Johannes Willms, Feuilletonchef der
SZ zwischen 1993 und 2000 und Erfinder des "Literarischen Quartetts", ist nach kurzer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben. In der
SZ erinnern sich Alexander Gorkow und Nils Minkmar sehr persönlich an den großzügigen und humorvollen "
Architekten des geistigen Deutschlands". Er "begriff den Kulturjournalismus im Fernsehen und in der Zeitung als einen
Dienst an der Öffentlichkeit - und nicht als Gelegenheit zum Ausweis elitärer Kompetenzen oder Rechthabereien. Dabei setzte Johannes Willms schlicht voraus, dass sich kluge Menschen nun mal für Geschichte und Literatur interessieren, ja begeistern - einfach weil sie Bürgerinnen und Bürger in Karl Poppers offener Gesellschaft sind, der Republik. Den heute hingegen so zwanghaft kultivierten Part, dem Publikum zu erklären, weshalb es sich für Napoleon oder Charles de Gaulle interessieren sollte, Schwieriges, gar Historisches also
mit Smileys zu garnieren, die aktuelle Übung auch, potenzielle Leserinnen und Leser wie arme Herumirrende durch alle Arten von Niveau-Limbo abzuholen, das alles kam nicht in Frage." In der
Berliner Zeitung erinnert sich Harry Nutt: "Seine elegante Erscheinung war derart
einschüchternd, dass es beinahe verblüffte, wie wenig auftrumpfend Johannes Willms im Gespräch unter Kollegen war."
Willms ragte wie ein Denkmal aus
glücklicheren Medienzeiten in die heutige Landschaft. Seine stete Fröhlichkeit aber diente in gewisser Hinsicht dazu, seine stupende Bildung und übrigens seinen protestantischen Fleiß zu kaschieren, eine Geste der Höflichkeit! Denn nebenbei schrieb er einige fulminante Napoleon-Biografien und Referenzwerke zur französischen Geschichte (
seine Bücher im
Perlentaucher). Es ist richtig,
schreibt sein ehemaliger
SZ-Kollege Claudius Seidl in der
FAZ, "dass im Feuilletonchefzimmer
immer gekühlter Champagner bereitstand. Wichtiger daran war aber, dass Willms seine geistige Kraft, seine intellektuellen Maßstäbe, seine Vorstellung von Vollkommenheit aus französischer Kultur, vor allem aus der
französischen Aufklärung, schöpfte."
In der
FAZ schreibt Othmara Glas über den ukrainische Oligarchen
Rinat Achmetow, dem im Rahmen eines "Gesetzes zur
Entoligarchisierung" seine Mediengruppe weggenommen wird. Der Medienvielfalt diene das nicht.