9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

365 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 37

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2025 - Wissenschaft

In der FAZ macht Jochen Zenthöfer anhand verschiedener Fälle deutlich, dass eine rechtskräftige Entscheidung über die Lehrbefugnis der wegen verschiedener Plagiatsvorwürfe von ihrer Professorin entbundenen Soziologin Cornelia Koppetsch (unsere Resümees) möglicherweise bis zu ihrer Pensionszeit dauern könnte.
Stichwörter: Koppetsch, Cornelia

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2025 - Wissenschaft

Dreißig Prozent aller vom BKA erfassten Straftaten in der Kategorie Hasskriminalität hatten im Jahr 2023 einen antisemitischen Hintergrund, gleichwohl nur drei Promille der Menschen in Deutschland jüdisch sind - der Anstieg betraf in besonderer Weise die Hochschulen, schreiben Haya Schulmann, Professorin für Cybersicherheit und Michael Waidner, Professor für Sicherheit in der Informationstechnologie auf den Geisteswissenschaften-Seiten der FAZ. Den Protest gegen die Resolution zum Schutz jüdischen Lebens an Hochschulen im Allgemeinen und gegen die IHRA-Definition im Besonderen können sie daher beim besten Willen nicht verstehen: "Die Behauptung, diese Definition verhindere auch faire Kritik an der Politik Israels, ist falsch. Jedem, der dies bezweifelt, sei die Lektüre der Definition empfohlen. Sie ist sehr kurz, im Kern sind es elf anschauliche und einleuchtende Beispiele von Antisemitismus, von denen sechs einen Israelbezug haben. Wer Israel fair kritisieren will, kann das problemlos tun, ohne antisemitisch zu werden. In Israel passiert das jeden Tag, die politischen Diskussionen sind oft deutlich intensiver und schärfer als bei uns in Deutschland. Insgesamt halten wir den Entwurf für wichtig, nützlich und ausgewogen."

Vor vier Jahren ging der Fall Cornelia Koppetsch durch die Medien. Der bekannten Soziologin, deren Buch "Die Gesellschaft des Zorns - Rechtspopulismus im globalen Zeitalter" gute Rezensionen erhalten hatte, wurde vorgeworfen, dass sie ganze Passagen aus Werken anderer Soziologen kompiliert hatte (unsere Resümees). Die Vorwürfe waren zuerst in der FAZ laut geworden. Nun meldet Heike Schmoll auf den politischen Seiten der FAZ: "Habilitation entzogen - Soziologin Koppetsch verliert Lehrbefugnis." Wenn die Habilitation aberkannt wird, so Schmoll, verliert eine Professorin auch ihre Lehrbefugnis, denn die Habilitation war "wesentliche Voraussetzung für ihre Berufung als Professorin". Auch Koppetschs Habil-Schrift "Das Ethos der Kreativen - Vom bürgerlichen Beruf zur Kultur des neuen Kapitalismus" wird somit Plagiat vorgeworfen. Schmoll hatte sich 2006 an der Leuphana in Lüneburg habilitiert. Dort ist "der Fakultätsrat der Fakultät der Kulturwissenschaften deshalb der einstimmig ausgesprochenen Empfehlung der Ständigen Habilitationskommission gefolgt, die Habilitation zurückzunehmen". Koppetsch kann gerichtlich gegen die Entscheidung vorgehen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.12.2024 - Wissenschaft

Laut einer neue Studie wird in Hannover doch nicht das beste Hochdeutsch gesprochen. Wie es überhaupt zu dem Mythos kam, erklärt im Welt-Gespräch der Studienleiter und Linguist Francois Conrad: Es liegt unter anderem daran, dass "früher im ganzen norddeutschen Raum Niederdeutsch gesprochen wurde, eben auch in Braunschweig und Hannover. Im Zuge der Reformation und mit Luthers Bibelübersetzung hat sich in ganz Deutschland die Ansicht ausgebreitet, das meißnische Sächsisch, eine spezielle Variante des Hochdeutschen, sei das beste Deutsch. Daraus hat sich dann das Hochdeutsch entwickelt, das wir heute kennen. Das Niederdeutsche war dialektologisch sehr von diesem Hochdeutsch unterschieden. Deswegen haben Norddeutsche Hochdeutsch als Fremdsprache erlernt. Wenn man eine Fremdsprache erlernt, will man die Sprache natürlich besonders perfekt aussprechen. Das heißt: Die Norddeutschen sprechen heute noch so nahe am Standardhochdeutsch, weil ihre ursprüngliche Sprache so weit davon entfernt war."
Stichwörter: Hochdeutsch, Conrad, Francois

