9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2320 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 232

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2025 - Medien

Der prominente türkische Journalist Fatih Altayli ist am Mittwoch zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, berichtet Wolf Wittenfeld in der taz: "Altayli hat bereits mehrere Jahrzehnte als Journalist hinter sich. Er arbeitete zunächst im Printbereich, war Chefredakteur mehrerer großer Tageszeitungen und landete dann beim Fernsehen. Das ergab sich fast zwangsläufig, weil die großen Medienkonzerne, bei denen er arbeitete, neben ihren Zeitungen auch TV-Anstalten besaßen, bei denen ihr bester Mann dann auf Sendung ging. Und das war Altayli immer: Er ist ein scharfzüngiger Kommentator, der sich ohne Scheu auf die Skandale der Republik stürzte. Über Jahre war Fatih Altayli das prägende Gesicht des TV-Senders Habertürk, der seine Sendung 'Teke Tek' (One to One) auf massiven politischen Druck hin dann im Mai 2023 absetzte. Altayli gründete daraufhin seinen eigenen Youtube-Kanal."
Stichwörter: Türkei

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2025 - Medien

Gina Thomas blickt in der FAZ auf das traurige Spektakel in Britannien, wo man sich nach dem fragwürdigen Zusammenschnitt einer Trumprede um die BBC streitet. Ein Parlamentshearing zeigte "nicht nur die Führungsschwäche der BBC auf, sondern auch, dass die Abgeordneten, die dem Sender linke oder rechte Voreingenommenheit vorwerfen, selber unfähig sind, Tatsachen und persönliche Wahrnehmung voneinander zu trennen. Der Trump-Eklat führte bekanntlich zum Rücktritt des BBC-Generaldirektors Tim Davie und der Nachrichtenchefin Deborah Turness. Und nun wackelt auch der Vorstandsvorsitzende Samir Shah", der eine Woche brauchte, um auf die Vorwürfe zu reagieren. "Shah redete herum, ließ die Frage wiederholen und gab auf die Erkundigung, warum es mit seiner Entschuldigung eine Woche gedauert habe, schwächlich zu Protokoll, es sei zeitaufwendig gewesen zu klären, was schiefgegangen sei, und die richtige Antwort zu finden, wofür man sich entschuldige."
Stichwörter: BBC

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2025 - Medien

Screenshot


Seit Tagen zirkuliert in den sozialen Medien diese Karte, die das "Zensurnetzwerk Deutschland" zeigen soll. Erarbeitet wurde sie von einem "Libernet", dessen Gründer Andrew Lowenthal neulich in der Berliner Zeitung interviewt wurde (leider nicht frei zugänglich). Auf der Seite von "Libernet" listet eine Datenbank alle NGOs auf, die von der Regierung und anderen Stellen beauftragt werden, die "Zivilgesellschaft" zu sichern. Andrew Lowenthal sieht (wie JD Vance in seiner legendären Münchner Rede) die Meinungsfreiheit in Deutschland gefährdet. Auf der Seite von "Libernet" heißt es. "Es gibt ein echtes Problem im Online-Diskurs, aber wir sind der Meinung, dass hart durchgreifende Maßnahmen leicht zu politischen Zwecken missbraucht werden können und die freie Meinungsäußerung gefährden. Wir hoffen, dass dieses Material Journalisten, politischen Entscheidungsträgern und Aktivisten hilft, das Ausmaß der derzeitigen Unterdrückung der Meinungsfreiheit zu erkennen, die freie Meinungsäußerung zu verteidigen und Methoden zu entwickeln, um mit unzumutbaren Inhalten umzugehen, die sich nicht für politische Zwecke missbrauchen lassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2025 - Medien

In Georgien wurde die Reporterin Msia Amaglobeli zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil sie einen Polizisten geohrfeigt hat, berichtet Christian-Zsolt Varga in der FAZ. Amaglobeli, die im Oktober mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit des Europäischen Parlaments ausgezeichnet worden war, ist bereits seit einem Jahr in U-Haft und dort fast vollständig erblindet. Die Gerichtsverhandlung, bei der die Angeklagte bis zu 8 Stunden stehen musste, war die reinste Farce, erzählt Varga. "Am Ende erhielt Amaglobeli selbst das Wort. Es sei ihr gleich, ob das Gericht sie freilasse oder im Gefängnis halte, sagt sie sinngemäß. Gefährlicher sei nicht die Haft, sondern die Frage, welches Land sie draußen erwarte: eines, das für Freiheit, Demokratie und eine europäische Zukunft kämpft, oder eines, das von Propaganda und russischem Einfluss geprägt sei, 'von Russland besetzt, ganz ohne Panzer'. Die Würde jedes Georgiers liege heute in der Verteidigung der Verfassung. 'Ich fordere Sie auf, zu kämpfen, solange es noch nicht zu spät ist.'"

