9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2020 - Medien

Die Rundfunkräte der öffentlich-rechtlichen Sender sollten um einiges transparenter werden, meint der Medienwissenschaftler Leonhard Dobusch, der selbst im Fernsehrat des ZDF sitzt und schließt sich in Netzpolitik einem Papier des DGB (hier als PDF-Dokument) zum Thema an. Das trifft besonders auch den Bereich der Beteiligungen von Sendern an privatwirtschaftlichen Betrieben: "Obwohl Unternehmen wie ZDF Enterprises oder ZDF Digital zunehmend wichtiger für die Angebote öffentlich-rechtlicher Anstalten werden, spielen sie im Alltag der Rundfunkaufsicht kaum eine Rolle. Damit zusammen hängt auch mangelnde Transparenz bei Tarifstrukturen, die nicht alle Beteiligungen in gleicher Weise erfasst."

Auch in amerikanischen Medien wird die Corona-Krise spürbar - erste Journalisten werden entlassen, Free Lancer stehen ohne Krankenversicherung da, berichtet Kerry Flynn in CNN Business.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2020 - Medien

Die deutschen Zeitungen freuen sich derweil über den sprunghaften Anstieg ihrer digitalen Ausgaben, meldet Markus Ehrenberg im Tagesspiegel: "In der Krise suchen Menschen nach Orientierung und verlässlichen Informationen. Vertrauenswürdige Nachrichtenmedien wie die Zeitungen sind in der aktuellen Corona-Krisensituation daher wichtiger denn je - und ihre digitalen Inhalte werden stärker nachgefragt denn je. Das zeigen die aktuellen Nutzungszahlen, die der BDZV (Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger) am Dienstag vorlegte. Demnach sind die digitalen Reichweiten der Zeitungen sprunghaft um bis zu 65 Prozent angestiegen, seit das Coronavirus das Leben und die Nachrichtenlage beherrscht."

Die Freude könnte allerdings nicht von Dauer sein, fürchtet Christian Meier in der Welt. Denn Werbung werde zugleich immer weniger: "Schließlich werden Konsumentscheidungen in Krisenzeiten von den Verbrauchern verschoben - und dann braucht es auch letztlich keine oder zumindest weniger Werbung. Die Unternehmen selbst reduzieren gleichzeitig ihre Ausgaben und streichen dann häufig zuerst Marketingkosten."

(Via Meedia) Für amerikanische Medien ist das Coronavirus schon jetzt eine tödliche Bedrohung, schreibt Craig Silverman bei buzzfeednews.com: "Eine grausame Ironie der Pandemie... besteht darin, dass Journalisten zwar eine wesentliche Arbeit machen, das Geschäft des Journalismus aber zugleich vom Aussterben bedroht ist. 'Praktisch alle Werbung für Unterhaltungsangebote ist verschwunden, Restaurants sind verschwunden. Auch bei der Automobilwerbung zeigen sich Anzeichen', sagte Alan Fisco, der Geschäftsführerder Zeitung, gegenüber BuzzFeed News."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2020 - Medien

Jan Feddersen gratuliert in der taz dem "wichtigsten 'Kulturmagazin' im Online-Bereich" zum 20. Geburtstag, dem Perlentaucher - "aber was heißt hier 'das wichtigste': Es gibt ja kein anderes." (Wir erröten sanft über die schmeichelhafte Übertreibung!)
Stichwörter: Perlentaucher

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2020 - Medien

Andreas Schürer, stellvertretender Chefredakteur der NZZ, erteilt Forderungen, die Bezahlschranken abzuschaffen, eine klare Absage, selbst wenn sie so gewitzt daher kommen wie Jan Böhmermanns "Tear down the fucking paywalls now!": "Da muss die Branche, da müssen vor allem unabhängige Qualitätstitel dagegenhalten, entschieden und selbstbewusst. Sie sind nämlich auf gutem Weg, im digitalen Transformationsprozess einen entscheidenden Schritt vorwärtszukommen: Tausende Nutzerinnen und Nutzer zeigen Kaufbereitschaft, zahlen für unabhängigen Qualitätsjournalismus. Das war schon vor der Corona-Krise so, aber es verstärkt sich nun merklich. Es wäre ein fataler Fehler, Inhalte jetzt wieder gratis abzugeben, auch nur punktuell. Stattdessen sollte das Motto lauten: Jetzt ziehen wir das durch, zum Wohle aller."

