9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

835 Presseschau-Absätze - Seite 34 von 84

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.04.2019 - Religion

Es ist Karwoche! In der FAZ denkt "Professor em. Dr. Dr. h.c. mult." Otfried Höffe darüber nach, was heute auf jeden Fall christliche Politik sein müsse. Unbedingt gehört für Höffe das Ehegattensplitting "zu einer wahrhaft christlichen Politik: Weil Eltern eine facettenreiche Verantwortung für das künftige 'Humanvermögen' eines Landes übernehmen, hat der Staat ihnen finanzielle Unterstützung und steuerliche Entlastung zu gewähren. Keinesfalls darf er Ehepartner steuerlich benachteiligen oder das nichteheliche Zusammenleben bevorteilen. Das Nichtbevorteilen betrifft auch die Sorge für die Kinder."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.04.2019 - Religion

Ignorant, unbelehrbar und intellektuell dürftig findet Roman Bucheli in der NZZ die Auslassungen Benedikt XVI. zum Kindesmissbrauch in der Kirche, den der Ex-Papst mit dem Sexualkunde-Unterricht in Schulen, mit 1968 und dem Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie erklärt. Aber das sei noch nicht das Schlimmste: "Bedrückend an Benedikts Gedankengang ist vielmehr die implizite Behauptung, der Mensch - ob Kleriker, Fußballtrainer oder Vater - brauche eine ausgeklügelte Moraltheologie, um Kindsmissbrauch als etwas Schändliches erkennen zu können. Es sei einem Theologen ohne das Gerüst einer 'moralischen Lehrautorität' nicht mehr zumutbar, Unrecht von Recht zu unterscheiden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.04.2019 - Religion

Auch auf Deutsch veröffentlicht der Corriere della Sera Joseph Ratzingers Aufsatz zum sexuellem Missbrauch in der Kirche, der der 68er-Bewegung zu verdanken sei: "Zu der Physiognomie der 68er-Revolution gehörte, dass nun auch Pädophilie als erlaubt und als angemessen diagnostiziert wurde. Wenigstens für die jungen Menschen in der Kirche, aber nicht nur für sie, war dies in vieler Hinsicht eine sehr schwierige Zeit." Allen anderen Historikern war bisher nicht aufgefallen, dass katholische Priester den Weisungen der 68er folgen. Mehr in der taz.

Bei einer Razzia in neun Bundesländern gegen vorgeblich humanitäre, vom Verfassungsschutz aber als "extrem salafastisch" eingestufte Vereinigungen, die unter anderem die Terrororganisation Hamas, den palästinensischen Ableger der Muslimbrüder unterstützen, wurde eine gefährliche Annäherung zwischen Salafisten und Muslimbrüdern auch in Deutschland festgestellt, berichtet Frank Jansen im Tagesspiegel: "'Ein Bündnis der beiden wäre der GAU', warnt ein hochrangiger Sicherheitsexperte. Er skizziert das extremistische Potenzial: Jüngere Islamisten mit Drang zur globalen Revolution treffen auf eine islamistische Mittelschicht, die Staat und Gesellschaft 'legalistisch' durchdringen will. Trotz oder gerade wegen unterschiedlicher Aktionsformen, offene Rebellion hier, leises Einnisten dort, schienen Salafisten und Muslimbrüder zu erkennen, dass sie voneinander profitieren könnten, meint der Experte. Die Salafisten würden lernen, wie man sich geschickter anstellt, um staatliche Repression zu vermeiden. Die Muslimbrüder bekämen Zugang zu jüngeren Leuten. Das Ziel beider islamistischen Spektren sei dasselbe: der Gottesstaat. Gemeinsam seien die beiden noch gefährlicher als jetzt schon jeder für sich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2019 - Religion

Zum gleichen Schluss wie der Vatikanjournalist Bernd Hagenkord, der nach Martin Mosebachs Interview mit der Herder Korrespondenz schrieb, Mosebach rücke Franziskus Auftritte ganz absichtlich in eine Linie mit Hitler und Stalin (Unser Resümee), kommt heute in der Welt der Germanist Karl-Heinz Göttert: "Hat Mosebach Papst Franziskus mit Hitler und Stalin verglichen? Direkt nicht, er spricht ja nur von Stilmitteln, die sich gleichen. Nur muss man bedenken: Wenn man es allein so versteht, läuft die Aussage auf eine bloße Banalität hinaus - die man dem Träger des Büchnerpreises kaum abnimmt." In der FAZ wendet sich Patrick Bahners gegen die "Schäbigkeit von Mosebachs Kritikern". Was Mosebach sage, sei auf dem Stand der Forschung.

