9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.08.2017 - Medien

Ist da nicht irgendetwas problematisch, fragt in der taz Benjamin Weber mit Blick auf Stephan Holthoff-Pförtner, den neuen NRW-Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, internationale Beziehungen und Medien: "Nach wie vor ist Holthoff-Pförtner mit 17 Prozent Miteigentümer der Funke Mediengruppe - einem der wichtigsten Medienkonzerne des Landes. Allein in NRW gehören zwölf Radiosender und vier Tageszeitungen (wie die WAZ) zum Essener Unternehmen (Jahresumsatz 2015: 1,3 Mrd. Euro). Die Rheinische Post schreibt, die Anteile des Ministers seien 250 Millionen wert. Kann ein solcher Minister unabhängig politische Entscheidungen treffen?"

In der NZZ beklagt Stefan Betschon den fehlenden Technikjournalismus im deutschsprachigen Raum. Anspruchsvolle lange Texte, die neue Technikentwicklungen erklären und es dem Leser so erlauben mitzureden bei neuen Technologien, gibt es praktisch nicht. Selbst in Amerika werde das langsam spürbar, aber da tut sich wenigstens was: "Ende 2013 schrieb die amerikanische Wirtschaftsjournalistin Jessica E. Lessin: 'Technology news needs a reboot', die Technik-Berichterstattung brauche einen Neustart. ... Lessin, die sich als Journalistin des Wall Street Journal (WSJ) Meriten erworben hat, stemmt sich gegen das Möglichst-schnell-möglichst-viel-Prinzip. Die von ihr gegründete News-Site The Information verspricht eigenständige, 'deeply-reported' Geschichten, die nur gegen Entgelt gelesen werden können. Lessin ist nicht die Einzige, die die Online-Berichterstattung im Themenbereich Technik als reformbedürftig betrachtete. Auch andere amerikanische Journalisten verspürten zwischen 2011 und 2014 den Drang, die Technik-Berichterstattung neu zu erfinden. Walt Mossberg und Kara Swisher (ehemals WSJ) gründeten Recode.net (seit 2015 Teil von Vox Media), Joshua Topolsky (ehemals Engadget) lancierte Theverge.com. Zu den Innovationen von The Verge gehört das Genre Long Form, das Platz schafft für weitschweifige Reportagen."  

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.08.2017 - Medien

Israel will den arabischen Nachrichtensender al-Dschasira verbieten, berichtet Gil Yaron in der Welt. Israels Kommunikationsminister Ayoub Kara beschuldigt den Sender, "Terror zu unterstützen", tatsächlich aber, glaubt Yaron, dass Israels Regierungschef sauer war über die Rolle, "die der Sender bei den jüngsten Ereignissen in Jerusalem spielte. Er ist überzeugt, dass er gewaltsame Proteste ermutigte und so letztlich dazu beitrug, dass Benjamin Netanjahu alle Sicherheitsmaßnahmen, die er nach einem Attentat am Tempelberg vor Ort installieren ließ, auf demütigende Weise wieder demontieren musste."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.08.2017 - Medien

Anja Aronowsky Cronberg vom kritischen Modeblog Vestoj beklagt im Interview mit Anna Pfister vom Deutschlandfunk, dass der Modejournalismus zu einer reinen Jubelveranstaltung geworden ist: "Worüber Journalisten weniger reden, sind die üppigen Geschenke, die viele von uns Modejournalisten nach einem besonders positiven Artikel über eine bestimmte Marke geschenkt kriegen. Eine Handtasche zurückschicken wäre unhöflich, aber sie zu behalten, ist wie ein implizites Einverständnis, dass noch mehr positive Artikel folgen werden."

Außerdem: Die Diskussion um die Arte-Doku "Gaza - Ist das ein Leben?", gegen die unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert hatte (unsere Resümees), geht weiter. Unter anderem kritisierte der Zentralrat, dass die Autorin Anne Paq der antizionistischen Organisation Electronic Intifada nahe steht. Stefan Frank erläutert dazu auf  mena-watch.com: "Electronic Intifada steht ideologisch den säkularen antiisraelischen Terrororganisationen wie der Volksfront zur Befeiung Palästinas (PFLP) nahe. Die Palästinensische Autonomiebehörde hingegen wird als nicht militant genug abgelehnt. Anne Paq selbst schreibt dazu: 'Die Palästinensische Autonomiebehörde handelt mehr und mehr wie ein Handlanger der Israelis … Die Palästinensische Autonomiebehörde muss weg.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2017 - Medien

Die Zeit hat Mariam Laus Porträt des rechts-nationalen "Finis Germania"-Verlegers Götz Kubitschek online nachgereicht. Lau besuchte ihn auf seinem Rittergut in Sachsen-Anhalt und stellte fest, dass ihr die Atmosphäre dort irgendwie vertraut war: "Der Hausherr, Götz Kubitschek - Vordenker der Neuen Rechten, Aktivist, Offizier der Reserve - kommt, in schwarzem Hemd und Hose, die Holztreppe herunter und führt zur Begrüßung über die Wiese zu einem kleinen Gehege, in dem die Ziegen, Hasen und Hühner leben, denen sich das Abendbrot verdankt, das Besucher hier bei Kerzenlicht mit der Familie teilen. Das Vertraute ist die Kombination aus trotziger ländlicher Selbstversorgung, einer großen Bibliothek und aktivem, wenn möglich herrschaftsgefährdendem politischem Protest: jeder, der in den achtziger Jahren in bestimmten Häusern im Wendland gewesen ist, erkennt es wieder. Im Verlauf des Abends wird sich herausstellen, dass diese Ähnlichkeit kein Zufall ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.08.2017 - Medien