Willi Winkler beerdigt in der SZ den Playboy, der in der Corona-Krise vollends obsolet geworden ist und in den USA seine gedruckte Ausgabe einstellt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.03.2020 - Medien

In Zeiten der Krise werden die Medien nicht müde zu betonen, wie toll es ist, dass man sich bei ihnen seriös informieren kann. Aber Georg Diez ist in dem Blog Ping eher skeptisch - etwa mit Blick auf die Kommunikation des Virologen Christian Drosten: "Auch Drosten kommuniziert sehr viel und sehr effektiv über Twitter, die Zahl seiner Follower ist explodiert, und für alle, die sich über den aktuellen Stand der Corona-Situation in Deutschland informieren wollen, macht es absolut keinen Sinn, darauf zu warten, was Journalist*innen vermelden, wenn sie sich direkt und dauernd bei Drosten den neusten Nachrichtenstand holen können. Bei ihm ist eine Verlässlichkeit und ein Vertrauen gegeben, das den traditionellen Medien, manchmal aus gutem Grund, inzwischen abgeht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.03.2020 - Medien

China weist die Journalisten der New York Times, der Washington Post und des Wall Street Journal aus, meldet unter anderem Meedia in einem dpa-Ticker. Die Journalisten sollen ihre Pressekarten binnen zehn Tagen abgeben. Das amerikanische Außenministerium und die Zeitungen protestieren scharf: "Das Wall Street Journal sprach von einem 'Angriff auf die Pressefreiheit', der zur Zeit einer globalen Krise passiere. Chefredakteur Matt Murray erklärte: 'Vertrauenswürdige Nachrichten aus und über China waren nie wichtiger.' Auch der Chef der Washington Post, Marty Barron, erklärte, Chinas Vorgehen im gegenwärtigen Kontext werde 'die Lage nur verschlimmern'."

China reagiert mit der Maßnahme auf eine Begrenzung der Zahl der Mitarbeiter von chinesischen Staatsmedien in den USA durch die Trump-Regierung, erläutert die New York Times in einem Editoral. Aber die Redaktion der Times stimmt in diesem Fall Außenminister Mike Pompeo zu, der sagte, man könne nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: "Auch wenn westliche Medien aufgrund gegenseitiger Abkommen in einem autoritär regierten Land arbeiten, kann man diese Medien nicht mit Organisationen der kommunistischen Regimes vergleichen, weder in der alten Sowjetunion noch im heutigen China."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2020 - Medien

Gergely Márton hat für die taz mit Redakteuren der gleichgeschalteten öffentlich-rechtlichen Sender in Ungarn gesprochen, die erzählen, dass sie nach strikten Vorgaben der Regierung berichten müssen: "Die Regeln widersprechen oft auch dem normalen Medienbetrieb. Sagt zum Beispiel ein deutscher Minister etwas Kritisches über Ungarn, wird darüber so lange nicht berichtet, bis ein Regierungsvertreter in Budapest alles zurückgewiesen hat. Und wenn endlich die Replik aufgenommen ist, dann wird der Beitrag in umgekehrter Reihenfolge geschnitten: Erst kommt die ungarische Richtigstellung, dann die deutsche Kritik."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.03.2020 - Medien

Irgendwie auch wichtig: Marc Reichwein und Andreas Rosenfelder interviewen die Perlentaucher Anja Seeliger und Thierry Chervel zum 20. Geburtstag des Perlentauchers (der ist morgen!) Und sie betonen nebenbei, warum das hier immer noch im wesentlichen eine Feuilletondrundschau ist - die deutschen Feuilletons sind etwas Besonderes, sagt Seeliger: "Gerade, was Kritik angeht. Ich lese für unsere Magazinrundschau ja viel Internationales, schätze zum Beispiel den Guardian wirklich sehr. Aber der Kulturteil angloamerikanischer Medien ist teilweise sehr provinziell. Anders sieht es bei den Reportagen aus, wobei The Atlantic und der New Yorker auch da nachgelassen haben." Hier der Link zu unserer allerersten Bücherschau vom 15. März 2000.

