9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.08.2017 - Medien

"Zwangsgebühren" und "Staatsfunk" - alles ideologische Kampfbegriffe, mit denen die Öffentlich-rechtlichen denunziert werden sollen, meinte Brigitte Baetz neulich im Dlf (unser Resümee). Ach was, antworten darauf Rainer Hank und Georg Meck in der FAS. Sie beschreiben nur die Realität: "Niemand behauptet, der öffentlich-rechtliche Rundfunk verbreite offizielle, gar offiziell angeordnete Regierungspropaganda. Das ist auch gar nicht nötig, sagt der Mainzer Historiker Andreas Rödder: 'Der heutige grün inspirierte großkoalitionäre Konsens in Deutschland, christlich-moralisch überhöht durch Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm, wird von ARD und ZDF in ganzer Breite medial verbreitet.' Diese ihren Hall selbst verstärkende Echokammer ist gemeint, wenn von Staatsfunk die Rede ist."

Christian Meier geht in der Welt den Vorwürfen nach, die Hannoveraner Verlagsgruppe Madsack soll eine Firmengeschichte zurückhalten, die ein ungutes Licht in der NS-Zeit auf sie werfe.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.08.2017 - Medien

Im Gekabbel zwischen FAZ und Deutschlandfunk (unser Resümee) mischt sich jetzt auch Jürgen Kaube ein, im Leitartikel auf der Seite eins. Besonders ärgert ihn die Rede von der Demokratieabgabe, wenn es um Gebühren geht: "Was viele Bürger gegen die Öffentlich-Rechtlichen aufbringt, sind nicht nur Krisen eines politisch unbefangenen, unabhängigen Journalismus. Es ist vielmehr die impertinente Behauptung, man brauche das viele Geld und immer mehr davon, um die Grundversorgung der Demokratie zu gewährleisten. Aufklärung mittels Fußball, Musikanten und Nordseekrimis? Traumschiff, Quiz und Kochshows im Verfassungsauftrag? ... Niemand in den Zeitungen schätzt gering, was das Deutschlandradio und andere Sender leisten. Oder Arte, 3sat, ARD-alpha. Aber das Gros des zwangsfinanziert Ausgestrahlten hat nichts mit der Demokratie, einem Bildungsauftrag oder auch nur dem Anregen von Gedanken zu tun, die anders als durch immer höhere Pflichtabgaben nicht zu haben wären."

In der FAZ hat Michael Hanfeld keinerlei Problem mit der Schließung der Plattform "Linksunten.indymedia": "Was den gewaltbereiten Linksextremisten von 'linksunten' zu 'demokratischen Standards' sonst so einfällt, wird klar, wenn es heißt 'Kein Steinwurf auf die Polizei war jemals unpolitisch' oder wenn der 'subversive Charme der Bilder des Widerstands' besungen wird. Dass 'linksunten.indymedia' überhaupt so lange online war, lässt sich nur dadurch erklären, dass die Sicherheitsbehörden so ein Fenster hatten, um die (sich radikalisierende) Szene zu beobachten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.08.2017 - Medien

Vor Fake News müssen sich die Deutschen, deren Medienlandschaft eingehegt ist, nicht fürchten, meint Alexander Sängerlaub in Netzpolitik: "Die Deutschen haben mehr Vertrauen in 'die Medien', vor allem in die Öffentlich-Rechtlichen und nutzen weitaus seltener Social Media als Nachrichtenquelle, im Vergleich zu den Amerikanern. Und auch die politische Landschaft ist weniger polarisiert und zerrüttet... Weiter ist anzunehmen, dass auch in diesem Wahlkampf die wichtigste Informationsquelle der Deutschen das Fernsehen bleibt, in dem ARD und ZDF - laut Rundfunkstaatsvertrag - sich pluralistisch und ausgewogen der Meinungsvielfalt zu widmen haben. Das steht wiederum diametral der Medienlogik von Fox News oder Breitbart gegenüber."

Deprimierend banal klingt Stefan Fries' Zuammenfassung des Streits zwischen der FAZ und der Deutschlandfunk-Autorin Brigitte Baetz über die polemische Vokabel "Staatsrundfunk" und die automatische Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen: "In der Diskussion zeigt sich auch, dass die Fronten weitgehend klar sind: hier die Rundfunkmacher, dort die Zeitungsmacher (inkl. dem Branchendienst Meedia, der zur Verlagsgruppe Holtzbrink gehört). Jeder verteidigt sein Medium, das ist nur verständlich."

