9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.09.2025 - Medien

Alle berichten über die Rückkehr von Jimmy Kimmel auf den Bildschirm, auch der Spiegel, der dem Moderator bei seinem ersten Auftritt zusah: "Bei seiner Rückkehr ins Fernsehen zeigte sich Kimmel nicht nur emotional, sondern auch scharfzüngig: 'Der Präsident der Vereinigten Staaten will, dass ich gefeuert werde. Unser Anführer feiert es, wenn Amerikaner ihren Job verlieren, nur weil er keinen Witz ertragen kann.' Mit dieser Spitze gegen Donald Trump setzte Kimmel gleich zu Beginn ein klares Signal - und legte nach. 'Vielleicht muss er jetzt die Epstein-Akten veröffentlichen, um uns davon abzulenken.'"

Und hier ist er (falls Sie diese nervende KI-Synchronisation abschalten müssen, geht das über das Einstellungsrädchen):



Zwei große lokale Partnersender von Disney - Sinclair und Nexstar - wollen Kimmels Show allerdings weiterhin nicht zeigen, berichtet Michael Hanfeld in der FAZ. An Kimmels Äußerungen zum Mordfall Charlie Kirk dürfte das kaum liegen, glaubt er, sondern an geschäftlichen Interessen, die von der staatlichen Medienaufsichtsbehörde FCC abhängig sind: "Die Rolle der Lokalsenderbetreiber verstärkt auch die Abhängigkeit eines Konzerns wie Disney von den Entscheidungen der FCC. Denn dort müssen sich nationale Sender ebenso um Lizenzen bemühen wie die lokalen - und Fusionen genehmigen lassen. Und hier findet sich im Fall Kimmel eine ähnliche Situation wie bei der Absetzung des Late-Night-Moderators Stephen Colbert bei CBS. Der CBS- Mutterkonzern Paramount wollte für acht Milliarden Dollar von Skydance Media übernommen werden und war vom Plazet der FCC abhängig. Colbert flog raus, die Genehmigung kam. Jetzt will Nexstar die Lokalsendergruppe Tegna für 6,2 Milliarden Dollar übernehmen und ist - selbstverständlich - abhängig von der Medienaufsicht. Diese prüft zurzeit überdies, ob Disney mit Diversity-Vorgaben gegen das Rundfunkrecht verstößt; auch das könnte in letzter Konsequenz zum Lizenzentzug führen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2025 - Medien

Marcus Maurer, Professor für Kommunikationswissenschaft, hat die Rolle der Medien in der Corona-Pandemie erforscht und kommt dabei zu ganz schön kritischen Ergebnissen. Im Gespräch mit Antje Lang-Lendorff von der taz erläutert er: "Wir haben die Berichterstattung etablierter Onlinemedien wie spiegel.de, sueddeutsche.de, welt.de oder bild.de und Fernsehnachrichten von ARD, ZDF und RTL ausgewertet. Dabei haben wir herausgefunden, dass die untersuchten Medien tatsächlich einseitig berichtet haben, sie waren sehr im 'Team Vorsicht'. " Und dabei haben die Medien nicht nur widergespiegelt, sondern agiert, so Maurer: "Den Medien generell wurde in der Pandemie ja vorgeworfen, dass sie der Regierung nur hinterhergelaufen seien. Unsere Auswertung hat jedoch ergeben, dass sie die Regierung vor sich hergetrieben und zu noch härteren Maßnahmen gedrängt haben. Sie haben einseitig berichtet, aber nicht unkritisch."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2025 - Medien

Die Absetzung der Moderatorin Julia Ruhs zumindest im NDR, der eine senderinterne Kampagne vorausging, zeigt sehr wohl, dass es in Deutschland so etwas wie eine "links-grüne Meinungsmacht" gibt, findet Philipp Eppelsheim im Leitartikel der FAZ: "Zur Folge hat das, dass viele Bürger sich nicht nur von der Politik, sondern auch von der Presse bevormundet und für dumm verkauft fühlen. Wenn statt Meinungsvielfalt nur noch eine bestimmte politische Agenda verfolgt wird, darf man sich über den Lügenpresse-Vorwurf nicht wundern - und auch nicht, wenn Bürger sich von den sogenannten Mainstream-Medien abwenden."

