Der RBB ist mit seiner Verfassungsbeschwerde am Bundesverfassungsgericht (unsere Resümees) in allen Punkten gescheitert, berichtet Michael Hanfeld in der FAZ: "Die Richter geben ein Zeichen, das dem Bestreben der Sender, ganz allein über ihre Verfasstheit zu entscheiden und den Einfluss des Gesetzgebers auf ein Minimum zu reduzieren, eine Grenze setzt. Die Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, das Festlegen seiner Struktur, ist Sache des Gesetzgebers, also der Bundesländer. In die Rundfunkfreiheit der Sender greifen sie dadurch nicht ein. Darauf lautet der Grundtenor der Karlsruher Entscheidung." Eine gute Entscheidung, findet Hanfeld, denn von Einsicht ist auch nach den Skandalen der Vergangenheit nichts zu spüren: "Sobald sich die Politik daranmacht, den Grundversorgungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neu zu definieren und zeitgemäß zu gestalten, sobald sie dem unbegrenzten Wachstum der Sender - sie machen Presse im Internet und sehen sich seit Neuestem auch für das Entwickeln von Videospielen zuständig, um nur zwei Beispiele zu nennen - Einhalt gebieten wollen, raunt es von dorten, das gefährde die Demokratie. Dieser jedoch tut der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit der Selbstheiligung seiner Molochhaftigkeit wahrlich keinen Gefallen."
In der tazerläutert Christian Rath wichtige Punkte der Urteilsverkündung: "Dass die Intendantin und die Mitglieder der Aufsichtsgremien künftig finanziell für schuldhafte Pflichtverletzungen haften müssen, sei eher ein Vorteil für den RBB als ein Nachteil, so die Richter:innen. Dass sich unter diesen Bedingungen für die Aufgaben keine qualifizierten Bewerber:innen mehr finden, habe der RBB nicht belegt. Laut Staatsvertrag muss eine Haftpflichtversicherung so ausgestaltet werden, dass die Intendantin bis zu zehn Prozent eines von ihr verursachten Schadens selbst übernehmen muss, maximal ein Jahresgehalt."
In der tazberichtet Nicholas Potter über eine geplante Übernahme der britischen Zeitung Daily Telegraph durch das Investmentunternehmen RedBird Capital: "Kritisiert wird, dass John Thornton - Vorsitzender von RedBird - auch im Beirat der China Investment Corporation ist, eines staatlichen Vermögensfonds in Peking, der die Devisenreserven der Volksrepublik China verwaltet (...) Beide Gesellschaften seien Vehikel, mit denen China finanziellen Einfluss ausübe, heißt es in dem offenen Brief. Es gebe also berechtigte Bedenken, dass der Telegraph mit der Übernahme aus dem Ausland beeinflusst werde. Die Unterzeichner fordern, dass bei den Ermittlungen zum Deal auch unabhängige 'Experten für chinesische Manipulation von Informationen im Ausland und Einflussnahme sowie Experten für Medienpluralismus, Transparenz und Meinungsfreiheit' miteinbezogen werden. Die Übernahme müsse in der Zwischenzeit auf Eis gelegt werden." Neun Verbände, darunter Reporter ohne Grenzen, der Index on Censorship, Hongkong Watch und Human Rights in China, haben am 13. August einen offenen Brief an die britische Kulturministerin Lisa Nandy (Labour) verfasst, so Potter.
