Bücherbrief

Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Bücher-Presseschau zusammen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. Der Bücherbrief bildet auch die Basis für unser Podcast "Bücherbrief live".
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Literarischer Hardcore

Bücherbrief 08.09.2025 Die neue Saison beginnt, und einer ihrer bedeutendsten Romane ist schon erschienen: Kamel Daouds "Huris", der das schwarze Jahrzehnt Algeriens thematisiert. Jokha Alharthi beschreibt in ihrem Roman "Herrinnen des Mondes" den Übergang des Oman vom Sultanat in einen modernen Staat. Jina Khayyer blickt im "Herzen der Katze" voller Poesie und Überraschungen auf das Leben im Iran zurück, Thomas Melle versinkt im "Haus zur Sonne" in eine Depression und arbeitet sich mit einem vertrackten Meisterwerk wieder hinaus. Susan Bernofsky porträtiert Robert Walser als "Hellseher im Kleinen": Dies alles und mehr in den besten Büchern des Septembers.

In betörendem Sinne parfümiert

Bücherbrief 11.08.2025 Viktor Remizov baut in seinem monumentalen Roman "Permafrost" an der Stalin-Bahn. Die Rezensenten scheuen den Tolstoi-Vergleich nicht, und sie lernen, was die scheinbar entrückte Vergangenheit der Gulags mit der Gegenwart zu tun hat. Es gibt ein paar andere sehr spannende Romane in diesem Monat wie Gaea Schoeters "Das Geschenk", das aus 20.000 botsuanischen Elefanten für Deutschland besteht. Und ein paar schwergewichtige Sachbücher über Hiroshima und Russland und über die Frage, warum die Kaffeemaschine mit "Barista"-Funktion bei der Fertigstellung ihrer Espressi Schuberts "Forelle" piepst.

Mit Gedankengeschwindigkeit

Bücherbrief 07.07.2025 Erfrischende Lektüre für heiße Sommertage: Patricia Holland Moritz schickt eine junge DDR-Bürgerin mit viel Witz nach der Wende drei Sommer lang nach Paris, Paul Ruban lässt in einem mexikanischen Luxusresort einen Blauwal und eine Ehe explodieren, Juan S. Guse nähert sich einer Gruppe stinkreicher Krypto-Boys, Michi Strausfeld begibt sich auf deutsche Spuren in Lateinamerika und Paolo Rumiz sucht Abkühlung im unterirdischen Italien. Dies alles und mehr in unseren besten Bücher des Monats Juli.

Mut in finsteren Zeiten

Bücherbrief 10.06.2025 Macht unser neuer Bücherbrief Mut? Vielleicht. Vor allem aber bietet er genug Stoff zum Nachdenken, Streiten und Lachen: Etwa wenn Nell Zink eine Reihe kurioser Gestalten einen Sommernachtstraum lang durch den Berliner Tiergarten flanieren lässt. Yasmina Liassine führt in einem feinsinnig komponierten Mosaik ins wahre Algerien. Und Martin Puchner legt eine rebellische Kulturgeschichte vor. Dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Monats Juni. Außerdem: Die zweite Folge unseres Podcasts "Bücherbrief live" ist online - mit einer zusätzlichen Empfehlung zu Norbert F. Pötzls "Das Schattenreich des Alexander Schalck-Golodkowski".

Sogar Kafka wäre neidisch

Bücherbrief 12.05.2025 Fast noch schöner als der Frühling blüht unser Bücherbrief des Monats Mai: Der Pole Tomasz Rozycki schickt uns auf einen magischen Botengang durch einen schlesischen Hausflur, die Spanierin Sara Mesa porträtiert eine Familie, die unter dem Kontrollwahn des Vaters leidet, der Franzose Hervé Le Tellier erinnert im Stil des Oulipo an den Resistance-Kämpfer André Chaix und Oren Kessler betrachtet in "Palästina 1936" die Wurzeln des Nahostkonflikts.. Dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Monats Mai.