Ruhs kommt selbst im Focus auf die Absetzung zurück: "Mir wurden 'handwerkliche Fehler' vorgeworfen, lese ich jetzt in Artikeln. Das ist lustig, denn natürlich wurde jede einzelne Zeile in den Sendungen abgenommen. Und das von einer Reihe wichtiger Leute. Sie tun jetzt so, als hätte ich die redaktionelle Verantwortung getragen. Sie wissen selbst, dass das Quatsch ist. Ich war das Gesicht der Sendung und Reporterin. Aber ich hatte nie das letzte Wort. Mein Rauswurf war vor allem eines: politisch."
Stichwörter: Ruhs, Julia, NDR

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.09.2025 - Medien

Wenn ein amerikanischer Sender einen Late-Night-Moderator wie Jimmy Kimmel rausschmeißt, ist das Folge eines "autoritär-faschistischen Angriffs", wie Bernd Pickert in der taz schreibt. Wenn der NDR eine "rechte" Moderatorin absetzt, die von einer maßgeblichen Kollegin in einer Konkurrenzsendung als "ein bisschen rechtsextrem" gebrandmarkt wurde, woraufhin 250 weitere Kollegen sich gegen sie aussprachen, kann "von einer Cancel-Culture keine Rede sein", meinen ebenfalls in der taz Wlada Froschgeiser und Jonas Kähler. "Gecancelt wurde hier niemand. Es wurden nur die redaktionellen Vorschriften des NDR-Staatsvertrags beachtet, nämlich die Sorgfaltspflicht." "In den USA droht Trump Sendern mit Lizenzentzug. Das hat eine andere Qualität als der Fall von Julia Ruhs", findet auch Michael Hesse in der FR (ein Lizenzentzug dürfte beim NDR tatsächlich nicht zu befürchten sein).

Etwas anders sieht das Ijoma Mangold bei Zeit online. Zu recht empören wir uns, wie journalistische Medien dem Oger Trump einen Moderator wie Jimmy Kimmel als Opfer darbringen, meint er. Aber wäre  diese Wut "nicht noch viel glaubwürdiger, wenn wir in unseren eigenen Medien-Institutionen, die anders als den US-Sender ABC jeder Bürger mitfinanzieren muss, auch Perspektiven vorkommen lassen würden, die eine Herausforderung für das links-progressive Weltbild darstellen?"

Der NDR hat jetzt die ehemalige Chefredakteurin der Bild, Tanit Koch, zur Nachfolgerin gekürt, meldet etwa der Deutschlandfunk.

Die erste Folge von Jon Stewarts "Daily Show" nach Kimmels Absetzung ist im übrigen eine Folge für die Geschichtsbücher: 

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2025 - Medien

Die FAZ hat ihr Epaper überarbeitet, jene Schnittstelle zu den Lesern, die das Papier nun also wirklich ablösen soll und für das Leser monatlich stattliche Summen zahlen. Wie bei so vielen Reformen handelt es sich um eine Verschlechterung, die sich als Verbesserung verkauft. Artikel, die der Leser anklickt, darf er nun nicht mehr markieren. Das heißt, er kann sich nicht mal für eigene Zwecke einen Namen, eine bibliografische Angabe, einen bemerkenswerten Satz eines Kommentators kopieren und merken. Es sei denn, er schreibt sie ab oder fotografiert sie, wie einst beim Papier. Wehrt sich die Zeitung so gegen Übergriffe gieriger KI-Bots? Nachfragen bei der FAZ-Aboabteilung nach dem Sinn dieser Reform blieben bislang unbeantwortet.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.09.2025 - Medien

