Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

1671 Presseschau-Absätze - Seite 20 von 168

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2024 - Architektur

Ein heftiger Streit zwischen Denkmalpflege und Kirche ging der Neugestaltung der St. Hedwig-Kathedrale in Berlin voraus, erinnert Matthias Alexander in der FAZ. Großer Protest erhob sich zunächst, als bekannt wurde, dass der Entwurf des Bonner Architekten Hans Schwippert restlos verschwinden sollte, den Neubau übernahm das Architekturbüro Sichau & Walter. Eine "lichte Erscheinung", so der Kritiker: "Die Kathedrale ist zu einem Ort geworden, der auch ein kirchenfernes Großstadtpublikum, das stolz ist auf seinen exquisiten Geschmack und sein Faible für hochwertige und sorgfältig verarbeitete Materialien, für sich einnimmt. Es fehlt auch nicht an Details, über die sich interessant erzählen lässt wie über Produkte in einem Manufactum-Katalog. Etwa die Penrose-Parkettierung der ganz in Weiß gehaltenen Kuppeldecke. Deren Muster besteht aus nur zwei Rauten, die nach einem vom britischen Mathematiker Roger Penrose entwickelten Modell so gelegt werden, dass sie eine Fläche lückenlos abdecken, ohne dass sich dabei jemals ein Grundschema periodisch wiederholt... Das Vorbild des Pantheon, dem schon das Äußere des von Friedrich dem Großen initiierten Kirchenbaus folgt, ist noch deutlicher herausgearbeitet worden."
Stichwörter: Pantheon

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2024 - Architektur

Wie soll eigentlich die Zukunft des Schulbaus aussehen, fragt sich Niklas Maak in der FAZ, und stößt auf die Bauten des Frankfurter Architekten Andreas Krawczyk, der mit seinem Büro NKBAK allein in Berlin 45 Schulen baut. Dass das weder den preislichen noch den zeitlichen Rahmen sprengen muss, zeigt eine Schule in Mahlsdorf: "Sie heißt ISS, das Kürzel steht in diesem Fall nicht für eine Raumstation, sondern für die Integrierte Sekundarschule, aber etwas Außerirdisches haftet auch ihr an: draußen die kühle Präzision der eloxierten Alufassade, feine Fensterprofile im Eingangsbereich, innen dann aber die Rundungen einer Holztreppe und kreisrunde Skylights in der Decke, die an die Raumkunstwerke von Tadao Andō und Louis Kahn denken lassen - kurz, eine Architektur mit liebevollen Details in einer Gegend, die sonst nur Baumassen kennt. Im ersten Stock gibt es eine Sitzecke für Freistunden und Pausen. Sie ist knallgelb gestrichen, ein heiterer Poptraum, dessen Farbe dem in alle Ritzen kriechenden Grau eines Berliner Novembers standhält. Andere Sitzecken und Treppenhäuser sind in Knallrot, Yves-Klein-Blau oder Karibiktürkis gestrichen, die Schüler bekommen so nach dem Unterricht eine energetisierende Op-Art-Farbdusche ab." Steht zu hoffen, befindet Maak, dass die bunten Farben für eine angenehme Lernumgebung sorgen.

Weiteres: Nach sechsjährigem Umbau wird die Berliner Hedwigskathedrale wiedereröffnet - die Berliner Zeitung erkennt sie kaum wieder.
Stichwörter: Schularchitektur, Schulbauten

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2024 - Architektur

An ein "Ferienhaus an der Küste Japans" fühlt sich Nils Minkmar in der SZ im Innenhof des Frankfurter Senckenberg-Museums erinnert beim Betrachten des Projekts, für das sich Studenten der Städelschule, der Fachhochschule sowie zahlreicher weiterer Institutionen der Zivilgesellschaft zusammengeschlossen haben, um mit einer temporären Wohnanlage zu zeigen, wie bezahlbares und flexibles Wohnen möglich ist: Der Bau "besteht aus mehreren Teilen, die ganz aus Holz und Stahl gefertigt wurden. Die Materialien wurden aus anderen Baustellen recycelt, das Holz kam von der Verschalung einer Betonbrücke. Zur Linken erhebt sich eine Art Regal, das sich nach und nach in einen vertikalen Garten verwandeln kann. Versucht wird, hier so viel Gemüse und Obst wie möglich anzubauen, eine große grüne Fläche der Möglichkeiten. Man kann auch eine Hängematte aufspannen. Der untere Bereich des Prototyps ist frei zugänglich und flexibel zu gestalten. Man kann zu Lesungen und Aufführungen einladen, einfach nur Tee trinken oder auch einen Flohmarkt veranstalten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2024 - Architektur

