Wir haben gestern auf einige Artikel über den immer größeren Einfluss
Facebooks und über Vorwürfe der Manipulation von "Trending Topics"
verwiesen. Facebook hat zwar nicht dementiert, aber sich distanziert,
berichtet jetzt Eike Kühl in
Zeit online und kommentiert: "Abgesehen von möglichen Einflüssen auf die Nutzer geht es in der aktuellen Debatte darum, dass
tatsächlich Menschen die Auswahl der Trending Topics treffen. Das ist verständlich: Vor den
Gizmodo-Berichten gab es kaum Einblicke in das System und Facebook hält sich traditionell zurück. Das Unternehmen beruft sich stattdessen gerne auf seine
automatisierten Analysen. Und genau dort liegt das Problem."
Ben Thompson von
stratechery.com sieht die "
tiefe Ironie" der Geschichte woanders: "Facebook wird massiv dafür kritisiert, dass es den News mit dem Algorithmus durch den Einsatz
menschlicher Kuratoren eine Tendenz gibt, die man früher dem Algorithmus zuschrieb. Und doch ist es
der Algorithmus, der den News-Feed steuert, um Klicks zu erzielen, der entschieden mehr Schaden an unserer Politik anrichtet, als es jeder menschliche Kurator könnte."
In der
FAZ meint Ursula Scheer: "Alle Medien wählen aus und gewichten, 'neutral' kann das nie sein. Richtig. Und das ist auch okay,
solange klar ist: Hier wird
ausgewählt, hier wird ein Angebot gemacht, das nicht so tut, als wäre es das Resultat einer interesselosen maschinellen Kalkulation."
Doch genau in dieser Klarheit liegt die Gefahr: Sie würde Facebook und Co. als Medien ausweisen. Und das wollen die Internet-Konzerne auf keinen Fall,
erklärt Christian Meier in der
Welt: "Als Medienunternehmen unterlägen sie einer
völlig neuen Bewertung nach Kriterien wie beispielsweise journalistische Verantwortung, die sie sich lieber erst gar nicht zu eigen machen wollen."
Der Schaden liegt jedenfalls nicht darin, dass Facebook angeblich
konservative Quellen benachteiligte,
meint Nilay Patel bei
The Verge: "Facebook unterstützt den Parteitag der Republikaner, und
Peter Thiel, Board member von Facebook, ist ein Trump-Delegierter, auch wenn Mark Zuckerberg bei einer Entwicklerkonferenz kritische Anmerkungen über Trump machte. All diese Dinge geben
mehr Auskunft über das Verhältnis zwischen Facebook und konservativen Medien als die 'Trending News Box', die ohnehin ein wenig beachteter Müll ist."
Und doch ist die Sache
peinlich für Mark Zuckerberg. Das US Senate Commerce Committee, das in Medien- und Verbraucherfragen zu ständig ist, hat jetzt einen Brief mit Fragen an Zuckerberg gesandt,
berichtet Michael Nunez, dessen Techblog
Gizmodo das Thema
aufgebracht hatte.