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Kerstin Kohlenberg unterhält sich für die Zeit im Zug nach Washington mit George Packer, einem Urgestein des amerikanischen Journalismus, der gerade einen Roman geschrieben hat, "The Emergency". Ist die Wirklichkeit nicht interessant genug? "Zuletzt habe er das Gefühl gehabt, er schreibe den gleichen Artikel immer und immer wieder, sagt Packer. Wörter wie 'Polarisierung', 'Marginalisierung', 'gestohlene Wahl' hätten ihre Bedeutung verloren. Er habe sich gefühlt 'wie ein Kind, das immer wieder Kücheküchekücheküche sagt. Auf einmal klingt das Wort völlig lächerlich, verstehen Sie? ... Die Fakten, die die Worte zusammenhielten und ihnen Bedeutung gaben, die haben ihre Macht verloren.' Die einen glauben sie nicht mehr: Drei Tage nach dem Sturm aufs Kapitol, sagt Packer, war die Hälfte der Amerikaner überzeugt, das FBI habe das Ganze angezettelt. ... Sein Roman, sagt Packer, sei 'der Versuch, die Welt realer zu machen, indem man sie erfindet'.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2025 - Medien

"Dass man der BBC, die immer wieder behauptet, mit die beste Medienanstalten der Welt zu sein, und deren Führungspersonal jährliche Gehälter in Höhe von umgerechnet über eine halben Million Euro einkassiert, nun genau auf die Finger schaut, muss erwartet werden", kommentiert Daniel Zylbersztajn-Lewandowski in der taz die Kritik am Sender, der nach einem Bericht des Journalisten und ehemaligen Beraters der BBC Michael Prescott (unser Resümee) laut wurde. Zylbersztajn-Lewandowski geht nochmal ausführlich auf die Ungenauigkeiten in der Berichterstattung über Israel ein: "'Newsnight', die Hauptnachrichtensendung der englischsprachigen BBC, hätte etwa die Angaben des UN-Generalsekretärs für humanitäre Angelegenheiten, Tom Fletcher, über das angebliche Sterben von 14.000 Babys in Gaza ohne Nachprüfung wiederholt, so Prescott. Auch hätte 'Newsnight' die Annahme der südafrikanischen Klage gegen Israel zum Völkermordvorwurf im Internationalen Strafgerichtshof falsch dargestellt. Hier hatte Den Haag lediglich festgestellt, dass Gaza ein Recht auf Schutz vor Völkermord habe und ein Fall vorgelegt werden dürfe. Berichtet wurde aber, dass potenziell von Israel ein Genozid ausgeführt worden sei."
Stichwörter: BBC, Israelkritik

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.11.2025 - Medien

Der Spiegel unternimmt für seine Titelgeschichte einen Ausflug in die exotische Welt der Öffentlich-Rechtlichen. In einer Reportage werden nochmal die Hintergründe zur Sendung "Klar" erzählt, einer Koproduktion von NDR und BR, die einen "konservativen" Akzent setzen sollte (offenbar gilt es beim Spiegel und in den Sendern als konservativ, wenn man Probleme mit Migration anspricht) und deren Moderatorin Julia Ruhs bekanntlich nach Protesten der Redaktion und einer fernsehöffentlichen verbalen Ohrfeige durch die bekannte, sich als links lesende Moderatorin Anja Reschke gefeuert wurde. (Unsere Resümees) Bei der Gelegenheit erfährt man übrigens, dass Sender wie der NDR einen neuen Intendanten durch eine Gala einführen, ein bisschen wie einen neuen König bei Hofe. Die Pressemitteilung zur Absetzung Ruhs' "fällt ausgerechnet auf den Tag der Staffelübergabe zum neuen NDR-Intendanten Hendrik Lünenborg. Alle Ministerpräsidenten im Sendegebiet sind zu der feierlichen Gala im Rolf-Liebermann-Studio des NDR geladen. Aber Daniel Günther, der Regierungschef von Schleswig-Holstein, bleibt der Zeremonie demonstrativ fern, geht stattdessen zu einer Lesung von Ruhs in der Landeshauptstadt Kiel und lässt sich mit ihr fotografieren. Die Geste wird so aufgefasst, wie sie gemeint ist: als Protest gegen die Personalpolitik des NDR." Ruhs wird beim Bayerischen Rundfunk weitermachen.