Unsere für 26. März geplante Geburtstagsveranstaltung mit einem Podium zum Thema "Das Neue erzählen" müssen wir wegen der Corona-Krise leider nun auch absagen. Wir holen die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt nach.
Stichwörter: Perlentaucher, Corona, Coronakrise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.03.2020 - Medien

Der Vorstand des Rundfunkrates des Bayerischen Rundfunks ist nicht nur zu hundert Prozent christlich, sondern außerdem mit höchsten Kichenfunktionären besetzt, hat Dietmar Freitsmiedl vom "Bund für Geistesfreiheit" bei hpd.de herausgefunden. Und der gesamte übrige Rundfunkrat ist ebenfalls zu hundert Prozent christlich: "Kirchenrat Dieter Breit, entsandt von der evangelischen Kirche, ist stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Grundsatzfragen und Medienpolitik. Zudem ist er der Politikbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und damit zuständig für die Beziehungen der Kirchenleitung zum Bayerischen Landtag - wie Dr. Lorenz Wolf, sein katholisches Pendant, ein Lobbyist in Sachen kirchlicher Belange. Vorsitzender des Programmausschusses ist Matthias Fack, entsandt vom Bayerischen Jugendring, dessen Präsident er seit 2011 ist. Davor war er Landesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend und geschäftsführender Leiter der Landesstelle für Katholische Jugendarbeit in Bayern. Stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen ist der Gewerkschafter Matthias Jena. Zugleich ist er Mitglied der Synode..." Und so weiter!

Von Igor Levit über die Staatsoper "Unter den Linden" und die Leipziger Buchmesse bis zum Papst - alle streamen ihre Veranstaltungen zum Schutz vor der Corona-Pandemie, meldet Bernd Graff in der SZ und hat eine Empfehlung für die öffentlich-rechtlichen Sender: "Sie können ihrem Informationsauftrag gerade jetzt mit Streams von Kulturveranstaltungen gerecht werden, die sonst ausfallen würden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.03.2020 - Medien

Journalisten werden in Deutschland vor allem von Rechtsextremisten angegriffen, wesentlich weniger von Linksextremisten, schreibt Volkan Ağar in der taz unter Bezug auf eine Studie des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit aus Leipzig. "Die dokumentierten Angriffe aus linken und rechten Spektren hätten zudem unterschiedliche Motive: Während im rechten Spektrum eine ideologisch verankerte Medienfeindschaft verbreitet sei, die in der 'Lügenpresse'-Erzählung von Journalisten gründet, die im Sinne von Eliten gegen das 'Volk' schreiben würden, gebe es ein ähnliches Muster links nicht." Rechts gibt es also etwas und links nicht. Damit ist die Hufeistentheorie widerlegt!

Harry Nutt schickt dem Perlentaucher einen schönen Geburtstagsgruß aus der Berliner Zeitung, und das obwohl wir vielen Kollegen immer auch mal wieder - und bestimmt ungerechter Weise - wehgetan haben: "Nicht wenige fühlten sich vom Perlentaucher schlecht behandelt oder falsch verstanden. Das ergab sich schon aus der Unabhängigkeit der Redaktion und deren Lust, sich gegen Meinungsgleichklang zu positionieren." Und noch ein Geburtstagsgruß von Michael Angele im Freitag (unter einer witzigen Illustration): "Wichtiger noch als die Zeitungen sind die Bücher. Ohne Bücher kann man sich den Perlentaucher nicht vorstellen."

Der Rundfunkbeitrag ist nicht mehr zeitgemäß, meint im Welt-Gespräch mit Christian Meier der Staatsrechtler Christian Degenhart, der auch den Autovermieter Sixt bei dessen Klage gegen die Erhebung des Rundfunkbeitrags für betrieblich genutzte Fahrzeuge vertrat. Man könnte darüber nachdenken, nur den Auftrag und nicht die Anstalten zu finanzieren. Zur Zeit allerdings gehe ein "erheblicher Teil des Budgets ...  für Altersrückstellungen drauf - bei Altverträgen liegen die Bezüge deutlich über den Bezügen, auch im öffentlichen Dienst. Was nur beweist, dass die Anstalten vor allem früher das Geld mit vollen Händen ausgegeben haben. Bis 1984 gab es ja auch nur den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und der konnte im Grunde machen, was er wollte, seine Intendanten haben sich oft geriert wie Barockfürsten."