Viele Menschen erklären zur Zeit, dass sie
Twitter verlassen, weil Elon Musk nun dort regiert. Aber eigentlich war es schon vor Musk ein Fehler,
Twitter allzu ernst zu nehmen,
meint Jonathan Kay bei
Quillette: "Am freudlosesten und wütendsten wirken immer die Hohepriester, die sich auf Twitter als
Hüter heiliger Wahrheiten präsentieren und von ihren Anhängern erwarten, dass sie die Rolle gehorsamer Gemeindemitglieder übernehmen. Da auf Twitter nichts heilig ist, ziehen ihre Predigten vorhersehbar
Spott und Kritik auf sich. Dieser Spott und diese Kritik werden wiederum zum
Hauptthema des Priesters und setzen damit weitere Zyklen der Lobhudelei, des Spottes und des Selbstmitleids in Gang. Kein Wunder, dass sie
immer so '
erschöpft' sind."
In
Atlantic erklärt David Frum, dass er Twitter verlässt. Sein Anlass war, dass Musk einen
verschwörungstheoretischen Tweet über den Hammeranschalg auf Paul Pelosi retweetet hatte. Und doch liest sich Frums Artikel auch als
Hommage auf Twitter: "Twitter bietet eine
Fülle von Informationen, aber auch Schnelligkeit. Auf diese Weise erhalte ich Zugang zu allem, von technischen Diskussionen über Inflation bis hin zu Streitigkeiten darüber, wie Geschichte geschrieben werden sollte. Und hier
finde ich Experten und erfahre, wer sich mit wem über was streitet. Ich habe Twitter auch als
eine Art Notizbuch benutzt: ein Ort, an dem ich Ideen ausprobiere oder manchmal Witze erzähle. Die erzwungene Kürze von Twitter kann eine gute Disziplin für einen Schriftsteller sein. Und, als eine der zweideutigeren Gaben, bietet Twitter eine virtuelle Gemeinschaft: oft boshaft, aber auch
überraschend offen und egalitär. Ich habe an einem einzigen Tag auf Twitter
mehr originelle Ideen von Leuten gehört, die ich vorher nicht kannte, als in manchem Monat auf Washingtoner Konferenzen."