9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.01.2026 - Ideen

In einem epischen Zeit-Interview über die Voraussetzungen für Kriege sagt der Politologe Herfried Münkler: "Als aufmerksamer Leser von Tolstois 'Krieg und Frieden' kennt man die Erzählung, dass während des Krieges eine hohe Friedenssehnsucht aufkommt. Aber im Frieden, in der Herbst- und Wintersaison, wenn in den größeren russischen Städten die Zeit der Bälle ist, beobachtet Tolstoi, wie bei den jungen Männern Enttäuschungen aufkommen. Sie fühlen sich nicht angekommen, nicht akzeptiert, und wünschen sich in den Krieg hinein. Der Krieg wird eine Flucht aus dem Frieden, wenn die Ergebnisse des Friedens frustrierend sind... Bestimmte Friedenszeiten führen dazu, dass der Krieg seinen Schrecken verliert und ein attraktiver Ort wird, dass eine Seite zu dem Ergebnis kommt: Wir sollten Krieg führen, denn das ist die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass wir der Dritte, Vierte oder Fünfte werden."

In einem Text, den die taz von Project Syndicate übernomment hat, plädiert die singapurische Politikwissenschaftlerin Yuen Yuen Ang dafür, den Zusammenbruch der bisherigen Ordnung als Chance zu begreifen: "Wir brauchen eine neue Denkweise, die ich AIM nenne: Adaptive, Inclusive and Moral Political Economy. Anpassungsfähig zu sein bedeutet, Gesellschaften nicht als grobe Maschinen zu regieren, sondern als lebendige Netzwerke, die lernen und sich weiterentwickeln. Integrativ zu sein, bedeutet zu erkennen, dass der Fortschritt davon abhängt, was man hat. Das bedeutet, lokale Kreativität zu mobilisieren, anstatt die Modelle der Reichen und Mächtigen zu kopieren. Und moralisch zu sein bedeutet, anzuerkennen, dass Ideen von Macht geprägt sind - und dieses Ungleichgewicht zu beseitigen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2026 - Ideen

Wir können in ganz normalen Alltagssituationen immer weniger handeln. Handeln wird stattdessen durch "automatisiertes Vollziehen ersetzt", bei dem wir nur noch vorgegebene Handlungsmöglichkeiten anklicken, warnt im Interview mit der Zeit der Soziologe Hartmut Rosa. Deshalb werden wir immer dümmer: "Meine Studierenden lassen künstliche Intelligenz nicht unbedingt den Essay schreiben, aber holen sich 'Anregungen von der KI'. Der Prozess, den ich Anverwandeln durch Handeln nenne, geht dabei flöten: Ob beim Essayschreiben, Geigespielen oder Autofahren, die bisherige Form des Lebens war eine wechselseitige Durchdringung von Welt und Subjekt. Die Geige wird ein Teil von mir. Ich versuche ein Essaythema zu durchdringen, aber ehrlich gesagt durchdringt es auch mich. Ich fange an zu denken und entwickle eine Position, aber wenn ich mir von ChatGPT die Argumente liefern lasse, kann ich sie bloß noch ein bisschen gewichten. Das hat mit mir und mit Anverwandlung nichts mehr zu tun."

Die politische Linke stilisiert Rosa Luxemburg als Ikone und Märtyrerin, begeht am 15. Januar, also auch heute, ihren Todestag, und oft wird ihr Satz "Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden" zitiert. Thomas Ribi sieht sie in der NZZ allerdings deutlich kritischer. Den Satz über die Freiheit habe sie tatsächlich geschrieben. "Aber eigentlich nur so nebenhin. Er steht als Randbemerkung im Manuskript eines unvollendeten Textes über die Russische Revolution, der erst nach ihrem Tod veröffentlicht wurde. Worauf er sich genau bezieht, wird nicht ganz klar. Und so viel steht fest: Luxemburg gestand die Freiheit, anders zu denken, ihren Gesinnungsgenossen zu. Aber nur so lange, wie sie den Gang der Revolution nicht hemmen. Und für 'Klassenfeind' galt sie ohnehin nicht. Ein Vorbild für Toleranz ist Rosa Luxemburg nicht."