Donald Trump überzieht in den USA immer mehr Nachrichten-Unternehmen, zum Beispiel die New York Times, mit Klagen und versucht diese dadurch einzuschüchtern. Die neueste Entwicklung ist allerdings, dass er jetzt auch ausländische Journalisten mit einer erschwerten Visa-Vergabe gängeln möchte, schreibt Christian Weisflog in der NZZ. "Die Republikaner haben stets auf eine besonders großzügige Redefreiheit gepocht. Solange jemand nicht zu Gewalt aufruft, sollte in ihren Augen auch die sogenannte Hassrede erlaubt sein. (...) Nun aber sagte die amerikanische Justizministerin Pam Bondi: 'Wir werden euch absolut verfolgen, wenn ihr mit Hassrede auf jemanden losgeht.' Als ein Reporter diese Woche den Präsidenten nach der Aussage seiner Justizministerin fragte, antwortete Trump: 'Sie (Bondi) wird vermutlich solche Leute wie Sie ins Visier nehmen, weil sie mich so unfair behandeln. Sie haben viel Hass in ihrem Herzen.' Im Grunde scheint der Präsident damit anzudeuten: Wo die schlechte Rede über Trump beginnt, endet die Meinungsfreiheit." Am Mittwoch Abend teilte der Sender ABC außerdem mit, die Talkshow mit Jimmy Kimmel abzusetzen, nachdem dieser behauptete, der Mörder von Charlie Kirk stehe dem Trump-Lager nahe. 

Kleine Aufregung um den NDR, der sich von der bayerischen Moderatorin Julia Ruhs getrennt hat, weil NDR-Redakteure sie und ihre Sendung "Klar" "zu rechts" fanden. Äußern will man sich im NDR dazu aber nicht, beteuert aber, dass der NDR eine "offene Diskussionskultur" fördere. Offenbar ist sie regelrecht rausgemobbt worden, erzählt Susann Kreutzmann in der NZZ: Jan Böhmermann nannte die Sendung "rechtspopulistischen Quatsch", seine NDR-Kollegin Anja Reschke "qualifizierte die Sendung als 'ein bisschen rechtsextrem' ab. (...) Als die NDR-Chefredaktion im April laut Welt-Recherche den Start der neuen Sendereihe 'Klar' besprechen will, kommt es zum Eklat. NDR-Kollegen übergeben den Programmverantwortlichen einen offenen Brief, den 250 Mitarbeiter unterschrieben haben. Von der Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten ist darin die Rede, die Sendung wird als verstörend, oberflächlich und feindlich gegenüber Migranten bezeichnet."

In der FAZ ist Michael Hanfeld über Ruhs' Rauswurf empört: "So vermittelt sich der Eindruck, dass der NDR bei dieser Gelegenheit alle Vorurteile, die man über die 'links-grün-woke' Blase im öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben kann, bestätigt: Da gibt es keine Meinungsvielfalt, sondern nur eine - linke - Meinung. Es geht um 'Gut' gegen 'Böse'. An- und Einsichten aus der Mitte der Gesellschaft werden, wenn sie nicht ins eigene Weltbild passen, als 'rechts' oder 'rechtsextrem' gerahmt, die man bestenfalls gar nicht erst ins Programm lässt. Wer als Journalist aus der Meinungsreihe tanzt, wird weggemobbt und in Sendungen wie 'Reschke Fernsehen' oder Böhmermanns ZDF-Zirkus geächtet." In der SZ hat Thore Rausch kein Problem damit, dass "Klar", dieses "journalistische Reportageformat für ein diffus rechtes Publikum", jetzt von NDR-Reportern bespielt wird.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.09.2025 - Medien

