Die heutige Ausgabe der
taz wirkt etwas, äh, antizyklisch. Sie ist mit "
Total utopisch" betitelt und lässt auf vielen Seiten offenbar junge Leute (naja, zumindest unter vierzig) zu Wort kommen. Themen sind etwa: "Das gesellschaftliche
Bild von Männlichkeit ist veraltet und schadet allen Geschlechtern. Was Männer tun können, um sich davon zu emanzipieren" (
hier) oder "Der
Nollendorfkiez richtet sich heute primär an ein schwules Publikum. Wie aber wäre es, wenn sich hier vor allem trans* Personen Freiräume aufbauen könnten?" (
Hier) Die
taz-Volontärin Alexandra Hilpert
schreibt im Editorial: "Wir sind jung. Und
wir haben Angst. Meine Generation steht vor einer Klimakrise, unsere Lebensgrundlagen verschwinden, Hass, Kriege und Rechtsruck bedrohen unser Zusammenleben. Die Generationen vor uns, das seid unter anderem
ihr Gen Xler und Boomer, haben mit ihrem Hunger nach Wachstum unsere Welt zerstört."
Die Organisation "Fridays for Future" wartet auf Instagram mal wieder mit krass antisemitischen Kacheln auf,
berichtet die
Jüdische Allgemeine. Die Posts sichten sich insbesondere
gegen die Medien: "Auch der Vorwurf des Antisemitismus werde von den Medien gezielt eingesetzt, um
Stimmung gegen die Palästinenser zu machen, behauptet FFF. Ausdrücke wie 'islamischer Antisemitismus' oder 'importierter Antisemitismus' seien in den westlichen Medien Chiffren, um die Palästinenser zu 'entmenschlichen', und der Nahostkonflikt sei in Wahrheit gar so nicht kompliziert wie alle behaupteten."
Während Greta Thunberg in einem Post ihre Palästina-Solidarität bekannte, hat sich
Luisa Neubauer, das deutsche Gesicht von "Fridays for Future", von antisemitischen Posts ihrer Mitkämpfer
distanziert, aber
Josef Schuster vom Zentralrat der Juden fordert Neubauer laut
Bild und
Jüdischer Allgemeiner (
hier) auf, weiter zu gehen und sich überhaupt
von der Organisation zu lösen: "Wenn Neubauer ihre Worte von der Solidaritätskundgebung am Brandenburger Tor am Sonntag ernst meine, wo sie sich über den weltweiten Antisemitismus entsetzt gezeigt und die besondere Verantwortung Deutschlands für Israel betont habe, müsse sie sich von dieser Organisation lossagen. 'Von Fridays for Future International erwartet man
nichts anderes mehr, als krude Geschichtsverdrehung, Dämonisierung Israels und nun auch noch Verschwörungsideologie", sagte Schuster. Das gelte mittlerweile auch für Greta Thunberg."
Im nicht utopischen Teil der
taz berichtet Elisa Pfleger und erläutert: "Als
Graswurzelbewegung hat Fridays for Future keine transparente Organisationsstruktur, weder international noch national. Es gibt dementsprechend kein durch die Basis gewähltes Team für Öffentlichkeitsarbeit oder Sprecher*innen, die man für den Post
zur Rechenschaft ziehen kann." In der
FAZ kann es Michael Hanfeld kaum fassen: "Wüsste man es nicht besser und hätte man die vorangegangenen Stellungnahmen von Greta Thunberg und ihren Jüngern nicht verfolgt, würde man es nicht für möglich halten, dass Fridays for Future ein
derart krudes Pamphlet auflegt. Es ist die gegenwärtige, linke, antikoloniale Primitiv-Version des Mythos von der 'jüdischen Finanzherrschaft', verfasst im
Stürmer-Stil."