Die Schelling Architekturstiftung hat bekanntgegeben, dass sie, anders als geplant, den mit 10.000 Euro dotierten Architekturtheorie-Preis doch nicht an James Bridle verleihen wird. Der Künstler Bridle gehört zu den Unterzeichnern des jüngsten Boykottaufrufs gegen israelische Kulturinstitutionen (siehe hier). Astrid Kaminski ist sich in der taz nicht sicher, was sie von der Sache halten soll: "Für die Schelling Stiftung führte der Begriff des Boykotts zur Absage der Preisverleihung. Das bedeute, so [Siftungsleiterin] Baus, eine 'ultimative Dialogverweigerung'. Nun reagiert aber wiederum die Schelling Stiftung durch die Ausladung Bridles mit Dialogverweigerung. In ihrem öffentlichen Statement erklärt sie, dass sie weder einen Aufruf zur kulturellen Isolation Israels unterstütze, noch damit in Verbindung gebracht werden möchte. Diese Argumentation ist genau genommen, wie auch vieles im Boykottaufruf selbst, unscharf. Denn er gilt nicht der 'kulturellen Isolation Israels', sondern Institutionen, die die (unscharfen) Forderungen der Unterzeichnenden nicht erfüllen."

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Außerdem: Lena Kaiser unterhält sich in der taz Nord mit dem Journalisten Rainer Donsbach über die architektonische Bedeutung des Columbusbahnhofs in Bremerhaven, der nun glücklicherweise doch nicht abgerissen wird. Donsbach hat über das Thema auch ein Buch geschrieben.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2024 - Architektur

Vielversprechend findet Gerhard Matzig in der SZ die vom Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) vorgelegte Studie "O2H", die skizziert, wie aus Büros Wohnraum geschaffen werden könnte: "Der Umnutzung steht insbesondere bei Bauten ab den Achtzigerjahren architektonisch (Grundrisse) und technisch (Statik, Brandschutz et cetera) kaum etwas Ernsthaftes im Weg. Fast alle Planer, die man dazu spricht, sagen, dass halbwegs moderne Bürobauten (also: gut gedämmt, relativ schadstofffrei) recht einfach umgebaut werden können - zu Wohnungen aller Art." Allerdings: "ist der Mietzins bei Gewerbeimmobilien deutlich höher als bei Wohnimmobilien. Zweitens ist die Mehrwertsteuer beim Gewerbe (Büros zählen dazu) absetzbar - nicht so beim Wohnen. (...) Nichts davon könnte man baupolitisch nicht auch anders steuern. Aber solange die Politik diese Fesseln nicht löst, so lange haben die Immobilienfonds, in der Regel sind es die Eigentümer der oft leer stehenden Bürobauten, kaum Interesse an baulicher Umnutzung, an Baugenehmigungen und Gutachten, an Entwürfen, an Mietern statt Büroinsassen. Lieber bleiben die Immobilien leer, man wartet ab."

In einem weiteren SZ-Artikel wirft Gerhard Matzig einen Blick auf das Video, das die geplante Prinz-Mohammed-bin-Salman-Arena in Riad vorstellt: "Elf Neubauten sind für die Spiele geplant, ein Bauwerk ist fantastischer als das andere. Die MBS-Arena sieht aus wie aus einem Star-Wars-Film. Die Architektur bietet das maximale Spektakel - und ist komplett mit gigantischen Monitoren umhüllt. Darin sollen auch E-Sport-Wettkämpfe als Gladiatoren-Spiele der Neuzeit und, ernsthaft, Drohnen-Rennen stattfinden. Das Ganze ist obendrein ein Vergnügungsviertel für 1,2 Milliarden Euro."
Stichwörter: Drohnen, Star Wars

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.11.2024 - Architektur

Kulturpalast Dresden. Foto: Florian S., unter cc-Lizenz


Regine Müller besucht für die taz eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt über die Zukunft von Theaterbauten in Europa. In Deutschland ist diese Zukunft gewöhnlich sehr sehr teuer, unter ein bis zwei Milliarden scheint da nichts mehr zu gehen, wie man beispielsweise in Stuttgart und Köln sehen kann. Eine Blaupause für alle gibt es nicht, lernt Müller, aber eins werde klar: Theater müssen sich noch mehr öffnen. "In Oslo ist das begehbare Dach ebenso geöffnet wie das Foyer. Am Schauspielhaus in Kopenhagen direkt am Wasser gibt es einen Steg mit Sonnenstühlen, sogar schwimmen kann man dort. Aber nicht jedes Theater liegt am Wasser, viele Sanierungen im Bestand betreffen Bauten mit enger Nachbarschaft. Ein in der Ausstellung gezeigtes Beispiel für eine gelungene Sanierung mit Umnutzung ist der Kulturpalast Dresden, ehemals für Parteiveranstaltungen gedacht, nun ein Beispiel für hybride Nutzung. Das Haus ist heute der Sitz der Dresdner Philharmoniker und der Stadtbibliothek, außerdem residiert dort das Kabarett Die Herkuleskeule. Das Haus ist also ganztags belebt."

Weiteres: In der FAS gratuliert Niklas Maak dem Architekten Rem Koolhaas zum Achtzigsten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.11.2024 - Architektur

Die Welt schaut sich die Rekonstruktionen der Notre Dame und der Alten Börse in Kopenhagen einmal näher an und ist froh, dass man sich in beiden Fällen für einen traditionellen Wiederaufbau entschieden hat.

