9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.04.2020 - Medien

Viel retweetet wird ein Artikel von FAZ-Herausgeber Werner D'Inka, der sich gegen Kritik an der Corona-Berichterstattung der Zeitungen durch Medienwissenschaftler wendet: "Geradezu grotesk ist die Rüge, 'die' Medien nähmen die Einschränkungen von Grundrechten hin wie Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden. Nirgends wird die abwägende Debatte darüber, was gerade noch hinzunehmen sei, und auch das nicht auf Dauer, seriöser geführt als in 'den' Medien, und beileibe nicht nur von Gastautoren. Lesen und sehen die Medienkritiker das nicht?"

Außerdem: In der taz kritisiert Anne Fromm Verleger, die - wie in der SZ oder der Zeit - wegen der Anzeigenkrise Kurzarbeit einführen, trotz des enormen Publikumsinteresses an der Berichterstattung. Auch in der britischen Presse gibt es teilweise schmerzhafte Kürzungen, vor denen Jane Martinson im Guardian warnt.
Stichwörter: Grundrechte, Corona, Medienkritik

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2020 - Medien

Für große Aufregungen sorgen Berichte, denenzufolge die berühmte Heinsberg-Studie des Virologen Hendrik Streeck von Kai Diekmanns PR-Agentur Storymachine mehr als nur promotet wurde: In Capital hat Thomas Steinmann offenbar das interne PR-Konzept in die Hände bekommen: "Die 22 Seiten, die Capital vorliegen, lesen sich wie eine Art Drehbuch für die Inszenierung der Studie und ihrer erhofften Ziele. Verfasst und an potenzielle Sponsoren des PR-Projekts aus der Wirtschaft versandt wurde sie in den ersten April-Tagen - zu einem Zeitpunkt, als Streeck noch mitten in der Arbeit steckte."

Im Stern meldet Hans-Martin Tillack, dass der Deutsche Rat für Public Relations ein förmliches Prüfverfahren gestartet hat: "Es geht um die Werbeaktionen, die Storymachine für die Corona-Forschungsarbeiten des Bonner Professors Hendrik Streeck im Landkreis Heinsberg übernommen hatte. Hier stelle sich die Frage, ob von Anfang an klar genug gewesen sei, wer den Auftrag gegeben und bezahlt habe, sagte der DRPR-Vorsitzende Lars Rademacher dem stern. Es gehe um das Transparenzgebot im Branchenkodex. Erst nach Nachfragen habe Storymachine-Geschäftsführer Philipp Jessen die Namen von zwei Firmen genannt, die die PR-Arbeit bezuschusst hatten. 'Was ist das für ein Konglomerat?', fragte Rademacher."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.04.2020 - Medien

Viele Medien melden Kurzarbeit an, berichtet Roland Pimple bei Horizont, unter anderem die Zeit, wo laut einer Sprecherin "der Verlag nun für drei Monate Kurzarbeit einführe, auch für die Print-Redaktion, wenn auch dort in einem geringeren Ausmaß. Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und Geschäftsführer Rainer Esser verzichten in dieser Phase jeweils auf ein Viertel ihres Gehaltes." Im Freitag untersucht Klaus Raab, mit welcher Begründung man in Medien im Moment überhaupt Kurzabeit beschließen kann. Die Lage ist paradox. Die Redaktionen haben viel zu tun, die Nutzungszahlen sind toll, aber "ja, es gibt Beispiele für Arbeitsausfall im Journalismus: Ein Veranstaltungsmagazin hat erheblich weniger zu tun als sonst".

In der SZ berichtet Paul-Anton Krüger, wie Regierungen versuchen, kritische Berichterstattung zu unterdrücken: "In Russland wurden Journalisten bedroht, in Sambia bekam ein Fernsehsender die Lizenz entzogen. Jemen, Jordanien, Irak, Iran, Marokko und Oman haben gar den Druck und die Verteilung von Zeitungen ausgesetzt. In Ungarn hat Premier Viktor Orbán ein Notstandsgesetz durchgedrückt, das die Verbreitung falscher Nachrichten mit Gefängnis bedroht - was dabei falsch und was richtig ist, befindet die Regierung. China unterdrückt unabhängige Informationen nicht nur im eigenen Land. Mehrere lokale Bürgeraktivisten und Informanten, die zur Berichterstattung westlicher Medien über die Epidemie in Wuhan beigetragen hatten, sind spurlos verschwunden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2020 - Medien

