Andreas Tobler resümiert für die
SZ eine wissenschaftliche Konferenz unter dem Titel "Gegenmoderne" in Basel, auf der prominente Theoretiker wie
Oliver Nachtwey (
mehr) und
Carolin Amlinger (
mehr) über Rechtspopulismus und die Situation in den USA disktuierten. "Steile Thesen" gab es einige, so Tobler, woran es mangelte waren dann eher die Lösungen: "Eine Diskussionsteilnehmerin brachte das
Dilemma der Kritischen Theorie in diesem Zusammenhang sehr gut auf den Punkt: Während die Rechte große Versprechen auf eine bessere Zukunft mache - erwähnt wurde die von Elon Musk verheißene Umsiedlung auf den Mars angesichts des drohenden Klimakollapses -, würden die verfeinerten Theorien, über die auf der Konferenz nachgedacht wurde, allenfalls in
kleinen linken ökologischen Nischen funktionieren, in der alte Radios repariert statt weggeworfen würden. Nach diesem Votum kam es im Hörsaal zu einer kurzen, aber ziemlich emotionalen Diskussion. Wie könnte einer Strömung begegnet werden, die laut Nachtwey und Amlinger von 'Zerstörungslust' angetrieben wird? Müsste das linke Angebot genauso lustvoll, ja
lustmaximierend sein, wenn auch im positiven Sinne?"
Die
Schriftstellerin Nino Haratischwili hat am 9. Oktober beim Leipziger Gedenktag an die friedliche Revolution die "Rede zur Demokratie 2025" gehalten (mehr
hier). Die Rede ist jetzt bei
leipzig.de als pdf-
Dokument zu lesen. Darin nimmt die georgisch-deutsche Autorin eine für Westler ungewohnte "
postkoloniale"
Perspektive ein, indem sie die kulturellen Begriffe des "
Westens" und des "
Ostens" gegenüberstellt: "Aristoteles ist nicht nur Grieche, Caravaggio ist nicht nur Italiener, Bach nicht nur Deutscher, Van Gogh nicht nur Niederländer, Cervantes nicht nur Spanier, Shakespeare nicht nur Brite, Freud nicht nur Österreicher, etc. Sie sind alle
in erster Linie Europäer, sie sind ein fester Teil der sogenannten 'abendländischen Kultur'. Will man das auf
Osteuropa übertragen, stößt man sehr schnell an seine Grenzen. Um dies zu gewährleisten, müssten wir genügend lettische, rumänische, moldawische, slowakische Autoren kennen, georgische und estnische Maler, armenische und ukrainische Musiker. Aber das tun wir nicht. Ein Land, dessen Kultur wir alle kennen und das die unsere gut kennt, ist
Russland. Russland ist quasi die '
fatale Verbindung'
zwischen uns allen. Alles, was wir über einander wissen, wissen wir hauptsächlich aus siebzigjähriger Kolonialperspektive."