Glücklicherweise hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. jetzt wenigstens die Ursache für den sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche gefunden, meldet der Deutschlandfunk: "Ursache sei die Gottlosigkeit und die Abkehr von der katholischen Sexualmoral im Zuge der 68er Revolution." Benedikt äußert sich in einem Schreiben, das mit Franziskus abgesprochen sei.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2019 - Religion

Martin Mosebach, um einiges konservativer als der führende Katholik Franziskus, hat laut Welt in einem Interview mit der Herder Korrespondenz die Auftritte des Papstes kritisiert, die ihn an Stalin und Hitler erinnern: "Wenn bei großen Papstveranstaltungen, etwa in einem Fußballstadion, heute 'Zigtausende auf eine einzelne weiße Gestalt in der Mitte ausgerichtet sind, das ist eine viel totalitärere Sprache als das umständliche, verstaubte Hofzeremoniell von einst', so Mosebach weiter. Das Küssen und Liebkosen von Kindern gehöre ebenfalls zum Ritual der modernen Diktatoren, ergänzte Mosebach." Dass es Mosebach nur um die Inszenierung geht, kauft ihm der Vatikanjournalist Bernd Hagenkord in seinem Blog nicht ab: "Warum der Vergleich falsch und total unangemessen ist? Ganz einfach: man kann die Darstellung nicht vom Dargestellten trennen. Mosebach rückt ganz absichtlich und ohne es auszudrücken den Papst in eine Linie mit Mördern und Verbrechern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.03.2019 - Religion

Chiristian Rath ist in der taz sehr dafür, dass Richterinnen Kopftuch tragen dürfen: "Wenn es solche absurden Vorurteile gäbe, wäre es die Pflicht des Staates, sich vor seine kopftuchtragende Richterin zu stellen, statt der Frau ein faktisches Berufsverbot aufzuerlegen. Nicht jede Muslimin trägt ein Kopftuch. Aber kopftuchtragende Musliminnen betrachten dies als ihre religiöse Pflicht. Sie können deshalb das Kopftuch nicht mal eben ablegen, wie man einen 'Atomkraft? Nein danke!'-Button ablegt. Das Kopftuch ist einfach ein sichtbares Merkmal der Person. Es sollte im Gerichtssaal keine Rolle spielen." Wie neutral kann eine Richterin sein, die ihr Kopftuch als "Merkmal der Person" betrachtet?
Stichwörter: Kopftuchdebatte, Atomkraft

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.03.2019 - Religion

Statt der bisher aus Mitteln der katholischen Kirche gezahlten 5.000 Euro Entschädigung an die Missbrauchsopfer sollen die Täter künftig selbst zahlen, schreibt im Tagesspiegel Frank Bachner, der mit Opfern, etwa Matthias Katsch, Betroffener im Canisius-Skandal, gesprochen hat. Die Kirche habe noch einen weiten Weg vor sich, nicht zuletzt, weil einige Bistümer nach wie vor mauern: "So lange nicht das System Kirche mit ihren männerbündlerischen Strukturen, ihrem Hierarchiedenken, der Abhängigkeit von einem Bischof, der fehlenden Möglichkeit, die Arbeit leitender Kleriker unabhängig zu kontrollieren, modifiziert wird, so lange vertrauen Opfer nicht der Kirche. 'Das System, das diesen Missbrauch ermöglicht hat, funktioniert noch', sagte Katsch. 'Kinder und Jugendliche sind noch akut gefährdet.' Auch die finanziellen Leistungen der Kirche empfinden Opfer wie Katsch schlichtweg als Hohn. Erstens sind 5.000 Euro aus ihrer Sicht viel zu wenig. Zudem zahlt die Kirche nicht 'in Anerkennung der Schuld', sondern des Leids. Aus Sicht der Kirche ein Entgegenkommen."
 
