9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2021 - Religion

Immer mehr polnische Schüler und Schülerinnen melden sich, soweit möglich, vom Religionsunterricht in den Schulen ab - auch wegen der extremen Position der polnischen Kirche zu Themen wie Homosexualität und Abtreibung, berichtet Inge Hüsgen im Humanistischen Pressedienst. Inzwischen nehmen fast die Hälfte nicht mehr am Katechismus-Unterricht teil: "Der konfessionelle Religionsunterricht in Polen wird durch die öffentliche Hand finanziert, doch die katholische Kirche bestimmt die Lehrpläne und ernennt Lehrkräfte. Vor wenigen Wochen sorgte ein Priester für Schlagzeilen, weil er im Unterricht Homosexualität als 'illness' bezeichnet und Elektroschocks sowie chirurgische Eingriffe als 'Therapie' empfohlen hatte. Immerhin musste sich der Gottesmann dafür öffentlich entschuldigen - vielleicht ein weiteres Anzeichen, dass sich die Stimmung wendet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.06.2021 - Religion

In Berlin wurde der Grundstein für das "House of One" gelegt, das der Behauptung dienen soll, Religionen könnten in einen "Dialog" treten, bei dem irgendwie etwas herauskommt. Die NZZ druckt die Rede zum Anlass von Wilhelm Schmid: "Fragen nach der Lebensführung, nach dem Zusammenleben und dem Trost stellen sich vielen Menschen. Religionen sollten sich in einer modernen Gesellschaft nicht damit begnügen, nur ihre Antworten zu vertreten." Die Kosten dieses "gemeinsamen Gebetshauses für (evangelische) Christen, Juden und der Gülen-Bewegung nahestehenden Moslems" übernehmen laut Frank Nicolai in hpd.de im wesentlichen die Steuerzahler: "Das Haus des Einen zahlen alle."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2021 - Religion

In Uganda wird ein "Prevention and Prohibition of Human Sacrifice Bill, 2020" erlassen, berichtet Hella Camargo bei hpd.de: "Das neue Gesetz definiert die rituelle Opferung als Verstümmelung einer Person zur Gewinnung von Hautstücken, Organen, Knochen oder Körperteilen sowie die Tötung einer Person zur Gewinnung derselben zum Zwecke der Opferung in religiösen, kulturellen oder traditionellen Zeremonien. Bestraft werden sollen nicht nur Wunderheiler:innen, die Kinder oder Menschen mit Behinderung entführen, verstümmeln oder töten, sondern auch diejenigen, die diese Handlungen finanzieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.05.2021 - Religion

Um so etwas wahrzunehmen braucht es in Deutschland den Humanistischen Pressedienst, denn andere Medien sind auf dieser Saite nicht sehr sensibel. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat auf dem Ökumenischen Kirchentag gesagt: "Ob die Pandemie nicht auch hier als Brandbeschleuniger wirkt, dem Prozess der Säkularisierung zusätzlichen Schub verleiht, die Kirchen aus der Mitte der Gesellschaft drängt." Den Begriff des "Brandbeschleunigers" findet die Giordano-Bruno-Stiftung mehr als deplatziert: "Offenkundig schätzt der Bundespräsident die Zunahme des religionsfreien Bevölkerungsanteils als bedrohlich ein, denn der Begriff 'Brandbeschleuniger' wird fast ausschließlich für gefährliche Entwicklungen wie das Erstarken von Rechtspopulismus, Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit verwendet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.05.2021 - Religion

Ralf Nestmeyer macht bei hpd.de eine eigenartige Beobachtung. Die Kirchen verlieren in der Bevöllkerung immer mehr Rückhalt. In der Politik aber bleiben sie so einflussreich wie eh und je. Das hat auch damit zu tun, dass Politiker weit überproportional kirchlich gebunden sind: "Kirche und Politik suchen gern den engen Schulterschluss. Christliche Abgeordnete sind im Bundestag stets überdurchschnittlich vertreten gewesen. Die meisten Mitglieder der amtierenden Bundesregierung vertrauten bei ihrem Amtseid auf Gottes Hilfe - nur Olaf Scholz, Katarina Barley und Svenja Schulze verzichteten auf diese Formel. So wie im Bundestag der Frauenanteil zu gering ist, so ist auch die religiöse Bindung der Abgeordneten nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. Konfessionslose stellen ebenso wie Muslime eine Minderheit dar."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.05.2021 - Religion

