Der Ruhm
Hans Küngs aus jener Zeit, "in der man es mit theologischen Thesen noch in Fernsehtalkshows schaffen konnte", mag verblasst sein. Aber die Anliegen des Vatikankritikers, der im Alter von 93 Jahren gestorben ist, sind nach wie vor aktuell,
schreibt Lucas Wiegelmann in der Welt, und er verfocht sie besser als viele sener Nachfolger: "Er, der Dogmatik-Experte, betreibt nicht Theologie, weil er seine Reformanliegen begründen will. Es ist umgekehrt:
Seine Theologie führt ihn erst zu der Überzeugung, dass Reformen nötig seien." Wie
Reformer in der katholischen Kirche behandelt werden (seit man sie nicht einfach auf den Scheiterhaufen bindet),
erzählt Bernhard Lang in der
NZZ: "Küng wurde bereits 1957, im Jahr seiner Promotion, als
der Irrlehre Verdächtiger bei den römischen Kirchenbehörden angezeigt. In Rom wurde die
Akte '
399/
57i' angelegt, ein Konvolut, das in den Folgejahren immer umfangreicher wurde. Der Betroffene allerdings konnte es, vatikanischer Gepflogenheit gemäß, nie einsehen."