Den Begriff des "Globalen Südens" findet Marko Martin in einer kleinen Kolumne für Dlf Kultur tendenziell kolonialisitisch: "Ein jeder im 'globalen Norden' - und kein Zufall, dass diese Benennung kaum populär geworden ist - würde sich gegen den arroganten Irrsinn wehren, mit Millionen anderer Menschen und diversen Regierungen in einen Topf geworfen zu werden. Zu recht wütend würde hier auf Individualität bestanden werden. Weshalb also verweigert man 'den' Menschen im sogenannten 'Globalen Süden' just dieses Menschenrecht der genauen Wahrnehmung?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.01.2026 - Ideen

Elon Musks KI Grok, die wegen ihrer sexualisierten Deepfakes in die Schlagzeilen geriet, trägt ein Lächeln auf dem Gesicht, aber dahinter steckt ein Shoggoth, eine biologische Maschine, die einst der amerikanische Dichter H.P. Lovecraft erfand. Das hat System, meint in der FAZ Kira Kramer: "Die Maske symbolisiert die Janusköpfigkeit heutiger Chatbots: Hinter dem harmlos-freundlich wirkenden Assistenten (dem aufgeklebten Smiley-Face) steckt ein form- und gesichtsloses Statistik-Monster, das wir nie direkt zu sehen bekommen (der Shoggoth). Nur die kleine Maske aus höflichen Floskeln und Sicherheitsfiltern hält uns davon ab, in das wahre Antlitz unserer technologischen Sklaven zu blicken. ... Beunruhigend ist weniger der Kontrollverlust, den Elon Musks KI uns gerade vorführt, als vielmehr unsere wachsende Gewöhnung an die Illusion, eine KI könnte unsere Werte teilen. Wir nehmen die Maske für ihr Gesicht. Weil die Maschine sonst sprachlich geschmeidig reagiert, halten wir sie für empathisch - und das Sprachgeflecht für Vernunft. So verschiebt sich Maßstab um Maßstab: Kohärenz ersetzt Wahrheit, Form ersetzt Urteil. Der Mythos kehrt damit nicht als Horror, sondern als Kulturtechnik zurück."

Der Austritt der USA aus der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen ist eine Zäsur, aber eine, die man nutzen kann, erklärt in der FAZ Alexandra Kemmerer. Sie prophezeit eine "Neuausrichtung der bestehenden Institutionen. China hat nach den vollmundigen Statements aus Washington postwendend seine Solidarität mit den Vereinten Nationen versichert. Nicht nur dort, sondern auch in Indien und anderen Ländern des Globalen Südens hat man seit etwa zwanzig Jahren bemerkenswerte völkerrechtliche Expertise aufgebaut. Dort wird die Entwicklung neuer Konzepte und Ideen vorangetrieben, im Zusammenspiel mit einer genauen Analyse der historischen Entwicklung des westlich geprägten Völkerrechts und seiner theoretischen Grundlagen (für deren Verständnis man nicht bei Carl Schmitt stehen bleiben sollte)." Kurz: "Wir stehen nicht vor einem Ende des Völkerrechts, sondern mitten in einem grundlegenden Strukturwandel, der nicht beklagt, sondern gestaltet werden muss." Dass ausgerechnet China und Modis Indien für eine neue Ordnung stehen sollen, lässt einen aber doch erst mal schlucken.
Stichwörter: Künstliche Intelligenz, Grok

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.01.2026 - Ideen

Beherrschen wir die Künstliche Intelligenz oder sind wir nur noch die Hausmeister unserer Schöpfung? Das fragte der schwedische Ideenhistoriker Johan Fredrikzon kürzlich in einem Vortrag an der Freien Universität Berlin, den Elke Schmitter für ihre Perlentaucher-Kolumne "ein wort gibt das andere" hörte: "Bei allem, was mit AI zu tun hat, kämpfe ich stets mit Resignation. Die Sache scheint einerseits zu groß, andererseits zu klein. Wie soll man mit etwas umgehen, das in detailliert ausgepinselten Szenarien uns alle, die Menschheit, vernichten könnte, das aber andererseits auf den Klick des kleinen Fingers folgt ... Es ist wohl Temperamentssache, ob man erregungsfroh den allgemeinen Untergang fantasiert oder sich an einen alten Aufsatztitel von Maurice Blanchot hält, der da lautet: 'Die Apokalypse enttäuscht'."