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2024 - Wissenschaft

In der FAZ berichtet Thomas Thiel von einer Frankfurter Antisemitismus-Konferenz des Tikvah Instituts zusammen mit der Frankfurt University of Applied Sciences, wo "Antisemitismusforscher, die sich wohl zumeist dem linken Spektrum zuordnen würden, aber keine Sympathie für den merkwürdigen Schulterschluss linker Kreise mit Islamisten und Judenhassern hegen", eben diesen Schulterschluss unter die Lupe nahmen. Zum Beispiel die israelische Soziologin Eva Illouz: "Illouz führte den schockierenden Mangel an Mitgefühl in einem furiosen Vortrag auf die akademische Dominanz der French Theory zurück, die mit ihrer überzogenen Aufklärungskritik und ihren labilen Begriffen einer Generation von Geisteswissenschaftlern den Realitätssinn ausgetrieben habe. Damit sei der Nährboden für eine akademische Priesterkaste entstanden, die überall unterdrückte Stimmen wittere, zu deren Anwalt sie sich aufschwingt, ohne sich in Wirklichkeit für sie zu interessieren."
Stichwörter: Antisemitismus, Illouz, Eva

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2024 - Wissenschaft

Die Ökonomin Pauline Grosjean zitiert in Le Monde eine faszinierende Studie über das Aussterben der Geier in Indien, das in den betroffenen Regionen des Landes zu einem deutlichen Anstieg der Humansterblichkeit geführt hat. Geier seien äußerst effizient darin, die Überreste der 500 Millionen heiligen Kühe zu verspeisen, die frei in Indien herumlaufen, so Grosjean. In vierzig Minuten haben sie eine Kuh verspeist. Verschwinden die Geier, kommen Ratten und wilde Hunde, die weit weniger effizient sind und Krankheiten wie Tollwut verbreiten. Der Grund für die Geiersterblichkeit ist gefunden: Sie vertragen das Medikament Diclofenac nicht, das auch Tieren verabreicht wird, die sie essen. "Durch den Vergleich von indischen Distrikten, die mehr oder weniger geierfreundliche Ökosysteme darstellen, vor und nach Ablauf des Diclofenac-Patents, schätzen die beiden Ökonomen, dass der Rückgang der Geierpopulation mit einem Anstieg der menschlichen Sterblichkeit um mehr als 4 Prozent verbunden ist. Die Autoren dokumentieren außerdem die Zunahme der Population von Ratten und wilden Hunden sowie eine Verschlechterung der Wasserqualität in den Bezirken, die am stärksten vom Aussterben der Geier betroffen sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2024 - Wissenschaft

Was haben die amerikanischen Hochschulen zu befürchten, jetzt, da Trump wieder an der Macht ist? Thomas Thiel wägt in der FAZ die Möglichkeiten Trumps ab, die akademische Welt nach seinen Vorstellungen umzustrukturieren. Einfach "den Geldhahn abdrehen" kann er missliebigen Institutionen nicht, es könnte aber trotzdem zu einschneidenden Veränderungen kommen. Auch für Studierende aus dem Ausland: "Beschränkt werden dürfte nach den Erfahrungen von Trumps erster Amtszeit auch die Freiheit, in den Vereinigten Staaten zu studieren. Das gilt besonders für die geschätzt mehr als 400.000 Studenten, die sich dort illegal aufhalten, und für Akademiker aus muslimisch geprägten Ländern. Bei chinesischen Studenten und Wissenschaftlern, die den amerikanischen Hochschulen viele Gebühren und Publikationen einbringen, dürfte der ökonomischen Überlegungen prinzipiell aufgeschlossene Trump schon zweimal nachdenken. Obwohl die Universitäten sein Hauptgegner in der Kulturkampfarena sind, wird die Bildungspolitik trotzdem wohl nur eine Nebenrolle für ihn spielen. Viel wird davon abhängen, ob es ihm gelingt, die Positionen in Ministerien und Hochschulen so umzudefinieren, dass er das Führungspersonal ohne viel Aufhebens feuern kann. Das wäre dann aber schon das Extremszenario."
Stichwörter: Trump, Donald

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.10.2024 - Wissenschaft

Nach der "Internationalen LGBT-Bewegung" hat sich das höchste Gericht der Russischen Föderation nun noch die "Antirussische Separatistische Bewegung" ausgedacht, eine fiktive Dachorganisation von 55 real existierenden unliebsamen Organisationen, die als "extremistisch" eingestuft werden, darunter fällt auch die "Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde" (DGO), schreibt der Osteuropa-Historiker Martin Schulze Wessel auf den Natur-und-Wissenschaften-Seiten der FAZ (unsere Resümees hier und hier). Nun "können sich Mitglieder der DGO in Russland oder einem mit Russland befreundeten Land nicht mehr sicher fühlen. Niemand kann sagen, ob sich der repressive Charakter des Regimes weiter verschärfen wird und welche Obsessionen die russische Innenpolitik noch entwickeln mag. Die Gelegenheit, einen ausländischen Wissenschaftler zu verhaften, kann in einer solchen Atmosphäre den Behörden gerade recht kommen, zumal in Situationen, in denen ein staatlicher 'Bedarf' an inhaftierten Ausländern besteht für einen internationalen Gefangenenaustausch mit dem Westen." Aber, so Schulze Wessel: "Russland bedroht die deutsche Russlandforschung existenziell, aber die deutsche Politik hält anscheinend unbeirrt an der bestehenden Russlandverbindung fest. Konsequent wäre eine entschiedene Aufwertung der institutionellen Förderung von Ukrainestudien."

