9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.05.2016 - Internet

Mit Patrick Beuth wendet sich in Zeit online ein Veteran an die neue Generation der Internetnutzer: "Liebe Snapchat-Nutzer, Ich weiß, wir haben unsere Differenzen. Euer Internet besteht aus Fotos und Videos, meines aus Buchstaben. Ihr findet, Regenbogenkotze sagt mehr als 1.000 Worte, ich mag Nebensätze. Ihr lest das hier vermutlich nicht einmal. Trotzdem möchte ich euch warnen: Sie sind hinter euch her! Sie kommen, um euch zu holen! Mit 'sie' meine ich alle, die Snapchat beruflich nutzen, und nicht, weil sie es wollen. Die Spaßbremsen. Die Uncoolen. Die euch schon Facebook versaut haben, zusammen mit euren Eltern."

Facebook möchte mit "Facebook Instant Articles" zu Nachrichtenseite Nummer 1 im Netz werden und hat zu diesem Zweck sogar Journalisten als "News Curators" angestellt. Michael Nunez von Gizmodo hat mit einigen von ihnen gesprochen: "In den Interviews haben diese ehemaligen Redakteure von grauenhaften Arbeitsbedingungen und einer Kultur der Geheimniskrämerei gesprochen, in der sie als verzichtbare Außenseiter behandelt werden. Nach einer Tour durch Facebook sagen fast alle, dass sie glauben, nicht angeheuert worden zu seien, um dort wirklich zu arbeiten - sie vermuten, dass sie als Trainingsmodule für Algorithmen dienten."

Nett ist es auf der diesjährigen re:publica, um nicht zu sagen "muckelig", notiert ein milde enttäuschter Johannes Boie in der SZ. "Die Radikalität, mit der etwa der 'Chaos Computer Club' einmal jährlich auf seiner ebenfalls erfolgreichen Konferenz die Entwicklungen des Netzes auseinandernimmt, kritisiert, forciert, beschwört oder ablehnt, die fehlt auf der re:publica. Dafür gibt es sehr leckeres Kimchi und Currywürste, und nach dem Tagesprogramm lädt Facebook zum Schnitzelessen oder Werbeleute zum Fußballgucken auf das Dach seiner Agentur."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.05.2016 - Internet

Aha, der Erfinder des Bitcoin scheint nun endgültig geoutet, schreibt (unter anderem) Eike Kühl bei Zeit online: "Der 45-jährige australische Unternehmer Craig Wright sagte der BBC, GQ und dem Economist, dass er der Erfinder von Bitcoin sei. Hinweise darauf gab es bereits im Dezember, als Journalisten von Wired und Gizmodo unabhängig voneinander Recherchen veröffentlichten, die auf Craig Wright hindeuteten."
Stichwörter: Bitcoin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2016 - Internet

Zehn Jahre re:publica, die heute wieder startet. Sascha Lobo erinnert sich in einem Artikel Meike Laaffs für die taz: "Damals war ein Konto bei Twitter noch ein Distinktionsmerkmal. Ende der nuller Jahre lud Lobo seine Follower an einem der re:publica-Abende zur Party in seine Wohnung ein. Lobo, das war damals einer der Größten im kleinen deutschen Twitter-Universum. Heute alles relativ. 'Ich habe schmale 360.000 Follower - YouTuberinnen, die über Mode berichten, die außerhalb ihrer Szene niemand kennt, haben das Dreifache von mir.' Instrumente, die die Szene anfangs quasi für sich hatte, seien jetzt in die Gesellschaft eingesickert."

Außerdem: In der SZ warnt Evgeny Morozov vor Google und Facebook.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.04.2016 - Internet

Googles beste Waffe gegen europäische Kartellklagen und Verfahren ist Zeit, schreibt Nicholas Hirst in politico.eu. Schon jetzt hat sich die Situation für die ursprünglich Klagenden radikal verändert: "Die Kläger sind immer irrelevanter geworden. Die Preisvergleichsseiten Ciao und Kelkoo mussten zusehen, wie ihr Traffic zwischen 2007 und 14 nach Comscore-Zahlen um über 65 Prozent verfiel. Microsoft und Yahoo haben die Seiten verkauft. Die beiden Kläger Streetmap und Hot-Maps haben ihre Kartendienste eingemottet. Selbst Microsoft, lange Zeit ein Rivale, zog seine Klagen am Freitag zurück."

Nach Durchsicht einiger Tweets von Sigmar Gabriel versteht Sascha Lobo in seiner Spiegel-Online-Kolumne, warum es mit den Volksparteien abwärts geht. Diese Tweets haben den "Charme einer Umlaufmappe". Die Politiker hätten inzwischen zwar wahrgenommen, dass es ein Netz gibt, aber "zu oft nicht verstanden, dass die Existenz eines Rückkanals einen Dialog ermöglicht. Das Gegenteil von Beschallung mit drögen Hülsen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.04.2016 - Internet

Ganz schlimm steht es laut tazler Fabian Kretschmer, der sich auf koreanische Studien bezieht, um die Wikipedia. In der freiwilligen Mitarbeiterschaft gebe es einen "drastischen Gender Gap". Und "weit über 80 Prozent aller Kontributoren sind männlich, haben vorwiegend einen naturwissenschaftlichen Hintergrund und stammen aus den führenden OECD-Staaten".
Stichwörter: Gender, Wikipedia

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2016 - Internet

Das Internet der Dinge verändert unseren Realitätsbegriff, lernt Thomas Ribi in der NZZ von dem Oxforder Informationsphilosoph Luciano Floridi. So wie für den Mönch im Mittelalter ein Fresko des Jüngsten Gerichts Teil seiner Welt war, so wird die virtuelle Welt Teil der unseren: "Wir müssten uns als Teil eines Lebenszusammenhangs verstehen, der aus Lebewesen, realen Dingen, virtuellen Objekten und Prozessen bestehe. Real ist etwas, wenn ich damit interagieren kann - sei das die Katze auf dem Sofa oder ein Symbol auf einem Bildschirm, das reagiert, wenn ich es mit dem Finger berühre."

