Gestern waren neue Belege für die
herzliche Verbundenheit von Politik und
NDR Kiel aufgetaucht (unser
Resümee). Johannes Schneider
sieht das mit Beziehungen strategischer Paare zwischen
öffentlich-rechtlichen Journalisten und
Politikern in
Zeit online zwar recht gelassen, zumal in einer relativen medialen Wüste wie Schleswig-Holstein: "Dass Protagonistinnen aus Politik und Verwaltung und Journalisten persönliche Beziehungen pflegen, im Zweifel auch seit Zeiten, wo beide Seiten noch in ganz anderen Funktionen tätig waren, bedeutet ja nicht gleich, dass
Einflussnahme und Machtmissbrauch stattfinden." Aber im Fall des FDP-Politikers
Sven Partheil-Böhnke, der mit dem leitenden politischen
NDR-Redakteur Stefan Böhnke verheiratet ist, fällt ihm doch eine
gewisse Schamlosigkeit auf, und er zitiert aus einer Interviewäußerung des Politikers: "Mit meinem Mann als politischem Journalisten und über unsere besonderen Kontakte in die Kieler Landespolitik habe ich zudem einen guten Berater für die politische sowie die tägliche Arbeit und ein
sehr gutes und nützliches Netzwerk."
Perlentaucher Thierry Chervel
beobachtet in einem kleinen Twitter-Thread, dass das Phänomen des "
strategischen Paars" (Ehefrau und Ehefrau, Ehemann und Ehefrau, Ehemann und Ehemann) sehr viele der öffentlich-rechtlichen Skandale auszeichnet: "Die Skandale sollten von Ethnologen untersucht werden, die sich mit der
Heiratspolitik in diesen Institutionen befassen. Dass sich private Beziehungen mit institutioneller Macht so verknüpfen, offenbart meiner Meinung nach eine
Feudalisierung unsrer Gesellschaft."
Außerdem: Stefan Locke berichtet aus Leipzig für die
FAZ von einem Prozess gegen den ehemaligen
MDR-Manager
Udo Foht, dem gravierende Finanzjonglierereien vorgeworfen werden, ein Fall aus dem Jahr 2011, der erst jetzt verhandelt wird.
Viel im Gespräch ist eine Untersuchung der Uni Bielefeld, die untersucht hat, wie sehr
Jugendliche der Politik und den Medien vertrauen und dabei herausfand, dass sie es
nicht tun. Studienleiter
Holger Ziegler verhaftet im Gespräch mit Uwe Ebbinghaus von der
FAZ die üblichen Verdächtigen: "Dabei fiel auf, dass die Gruppe, die angab, massives Misstrauen gegenüber Medien zu haben, sich selten oder gar nicht übers Radio, über Zeitungen, das Fernsehen oder digitale Angebote der entsprechenden Medienhäuser informiert, sondern fast ausschließlich
über soziale Netzwerke. Hier war die Neigung, Verschwörungstheorien zu glauben, fünf Mal höher als bei denjenigen, die auch klassische Medien nutzen. Das ist eindeutig
keine Petitesse."
Das von
Fahrettin Altun, einem früheren Think-Tank-Wissenschaftler und Vertrauten von
Erdogan, geleitete sogenannte
Kommunikationsdirektorat in Ankara soll die türkischen Mainstream-Medien total
kontrollieren, berichtet Thomas Avenarius (
SZ) unter Berufung auf eine
Reuters-Recherche: "Das Amt lenke die Nachrichtengebung der regierungsnahen Sender, Zeitungen und Online-Auftritte. Chefredakteure und Kolumnisten würden mit Anrufen und
Whatsapp-
Nachrichten auf die jeweils
vorgegebene Linie eingeschworen. (…) Erleichtert werde das Vorgehen des Direktorats durch die Besitzer der Sender und Blätter. Über die
Vergabe staatlicher Anzeigen würden die Medien wirtschaftlich unter Druck gesetzt."