Außerdem: In der FAZ fragt die SPD-Politikerin Heike Raab, wie weit bei Netzmedien die Rundfunkreguliereung gehen muss.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.08.2017 - Medien

Über die Frage eine etwaigen automatischen Gebührenerhöhung ist es zu einem Gekabbel zwischen FAZ und und der Medienredaktion des Deutschlandfunk gekommen. Die FAS meldete zunächst, dass die Sender angeblich bis 2029 eine automatische Gebührenerhöhung wollten. Die Sender dementierten. Michael Hanfeld antwortete in der FAZ. Und beim Dlf schrieb Brigitte Baetz patzig, "Natürlich haben wir mehr Geld als ihr", und man sei  von der Verfassung so gewünscht, wolle sich aber nicht als Staatsfunk bezeichnen lassen. In der taz schlägt sich René Martens voll und ganz auf die Seite der Sender: "Es ist allemal verständlich, dass Baetz genug hat von der Frankfurter Plattheit. Denn tatsächlich findet man die von ihr aufgegriffenen propagandistischen Schlagworte immer wieder in den beiden Zeitungen. 'Trotz großer Anstrengungen und jährlich 8 Milliarden (!) Euro wird das Publikum des ersten und des zweiten Staatssenders immer älter', hieß es Anfang Juli... Sogar das Wörtchen 'Zwangsgebühren' mögen sich die Frankfurter nicht verkneifen - obwohl, erstens, Gebühren grundsätzlich nicht freiwillig sind, und, zweitens, der öffentlich-rechtliche Rundfunk seit Anfang 2014 gar nicht mehr über Gebühren finanziert wird, sondern über den Rundfunkbeitrag."

Die Modellrechnung der Sender zur Gebührenerhöhung sei wirklich nur als Modellrechnung gemeint, berichtet Hans Hoff in der SZ, und sie stehe schon seit 2016 bei ARD.de im Netz: "Dort steht ein Papier mit dem sperrigen Namen 'Auftrag und Strukturoptimierung der öffentlich-rechtlichen Anstalten in Zeiten der Digitalisierung der Medien' (hier als pdf-Dokument). Das Papier haben die Anstalten entworfen als Vorlage für jene Arbeitsgemeinschaft, die sich im Auftrag der Bundesländer um all das kümmern soll, was im Titel des Papiers hinterlegt ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.08.2017 - Medien

Nicht ohne Häme antwortet Brigitte Baetz im Deutschlandfunk auf die in der FAZ mit Blick auf die Öffentlich-Rechtlichen gebrauchten Begriffe des "Staatsrundfunks", der "Zwangsgebühren" - und jetzt auch noch möglichst mit automatischer Erhöhung: "Klar: Wir wissen, es geht Euch nicht gut. Innerhalb der letzten sieben Jahre sind Euch über 120.000 Leser verloren gegangen. Und Eurer kleinen Schwester FAS auch. Das ist zweimal die Einwohnerschaft Heidelbergs. Das ist bitter und das kränkt. Gerade, weil Ihr, die Redakteure, seit der ersten von inzwischen vielen Sparrunden ja auch keine Dienstwagen mehr fahren dürft."

Laut einer Meldung in der Berliner Zeitung ist die Meldung der FAS, wonach ARD, ZDF und Deutschlandradio eine Erhöhung der Rundfunkgebühren gefordert haben, "frei erfunden". Das behauptet jedenfalls ARD-Sprecher Steffen Grimberg. Die ARD wolle ihren Bedarf erst 2019 neu anmelden.

Die ägyptische Regierung sperrt derzeit den Zugang zu Webseiten von Al-Dschasira, der arabischen Version der Huffington Post, der Seite von "Reporter ohne Grenzen", dem unabhängigen Portal Mada Masr sowie einem arabischen Onlineportal der Deutschen Welle Qantara, das vom Auswärtigen Amt finanziert wird, berichtet Pola Kapuste in der taz. "Loay Mudhoon, Redaktionsleiter von Qantara.de, sagte der taz im Interview, dass diese Entwicklung schon seit geraumer Zeit zu beobachten sei: 'In den ersten zwei Jahren hat sich das Regime von al-Sisi auf die TV Sender und die Massenmedien konzentriert und jetzt sind quasi die Onlinemedien an der Reihe.' Der Menschenrechtler und Direktor des Arabic Network for Human Rights Information, Gamal Eid, beschrieb das Vorgehen der ägyptischen Sicherheitsbehörden gegen kritische Medien als 'zunehmend hysterisch'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2017 - Medien

Die öffentlich-rechtlichen Sender möchten bis 2029 eine Gebührenerhöhung auf 21 Euro im Monat, berichtet die FAS. Flankierend sollen Sparmaßnahmen durchgeführt werden. "Doch die finanziellen Ersparnisse, die durch diese Zentralisierung sich ergeben, sollen nicht an die Zuschauer weitergegeben werden, sondern sie werden 'umgeschichtet in die Vielfalt neuer Angebote des digitalen Medienwandels', wie es in einem der FAS vorliegenden Grundsatzpapier der ARD heißt."

Ein gewisses Einsparpotenzial für ARD und ZDF entdeckt Telepolis-Autor Peter Mühlbauer mit Blick auf eine Umfrage der Werbezeitschrift Horizont, nach der das Interesse an Fußball stark abnimmt: "Sieht man sich die Ergebnisse der Umfrage nach dem Alter der Befragten differenziert an, dann zeigt sich, dass das Interesse weiter zurückgeht: Während sich von den über 60-Jährigen 30 Prozent stark oder sehr stark für Fußball interessieren, sind es bei den 30- bis 44-Jährigen nur mehr 22 und in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen sogar nur 17 Prozent."