Der Berliner Theaterregisseur Moritz Riesewieck hat in den Philippinen bei Firmen recherchiert, die für uns "das Internet sauberhalten" - etwa von Köpfungsvideos, Kinderpornos oder Material, das Facebook oder Google aus irgendwelchen Gründen nicht gefällt. Im Gespräch mit Martin Kaul von der taz sagt er: "Sie sitzen den ganzen Tag vor dem Computer und sortieren aus den schlimmsten Bildern des Internets die allerschlimmsten heraus. Sie verdienen dafür in der Regel zwischen zwei und sechs Dollar die Stunde." Dies sei zwar kein schlechter Lohn, aber "klar ist auch: Hier werden gerade in großem Stil ganze Teile einer Gesellschaft traumatisiert, Tausende von Menschen, deren Tagesaufgabe darin besteht, im Sekundenrhythmus Schockbilder anzuschauen und durchzuklicken, von denen viele auf der anderen Seite der Welt produziert werden. Sie werden damit einfach alleingelassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2016 - Internet



In einer großen interaktiven Grafik (siehe Screenshot) stellt David Dayen von The Intercept die großartigen Beziehungen zwischen Google und Barack Obama dar - die Grafik zeigt die Hunderte von Treffen zwischen Repräsentanten des Weißen Hauses und Google. Für Google, das jetzt auch ins Kabel-Business gehen darf, lohnt es sich: "Wie groß der Einfluss von Google ist, den es sich so erkauft, ist nicht immer klar. Aber man muss bedenken, dass Google in der Europäischen Union wegen seine mobilen und Such-Übermacht zwei große Antitrust-Verfahren überstehen muss. Im Gegensatz dazu ist die Idee von Sanktionen gegen Google vom Weißen Haus abgeschmettert worden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.04.2016 - Internet

Patrick Bahners kommentiert in der FAZ die Entscheidung für Google Books (unser Resümee gestern) recht positiv. Sollte der folgende Satz auf häufige FAZ-Autoren wie Roland Reuß anspielen? "Die in der deutschen Diskussion um Open Access dominierende Figur des romantischen Diskursverweigerers, der im Namen seiner unaussprechlichen Persönlichkeit auf ein Recht auf Nichtverbreitung seiner Ideen pocht, hat vor dem aufgeklärten Horizont des amerikanischen Urheberrechts keinen Ort."

Inwieweit Europa davon profitieren kann, ist offen, erläutert Johannes Boie in der SZ: "In Europa ist die Rechtslage eine ganz andere. Hier digitalisiert Google zwar ebenfalls Bücher - und wie in den USA geschieht dies in Kooperation mit Bibliotheken. Doch bleiben die Bestände, die zur Digitalisierung freigegeben sind, auf jene Werke beschränkt, deren urheberrechtlicher Schutz erloschen ist. Das ist, von Sonderregelungen für anonym verfasste Werke abgesehen, dann der Fall, wenn ein Autor seit mehr als 70 Jahren tot ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.04.2016 - Internet

Was hat es vor Jahren für Debatten um Google Books gegeben! Nun scheint eine endgültige Entscheidung gefallen zu sein: Google und andere Anbieter dürfen Bücher einscannen, ohne die Rechteinhaber zu fragen, sofern ein öffentliches Interesse vorliegt und der normalen Verwertung der Bücher nichts im Wege steht, berichtet Johannes Kuhn bei sueddeutsche.de - der Supreme Court hat entschieden, keine weiteren Prüfungen bestehender gerichtlicher Entscheidungen mehr zuzulassen: "Die Entscheidung stärkt in den USA das Prinzip des 'Fair Use', das die Nutzung von Werken Dritter auch ohne deren Zustimmung erlaubt. Voraussetzung ist, dass die herkömmliche Verwertung eines Werkes nicht bedroht wird, die Nutzung einem öffentlichen Interesse dient und aus dem 'Zitat' ein neues Werk entsteht ('Transformation')." Nun ist die Frage, ob Google an der Sache überhaupt noch interessiert ist.

Corynne McSherry kommentiert bei der Electronic Frontier Foundation: "Der Google Books-Prozess ist nach einem Jahrzehnt des Streits entschieden - mit neuen Leitlinien für den Gebrauch des 'Fair Use' und - keine Nebensache - mit Schutz für eine ungeheure öffentliche Quelle, um Bücher und Informationen zu finden." Mehr bei der New York Times.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2016 - Internet

Im Freitag findet Ulrike Baureithel Facebook nicht besonders erfolgreich in seinem Kampf gegen Hasskommentaren: "So richtig funktioniert die freiwillige Selbstkontrolle nicht. Auf eine gelöschte Hate-Speech wachsen drei neue nach, auch weil die Löschung allein keine abschreckende Wirkung hat."