Daniel Ryser liefert für das Online-Magazin Republik ein ausuferndes Porträt über den Chefredakteur der NZZ, Eric Gujer, inklusive Gespräch. Er wirft ihm vor allem die Expansion nach Deutschland vor - wo Gujer mit AfD-nahen Positionen kokettiere. Zur Sache geht's beim Thema wirtschaftliche Lage der Zeitung - und da ist die Frage des Interviewers dann fast interessanter als die Antwort Gujers, der vom Zuwachs bei den Digitalabos schwärmt: "Wenn Sie vom Zuwachs sprechen, können Sie diesen Zuwachs aufschlüsseln: Die Digital-Abos in Deutschland sind zum Schnäppchenpreis zu haben. 10 Euro im Monat in Deutschland. 100 Euro im Jahr. Den ersten Monat gibt es sogar ab 1 Euro. In der Schweiz wiederum kostet ein Digital-Abo 240 Franken. Wenn dann sogar Print und Deutschland-Digital im selben Topf aufgeführt ist: Kann ein 1-Euro-Abo ein 814-Franken-Abo aufrechnen?" Natürlich hat die NZZ kein 1 Euro-Abo, das ist nur ein Probepreis für den ersten Monat. Gujers Antwort auf Rysers Frage zu den Digitalabos: "Sie müssen mehr verkaufen, aber die Kosten sind dafür auch niedriger. Sie haben keine Distribution. Sie müssen nicht drucken." Interessant zu dem Beitrag auch der Kommentar der ehemaligen NZZ-Autorin Sieglinde Geisel.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2020 - Medien

Daniel Laufer und Jan Petter stellen bei Netzpolitik das neue Jugendportal Fritzfeed vor, das sich in seiner Machart an Buzzfeed orientiert und offenbar harmlos verpackte AfD-nahe Positionen propagieren soll: "Über die Fritzfeed-Macher:innen war bislang kaum etwas bekannt. Kein einziger Artikel wurde unter Klarnamen verfasst. Auf Profilen sind Nachnamen gekürzt, ein Großteil der Beiträge erscheint anonym. Im Impressum steht ein Name: Christian Schäler. Der heute 27-Jährige meldete 'Fritzfeed e.K.' bereits im November 2018 als Firma an. Auf Nachfrage bezeichnet er sich als 'Inhaber und Chefredakteur'. Die Inhalte der Seite stammten von 'aktuell zwölf Personen'."
Stichwörter: Fritzfeed, Buzzfeed, AfD, Netzpolitik

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2020 - Medien

Steffen Grimberg feiert in der taz die erhöhten Einschaltquoten der öffentlich-rechtlichen Sender (auch die Zeitungen und auch Internetmedien wie der Perlentaucher können von höherer Nutzung berichten, aber was soll's) und fordert gleich ganz in ihrem Sinne eine Ausweitung ihrer Befugnisse: "Womit wir endlich beim Thema wären: Was macht eigentlich die Medienpolitik? Sie hat die geplante Reform des öffentlich-rechtlichen Systems und seiner Finanzierung überwiegend verstolpert. Ja, es gibt Fortschritte beim 'Medienstaatsvertrag', der ARD, ZDF und Deutschlandradio neue, erweiterte Möglichkeiten im Netz eröffnet. Sie waren lange überfällig. Und sind schon jetzt durch die Coronakrise und die in ihr freigesetzte Kreativität auch in den Anstalten teilweise schon wieder überholt."

Die Medienwissenschaftler Klaus Meier und Vinzenz Wyss kritisieren die Corona-Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien in Deutschland und der Schweiz bei Meedia: "Die Medien berichteten weitgehend ohne Distanz im Einklang mit der Kommunikation des Bundes und der Bundesländer. Sie transportierten eher kritiklos und kaum mit eigenen Recherchen flankiert die Analysen und Forderungen weniger dominanter Virologen und die Entscheidungen der Regierungen. In Deutschland wurde die Wegnahme grundlegender Freiheitsrechte in journalistischen Kommentaren größtenteils gefeiert oder sogar noch mehr davon gefordert."

Keine bella figura machen derzeit unsere Intellektuellen und Denker, meint Josef Joffe in der NZZ. "Das totalitäre Monstrum des 20. Jahrhunderts hat der Westen abgeschüttelt. Nun wird die chinesische Variante als Vorbild im Virus-Krieg gefeiert, derweil die Demokratien blind und tumb durch die Menschheitskrise torkelten. Auf der entgegengesetzten Seite sind die Händler der Angst aufmarschiert. Diese Meisterdenker sehen im Machtstaat nicht den Erlöser, sondern den Usurpator. Der werde den Notstand einbetonieren. Sozusagen: 'Ein Volk, ein Reich, ein Heiler.' Descartes, für den Ideen 'clare et distincte' - 'klar und deutlich' - sein mussten, ist schon lange tot, jedenfalls im postmodernen 'anything goes'. Seine Möchtegern-Erben parlieren, raunen und stellen bedeutungsschwere Fragen, die sie nicht beantworten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2020 - Medien