Ukrainische Soldaten erwartet in der russischen Kriegsgefangenschaft systematische Folter bis hin zu Vergewaltigungen - russische Soldaten werden in der Ukraine nach den Genfer Konventionen aus dem Jahre 1929 behandelt, konstatiert Sonja Zekri in der SZ. Die Ukraine sollte dennoch weiterhin wachsam sein, die Genfer Konventionen einzuhalten, was Zekri bei einem Format des ukrainischen Bloggers Wolodymir Solkin, in dem er russische Soldaten in Kriegsgefangenschaft befragt - mit Hilfe der ukrainischen Behörden, vermutet Zekri - und ihre Familien vor laufender Kamera anruft, zumindest in Frage gestellt sieht. "Manchmal ergeben sich Dialoge von geradezu unmenschlicher Komik. Wie er zu der Tatsache stehe, dass er ein Besatzer sei, fragt Solkin einen jungen Soldaten [namens Nikita, Anm. der Redaktion] mit hochgezogenen Schultern, der daraufhin nur druckst. Solkin: 'Du hast keine Ahnung, was das heißt, Besatzer?' Habe er nicht, gesteht der Soldat. Solkin, didaktisch: 'Was macht ein Besatzer?' - 'Er kämpft.' - 'Wofür?' - 'Die Freiheit.' -'Wessen Freiheit?' - 'Des Volkes.' Am schwersten erträglich aber sind die Telefonate mit den Angehörigen. Als Solkin die Frau eines hageren, großflächig tätowierten Soldaten namens Nikita anruft, fängt sie sofort an zu weinen. 'Wein nicht, alles wird gut', tröstet Nikita. Immerhin sei er noch heile, Arme, Beine alles dran."
Die gezielte Tötung des Al-Jazeera-Journalisten Anas al-Sharif durch das israelische Militär rief international Empörung hervor (unser Resümee). In der NZZ fragt Daniel Rickenbacher, wann Journalismus zur Terrorpropaganda wird: "Im Jahr 2006, ein Jahr vor ihrer Machtergreifung im Gazastreifen, gründete die Hamas einen eigenen Fernsehsender mit dem Namen al-Aksa TV (...) Sind die Angestellten von al-Aksa TV Journalisten? Laut dem Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) lautet die Antwort: ja. Das Komitee führt eine Liste von 186 Medienarbeitern, meist Palästinensern, die seit dem 7. Oktober in Israel und den palästinensischen Gebieten getötet wurden. 24 Mitarbeiter des Hamas-Senders stehen auf dieser Liste. Weitere 11 haben für den Sender al-Kuds al-Yum gearbeitet, der zur Terrororganisation Palästinensischer Islamischer Jihad (PIJ) gehört. Auch andere Personen auf der CPJ-Liste arbeiten für terrornahe Medien."
In der Jüdischen Allgemeinenempört sich Philipp Peyman Engel über den Vorwurf, die israelische Armee habe einen unschuldigen Journalisten getötet: "Der vermeintliche Al-Jazeera-Reporter Anas al-Sharif war kein unschuldiger Journalist, sondern Mitglied der Hamas. Er hat von der Hamas ein Gehalt bezogen. Ihm wurde eine Personalnummer zugeordnet. Er war im 'Nebenberuf' Teil eines Raketenbataillons der Hamas. Es gibt zahlreiche Selfies von ihm mit Yahya Sinwar, dem Chefarchitekten der Anschläge vom 7. Oktober, in eindeutiger Pose. Passend dazu schrieb Anas al-Sharif am 7. Oktober über seine Hamas-Kollegen: 'Neun Stunden, und die Helden streifen immer noch durch das Land, töten und nehmen Gefangene ... Gott, Gott, wie großartig ihr seid.'"
Wie ausgewogen kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein, wenn 47 Prozent der Zuhörer keiner Konfession angehören, nicht-religiöse Weltanschauungen im ÖRR aber kaum vorkommen, fragt Reiner Keller in hpd. "Selbst wenn mit dem Suchtext 'Atheismus' explizit nach Gegenentwürfen zu den Religionen gesucht wird, werden fast ausschließlich religiöse Inhalte transportiert. Statt Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit Hofberichterstattung, die zwar oft auch kritisch ist, aber nur gegen das irdische 'Personal' der Religionsgemeinschaften, der Glaube an Übernatürliches wird nur selten in Frage gestellt, selbst wenn der Titel der Sendung etwas anderes verspricht. Für humanistische Menschen ist das ein Ärgernis, insbesondere da dem ÖRR nicht einfach gekündigt werden kann, so wie das bei Zeitungen und Streamingdiensten selbstverständlich ist."
