Anne Fromm
hat für die
taz die Befragung
Patricia Schlesingers vor dem Brandenburger Landtag verfolgt und berichtet über überforderte
ehrenamtliche Aufsichtsgremien und überforderte Kollegen innerhalb des Hauses: "Davon, dass die Chefetage für rund
1,4 Millionen Euro saniert wurde, habe der Verwaltungsrat nichts gewusst, auch nichts davon, dass das Digitale Medienhaus
plötzlich 185 Millionen statt wie bisher geplant 100 Millionen Euro kosten sollte. Auch der Intendant Hagen Brandstäter sagt, die gestiegenen Kosten seien im
RBB nirgends hinterlegt gewesen. Dass Brandstäter das sagt, ist überraschend. Er ist seit 20 Jahren
Verwaltungsdirektor des
RBB, ihm unterstehen die Finanzen. Aber, sagt Brandstäter später auch: Er sei nicht der oberste Rechnungshofprüfer der Intendantin, er kenne nicht jede ihrer Kreditkartenabrechnungen. Dennoch halte er den
RBB 'für ein gut geprüftes Unternehmen'."
Michael Hanfeld ist in der
FAZ (Leitartikel auf Seite 1) nicht so gnädig mit den ehrenamtlichen Gremien: "Der
Verwaltungsrat macht seinen Job nicht und der
Rundfunkrat seinen erst jetzt. Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte der Rundfunkrat Schlesinger noch mit
26 von 28 Stimmen für eine zweite Amtszeit gewählt. Hätte nicht das Onlinemedium
Business Insider damit begonnen, die Verhältnisse im
RBB zu durchleuchten, wäre dort alles beim Alten." Ändern wird sich aber nichts, ist sich Hanfeld sicher. Die Sender sind
Ländersache und die lieben sie.
Diemut Roether
resümiert den Skandal für den evangelischen Mediendienst
epd.de und hat trotz allem ein gewisses Verständnis für Schlesinger: "Dass sie aktiv daran arbeitete,
den Gender-Pay-Gap zwischen Intendantinnen und Intendanten in der
ARD zu beseitigen, ist ihr nicht vorzuwerfen. Dass sie sich aber ihre Bezüge vom Verwaltungsrat um 16 Prozent erhöhen ließ, während sie zugleich seit Jahren in ihrem Sender am
Programm sparte, zeugt zumindest von
wenig Sensibilität." Roether fürchtet vor allem, dass "für die
Gegner des Systems die Schlagzeilen von der 'hemmungslosen Luxusgier' der 'unersättlichen
RBB-Chefin'
natürlich ein gefundenes Fressen (sind). Ihr Fehlverhalten wird von diesen Gegnern - zu denen auch das Unternehmen Axel Springer gehört - natürlich zum Anlass genommen, einmal mehr die Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Sender
in toto zu fordern."
Unterdessen
legt das Springer-Medium
Business Insider neue Daten über die
Bonuszahlungen im Sender vor. Mit Boni hatte Schlesinger 300.000 Euro jährlich verdient, schreibt Jan C. Wehmeyer. "Im Jahr 2021 erhöhte der
RBB das Grundgehalt von Schlesinger von 261.000 Euro auf 303.000 Euro. Entsprechend stiegen auch ihre an das Gehalt gekoppelten Prämienzahlungen, so dass Ihre Gesamtvergütung auf
mehr als 350.000 Euro anstieg. " Auch andere Spitzenkräfte erhielten kräftige Boni, so der Verwaltungsratschef und jetzige Interimsintendant
Brandstäter, der mit seinen 50.000 Euro Boni immerhin noch auf ein Gehalt von 250.000 Euro kam.