Der Philosoph Wilhelm Schmid plädiert in der SZ dafür, beim Konzept der "Nachhaltigkeit" auch die Sicherheit mitzudenken. Innere Sicherheit, Absicherung der Infrastruktur, digitale Sicherheit und auch Verteidigungsfähigkeit gelte es, zu stärken. Schmid nennt das "nachhaltige Sicherheit": "Zivilschutz, Rotes Kreuz, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Katastrophenhilfe erhalten nun wieder mehr Aufmerksamkeit. Die Höherbewertung von Fragen der Sicherheit führt auch deutlicher vor Augen, wie sehr die Säulen der Nachhaltigkeit miteinander verbunden sind. Wer könnte noch Diskussionen über Ökologie führen, wenn über den Köpfen feindliche Drohnen kreisen und auf den Straßen Panzer rollen? Was würde es der Ökologie nützen, wenn Autokraten das Ruder übernehmen, die sich für dieses Thema wenig interessieren?"

Vergleiche Donald Trumps mit Nero (wie Gustav Seibt in der SZ) oder Augustus (wie Mischa Meier in der FAZ) treffen nicht, findet Andreas Kilb heute in der FAZ. Denn mit der Antike habe das 21. Jahrhundert wenig zu tun. Sehr viel näher liegt für Kilb der Blick aus das vom Imperialismus geprägte 19. Jahrhundert: "Die Politik der Vereinigten Staaten unter Donald Trump ist eine Kopie derjenigen Großbritanniens vor 1914, sie folgt der berühmten Maxime Lord Palmerstons, des britischen Premiers zur Zeit des Krimkriegs und des amerikanischen Bürgerkriegs, nach der ein Land keine dauerhaften Freunde oder Feinde, sondern nur ewige Interessen hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.01.2026 - Ideen

In der taz zeichnet Klaus Hillenbrand die Geschichte des Zionismus nach, der Teilen der Linken heute als Inbegriff des Bösen gilt. Hillenbrand betont: "Die Vorstellung, der Zionismus sei eine 'rechte' Ideologie, ist falsch". "Dass der Zionismus es grundsätzlich darauf anlege, die arabische Bevölkerung zu unterdrücken, ist eine Interpretation, die an den Tatsachen vorbeigeht. Es genügt ein Blick in Herzls Zukunftsroman 'Altneuland' aus dem Jahr 1902, um deutlich werden zu lassen, dass der Vordenker der Bewegung partnerschaftliche Beziehungen zu den Arabern anstrebte." Die "Sichtweise auf den Zionismus als eine tendenziell rechtsradikale, prinzipiell gegen Palästinenser gerichtete Bewegung hält einer historischen Überprüfung nicht stand. Wer glaubt, Zionismus mit Unmenschlichkeit und Unterdrückung gleichsetzen zu können, befindet sich auf dem Holzweg. Vielmehr stellt sich die Frage, ob Teile der israelischen Regierung noch als zionistisch bezeichnet werden können, widersprechen ihre Handlungen doch zionistischen Grundvorstelllungen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.01.2026 - Ideen

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Trump hat sich mit seinem Venezuela-Coup wie ein klassischer amerikanischer Imperialist verhalten, allerdings ohne jede ideologische Bemäntelung, sagt der in China lehrende Politologe Daniel Marwecki, dessen Buch "Die Welt nach dem Westen" gerade erschienen ist, im Gespräch mit Oliver Weber von der FAZ. Allerdings sei Amerika ein absteigendes Imperium, so Marwecki, für den die Sonne in China aufgeht: "Allen voran China beherrscht inzwischen einen Großteil der weltweiten Industrieproduktion. Womöglich werden viele Deutsche bald Elektroautos von BYD statt von Volkswagen fahren. Militärisch kann China mit den USA noch lange nicht mithalten; aber die Größe des Landes, sein Bevölkerungsreichtum, vor allem aber seine Wirtschaftskraft haben die Vorstellung eines westlich dominierten Planeten anachronistisch gemacht. Und es ist längst nicht nur China, das sich westlicher Vorherrschaft verweigert."

