Margaret Stonborough, die Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein, hatte bereits seit ihrer Jugend einen großen intellektuellen Einfluss auf ihren Bruder ausgeübt. Als gefeierte Fin-de-Siecle-Schönheit von Gustav Klimt porträtiert, macht sie sich selbst als Sammlerin und Mäzenin um die österreichische Moderne verdient. Margaret Stonborough vergab zahlreiche Aufträge an die Wiener Werkstätte, veranlasste den Ausbau der Villa Toscana in Gmunden und initiierte den Bau des Palais Wittgenstein in Wien, wo ihr Salon zu einem der Zentralisationspunkte österreichischen Geisteslebens wurde. Bedeutend ist auch ihr soziales Engagement, insbesondere ihre Organisation einer amerikanischen Hilfsmission zugunsten hungerleidender Wiener Kinder. In der NS-Zeit verhalf sie zahlreichen Wiener Juden, unter anderen Sigmund Freud, zur Flucht, bis sie schließlich selbst zur Emigration gezwungen wurde. Nach Kriegsende wieder nach Österreich zurückgekehrt, konnte sie während der Ungarnkrise 1956 zum letzten Mal ihr soziales Engagement einbringen und starb 1958 in Wien.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.07.2003
"Spektakuläre Neuheiten" bietet die Biografie der Schwester Ludwig Wittgensteins nicht, findet Sonja Asal, aber doch einige bisher unbekannte Einblicke in das Leben der bekannten Familie. Aus Erinnerungen und Briefen der Repräsentantin Wiener Großbürgertums hat Ursula Prokop das Bild einer "nicht immer sympathischen", "eigenwilligen und durchsetzungsstarken Persönlichkeit" gezeichnet, die sich als Bauherrin und Mäzenin einen Namen gemacht habe. So hat sie zum Beispiel mit ihrem Bruder Ludwig zusammen ein heute noch existierendes Stadtpalais bauen lassen, das zwar nicht unbedingt schön aussehe, aber die "Individualität der Bewohnerin" perfekt widerspiegele. Dabei hat Ludwig Wittgenstein durch seinen "kompromisslosen Perfektionismus" einen Berechnungsingenieur zum "Weinkrampf" getrieben, indem er kurz vor der Fertigstellung noch die Decken erhöhen ließ, wie die Rezensentin erzählt. Ansonsten erfahre man viel über das Leben der "von Krankheiten und einer desaströsen Ehe" geplagten Margaret, die keineswegs ein "harmonisches, bürgerliches Leben" geführt habe, wie dies in einer neueren Wittgenstein-Monografie behauptetet wurde.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2003
Eine interessanten Einblick in die Familie Wittgenstein, die "so exemplarisch zwischen Weltläufigkeit und Wahn lebte" bietet diese Biografie Margaret Stonborough-Wittgensteins, der Schwester von Ludwig Wittgenstein nach Meinung des Rezensenten Paul Jandl. Durch den ungewohnten Focus sei es möglich, einen anderen Blick auf die Wiener Familie und ihre bewegte Geschichte zu werfen: "Selbstmorde und andere Tragödien bestimmen die Familienbiografie ebenso wie schließlich die Signaturen der Politik", schreibt Jandl. Wie die Autorin Ursula Prokop das Leben Stonborough-Wittgensteins mit "Technik, Kunst und Philosophie der Moderne" in einen sozialen Zusammenhang bringt, findet der Rezensent sehr "verdienstvoll".
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