten geschieht, was ihre Priester dort tun. Sie sind absolute Propagandisten der russischen Welt. Wenn wir ein autoritäres Regime wären, wären sie innerhalb von 72 Stunden nicht mehr hier. Wir sind jedoch ein demokratisches Land und versuchen, uns an das Gesetz zu halten. Nennen Sie mir nur eine einzige ukrainische Kirche in den russisch besetzten Gebieten, die die Russen angeblich befreien wollen. Sie werden keine einzige finden, dafür aber
festgenommene Priester und geschlossene Kirchen."
Donald Trumps Außenpolitik unterscheidet sich gar nicht sooo sehr von der seiner Vorgänger, findet in der
FAZ Nikolas Busse. Und dass er die Europäer mit sehr viel mehr Druck auffordert, sich stärker an ihren Verteidigungskosten zu beteiligen, geht für Busse auch in Ordnung. "Das wahre Problem ist, dass Trump in Europa heute eine Politik betreibt, die er in seiner ersten Amtszeit (zu Recht) selbst kritisiert hat. Wie die deutsche Politik vor 2022 glaubt er nun offenbar, dass sich Stabilität durch
wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland herstellen lässt. Das wird unter Putin eine Illusion bleiben, denn der will eine grundlegende Revision der europäischen Ordnung, vor allem im Osten. Hier könnte sich noch ein großer Dissens in der Allianz auftun, sollte es wirklich zu einem Friedensschluss in der Ukraine kommen: Europa wird sich schwertun, Russland einzudämmen, wenn Amerika das Land zur gleichen Zeit wieder stärkt."