Laut der eigentlichen Titelgeschichte des Spiegel geht es der ARD wie so vielen Institutionen in Deutschland, sie sei "zwar modernisierungswillig, aber nur bedingt modernisierungsfähig". "So wirkt die ARD wie ein taumelnder Riese: ein System von Anstalten und Sendern, das sich Schrullen wie Radio Bremen oder den Saarländischen Rundfunk leistet, dessen Intendant Martin Grasmück 245.000 Euro plus Sachbezüge verdient. Und der zusammen mit Programmdirektorin, Chefredakteurin, Inklusionsbeauftragten und einem jährlichen Etat von 143 Millionen Euro ein Programm für eine Million Saarländer produziert."

Inzwischen hat sich die BBC bei Donald Trump entschuldigt, die Klage Trumps über eine Milliarde Dollar weist sie aber zurück, berichten Tara Conlan und Michael Savage im Guardian, wo auch nochmal die reale und die von der BBC zusammengeschnittene Rede gezeigt wird, die all die anderen Manipulationen, derer die BBC beschuldigt wird, aus der Öffentlichkeit verdrängt hat (unsere Resümees).


Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster versteht laut "tagesschau.de" nicht, warum hier ein "vergleichsweise kleiner handwerklicher Fehler (...) zum Popanz aufgebauscht" wird.

Außerdem: Kriegsreporterin Sophia Maier erklärt im Gespräch mit Elias Feroz von der FR, warum sie in einem Konflikt mit allen spricht: "Meine Aufgabe als Journalistin ist es, alle Perspektiven abzubilden - auch die der Hamas. Wichtig ist nur, dass ich Falschaussagen und Propaganda kontextualisiere, einordne und mit Fakten unterfüttere."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.11.2025 - Medien

Die Diskussion über die Verfehlungen der BBC verengt sich auf einen Aspekt, den falschen Zusammenschnitt der Rede Donald Trumps am, 6. Januar 2021. Die zahlreichen Belege für eine antiiisraelische Tendenz, die der Journalist und ehemalige Berater der BBC Michael Prescott in seinem Bericht auflistet, geraten aus dem Blick. Trump hat die Diskussion durch einen Post auf "Truth Social" und eine Klage gegen die BBC an sich gerissen - für die BBC ist das eher von Vorteil, da sie nun als Opfer einer MAGA-Verschwörung dasteht. Gina Thomas lotet in der FAZ die Chancen für Trumps Klage aus: "Rechtsexperten beurteilen den Fall unterschiedlich. Einige meinen, dass Trump es schwer haben werde, den bei Verleumdung entscheidenden Vorsatz zu beweisen."

Der manipulative Zusammenschnitt der Trump-Rede durch die BBC ist in diesem französischen Video der Publizistin Abnousse Shalmani sehr gut zu sehen und zu hören. Zusammengeschnitten wurden zwei Sätze, die in seiner Brandrede fünfzig Minuten entfernt lagen. Ab Minute 1.39 hört man den ersten Satz. Ab Minute 2.06 den zweiten Satz und ab Minute 2.24 den in der Tat extrem manipulativen Zusammenschnitt, der suggeriert, als bildeten Satz 1 und Satz 2 eine Sinneinheit (dass die Rede in der Tat ein Aufruf zum Aufruhr war, steht außer Frage, die BBC macht es zu schön um wahr zu sein).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.11.2025 - Medien

Interessant die Wendung, die die Berichterstattung über die BBC nimmt. Der Direktor und die Nachrichtenchefin der BBC sind bekanntlich zurückgetreten (unser Resümee). Anlass war ein Bericht des Journalisten und BBC-Beraters Michael Prescott, der der Anstalt zahlreiche Manipulationen und Verfehlungen vorwarf - unter anderem den falschen Zusammenschnitt einer Rede Donald Trumps. Dieser Aspekt dominiert seitdem in den Medien, während die systematisch tendenziöse Berichterstattung der BBC zu Israel höchstens noch gestreift wird. Auch Steffen Grimbergs fokussiert in der taz auf den Trump-Aspekt: "Der Direktor und die Nachrichtenchefin der BBC treten zurück. Auslöser: ein fehlerhafter Zusammenschnitt einer Rede des US-Präsidenten. Der freut sich. Und auch die US-Firmen, die gerade den britischen Medienmarkt aufkaufen."

