Christian Caryl
schreibt für die
Washington Post ein ausführliches Porträt über den russisch-britischen Journalisten und Dissidenten
Wladimir Kara-Mursa, der seit Jahren Kolumnist bei der
Post ist. Zur Zeit wartet er in einem Moskauer Gefängnis auf den Prozess, der ihm gemacht wird, weil er den Krieg einen Krieg nennt. Caryl schildert ihn geradezu als
Antipoden Putins: "Putin wählte eine Karriere beim KGB als ergebener Diener des sowjetischen Systems. Die Familie Kara-Murza hat sich seit langem durch ihre
Opposition gegen dieses System definiert. Zwei von Kara-Murzas Vorfahren - ein Urgroßvater und ein Urgroßonkel - wurden von Stalins Geheimpolizei erschossen."
Facebook hat vor einigen Jahren ähnlich wie Google
News-Initiativen gestartet und bezahlt vor allem amerikanischen Medien Millionen für Inhalte (wohl auch, um sie gewogen zu halten). Das
stoppt der Konzern jetzt,
berichtet Sara Fischer bei
axios.com und zitiert aus einem
eiskalten Statement eines Konzernsprechers: "Vieles hat sich geändert, seit wir vor drei Jahren Verträge unterzeichnet haben, um zu testen, ob wir zusätzliche Nachrichtenlinks in Facebook News in den USA einbinden können. Die meisten Menschen kommen
nicht wegen Nachrichten zu Facebook, und für Unternehmen hat es keinen Sinn, zu viel in Bereiche zu investieren, die nicht mit den
Präferenzen der Nutzer übereinstimmen."
Mit der als humanitäres Projekt vermarkteten
Free Basics App, die Nutzern Zugriff auf eine kostenfreie Basisversion des Internets bieten soll, profitiert
Facebook durch die Extraktion von Daten aus Ländern mit begrenzten Datenschutzverordnungen und Kontrollmechanismen,
schreibt die bei einer NGO tätige Expertin für Entwicklungszusammenarbeit Antonia Baskakov im
Tagesspiegel und spricht von "
digitalem Kolonialismus": "Über die Free-Basics-App haben Nutzer*innen Zugriff auf eine kleine Auswahl von Websites, ohne für mobile Daten zahlen zu müssen. Die Auswahl bestimmt Facebook. So kontrolliert das Unternehmen die digitale Welt seiner App-Nutzer*innen. (…) Die App speichert Daten nicht nur, wenn Nutzer*innen Facebook selbst nutzen, sondern sobald sie irgendeine Website über die App aufrufen. Auf dem afrikanischen Kontinent bekommt Facebook diese Daten also zu besonders günstigen Bedingungen: In einigen Ländern kann Facebook Daten ohne Zustimmung der Nutzer*innen speichern und an Dritte weitergeben, ohne die Nutzer*innen auch nur zu informieren."
Einer Untersuchung zufolge leiden immer mehr Menschen an "
News Fatigue" oder "
Digital Burnout", schreibt Andrian Kreye in der
SZ. "Das alles ist übrigens weniger ein Massenphänomen als ein sich
ausbreitendes Krankheitsbild. Natürlich sind weltweit immer noch Milliarden auf Facebook und Hundert Millionen auf all den anderen Plattformen. Tendenz weiter steigend, auch in Deutschland. Mit mehr als 78 Millionen Nutzern sind laut der deutschen Filiale der globalen Marketing-Agentur We Are Social derzeit
93 Prozent aller Deutschen im Internet und immerhin 86,5 Prozent aller Deutschen in sozialen Medien unterwegs. Letzteres bedeutet eine Steigerung von zehn Prozent im Vergleich zu 2021. Doch was Kramp und Weichert Sorgen macht, sind weniger die Gesamtzahlen. 'Wir haben fast sechzig ausgewählte Leute intensiv interviewt, die an unserer Umfrage teilgenommen haben', sagt Weichert. 'Was sich da in der qualitativen Erhebung ergeben hat, war eine
tiefe Frustration mit digitalen Medien.'"
Für die
SZ stattet Frank Nienhuysen der
Nowaja Gaseta, die nun
Nowaja Gaseta. Europa heißt, einen Besuch im
lettischen Exil ab. "Lettland sieht in den exilierten Medien eine Chance, der russischsprachigen Bevölkerung guten Journalismus zu bieten. Die
russischen Staatsmedien hat das Land verboten, aber deren Propaganda dürfte noch nachwirken. Auch deshalb hat Lettland der
Nowaja Gaseta eine neue Chance angeboten. Nicht nur ihr. Der unabhängige russische Fernsehsender
Doschd hat jetzt ebenfalls von Riga aus über einen Youtube-Kanal einen Relaunch gestartet. Auch das aus Moskau gedrängte Büro der
Deutschen Welle ist in Riga, der russische
BBC-Dienst und die beliebte russische Medienplattform
Meduza. Lettland ist ein
neues Zentrum russischsprachiger Redaktionen."