Thomas Thiel resümiert ebenfalls in der FAZ einen Vortrag des Ökonomen Moritz Schularick, der auf Ähnliches hinausläuft: "Das amerikanische Venezuela-Abenteuer ist zugleich eine Warnung an China, sich aus der amerikanischen Einflusssphäre herauszuhalten, und eine Einladung sich Taiwan einzuverleiben, womit dann auch der Zugang zu Hochleistungschips in chinesischer Hand wäre. Europa, das den Anschluss an die neuen Technologien verloren hat, die in vielen industriellen Bereichen disruptive Fortschritte versprechen, träfe das besonders hart."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.01.2026 - Ideen

In der FAZ zeigt sich Simon Strauß ziemlich beeindruckt von einer Aussage der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Angesprochen auf Trumps Drohung, Grönland zu überfallen, also ein anderes Nato-Land, erklärte sie im dänischen Fernsehen: "Sollten sich die USA zu einer solchen Attacke entscheiden, dann sei 'alles vorbei'. Im dänischen Original lautet der Satz: 'Hvis USA vælger at angribe et andet NATO-land, så hører alting op.' Så hører alting op - wörtlich übersetzt: 'dann hört alles auf'. Es ist bemerkenswert, dass eine Politikerin hier die engen Bahnen der politischen Funktionsrhetorik verlässt und ins Ungefähre einer metaphysischen Redeweise eintritt. Einer Vorstellungswelt, die uns das Ende von allem - man will hinzufügen 'allem Gewohnten' - vor Augen führt und nicht versucht, das potentiell Umstürzende der Vorgänge psychologisch abzufedern." Für Strauß "klingen schon die Töne einer anderen Zeit herüber".

In der FAZ vergleicht der Historiker Mischa Meier Donald Trump mit einem römischen Kaiser - aber nicht mit Caligula oder Nero, wie kürzlich Gustav Seibt in der SZ (unser Resümee), sondern mit Augustus. Wie Tacitus bei Augustus erkennt Meier bei Trump die Markierungspunkte auf dem Weg zu einer monarchischen Ordnung: "fortschreitende autoritäre Umgestaltung der politischen Ordnung, Aufstellung des Militärs als Drohgebärde gegen die eigene Bevölkerung, ein nonchalant-aushöhlender Umgang mit den überkommenen Institutionen, die Durchsetzung eines ideologisch-moralischen Erneuerungsprogramms, Vorgehen gegen traditionelle Eliten, gegen politische Gegner und Andersdenkende, Erzeugung einer Kultur der Ehrerbietung und des Schmeichelns, Bruch mit den etablierten Maximen der Außenpolitik durch eine grundlegende, auf den Herrscher zentrierte Neuordnung der Welt und - zuletzt - die Selbststilisierung als Friedensbringer. Aus gegenwärtiger Perspektive beunruhigt an der Politik des Augustus vor allem eines: Sie war in jeder Hinsicht erfolgreich."

Mit seiner "Donroe-Doktrin" lehnt sich Donald Trump eher an seinen Amtsvorgänger Theodore Roosevelt an, der seiner Zeit mit einem "Roosevelt-Korollar" einen "internationalen Polizeidienst" forderte und beispielsweise in Kuba und Haiti einfiel, schreibt Marc Tribelhorn in der NZZ. Das findet sich auch bei Trump und seiner neuesten Sicherheitsstrategie wieder: "Eine zentrale Neuerung ist das sogenannte 'Trump-Korollar' zur Monroe-Doktrin. Gemäß dieser soll Konkurrenten - insbesondere China und Russland - verwehrt werden, strategisch bedeutsame Vermögenswerte in der westlichen Hemisphäre zu besitzen oder zu kontrollieren. Damit zeigt sich auch, dass sich Donald Trump mit seiner 'Donroe-Doktrin' mehr auf Theodore Roosevelts Kanonenbootpolitik beruft als auf die ursprüngliche Monroe-Doktrin", die eigentlich nur bedeutete, im Falle von fremden Invasionen die westliche Hemisphäre zu verteidigen.