Der nächste Ökumenische Kirchentag findet nur online statt und wird nach Recherchen von Maximilian Steinhaus bei hpd.de zu 52 Prozent von der öffentlichen Hand bezahlt. Das erstaunt besonders wegen der von Kirchen bezifferten Gesamtkosten von 20 Millionen Euro: "Diese Aussagen überraschen in mehrfacher Hinsicht: Ein Kirchentag als Präsenzveranstaltung bedeutet einen immensen logistischen Aufwand. In der Regel gibt es rund 2.000 Veranstaltungen, mehrere Großbühnen mit Videoleinwänden, kleinere - aber dafür zahlreichere - Bühnen, mehrere Großzelte, hunderte kleinere Pavillons, zig angemietete Locations, an jedem Ort Beschallungsanlagen, Flaggen, Werbebanner. All diese Kosten fallen nun weg. Trotzdem soll der Kirchentag immer noch 20 Millionen Euro kosten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2021 - Religion

45 Menschen kamen letzte Woche bei einer Massenpanik am Berg Meron ums Leben, wo trotz der in Israel einigermaßen bewältigten Coronakrise Zehntausende orthodoxe Juden feierten. Es war eine Katastrophe mit Ansage, schreibt Adrian Beck bei hpd.de, denn schon seit Jahren ist klar, dass der Ort viel zu eng ist für solche Ansammlungen. Sie sagt etwas aus über den wachsenden Einfluss der Ultraorthodoxen in Israel: "'Lag BaOmer' ist der 33. Tag zwischen dem Pessachfest (dem Auszug des jüdischen Volkes aus der ägyptischen Sklaverei) und 'Shawuot', dem jüdischen Erntedankfest. Lag BaOmer ist deswegen so wichtig, weil es der einzige Tag in dieser 49-tägigen Periode ist, an dem geheiratet werden darf. Noch im letzten Jahr hatten die israelischen Behörden das Fest vollständig untersagt und über 300 Personen verhaftet. Dass sich die israelischen Behörden in diesem Jahr weniger rigoros zeigten, mag daran liegen, dass sie von der schieren Größe der Menge überwältigt waren. Nur etwa 5.000 Polizeikräfte standen den 100.000 Charedim gegenüber."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2021 - Religion

Hübsche Schlagzeile bei hpd.de: "Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gendert ab jetzt. Aus Priester wird Priester*innen - sonst ändert sich nichts"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2021 - Religion

In Indien wüten neue Mutanten des Coronavirus auch deshalb so ungehemmt, weil Narendra Nodi riesige religiöse Feste zuließ, schreibt Axel Michaels, Professor am Südasien-Institut der Universität Heidelberg, in der FAZ: "Seit seinem Amtsantritt als Premierminister hat Modi systematisch ein Glaubenssystem verbreitet, das sich bewusst gegen wissenschaftliche Erkenntnisse stellt oder diese zu vereinnahmen versucht. Yoga, Astrologie oder vedische Mathematik wurden zu anerkannten akademischen Fächern an den Universitäten, den Staatsbeamten wurde sogar Yoga-Praxis verordnet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2021 - Religion

Der Ruhm Hans Küngs aus jener Zeit, "in der man es mit theologischen Thesen noch in Fernsehtalkshows schaffen konnte", mag verblasst sein. Aber die Anliegen des Vatikankritikers, der im Alter von 93 Jahren gestorben ist, sind nach wie vor aktuell, schreibt Lucas Wiegelmann in der Welt, und er verfocht sie besser als viele sener Nachfolger: "Er, der Dogmatik-Experte, betreibt nicht Theologie, weil er seine Reformanliegen begründen will. Es ist umgekehrt: Seine Theologie führt ihn erst zu der Überzeugung, dass Reformen nötig seien." Wie Reformer in der katholischen Kirche behandelt werden (seit man sie nicht einfach auf den Scheiterhaufen bindet), erzählt Bernhard Lang in der NZZ: "Küng wurde bereits 1957, im Jahr seiner Promotion, als der Irrlehre Verdächtiger bei den römischen Kirchenbehörden angezeigt. In Rom wurde die Akte '399/57i' angelegt, ein Konvolut, das in den Folgejahren immer umfangreicher wurde. Der Betroffene allerdings konnte es, vatikanischer Gepflogenheit gemäß, nie einsehen."