Die Medien haben zwar Rekordzahlen, müssen aber teilweise - wie inzwischen die Zeit und der Spiegel - Kurzarbeit anmelden, berichtet Laura Hertreiter in der SZ: "Dass in Deutschland in diesen Tagen in nahezu jedem Verlagshaus über Hilfs- und Sparprogramme verhandelt wird, hat mit der Art und Weise zu tun, wie sich journalistische Angebote finanzieren. Das Geld, das von Lesern und Abonnentinnen kommt, macht meist nur eine von zwei bis drei tragenden Säulen aus: Die zweite, das Geschäft mit Anzeigen, bröckelt schon länger und bricht gerade massiv ein, auch bei der SZ."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.04.2020 - Medien

Der Spiegel plant wegen der Corona-Krise und des zu erwartenden Einbruchs bei den Anzeigen Kurzarbeit, berichtet Gregory Lipinski bei Meedia. Um die Kosten zu senken, prüfen Chefredakteur Steffen Klusmann und Verlagschef Thomas Hass "aber wohl auch Arbeitsplätze abzubauen. Sie erwägen nach Meedia-Informationen, Mitarbeiter in den Vorruhestand zu schicken. Den Schritt könnten sie ihnen über geeignete Regelungen und attraktive Abfindungen schmackhaft machen, heißt es in Firmenkreisen. Eine Entscheidung hierzu ist aber nicht gefallen, da derzeit alles auf dem Prüfstand" stehe.

In Ungarn sind Notstandsverordnungen erlassen worden, die einer Diktatur ähneln. Journalisten fürchten, ins Gefängnis gesteckt oder mit Klagen in die Pleite getrieben zu werden, wenn sie zu Corona recherchieren, berichtet Shaun Walker im Guardian. Die Regierung beteuere zwar, dass sie so "Desinformation" bekämpfen wolle: "Aber die Regierung hat wenig getan, um klarzumachen, dass dies nicht auch für unabhängige Journalisten gilt, zumal sie ihnen häufig vorwirft, im Rahmen eines politischen Rachefeldzuges gegen Orbán Fehlinformationen zu verbreiten. In einer Telefonkonferenz mit ausländischen Reportern sagte Ungarns Justizministerin Judit Varga letzte Woche, die gesetzliche Regelung sei 'sowohl angemessen als auch notwendig, um böswillige Desinformationskampagnen zu bekämpfen'. Sie betonte, dass die Bestimmung für alle, auch für Journalisten, gelte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2020 - Medien

Im SZ-Interview mit Stefan Fischer erklärt Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt, weshalb sich das Land bisher bei der Entscheidung zur Erhöhung des Rundfunkbeitrags enthalten hat: "Wenn die Anstalten so wirtschaften wie bisher, steht uns Mitte der 2020er-Jahre abermals eine Beitragserhöhung erheblichen Ausmaßes ins Haus. Deshalb brauchen wir jetzt von den Anstalten verbindliche Zusagen, dass sie allen Hinweisen der KEF auf Einsparpotenziale und Wirtschaftlichkeitsreserven nachgehen und die Empfehlungen umsetzen. Bisher liegen noch keine zufriedenstellenden Erklärungen vor. Speziell für die ostdeutschen Länder fordern wir bei den Tochterunternehmen der Anstalten eine angemessene Berücksichtigung, und auch das seit Jahren ohne große Resonanz."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.04.2020 - Medien

Steffen Grimberg schildert in der taz die paradoxe Lage der Medien in der Corona-Krise: "Die Online-Nutzung, zum Beispiel von Zeitungen im Netz, steigt. Wer aber erwartet, dass die Einnahmen aus der Online-Werbung auch nur ansatzweise Schritt halten, glaubt wahrscheinlich auch, das Corona planmäßig mit Ende der Osterferien vorbei ist. Denn tatsächlich gehen die Einnahmen zurück. Erstens, weil wegen des gesellschaftlichen Shutdowns gar nicht mehr so viel geworben wird. Und zweitens wollen die, die noch werben, ihre Anzeigen ungern direkt im Umfeld von Hiobsbotschaften rund um Corona sehen."

Sandro Schroeder bespricht für die Übermedien Podcasts und erklärt in der jüngsten Ausgabe, warum er Probleme mit dem Genre der "True-Crime"-Podcasts hat.