Vor 50 Jahren endete die Herrschaft des spanischen Diktators
Francisco Franco und sein Nachfolger, der spanische König
Juan Carlos, rief bald darauf in Spanien die Demokratie aus. Thomas Ribi
blickt in der
NZZ auf diese beiden Figuren und welchen Einfluss sie auf Spanien hatten. "Franco hatte sich länger als jeder andere faschistische Diktator an der Macht gehalten - und durch die Wahl seines Nachfolgers Spanien
wider Willen den Weg zur Demokratie geebnet. Was Juan Carlos tat, war nicht im Sinn seines Ziehvaters. Er tat es trotzdem. Zum Teil unter Druck, zum Teil aus Überzeugung. Die Spanier dankten ihm, indem sie während Jahrzehnten über seine privaten Eskapaden hinwegsahen. (...) Heute lebt er in Abu Dhabi. In seinem Land ist er zur Persona non grata geworden, die Spanier haben mit ihm abgeschlossen. Mit Franco auch. Aber die faschistische Vergangenheit ist
bis heute nicht wirklich aufgearbeitet. Es gibt kein Museum, das den Franquismus behandelt. Und keine Gedenkstätte für die Opfer seines Regimes."
"Was für viele Opfer am schwersten wiegt, ist die
Straffreiheit der Täter",
schreibt Reiner Wandler in der
taz. "Sie wurden nie gerichtlich verfolgt, denn die Verbrechen fallen für die spanische Justiz unter die
Amnestie von 1977. Damals wurden diejenigen, die wegen antifranquistischer Aktivitäten eingesperrt waren oder verfolgt wurden, amnestiert, aber auch die Verantwortlichen für die knapp 40 Jahre dauernde Repression in Bürgerkrieg und Diktatur. Ein klarer
Verstoß gegen internationales Recht. Denn Verbrechen gegen die Menschlichkeit verjähren nicht und können auch nicht amnestiert werden. Spanien hält dennoch daran fest."
Trotz der fehlenden Aufarbeitung der Franco-Ära hat sich etwas verändert,
meint der Journalist
Emilio Silva, der die erste Ausgrabung eines
Massengrabes, in dem sein Großvater lag, veranlasst hatte, im Interview mit der
taz. "Heute gibt es eine
öffentliche Debatte über die Vergangenheit, die es so vor 25 Jahren nicht gab. Bis zum Jahr 2000 waren die Verschwundenen aus den Jahren des Bürgerkrieges und der Diktatur niemals Thema im Parlament. Gleichzeitig gab es Kommissionen, die sich mit den Diktaturen Lateinamerikas und den dort verschwundenen Spaniern beschäftigten. Das Land und seine Politiker schauten nach draußen. Unsere Ausgrabung und alle, die folgten, erreichten, dass Spanien
auch nach innen, auf sich selbst schaute." Aber es gibt nach wie vor starke Kräfte, die davon nichts wissen wollen, so Silva: "Wir alle in diesem Land sind soziologisch
ein wenig franquistisch. Sonst würden wir es nicht ertragen, mit Denkmälern wie jenem Triumphbogen zu leben, oder mit Tausenden von Straßen, die faschistische Namen tragen. Wir alle tragen den Schaden in uns, den 40 Jahre Diktatur hinterlassen haben."