Jochen Bittner sieht es bei Zeit online etwas anders und erzählt etwas über die Hintergründe von Prescotts Bericht: "Prescott hatte drei Jahre lang als Berater für das 'Editorial Guidelines and Standards Board' (EGSC) der BBC gearbeitet, das ein Gremium für die interne Qualitätssicherung ist. Im Juni trat Prescott dann von seinem Amt zurück, und zwar, wie er später schrieb, 'mit schwerwiegenden Sorgen um die BBC'. Sein Eindruck sei gewesen, dass die BBC-Führung zwar von Problemen in der Berichterstattung gewusst, jedoch nichts dagegen unternommen habe. 'Ich würde so weit gehen zu sagen, dass die Haltung, die der Vorstand gegenüber Beweisen für schwerwiegende und systemische Probleme zeigte, mittlerweile selbst ein systemisches Problem ist', schreibt Prescott in einer Einleitung für ein 19-seitiges Dossier, das der Telegraph am Donnerstag vollständig veröffentlichte." Der Bericht steht bei Telegraph leider nach wie vor hinter Zahlschranke.

Lucien Scherrer und Jonas Roth recherchieren in der NZZ weiter zu einem Mitarbeiter des ZDF aus Gaza, der bei einem Angriff der israelischen Armee ums Leben kam. Das ZDF war anfangs empört, musste dann aber eingestehen, dass der Mitarbeiter ein Offizier der Hamas war (unsere Resümees). Westliche Medien sind - auch wegen der restriktiven Medienpolitik der Israelis - gezwungen, mit Mitarbeitern vor Ort zusammenzuarbeiten. Diese werden aber von der Hamas kontrolliert. Die Autoren sehen sich die Firma PMP näher an, wo der Mitarbeiter angestellt war. Sie ist seit Jahrzehnten eng in die Kommunikationsstruktur der Hamas eingebunden: "So erschien der langjährige frühere PMP-Chef Abdelghani Jaber im Februar 2023 in palästinensischen Medienberichten als Mitglied einer Delegation des Verbandes der Medienproduktionsfirmen in Gaza. Dieser Verband steht im regelmäßigen Austausch mit dem Regierungsmedienbüro der Hamas. Sein Vorsitzender Hassan al-Madhun lobte Anfang 2023 die 'enge Zusammenarbeit' bei der Produktion von 'Inhalten, die dem nationalen Narrativ entsprechen'."
Stichwörter: BBC, ZDF, Gazakrieg, Hamas

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2025 - Medien

Der Direktor der BBC Tim Davie und die Nachrichtenchefin Deborah Turness sind gestern zurückgetreten. Anlass ist ein 19-seitiger Bericht des politischen Journalisten und externen BBC-Beraters Michael Prescott, der der BBC tendenziöse Berichterstattung vorwirft. Die Trump-Rede am 6 Januar 2021 - bei der Stürmung des Kongresses - sei in einem Beitrag extrem manipualtiv zusammengeschnitten worden. Vor allem aber gegenüber Israel habe die BBC starke Schlagseite gezeigt. Auch die Trans-Community habe in der BBC einen zensorischen Einfluss. Die BBC machte das in ihrem internationalen Dienst gestern Abend zu "Breaking News" und bespiegelte sich selbst in Dauerschleife. Hier griff man allerdings lieber die Vorwürfe zu Trump auf als die zu Israel - Trump lieferte mit einem Post auf Truth Social einen dankbar aufgegriffenen Anlass. Prescotts Bericht ist im Daily Telegraph veröffentlicht, allerdings hinter Zahlschranke.

"Die BBC sieht sich einem koordinierten, politisch motivierten Angriff ausgesetzt. Mit diesen Rücktritten hat sie nachgegeben", kommentiert wie zu erwarten Jane Martinson im Guardian. Martinson gibt aber zu: "Die Berichterstattung aus Gaza, insbesondere die des arabischen Dienstes der BBC..., hat viele in der jüdischen Gemeinschaft verletzt, während die Haltung der BBC zu Transgender-Rechten sogar ihre eigenen Mitarbeiter gespalten hat."