Die SZ äußert sich zu der Debatte um Bilder aus dem Gaza-Krieg, die vorerkrankte Kinder darstellten, welche Medien ohne Einordnung benutzen. Wolfgang Jaschensky, Leonard Scharfenberg und Lea Weinmann erklären, wie solche Bilder ausgewählt werden und dass es vor allem auf das Arbeitsethos der Fotografen ankomme. Es werden transparent die verschiedenen Arbeitsschritte erläutert, durch die ein Bild in der SZ-Redaktion vor der Veröffentlichung geht. "Und zur Wahrheit gehört auch: Trotz der zahlreichen Methoden, das Gezeigte zu überprüfen, bleibt ein Restrisiko. Dass nun auch immer mehr KI-generierte Bilder und Videos im Netz kursieren, macht die Unterscheidung zwischen Fake und Fakt nicht einfacher. Umso wichtiger wird eine der Grundregeln des journalistischen Handwerks: sich nie auf nur eine Quelle zu verlassen, sei es eine Person, eine Organisation oder ein Video."
Louise Otterbein stellt in der FAZ ein deutsch-französisches Joint-Venture vor, das eine europäische Suchmaschine, Ecosia, entwickelt, um Europa von amerikanischen Suchmaschinen unabhängiger zu machen: "Die Idee dahinter ist, das Web auch von europäischer Seite zu indizieren. Sprich: für mehr Unabhängigkeit zu sorgen. Den Beginn macht Frankreich. Dortige Nutzer können von jetzt an einen Teil ihrer Suchergebnisse direkt aus dem unabhängigen, europäischen Index von EUSP erhalten. 'Der französische Index bei Qwant ist bei 50 Prozent, die Hälfte der Suchergebnisse werden dort also aus unserem Index geliefert', sagt der Ecosia-Chef Kroll. Deutschland sei zurzeit noch in einem niedrigeren Prozentbereich, doch komme man schrittweise voran."
Weitere Artikel: Über hundert Journalisten fordern einen Zugang zum Gazastreifen, um unabhängig berichten zu können, berichtet Majd El-Safadi in der FAZ: "Deshalb fordern sie sowohl Israel als auch die islamistische Terrororganisation Hamas auf, die Einreise nach Gaza zu gestatten, um ausländischen Journalisten eine freie Berichterstattung zu ermöglichen." Carolin Gasteiger ist in der SZ enttäuscht von der ARD-Doku über Alex Karp, Gründer des Konzerns Palantir, dessen viel kritisierte Überwachungssoftware auch deutsche Behörden gern einsetzen: Der Film komme zwar "zur richtigen Zeit. Aber mit dem Fokus auf Karp, den die Filmemacher einfach nicht zu greifen kriegen, trägt die Doku eher zur Legendenbildung rund um den Palantir-Mitgründer bei, denn zur Aufklärung über dessen Software."
Jens Schneider besucht für die SZ den Putin-freundlichen Verleger der Berliner Zeitung, Holger Friedrich, in dessen Villa am Wannsee und möchte herausfinden, welche der vielen Vorwürfe - Russlandfreund, Autokratenfreund, fragwürdige Methoden als Verleger (unsere Resümees) - um Friedrich stimmen oder nicht. Friedrich lobt in dieser recht zahmen Homestory zum Beispiel China in den höchsten Tönen, denn "auch hier spricht er fasziniert von Apps und Entwicklungen, die er gern in Deutschland hätte. Dass es sich auch dort um ein autokratisches System handelt, spielt in der Erzählung keine Rolle. Er nimmt es zur Kenntnis, mehr nicht."