Trump hat sicher alles getan, die Demokratie in Amerika zu untergraben, "gleichwohl", meint Claus Leggewie in der taz, "die amerikanische Demokratie, so unfertig sie immer blieb, hat die Könige davongejagt und frühere Kipppunkte überstanden, darunter die Reichen-Oligarchie am Ende des 19. Jahrhunderts und die erste Welle falscher America-first-Propheten, die sich in den 1930er Jahren am liebsten mit Adolf Hitler verbündet hätten. Vom Alter des Greises, der im Juni 80 wird, war noch gar nicht die Rede, der unüberwindbar wirkende Präsident verliert seine Aura. Dem kann im Jahr 2026 mit einer Machtentziehungskur nachgeholfen werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.01.2026 - Ideen

In der taz macht sich Georg Seeßlen schwere Sorgen um die Demokratie hierzulande: "Mit unserer Demokratie verhält es sich ein bisschen so wie mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland: Man würde sie sehr gern verteidigen. Aber was, wenn die Kräfte zu ihrer Zerstörung direkt aus ihrer Mitte kämen, was, wenn sich das, was man verteidigen will, hinterrücks selbst auflöste? Wenn man die Demokratie verteidigen möchte, dann geht es ja schließlich nicht nur um dieses zwar nie perfekte, aber doch menschlichste und modernste politische System, sondern auch um die Menschen, die es mit Leben erfüllen sollen: Regierungen, Parlamente und nicht zuletzt um die Leute, um das Volk, um uns - we, the people. Wollen wir, können wir überhaupt noch Demokratie? Gibt es überhaupt noch ein demokratisches, liberales und humanistisches 'Wir'?"

Im Interview mit der FAZ schwärmt Amit Jain, Mitbegründer und CEO der Firma Luma AI, von den segensreichen Wirkungen, die seine multimodale KI der Welt bringen wird: Es geht um eine KI, die Sprache, Video und Audio beherrscht und damit dem menschlichen Denken näher kommen soll, als die bisherigen Sprach-Modelle. Dafür haben sie 1,4 Milliarden Dollar Investitionskapital gesammelt. Als erstes will man sich die Filmbranche vornehmen: "Kleine Studios mit 30 bis 50 Leuten bekommen dann Budgets von 20 Millionen Dollar und können damit Filme machen, die früher 100 Millionen gekostet hätten. Das wäre ohne KI unmöglich." Kritik an seiner Zusammenarbeit mit der autoritären Regierung in Saudi-Arabien wischt er beiseite: "Die deutsche Geschichte beinhaltet den Nationalsozialismus. Khashoggi ist Teil der Geschichte. Saudi-Arabien verändert sich rapide. Viele Vorurteile stammen aus alten Erzählungen. Die junge Generation ist gut ausgebildet, offen, technologisch versiert. Alle Länder haben dunkle Kapitel in ihrer Geschichte. Entscheidend ist, ob sie sich verändern - und das geschieht dort gerade sehr schnell."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.01.2026 - Ideen

Sebastian Moll erzählt in der taz die Geschichte der Idee des Sozialismus in Amerika nach, die sich erheblich von der europäischen unterscheidet, und kommt zu einem hoffnungsvollen Schluss: "Sozialismus in Amerika steht nicht für Bolschewismus und Repression, wie die Rechte das gerne zeichnen möchte, sondern für Pluralismus und soziale Gerechtigkeit. Und die weitestgehend jungen Anhänger von Mamdani und Co haben das längst begriffen. Spätestens seit dem Erfolg von Bernie Sanders im Jahr 2016 lassen sie sich nicht mehr von der Sozialismus-Karikatur, die seit Jahrzehnten von der Rechten propagiert wird, beeindrucken."
Stichwörter: Sozialismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.01.2026 - Ideen

Ob Zohran Mamdani seinen Amtseid auf die Bibel oder den Koran ablegt, ist eigentlich egal, findet Ruben Gerczikow in der FAZ. Denn eigentlich "sollte weder auf Bibel, Tora noch Koran geschworen werden. Nicht, weil Religion aus dem öffentlichen Raum verbannt gehört, sondern weil der Staat - und damit seine Vertreter - selbst kein religiöses Bekenntnis annehmen... Der Staat schafft die Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Religionsfreiheit, um (theoretisch) allen Bevölkerungsgruppen individuelle Freiheiten zu ermöglichen. Genauso setzt er aber auch Grenzen: etwa beim Kindeswohl (Schulpflicht) und der Freiheit, ohne Religion leben zu können."