Natürlich ist nicht alles nur ein Witz, aber dass Infotainment die Demokratie ruiniert, will Arno Widmann in der FR nicht glauben und bricht eine Lanze für die Marktschreier und Moritatenerzähler auch im digitalen Zeitalter: "Den Hunger nach Nachrichten gab es schon immer und schon immer mischten sich Sachliches und Persönliches. In einer Welt, in der Personen das Sagen hatten, war das keine Spur von frivol, sondern nur vernünftig. Was hilft einem die Kenntnis der Rolle der Institutionen in einem System, in dem alles davon abhängt, wie der Führer entscheidet? Jeder, der in einem Betrieb arbeitet, weiß, wie viel wichtiger es ist, zu verstehen, wer mit wem kann, als die Leiter der Hierarchie hinauf- und hinuntersagen zu können. Für Bundeskanzler Kohl stand sein Ehrenwort, selbst das nur angebliche, über dem Gesetz. Ohne die Psyche des Präsidenten Trump ist die US-Politik nicht zu erklären."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.08.2017 - Medien

Im Interview mit der Berliner Zeitung macht Jochen Hörisch Vorschläge, wie man die Medien retten könnte: Weniger Jammern, mehr Arbeiten im Verbund und vielleicht doch noch mal die inzwischen uralte Idee aufgreifen, das journalistische Angebot neu zu bündeln. Film- und Musikindustrie haben ja inzwischen vorgemacht, wie es geht: "Die Leute haben keine Platten und keine CDs mehr gekauft, sondern sich ihre Musik aus dem Internet geklaubt, genauer gesagt, geklaut. Darauf hat die Industrie mit Streamingdiensten reagiert und medienökonomisch gesehen die Kurve gekriegt. Im Filmsektor ist es ähnlich. Und ich prognostiziere, dass das auch ein Weg für Zeitungs- und Buchverlage sein könnte - mit Abo- oder Flatrate-Modellen. Sie könnten auch Pakete schnüren, Kombi-Angebote regionaler und überregionaler Blätter, Zeitungs-Abos in Verbindung mit Konzert- oder Theaterkarten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.08.2017 - Medien

In der FAZ zeichnet Rainer Meyer den Skandal um das Memo des Google-Mitarbeiters James Damore nach, dem in einem Medienhype immer wieder Sexismus vorgeworfen wurde (mehr hier), bis endlich mal jemand das Memo wirklich las: "Unter Führung von The Atlantic tauchten unangenehme Fragen nach den Stellen im Memo auf, die all die weitreichenden Unterstellungen belegen sollten. The Federalist dokumentierte, wie CNN die eigenen Beiträge umschrieb und die Bezeichnung 'anti-diversity' strich - offensichtlich, weil Damore nicht nur gegen seinen Arbeitgeber, sondern auch gegen die Medien klagen kann."
Stichwörter: Damore, James, Sexismus, Diversity, Cnn

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.08.2017 - Medien

Stuktur oder Wandel? Der Welt-Essay von Perlentaucher Thierry Chervel über die deutschen Medien im Zeitalter der Digitalisierung - ratlos! - steht inzwischen online.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2017 - Medien

Perlentaucher Thierry Chervel fragt in der Welt, wie sich die deutsche Öffentlichkeit angesichts von Medienkrise und Digitalisierung neu organiseren sollte. Denn der jetzige Zustand wird nicht mehr so lange haltbar sein: "Die Zeitungen leisten zwar noch jenen 'öffentlichen Dienst' als vierte Gewalt, dessen sie sich gern rühmen, aber die wirtschaftliche Basis dafür ist ihnen abhanden gekommen. Mit Mühe halten sie bei reduziertem Inhalt und zugleich erhöhten Preisen die Fassade hoch. Ihnen gegenüber steht mit roten Bäckchen wie aus einer Apfelsaftreklame der Sechziger der zwangsernährte öffentlich-rechtliche Wonneproppen. Und beide haben ein Problem mit ihrem alternden Publikum."

René Martens geht in der taz nochmal den Vorwürfen gegen eine Arte-Dokumentation der französischen Autorin Anne Paq über den Gaza-Streifen nach und kann den Antisemitismusverdacht (der in der taz neulich noch unter dem Titel "Programmdirektor Schuster" kritisiert wurde, mehr hier) nur bestätigen: "2008 schrieb Paq auf Electronic Intifada: 'We internationals working in Palestine, what are we fighting for?' Sollte dies ein 'pseudopalästinensischer Staat' sein, wie ihn sich die Palästinensische Autonomiebehörde vorstelle, sei das 'kein würdiger Kampf'. Klingt nach Flugblatt. In einer Antwort auf eine taz-Anfrage, warum Arte eine Autorin engagiert hat, die für eine mit Terrorismus sympathisierende Website schreibt, verweist Sprecher Michel Kreß auf das Renommee Paqs."

Außerdem: Empört berichtet Jürg Altwegg in der FAZ über den digitalen Zeitungskiosk des französischen Telekomunternehmens SFR, wo alle Zeitungen für 20 Euro monatlich zu lesen sind, wo doch allein das digitale Abo von Libération schon 17 Euro kostet.