Ebenfalls auf den Natur-und-Wissenschaften-Seiten der FAZ erinnert die französische Kunsthistorikerin Benedicte Savoy an den im September im Alter von 103 Jahren verstorbenen Amadou Mahtar M'Bow, den ersten afrikanischen Generaldirektor der UNESCO und eine "Ikone der afrikanischen Bildungs- und Kulturpolitik", der sich nicht nur "im Kampf für die Unabhängigkeit der kolonisierten Länder", sondern auch "im postkolonialen Bemühen um die Rechte marginalisierter Kulturen" einen Namen machte: "M'Bow war ein leidenschaftlicher Verfechter der Idee, dass Bildung ein Menschenrecht ist und dass alle Kulturen gleichwertig sind. Er setzte sich für den Erhalt des kulturellen Erbes ein und forderte die Rückgabe von Kunstwerken, die während der Kolonialzeit oft gewaltsam aus Afrika entwendet worden waren. Eines der bedeutendsten Vermächtnisse M'Bows ist zweifellos sein leidenschaftlicher 'Aufruf zur Rückgabe unersetzlichen Kulturerbes', den er 1978 am Sitz der UNESCO in Paris vortrug."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.10.2024 - Wissenschaft

Die FAZ publiziert auf den Geisteswissenschaften-Seiten den Vortrag, den die Philosophin und während der "Fördergeldaffäre" (unsere Resümees) geschasste FDP-Staatssekretärin für Bildung und Forschung Sabine Döring an der Universität Erlangen im Rahmen der Veranstaltung "Grenzen der Vermittlung - Vermittlung von Grenzen" anlässlich des sechzigsten Geburtstags des Theologen und Ethikers Peter Dabrock gehalten hat. Döring denkt hier über die Abhängigkeit der Politik von der Wissenschaft und über Aktivismus und "Wissenschaftsfreiheit" nach: Es gehe ihr "ausdrücklich nicht um eine grundsätzliche Ablehnung von Aktivismus auf dem Campus und auch nicht darum, die mögliche epistemische Relevanz von Aktivismus infrage zu stellen, der mit seinem Nachdruck auch Erkenntnisprozesse in Gang setzen kann. Aber Aktivisten machen auch von disruptiven Protestformen Gebrauch und unterbinden so, teils durchaus robust, den Lehr- und Forschungsbetrieb und greifen selbstbewusst in die Rechte anderer ein. ... Polizeieinsätze zum Schutz vor Aktivisten grundsätzlich abzulehnen lässt die Möglichkeit unter den Tisch fallen, dass Wissenschaftsfreiheit durch Aktivisten eingeschränkt werden kann."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.10.2024 - Wissenschaft

Physikerin Sabine Hossenfelder hat noch eine Frage an das Nobelkomitee:

Stichwörter: Hossenfelder, Sabine

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.10.2024 - Wissenschaft

Im vergangenen Jahr hatten die Sinologen Thomas Heberer und Helwig Schmidt-Glintzer, die als führende Kapazitäten gelten, einen derart China-freundlichen Text in der NZZ veröffentlicht, dass nicht nur innerhalb des Faches Empörung laut wurde. Unter anderem wurden offizielle Formulierungen der kommunistischen Partei übernommen, zum Beispiel in Bezug auf die Uiguren (Unsere Resümees). Nun fungieren die beiden mit weiteren Autoren als Herausgeber des Bandes "Xinjiang - eine Region im Spannungsfeld von Geschichte und Moderne", der kürzlich am zum großen Teil von Peking finanzierten Konfuzius-Institut an der FU Berlin vorgestellt wurde, berichtet Hinnerk Feldwisch-Drentrup auf den Geisteswissenschaften-Seiten der FAZ. Die Autoren verteidigten auf der Veranstaltung nicht nur die Reise, sondern legten, auch im Sammelband, nach: "'Dass ein Staat Separatismus und Islamismus bekämpft, vor allem wenn die Ziele mit terroristischen Methoden realisiert werden sollen, ist nicht verwunderlich', schreibt Heberer in seinem Kapitel. Er könne es nicht nachvollziehen, wenn Terror bloß als 'Narrativ' der Regierung klassifiziert werde: 'Dahinter verbirgt sich letztlich die Auffassung, nur 'demokratische Staaten' hätten ein Recht auf Terrorbekämpfung, nicht aber 'autoritäre Staaten'."