Eberhard Lämmert

Respekt vor dem Poeten

Studien zum Status des freien Schriftstellers
Cover: Respekt vor dem Poeten
Wallstein Verlag, Göttingen 2010
ISBN 9783835305267
Gebunden, 360 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Eine kleine Geschichte der Literatur von Goethe bis Grass. Der Aufstieg des Schriftstellers zu einem unternehmerischen Einzelgänger und der Entwurf einer Genie-Ästhetik zur Begründung seiner autonomen Produktivität ereignen sich in Europa am Schnittpunkt zweier Epochen: dem Übergang von einer eher statisch geordneten zu einer dynamisch bewegten Gesellschaft etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Künstler, die sich von der Auftragskunst lossagen, handeln sich für ihre Werke das Privileg, aber auch das Risiko der vollen Eigenverantwortung ein.
In einer Abfolge von Einzelstudien steckt Lämmert Stationen und Krisen der Entfaltung des freien Schriftstellers in zwei Jahrhunderten ab und untersucht dabei u. a. Werke von Schiller, Brentano, George, Heinrich und Thomas Mann, Kafka und Tucholsky. Vier Querschnittsstudien gelten schließlich der sich in Deutschland spät entfaltenden Großstadtliteratur, dem Regress des Schreibens unter Diktaturen und parallel dazu dem Exil als einer geradezu prototypischen Lebensform dieser Epoche und runden mit einem Blick auf die neuen Kommunikationsformen der Literatur das Profil des freien Schriftstellers als eines Phänotyps dieser Epoche ab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2010

Ein bisschen altmodisch kommt dem Rezensenten Thomas Meissner das Buch schon vor, aber nicht schlimm. Auch macht der Autor in einem Versuch von Selbsthistorisierung im Vorwort eigens auf die mögliche Angestaubtheit einiger seiner Texte aus immerhin vier Jahrzehnten aufmerksam. Meissner aber kann insgesamt gut damit leben. Über  den Exklusivitätsanspruch der Schriftsteller von Goethe über Brentano zu Thomas Mann und seine Folgen (Ideologieanfälligkeit!) erfährt er in den Aufsätzen eine Menge. Zumal in den älteren. Bestechend erscheinen Meissner der Weitblick und die weltliterarische Bildung Eberhard Lämmerts und seine jargonfreie, "methodenreservierte" Ausdrucksweise. Und, da staunt Meissner nun wirklich, sogar mit Hypertexten befasst er sich am Ende.

Beliebte Bücher

Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…
Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…