Boas Ruh bringt in der NZZ Hintergründe zum Fact-Checking in Frankreich und Großbritannien.
Stichwörter: Fact Checking

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.08.2017 - Medien

Hört auf die Terroristen zu psychologisieren und nehmt den Islamismus endlich ernst, ruft Alice Schwarzer in der Welt vor allem jenen FAZ-Kollegen zu, die immer wieder auf Persönlichkeit und Gesinnung der Täter abheben: "Hat man in Deutschland denn immer noch nicht begriffen, dass der Islamismus kein Staat und keine Organisation ist, sondern eine Ideologie, ein Geisteszustand? Die Islamisten, die zur Tat schreiten, haben immer auch persönliche Motive, aber sehr unterschiedliche Hintergründe. Nur eines eint sie alle: Sie nehmen ihre selbstgerechte Überheblichkeit gegenüber allen 'Nicht-Gläubigen' und vor allem gegen 'den Westen' zum Anlass beziehungsweise Vorwand, zur Tat zu schreiten."

Der Atlantic meldet, dass er seine Europaberichterstattung erheblich ausweiten will - und berichtet mit stolz über stark wachsende Nutzerzahlen mit inzwischen 42 Millionen Unique Visitors pro Monat (also unterschiedlichen Personen, die mindestens einmal in diesem Zeitraum vorbeischauen).
Stichwörter: Schwarzer, Alice, Islamismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2017 - Medien

Im Interview mit der FAZ wundert sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, über den Sender Arte, der die Doku "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa" wegen angeblicher Unausgewogenheit nicht senden wollte (unsere Resümees), aber kein Problem hatte mit der Unausgewogenheit der Reportage "Gaza: Ist das ein Leben?" (unser Resümee). Die Begründung des Senders: Der erste Film sei eine Dokumentation, der zweite eine Reportage, die per definitionem subjektiv sei. "Es ist auffällig, dass sich Arte stets auf sehr formale Begründungen bei der Beurteilung der Beiträge zurückzieht", kritisiert Schuster. "Einer inhaltlichen Auseinandersetzung ist der Sender in beiden Fällen, also bei der Judenhass-Doku und der Gaza-Reportage, ausgewichen. Warum sollte es nicht möglich sein, die Perspektive eines Protagonisten durch ein, zwei einordnende Sätze zu ergänzen? Auch eine authentische Wiedergabe einer persönlichen Sichtweise sollte für Zuschauer verständlich sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.08.2017 - Medien

Vor einigen Wochen erregte die Dokumentation "Auserwählt und Ausgegrenzt" Aufmerksamkeit, die sich mit rechtem, aber auch linkem und muslimischem Antisemitismus befasste. WDR und Arte fassten den Film nur mit spitzesten Fingern und "Faktencheck" an (unsere Resümees). Ganz anders lief es bei der Arte-Reportage "Gaza: Ist das ein Leben?", die vor knapp zehn Tagen lief. Den Faktenchek liefert in diesem Fall (allerdings mit wesentlich weniger Medienaufmerksamkeit) das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitmus nach. Der Film scheint ihn gebrauchen zu können. So "wird behauptet, dass 'Gaza nach dem Willen der israelischen Politik nur an drei bis vier Stunden pro Tag Strom hat' [1:35]. Es wird dabei außer Acht gelassen, dass erst vor kurzem auf Bitten der Palästinensischen Autonomiebehörde die Stromversorgung in Gaza reduziert wurde. Ebenso verbreitet die Dokumentation die Falschinformation, Gaza sei 'einer der am stärksten überbevölkerten Orte weltweit' [1:58]. Es existieren jedoch zahlreiche Metropolen die eine ebenso hohe oder sogar höhere Bevölkerungsdichte aufweisen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.08.2017 - Medien

Die höchst verdienstvolle Medienkolumne Altpapier (die in den Perlentaucher-Rundschauen so selten zitiert wird, weil sie genau zeitgleich um 9 Uhr morgens erscheint) wird eingestellt. Am 18. August wird sie auf der Website evangelisch.de, die offenbar frommer werden soll, zum letzten Mal erscheinen, heißt es im gestrigen Altpapier. Nun suchen die Macherinnen neue Partner, wo sie andocken können, berichtet unter anderem Meedia: "Das Altpapier erscheint seit dem Jahr 2000. Damals startete es als Format der deutschen Ausgabe der Netzeitung.  Das Blog gibt täglich einen einordnenden Überblick über die deutsche Medien-Berichterstattung, oft auch kommentierend und mit ironischem Ton. Standen zu Beginn noch die Medienseiten der Tageszeitungen im Mittelpunkt (daher der Name Altpapier), befasst sich das Bog mittlerweile schon lange auch mit den diversen Online-Seiten zu Medienthemen."
Stichwörter: Altpapier

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.07.2017 - Medien

Der hoch defizitäre Guardian soll in zwei Jahren schwarze Zahlen schreiben, meldet Rainer Stadler in der NZZ: "Dazu sind rigide Einsparungen nötig. Die Mediengruppe reduzierte die Belegschaft um 300 auf 1563 Personen. Dafür gab sie in den letzten beiden Jahren 30 Millionen Pfund aus. Die Personalkosten sanken so um 14 Millionen. Bis 2018 wird das Budget des Guardian um 20 Prozent verkleinert."
Stichwörter: Guardian, Medienwandel