Verbreitet die New York Times Verschwörungstheorien, besonders wenn es gegen Israel geht? In einem Fall wohl ja, hat Ali Sadrzadeh für die taz herausgefunden. Es geht um den israelisch-iranischen Zwölftagekrieg im Juni. Die New-York-Times-Redakteurin Farnaz Fassihi hatte behauptet, dass beim israelischen Schlag gegen das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran nicht nur Verwaltungstrakte getroffen wurden, sondern auch ein Trakt mit hundert Transgenderpersonen, die alle verschwunden seien - man müsse annehmen, sie seien tot. Niemand sonst hat die Meldung gebracht, aber inzwischen beziehen sich antiisraelische Aktivisten und die Wikipedia auf sie. Die taz-Redaktionhat bei der Times nachgefragt und nur die trockene Antwort bekommen: "Hallo, wir haben dem, was wir in dem Artikel berichtet haben, nichts weiter hinzuzufügen. Danke." Die Times gibt den iranischen Rechtsanwalt Reza Shafakhah als Quelle an, der das Gefängnis gut kennt. Sadrzadeh: "Als ich Rechtsanwalt Shafakhah, die einzig genannte Quelle des New-York-Times-Artikels, im Gespräch direkt danach fragte, war er außer sich. Er bestreitet vehement, je so etwas gesagt zu haben. Auch Kollegen der BBC hätten ihn deswegen schon angerufen. 'Ich habe weder von vermissten Transgender gesprochen noch von einem zerstörten Trakt, weder eine Zahl genannt noch weiß ich überhaupt, wie viele Transgender in iranischen Gefängnissen einsitzen.'"
Stichwörter: New York Times

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2025 - Medien

Bari Weiss hatte einst die New York Times verlassen, weil ihr das Klima dort politisch zu ängstlich war (unser Resümee). Sie hat dann das Blog The Free Press gegründet. Jetzt wurde dieses Blog für 200 Millionen Dollar von Larry Ellisons CBS gekauft, wo Weiss auch eine redaktionell maßgebliche Rolle spielen soll. Der Vorwurf, sie sei "rechts", geht allerdings nicht auf, meint Nina Rehfeld in der FAZ: "Sie vertritt eine kompromisslose proisraelische Haltung und thematisiert oft den Antisemitismus; Israelkritische Stimmen finden in der Free Press wenig Raum. Sie ist offen kritisch gegen Trump - den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 verurteilte sie scharf und nannte Trump einen 'bekannten Lügner'. Sie äußert sich aber zugleich positiv über manche seiner politischen Initiativen. Sie wirft der MAGA-Bewegung vor, bloß an Macht statt an Prinzipien interessiert zu sein, und sie warnte, dass die 'Ultrarechte, wenn sie nicht herausgefordert wird, die konservative Mitte verschlingen könnte, so wie das auf der anderen Seite geschehen ist'."
Stichwörter: Weiss, Bari, Maga-Bewegung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.09.2025 - Medien

Der Autor Per Leo wird neuer Herausgeber der vom Eigentümer der Berliner Zeitung, Holger Friedrich, exhumierten Weltbühne. "Leo nimmt als Herausgeber die Stelle Thomas Fasbenders ein, der einst Kommentator des russischen Propagandasenders RT DE (Russia Today Deutsch) war, bevor dieser europaweit verboten wurde", staunt Jürgen Kaube in der FAZ. "Die Verlockung, etwas herausgeben zu dürfen", scheine Leo jedenfalls "ganz unempfindlich gegen das trübe Milieu gemacht zu haben, in dem es ihm ermöglicht wird. Kürzer formuliert: Selbstwichtigkeit siegt über Verstand und Geschmack."

In der FAZ berichtet Michael Hanfeld, dass der Schülerin Judith Scheytt der Donnepp-Preis aberkannt wurde, "weil ihre Beiträge im Netz auf Instagram antisemitisch geprägt seien" (mehr dazu hier).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2025 - Medien

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Der Medienwissenschaftler Martin Andree, der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat, warnt in der SZ vor einer "unheiligen Allianz aus dem nihilistischen Plattformkapitalismus der Tech-Konzerne und dem christlich-fundamentalistischen Nationalismus der Trump'schen Republikaner". "Natürlich können sich innerhalb dieser Symbiose die Positionen verschieben, aber die Entwicklung ist schon konsistent: Das beinhaltet erstens die allgemeine Übernahme der Öffentlichkeit durch digitale Medien, zweitens die Übermacht der Plattformen innerhalb der digitalen Welt und drittens die aktive Unterstützung von Polarisierung und Radikalisierung durch alle Plattformen. Das führt zu der aktuellen Evolution des politischen Diskurses und zu dem kontinuierlichen Zuwachs bei rechtspopulistischen Parteien."