Besprochen wird: Die Ausstellung: "Visual Investigations. Zwischen Aktivismus, Medien und Gesetz" im Architekturmuseum der TU München (Taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2024 - Architektur

Angesichts des kürzlichen "Bauhaus-Bashings" aus der AfD und dem erbitterten Kampf der "Initiative Schlossaneignung" gegen die historistische Rekonstruktion des Berliner Schlosses (unser Resümee), blickt Dankwart Guratzsch in der Welt zurück auf die Anfänge der beiden Architekturstile. Er zeigt: Bauhaus und Historismus sind keine Gegensätze, sondern bedingen sich gegenseitig, sie versinnbildlichen so die "Doppelgestalt der Moderne". Es sei unsinnig, das eine ohne das andere denken zu wollen, so Guratzsch: "Bauhaus-Bashing und Historismus-Schelte entstammen derselben Motivation: Konkurrenten und konkurrierende Bauauffassungen sollen aus dem Weg geräumt werden. Das gilt auch für die jüngste Initiative 'Schlossaneignung', die das kaum in Betrieb gegangene Humboldt-Forum in Berlin am liebsten wieder abreißen würde, den strahlend neuen Bau zumindest aber mit Eingriffen in die Fassade zur künstlichen Ruine herunterstufen möchte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.11.2024 - Architektur

"Derzeit ersteht eine ganze Reihe öffentlicher Bau- und Kunstwerke der DDR-Moderne auf: die Hyparschale in Magdeburg, die Dresdner robotron-Kantine, das Pressehaus in Berlin, dessen Fassadenfries von DDR-Staatskünstler Willi Neubert nach dreißig Jahren hinter Werbetafeln wieder freigelegt wurde, und so weiter" notiert in der taz Sophie Jung, der dieses plötzliche Interesse nicht ganz geheuer ist: "An welcher Stelle ist man gerade gesellschaftlich in Sachen Auferstehung der DDR-Moderne? Kippt ihre späte Anerkennung vielleicht in eine Nostalgie um, vergisst man mit dem zeitlichen Abstand, dass diese Bauten auch Produkte eines repressiven, indoktrinären Staats waren? Denn das vermeintlich sachliche Bauen der Moderne ließ sich immer wieder in den Dienst von Ideologien stellen. Das zeigt auch die Figur von Ernst Neufert, dem Bauhäusler, der bei Albert Speer arbeitete und 1936 mit der Erstveröffentlichung der Bauentwurfslehre einen bis in die heutige Architektur weltweit reichenden Normenkatalog erstellte. Ein echter Rationalisierer. Jetzt, während 35 Jahre Mauerfall gefeiert werden, zeigt die in der DDR aufgewachsene Künstlerin Andrea Pichl in der Nationalgalerie Hamburger Bahnhof seine sogenannten Behelfsheime, kleine, einfache Wohnhäuser zum Selberbauen für Luftkriegsbetroffene in NS-Deutschland. Ihr Anleitungstext von 1944 ist reine Blut-und-Boden-Ideologie: 'Mittlerweile wird sich der Baugedanke und Bauwille immer mehr ausfüllen, weil er uns im Blute liegt', heißt es zu Neuferts Architektur. Technisch und ästhetisch unterscheidet sie sich kaum von jenen Laubenhäuschen, die sich DDR-Bürger in ihren Wochenendgarten stellten, noch heute sieht man sie vielerorts."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.11.2024 - Architektur

Das neue Museum für Moderne Kunst in Warschau. Foto:  Marta Ejsmont

Nach der Abwahl der PiS-Regierung geht es bei den Kunst- und Kulturinstitutionen in Polen wieder aufwärts: In Warschau wurde nun der Neubau für das Museum für Moderne Kunst eröffnet, berichtet Alexandra Wach im Tagesspiegel. Kritik am minimalistischen Entwurf von Architekt Thomas Phifer gab es nicht zu knapp, so Wach, viele fanden ihn "einfallslos" und fühlten sich an einen "Schuhkarton" erinnert. Doch die Warschauer mögen ihren "weißen Würfel". Zweifellos "fällt das dank riesiger Panoramafenster lichtdurchflutete Gebäude, was der Architekt als Katalysator der Öffnung für Ideen verstanden möchte, in seinem Umfeld aus dem Rahmen. Die Boulevards des Viertels wurden 1944 nach dem niedergeschlagenen Warschauer Aufstand von den deutschen Besatzern zerstört. Die sowjetischen 'Verbündeten' schauten vom anderen Ufer der Weichsel zu und 'befreiten' die Hauptstadt, um sie ihrer totalitären Herrschaft hinzuzufügen. Stalin 'schenkte' den Warschauern dann den lange verhassten Kulturpalast im Zuckerbäckerstil, der sich heute symbolhaft von der glitzernden Skyline aus Glas und Stahl abhebt. Die Fenster blicken auf das 'vergiftete Geschenk' und den im Umbau befindlichen Defilierplatz, aber auch in alle anderen Richtungen der Stadt."