Der
Historiker und CDU-Politiker
Andreas Rödder hat es nicht verdient, für seinen Vorschlag, die
Brandmauer gegen die AfD zu hinterfragen, derart niedergemacht zu werden, konstatiert Claudius Seidl in der
SZ. Da sich die Brandmauer bisher als nicht sehr wirksam gezeigt hat, den Aufstieg der AfD aufzuhalten, ist es vielleicht an der Zeit, neue Konzepte auszuprobieren, meint Seidl: "Man könnte fragen, was eigentlich hinter der Brandmauer liegt; und ob es wirklich stimmt, dass diese Mauer
nur die Guten von den Bösen trennt. Man könnte also überlegen, ob die Mauer nicht eine Linie ziehe zwischen der anstrengenden, nervigen und zu bewältigenden Wirklichkeit." Könnte es sein, "dass die Union von der niederländischen Partei D66, von deren Spitzenkandidaten und deren Wahlsieg lernte? Dass sie also damit aufhörte, sich
immer genau die Konflikte zu verbeißen, in denen sie die Rechtspopulisten an ihrer Seite hat, um dann immer wieder aufs Neue zu betonen, wie hoch die Mauer zwischen ihr und der AfD sei? Dass sie sich endlich auch sichtbar und
effektiv auf andere Themen konzentrierte, aufs Wohnen, auf Wirtschaft, Energie und Nachhaltigkeit?" Und dafür eben je nach Sachfrage auch eine Unterstützung der AfD in Betracht zieht.
Ob die verlorenen Wähler aber dann wieder CDU wählen? Der portugiesische
Politikwissenschaftler Vicente Valentim bezweifelt es im Interview mit
Zeit Online. Viele Wähler waren schon früher bereit, für rechtspopulistische bis rechtsextreme Parteien zu stimmen, nur gab es diese in den meisten europäischen Parteiensystemen nicht, erklärt er: "Es herrscht die falsche Annahme, dass viele Wähler, die früher Mitte-rechts-Parteien gewählt haben,
im Herzen noch immer Mitte-rechts sind. Meine Arbeit legt aber nahe, dass diese Menschen schon vorher extrem rechts gedacht haben. Es gab nur keine Partei, die diese Positionen glaubwürdig und erfolgversprechend vertreten hat. Jetzt haben sie eine Partei, die viel stärker mit ihren wahren Ansichten übereinstimmt. Wir wissen aus der Forschung, dass Menschen, wenn sie eine Partei wählen, über die Zeit eine
starke Identifikation mit dieser Partei ausbilden. Das gilt erst recht, wenn diese Partei von den anderen Parteien stark bekämpft wird. Warum also sollten, im deutschen Beispiel, die AfD-Wähler zurückkehren?"
Die Jugendorganisation der
Linkspartei hat in einem atemberaubenden Beschluss mit dem Titel "
Nie wieder zu einem Völkermord schweigen" Israel nicht nur, wie es Mode ist, des Genozids beschuldigt, sondern spricht auch von einem "
kolonialen und rassistischen Charakter des israelischen Staatsprojekts von seinen Anfängen bis heute". Frederik Schindler hat diesen Beschluss in der
Welt zuerst thematisiert (unser
Resümee). In der
Jüdischen Allgemeinen kommentiert er nun: "Die Mehrheit der Linksjugend ... will die Fähigkeit der Juden zur Selbstverteidigung nicht als legitime Konsequenz jüdischer Geschichte anerkennen. Sie macht israelische Soldaten implizit zu nationalsozialistischen Tätern, dämonisiert damit erstere und verharmlost letztere. Eine neu gewählte Bundessprecherin der Linksjugend macht das sogar explizit, wenn sie in einem mittlerweile gelöschten Video vom '
Holocaust'
in Gaza spricht. Mit einer legitimen Kritik an der Kriegsführung eines israelischen Ministerpräsidenten, der mit Rechtsextremen zusammenarbeitet, hat das nichts zu tun. Es ist
NS-Verharmlosung in Reinform."
Russische Soldaten töten nicht nur Ukrainer, sondern auch
ihre eigenen Leute, erzählt im Interview mit dem
Spiegel der inzwischen im Exil lebende russische Journalist
Ivan Zhadajew: "Russische Kommandeure foltern und töten gezielt ihre eigenen Soldaten - um Macht, Geld und Disziplin zu sichern. Dieses
Ausmaß interner Gewalt ist einzigartig. Es hängt auch damit zusammen, dass zahlreiche Häftlinge aus Strafkolonien eingezogen wurden - Männer, die fast ausschließlich des Geldes wegen kämpfen." Es sollen sogar Drohnen und Sprengsätze zum Einsatz gekommen sein. "Zunächst hielten wir solche Berichte für unglaubwürdig. Doch wir erhielten mehrere voneinander unabhängige Bestätigungen. In manchen Sturmtruppen kommt es tatsächlich regelmäßig vor, dass Soldaten, die sich weigern weiterzugehen,
von eigenen Drohnen angegriffen werden. ... Die russische Armee rekrutiert inzwischen jeden, der bereit ist, für Geld zu kämpfen. Gewalt ist Teil ihres Systems geworden. Es geht längst nicht mehr um militärische Schlagkraft, sondern um systematische Entmenschlichung."
Frankreich will mit einem
Musée-
mémorial du terrorisme den Terrorismus seit der Erfindung des Begriffs 1794 länderübergreifend beleuchten, berichtet Marc Zitzmann in der
FAZ. Dazu gehört "der nationalistische und antikapitalistische der Siebziger- und Achtzigerjahre in aller Welt, der rote im Europa und insbesondere in der BRD, im Frankreich und Italien der bleiernen Zeit, der regionalistische im Baskenland und in Korsika, der staatliche Libyens und Irans, endlich jene der Islamisten und der Rechtsextremen". Das Museum hat bereits eine Sammlung mit rund
2500 Stücken aufgebaut, der für Terrorismusfälle zuständige Pariser Strafgerichtshof soll dem Museum "
Tausende von Sachbeweisen aus abgeschlossenen Gerichtsverfahren" anvertrauen. Doch nicht alles soll gezeigt werden, so Zitzmann, etwa die "GoPro-Kamera, mit der ein französischer Terrorist 2012 gefilmt hatte, wie er
jüdische Kinder in ihrem Schulhof erschoss".
Weiteres:
Linksextreme und Rechtsextreme haben erstaunlich ähnliche Strategien, konstatiert der Politologe
Markus Linden in der
FAZ, wo er vor allem das linke amerikanische Magazin
Jacobin und seinen deutschen Ableger aufs Korn nimmt, das den Weg zu einer "breiten linken Allianz mit Anarchisten, Kommunisten, Ideologisch-Postkolonialen, Antiimperialisten, Terrorverstehern und Querfrontausläufern eröffnet", Hauptsache es geht "
gegen '
das pro-israelische Establishment'". In der
Zeit fragt sich Götz Hamann, ob
Anzeigen wegen Volksverhetzung in der Debatte das richtige Mittel sind, "wenn viele dieser Anzeigen rasch in sich zusammenfallen", denn dann "beginnt es
nach Missbrauch zu riechen. Da mögen die Motive noch so edel sein".