Traumhafte Nebel

Bücherbrief 07.04.2025 Die Leipziger Buchmesse liegt hinter uns und hinterlässt einen reichhaltigen Lektüre-Frühling. Wie immer haben wir nicht nur die meistbesprochenen Bücher für Sie herausgesucht, sondern auch die ganz besonderen Früchte geerntet: eine unheimliche Geschichte von Tarjei Vesaas zum Beispiel. Oder Oliver Lovrenskis Debütroman über die migrantische Community Oslos. Mit viel Witz und subtiler Raffinesse erzählt Christine Wunnicke die Liebesgeschichte zwischen der Wachsbildnerin Marie Bihéron und der Pflanzenmalerin Madeleine Basseporte im Paris des 18. Jahrhunderts. Carlo Masala malt aus, was passiert, wenn Russland den Krieg gewinnt, und Amitav Ghosh beleuchtet mit dem Opiumhandel eines der größten Kolonialverbrechen der Geschichte. Dies alles und mehr in den besten Büchern des April.

Dann wieder schillerballadenhaft

Bücherbrief 10.03.2025 Lachen kann man nicht mehr über die Horrorclowns der Gegenwart, da sind die Kritiker für etwas positiven Irrsinn dankbar.  Und auch der Perlentaucher ist in Feierlaune - schließlich wird er 25! Er zieht sich einen Jakob Hein durch, der mit viel Witz Cannabis in der DDR vertickt. Mit Marion Poschmann setzt er seine fabelhafte Befreiungsbewegung fort: "Der Tiger schaut zurück. / Gelassen, / sehr gelassen". Als Downer empfiehlt er Zach Williams, der in seinen Short Stories ein düsteres Bild von Amerika skizziert. Und Volker Weiß, der erklärt, wie die extreme Rechte Geschichte verdreht.

Wie ein Donnerschlag in der Welt

Bücherbrief 10.02.2025 Jonas Lüscher traumwandelt in seinem neuen Jahrhundertroman so virtuos wie visionär von Flandern bis nach Neu-Kairo und denkt über das Verhältnis von Mensch und Maschine nach. Ursula Krechel lotet mit drei Frauen aus, wie schnell Zivilisation in Barbarei umschlagen kann. Victor Heringer schreibt über die Liebe zweier Männer zu Zeiten der brasilianischen Militärdiktatur. Und Laszlo Földenyi erzählt, wie die Guillotine zum Gestaltungsprinzip der Moderne wurde.

Vollklingend, neutönend, polyfon

Bücherbrief 13.01.2025 Die Überschrift für unseren ersten Bücherbrief des Jahres verspricht nicht zu viel! Das neue Jahr startet stark, etwa mit Weltliteratur aus Indonesien: Felix K. Nesi lädt zum Schauen des Finales der Fußball-WM 1998 und erzählt, fast nebenbei, die gewaltgeprägte Geschichte Timors. Die südkoreanische Literaturnobelpreisträgerin Han Kang kämpft gegen den Schnee, der Norweger Tore Renberg verteidigt im Leipzig des Jahres 1681 eine junge Frau, die des Kindsmords bezichtigt wird. Das Thomas-Mann-Jahr läuten Kai Sina und Heinz Strunk ein. Und Peter Sloterdijk kuriert unsere "Europhobie".

Wie jemand reife Sonnenblumen bricht

Bücherbrief 09.12.2024 Überall nur noch Gesinnung und Germanisterei hatte Maxim Biller kürzlich in seiner von der SZ dokumentierten Rede zur Auszeichnung mit dem Nicolas-Born-Preis über Literaturbetrieb und Kritik geschimpft.  Clemens J. Setz ging es indes in der FAZ in der Gegenwartsliteratur viel zu "abgekartet diesseitig" zu, er vermisste ein "ehrliches erzähltes Jenseits". Nun denn: Fündig geworden sind wir für diesen Bücherbrief nicht nur irdisch. Bookerpreisträgerin Samantha Harvey lässt uns die Schönheit der Erde vom All aus entdecken. Barock, göttlich geradezu erzählt Alan Moore von Nahtoderfahrungen und Snooker spielenden Geistern in einem Arbeiterbezirk in North Hampton. Serhij Zhadan lässt sich das Dichten auch im Krieg nicht nehmen.

Zeitenwende für die Literatur

Bücherbrief 09.09.2024 Wir haben die besten Lektürefrüchte des Spätsommers geerntet: Clemens Meyer begibt sich mit Karl May und Lex Barker auf einen wilden Ritt durch die Geschichte Jugoslawiens, Katja Lange-Müller erzählt in einem ruppig-wahrhaftigen Wenderoman von einer konfliktreichen Alters-WG, David Wagner entfaltet in aller Ruhe die filmhafte Lebensgeschichte der armenischen Türkin "Verkin" und Ilko-Sascha Kowalczuk fragt, warum so viele Ostdeutsche die Demokratie verachten.
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