Jens-Christian Rabe war für die
SZ bei der Konferenz "
Rise & Fall of the BRD" in Zürich, organisiert unter anderem vom Kunstwissenschaftler
Anselm Franke und Kunsthistoriker
Philip Ursprung. Hier traf sich die "progressive linke Intelligenz der Gegenwart", zum Beispiel die Schriftstellerin
Eva Menasse, Wirtschaftshistoriker
Adam Tooze oder auch der Genozid-Forscher
Dirk Moses. Es wurde wohl ziemlich geschlossen ein Abgesang auf Deutschland angestimmt. Einig waren sich außerdem alle in ihrer Haltung zu Israel: "Sie alle eint dreierlei: Sie sind scharfe und schärfste Kritiker der deutschen Staatsräson, also der weitgehend bedingungslosen Solidarität Deutschlands mit Israel im Gaza-Konflikt (...) Sie fühlen sich deshalb aber
aus dem deutschen Diskurs weitgehend ausgeschlossen; mehr als einmal wurde betont, dass man nach Zürich gekommen sei, weil man zu Hause nicht mehr offen sprechen könne, ohne des Antisemitismus verdächtigt zu werden." Obwohl Rabe einige Entwicklungen im deutschen Diskurs "bedenklich" findet (wie zum Beispiel die aufgeladene Debatte um Sophie von der Tann), fehlt ihm hier die Nuance: "Der Szenenapplaus bei besonders harter, pointierter Kritik wie dieser war immer wieder auffällig groß. Man meinte ein Aufatmen zu spüren, das allerdings öfter näher an
Stammtisch-Sentiment oder Gruppentherapie erschien, als man es sich bei Intellektuellen dieses Kalibers wünscht."
Mit Sorge wohnte auch Peter Neumann für
Zeit Online der Konferenz bei, die sich das Motto: "Ist das Erinnerung - oder
kann das weg?" auf die Fahnen geschrieben zu haben schien: "Und tatsächlich war genau das der Plot, den man sich in Zürich zurechtgelegt hatte: dass die deutsche Erinnerungskultur nicht zur 'Wiedergutwerdung der Deutschen' beigetragen, sondern diesen ein
gefährliches Werkzeug in die Hand gegeben habe, um nach Jahrzehnten der vermeintlichen Vergangenheitsbewältigung andere erneut auszugrenzen. Und zwar nicht nur im eigenen Land, sondern auch Schulter an Schulter mit Israel in Gaza. So wurde etwa Behzad Karim Khani (...) am Eröffnungsabend mit Szenenapplaus und lautem Gejohle gefeiert, als er in einer Art
politischer Büttenrede vom 'Staatsräson-Fanatismus' sprach."
Drei Professoren für Medizinethik, Jan Schildmann, Jakov Gather und Georg Marckmann fordern in der
FAZ, dass in Deutschland endlich auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur
Sterbehilfe reagiert wird - diese ist seit der Entscheidung des Gerichts und gegen den Widerstand der Kirchen nun erlaubt. Aber es gibt
keine klaren Regeln zum Prozedere. "Angesichts des Bedarfs an vielfältiger Expertise für einen verantwortbaren Umgang mit Anfragen nach Suizidassistenz geht der häufig formulierte Gegensatz von
Suizidprävention versus Suizidassistenz an der Realität vorbei. Personen, die den Wunsch nach einem assistierten Suizid äußern,
benötigen Anlaufstellen, die mit Experten aus Suizidprävention, Suizidassistenz, Palliativversorgung, Pflegediensten und anderen Bereichen kooperieren. Diese Akteure wiederum sollten im Rahmen regionaler Netzwerke zusammenarbeiten."
Mal wieder so ein typisch französischer "fait divers": Eine algerische Kinderfrau steht in Paris vor Gericht, weil sie versucht hat, die Familie, die sie angestellt hatte, zu vergiften -
Tatmotiv:
Antisemitismus. Jean-Michel Décugis berichtet in
Le Parisien: "Die seit Februar 2024 inhaftierte Angestellte wird beschuldigt,
giftige Haushaltsmittel in die Speisen und Getränke der Familie gemischt zu haben. Hintergrund sind die ewigen antisemitischen Vorurteile, die Juden mit Geld und Macht in Verbindung bringen. Die Tat ereignete sich im Januar 2024, zwei Monate nachdem sie von dem Paar als Kindermädchen eingestellt worden war. Um eingestellt zu werden, hatte die Frau eine Kopie eines belgischen Personalausweises vorgelegt. Ein gefälschtes Dokument, das ihr ebenfalls eine Strafverfolgung einbrachte."