In der NZZ greift der katholische Theologe Jan Heiner Türck, der Franziskus' Rede genau analysiert, noch einen anderen Punkt auf. Durch die Bezeichnung der Täter als "Werkzeuge des Satans" dämonisiere er die Akteure, so Türck: "Mit dem sexuellen Missbrauch stehe die Kirche vor dem 'Geheimnis des Bösen', das man bekämpfen müsse. Der Topos des geistlichen Kampfes mag im spirituellen Schrifttum der Kirche weit verbreitet sein, zur Bewältigung der Missbrauchsfälle taugt er wenig. Die theologische Überhöhung krimineller Akte verschleiert die Ursachen, trübt die Analyse und blockiert Reformen. Hinzu kommt: Wenn Franziskus Missbrauchstäter zu Agenten des Teufels stilisiert, droht er deren Verantwortung zu halbieren. Die Verfehlungen sind dann nicht nur menschliche Freiheitsakte, sondern gehen zugleich auf diabolische Einflüsterungskunst zurück."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.03.2019 - Religion

Wann hat es das je gegeben, dass ein weltliches Gericht einen hohen Würdenträger der katholischen Kirche verurteilt (in diesem Fall zu einem halben Jahr auf Bewährung), weil er zu sexuellem Missbrauch geschwiegen hat. Die Website des französischen Senders France Bleu zitiert ausführlich aus dem Urteil gegen den Lyoner Kardinal Philippe Barbarin, der zugleich als höchster katholischer Geistlicher in Frankreich gilt und nun seinen Rücktritt erklärte: "Das sehr strenge Urteil kritisiert den Priester - der während des Prozesses Anfang Januar wiederholte, dass er nie versucht habe 'diese grauenhaften Tatsachen zu verstecken oder gar zu decken', dass er 'die Entscheidung, den Justizbehörden nichts zu sagen, bewusst getroffen hat, um die Institution, zu der er gehört, zu erhalten, obwohl sein Amt ihm Zugang zu allen Informationen gab und er die Möglichkeit hatte, sie sinnvoll zu analysieren und zu kommunizieren.' Um den Skandal zu vermeiden habe es Philippe Barbarin vorgezogen, die Entdeckung sehr vieler Opfer von sexuellem Missbrauch durch die Gerichte zu verhindern und ihnen zu verwehren, ihren Schmerz zu äußern, fügte das Gericht hinzu."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.03.2019 - Religion

Für so etwas muss man den Humanistischen Pressedienst lesen: Dieses Jahr gab es etwas Neues beim traditionellen Richtfest der Düsseldorfer Karnevalswagen, berichtet Gisda Bodenstein unter Berufung auf den Kölner Express. "Ein katholischer und ein evangelischer Vertreter waren eingeladen worden, um diese zu segnen. Jacques Tilly, der vor allem für die politischen Mottowagen verantwortlich ist, die den Düsseldorfer Karneval prägen, wusste davon nichts. 'Zuerst habe ich gedacht, das ist ein Scherz", sagte der Bildhauer dem hpd. 'Seit 35 Jahren baue ich die Wagen und in der ganzen Zeit habe ich hier nie einen Pfarrer gesehen.'"

Pädophilie scheint nicht die einzige sexuelle Orientierung in der katholischen Kirche zu sein. Bernadette Sauvaget bespricht in Libération tief schockiert den heute auf Arte laufenden Dokumentarfilm "Religieuses abusées", der die Geschichten sexuell missbrauchter Nonnen erzählt: "In 'Religieuses abusées' offenbart jedes einzelne Zeugnis einer Interviewten eine Tragödie. Wie etwa jenes von Grace, einer Afrikanerin, die in Rom von einem Priester aus ihrem Land vergewaltigt wurde und sich, als sie schwanger wurde, nach Pesaro zurückziehen musste, wo sie gezwungen wurde, ihr Kind freizugeben. Zwei Jahre lang hat ihr Anwalt, Luca Gardini, gekämpft, damit Grace, die aus ihrem Kloster verjagt worden ist, ihre kleine Tochter wiederfindet..." In der Mediathek von Arte ist der Film schon zu sehen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.02.2019 - Religion

Die Islamverbände sind durch und durch politisiert, schreibt der Grünen-Politiker Volker Beck - der dennoch an der Islamkonferenz festhält -  in der taz. Zum Besipiel die Ditib: "Die Imame haben einen Vertrag mit der Religionsbehörde, nicht mit deutschen Moscheevereinen. Die Dienstaufsicht über sie führen die Religionsattachés in den Konsulaten und der Botschaft der Türkei. Die Moscheegebäude, zumindest die werthaltigeren, gehören in der Regel der Auftragsverwaltung aus Ankara, der Ditib-Zentrale in Köln. Und spurt ein Ortsvorstand nicht hundertprozentig, lassen die Religionsattachés die Unbotmäßigen mit vorbereiteten Wahllisten einfach bei der nächsten Wahl ersetzen."