Die Times-Kolumnistin Melanie Philips resümiert Prescotts Bericht auf ihrer Substack-Seite. "Er berichtet etwa über Ahmed Qannan, ein regelmäßiger Gast bei BBC Arabic, der einen Terroristen, der vier Zivilisten und einen israelischen Polizisten getötet hatte, als 'Helden' bezeichnete. Er sei zwischen Februar 2024 und April 2025 insgesamt 217 Mal in dem Sender aufgetreten. Er wurde als Journalist aus Gaza vorgestellt und trat sowohl im BBC Arabic Radio als auch in der Sendung "Gaza Today" auf. Ahmed Alagha, der Israelis als minderwertige Menschen und Juden als 'Teufel' bezeichnete, trat zwischen November 2023 und April 2025 insgesamt 522 Mal im arabischen Fernsehen und Radio der BBC sowie in 'Gaza Today' auf. Er wurde durchweg als Journalist vorgestellt." In der NZZ hatte Marion Löhndorf über die Vorwürfe berichtet.

Der Schweizer Verlag Ringier hat den Blikk, das meistgelesene Online-Medium Ungarns, an Indamedia verkauft, den Konzern des orbantreuen Unternehmers Lőrinc Mészáros, berichten Nicolas Freund und Verena Mayer in der SZ. Dabei ist jetzt schon "der allergrößte Teil der ungarischen Zeitungen, Sender oder Online-Angebote in der Hand von regierungstreuen Unternehmen, die Journalismus im Sinne der Fidesz-Partei machen". Die hat solche Unterstützung offenbar auch dringend nötig - und diese Erkenntnis ist gewissermaßen die gute Seite der Sache: Ein Gesetzentwurf "sieht vor, dass etwa Medien überhaupt kein Geld mehr aus dem Ausland annehmen dürfen, nicht einmal in Form von Spenden, Crowdfunding oder Abonnements. Dies würde auch die wenigen verbleibenden unabhängigen Medien zerstören. Klar dürfte auch sein, dass der Kauf des Blikk durch Indamedia in Zusammenhang mit der Parlamentswahl in Ungarn im Frühjahr 2026 steht. Orbán und seine Fidesz-Partei liegen in allen Umfragen hinter der Tisza-Partei von Péter Magyar."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.11.2025 - Medien

Neulich stellte sich heraus, dass das ZDF mit einem Offizier der Hamas zusammenarbeitete - er war bei einem Angriff der Israelis ums Leben gekommen und wurde vom ZDF zunächst intensiv betrauert. Der Fall reiht sich ein in eine ganze Serie von Kooperationen internationaler Medien, die nicht nach Gaza dürfen, mit "Journalisten", die oft zur Hamas gehören. Vanessa Fatho fasst für die FAZ zusammen: "Einen Fauxpas erster Klasse hatte sich Anfang des Jahres die BBC geleistet. Im Februar veröffentlichte der Sender die Dokumentation 'Gaza - How To Survive A War Zone'. Im Nachgang stellte sich heraus, dass einer der Protagonisten, ein 13 Jahre alter Junge, der Sohn des stellvertretenden Hamas-Landwirtschaftsministers Ayman al-Yazouri war. Inzwischen wurde die Doku aus der BBC-Mediathek entfernt und nach eigenen Angaben eine interne Untersuchung durchgeführt... Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom verpflichtete die BBC dazu, sich zur besten Sendezeit im Programm für die Sache zu entschuldigen."

Die Bundesländer suchen nach einem neuen "Digitale-Medien-Staatsvertrag (DMStV)", berichtet Ann-Kathrin Lecler in der taz, die mit Heike Raab, Koordinatorin der Rundfunkkommission der Länder und Medienstaatssekretärin von Rheinland-Pfalz gesprochen hat. Unter anderem geht es darum, wie man für die notleidenden "Qualitätsmedien" ein wenig Gelder der übermächtigen Plattformen abzweigen kann (na, Hauptsache, der Perlentaucher kriegt was ab). "In Österreich gibt es eine ähnliche Plattformabgabe bereits, große Onlineplattformen müssen fünf Prozent ihrer Einkünfte aus der Werbevermarktung abführen. Wie die Abgabe in Deutschland ausgestaltet werden würde und wer von ihr profitieren könnte, wurde noch nicht ausgehandelt, so Raab. Die Länder suchten aber nach einer Lösung, die die flächendeckende Versorgung von verlässlichen Medien garantiere. Das Ziel: 'Ein Regelwerk, das den US-Tech-Giganten etwas entgegensetzt, neue Regeln für den Jugendschutz schafft und journalistische Inhalte auf Plattformen stärkt', sagt Raab."