Screenshot der NYT-Aufmacherseite vom letzten Freitag.Während Zeit online ihren Artikel mit dem Foto eines schwerkranken Kindes weiterhin publiziert lässt, auch wenn der dazugehörige Artikel leicht verändert wurde, und in ihrer aktuellen Ausgabe den Fotografen Saher Alghorra über hungernde Kinder in Gaza, ohne ihre falsche Berichterstattung auch nur zu erwähnen, hat die New York Times, die ebenfalls mit Bildern des Kindes groß aufgemacht hatte, jetzt eine Art Entschuldigung publiziert. "Kinder in Gaza sind unterernährt und hungern, wie Reporter der New York Times und andere dokumentiert haben. Wir haben kürzlich einen Artikel über die am stärksten gefährdeten Zivilisten in Gaza veröffentlicht, darunter Mohammed Zakaria al-Mutawaq, der etwa 18 Monate alt ist und an schwerer Unterernährung leidet. Seitdem haben wir neue Informationen erhalten, unter anderem vom Krankenhaus, in dem er behandelt wurde, und aus seinen Krankenakten, und haben unseren Artikel aktualisiert, um weitere Informationen über seine bereits bestehenden Gesundheitsprobleme hinzuzufügen. Diese zusätzlichen Details vermitteln den Lesern ein besseres Verständnis seiner Situation. Unsere Reporter und Fotografen berichten weiterhin mutig, sensibel und unter persönlicher Gefahr aus Gaza, damit die Leser die Folgen des Krieges aus erster Hand sehen können."
We have appended an Editors' Note to a story about Mohammed Zakaria al-Mutawaq, a child in Gaza who was diagnosed with severe malnutrition. After publication, The Times learned that he also had pre-existing health problems. Read more below. pic.twitter.com/KGxP3b3Q2B
Eine proisraelische Seite macht allerdings auf eine Subtilität aufmersam: Während das Bild die volle Medienpower der New York Times mit 55 Millionen Followern auf Twitter erhielt, wurde die Korrektur nur auf der Seite für Unternehmenskommunikation mit 86.000 Followern publiziert.
The New York Times published an image of a child in Gaza, claiming the child was "malnourished" due to Israel, on its main account with 55 million followers.
Five days later, it quietly posted a correction, stating the child actually had a muscle condition, on its alternate… pic.twitter.com/yoTWrDCgc9
Die Reaktion ließ dennoch nicht auf sich warten. "Propalästinensische" Akvisten beschmierten den Eingang der New York Times mit Farbe und dem Graffito: "NYT Lies, Gaza Dies." Für diese Aktivisten wäre also nicht die Lüge die Lüge, sondern die Wahrheit.
WATCH: New York Times Building Vandalized Wednesday Morning.
Im Krieg der Bilder hantieren beide Seiten - die rechtsgerichtete israelische Regierung und die Terrororganisation Hamas - mit Desinformation, schreibt Rewert Hoffer in der NZZ. Zuletzt geriet Israel durch die Bilder von hungernden Kindern aus dem Gaza-Streifen zunehmend in die Bredouille, die von vielen Medien benutzten Bilder zeigten allerdings vorerkrankte Kinder (unsere Resümees). "Israels Vorwürfe sind berechtigt: Die Medien haben Bilder in einem verfälschenden Kontext ohne ausreichende Prüfung veröffentlicht. Deshalb allerdings zu insinuieren, dass keine 'massenhafte Hungersnot' im Gazastreifen herrsche, ist mindestens ebenso verfälschend."
Seit dem 7. Oktober 2023 dürfen offiziell keine ausländischen Berichterstatter in den Gaza-Streifen, das macht die Hamas neben der israelischen Regierung zur einzigen Nachrichtenquelle. Israel täte daher gut daran, Journalisten reinzulassen, konstatiert Kristina Ludwig in der SZ. "Während die israelische Regierung internationalen Medien einerseits vorwirft, in ihrer Berichterstattung aus Gaza Unwahrheiten aufzusitzen, untersagt sie ihnen zugleich, sich mit externen Reportern vor Ort ein Bild zu machen. Offiziell heißt es, man müsse Journalisten vor den Gefahren dieses Krieges schützen und auch, dass internationale Medien in Gaza die israelischen Truppen gefährden könnten." Der Verband der Auslandspresse in Israel erklärte dazu Folgendes: "'Unsere Aufgabe ist es, vor Ort zu sein, auch - oder vielleicht gerade - wenn diese Arbeit gefährlich ist', sagt Tania Kraemer, die Vorsitzende des Verbands. Diejenigen, die die Hungersnot infrage stellen, 'sollten es eigentlich begrüßen, wenn internationale Journalisten all diesen Fragen in Gaza nachgehen und ihren Job machen können'."
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