In den nächsten Tagen erfolgt die Abstimmung über eine in den letzten Wochen heftig umstrittene
GEMA-
Reform.
BR Klassik deckt nun anhand von internen Dokumenten und der eidesstattlichen Versicherung einer Quelle auf, dass es eine
Telefonaktion gab, die offenbar insbesondere Mitglieder aus dem U-Segment zur Abstimmung bewogen haben soll und nach Einschätzung von
BR Klassik den Verdacht entstehen lassen könnte, dass eine
gezielte Einflussnahme aufs Wahlergebnis bezweckt werden sollte. "Angerufen wurden vor allem solche Mitglieder, die zuletzt
hohe Tantiemen-
Vorauszahlungen erhalten hatten. 'Das wird nicht so direkt ausgesprochen, aber die Logik für die Telefonaktion war:
Ihr habt von uns gutes Geld bekommen, also stimmt im Gegenzug für die Reform', so die Quelle. Und weiter: 'Ich sehe das als
Quid pro Quo.' Eine weitere bei der GEMA angestellte Person bestätigt gegenüber
BR Klassik, dass 'Vorauszahlungen in der Sparte U ein Kriterium für die Auswahl der Mitglieder waren, die angerufen wurden'. Von insgesamt rund 1000 kontaktierten Mitgliedern sollen weit über die Hälfte von solchen Vorauszahlungen profitiert haben, zum Teil mit hohen sechsstelligen Summen. Es seien die '
Großverdiener'
der GEMA, darunter bekannte Popmusiker, die der GEMA wegen der sprudelnden Einnahmen schon immer sehr 'gewogen' seien. ... Zu Beginn der Telefonkampagne seien weniger als 500 U-Mitglieder für die Wahl angemeldet gewesen, nach der Aktion habe sich die Zahl
verdoppelt."
Axel Brüggemann
bringt auf
BackstageClassical Stimmen dazu. Seitens der GEMA wird die Telefonaktion zwar bestätigt, die Vorwürfe der Beeinflussung seien aber "abwegig. ... Der Komponist
Moritz Eggert, der bereits vehement gegen die Reform gekämpft hatte, fordert nach der Veröffentlichung gegenüber
BackstageClassical 'den
sofortigen Rücktritt der Verantwortlichen Vorstände sowie des CEOs der GEMA'. Außerdem will Eggert
Neuwahlen des Aufsichtsrates und das
Aussetzen der Reform."
Helmut Mauró nennt in der
SZ grundlegende Zahlen zum GEMA-Streit. Es geht insbesondere um die Kulturförderung, da die GEMA sich nicht als "reine Inkassogesellschaft" versteht, sondern auch Förderprogramme finanziert. "Von den insgesamt 50 Millionen Euro Fördermitteln gehen 70 Prozent an die U-Musik, 30 Prozent werden an Künstler und Projekte der E-Musik verteilt, gerade
ältere Komponisten leben davon. Das bedeutet aber, dass die U-Musik nur mit dem 0,2-Fachen der von ihr eingenommenen Tantiemen gefördert wird, während die E-Musik das 2,5-Fache ihrer eingespielten Tantiemen als zusätzliche Fördermittel erhält. Denn die U-Musik verdient 97 Prozent der Mittel, die E-Sparte nur drei Prozent. ... Künftig soll die E-Förderung von 30 auf 14 Prozent gesenkt, die U-Förderung entsprechend von 70 auf 86 Prozent erhöht werden. Dabei" gehe es insbesondere um "junge Musiker" und "außergewöhnliche Musikprojekte. Es geht also nicht so sehr darum, althergebrachte Strukturen der Alimentierung ein bisschen zu verschieben, sondern
Kulturförderung im Geist der Gema-Gründer ernst zu nehmen. Es soll eine
Neuausrichtung auf die Zukunft sein, nicht nur Verwalten der Vergangenheit."
Weitere Artikel: Jan Brachmann berichtet in der
FAZ von der 50.
Schubertiade in Hohenems. Michael Ernst
hat für die
NMZ die
Messiaen-Tagen
in Görlitz besucht. Stefan Michalzik
resümiert in der
FR einen Hamburger Abend mit
Benjamin von Stuckrad-
Barre und
Jan Delay zu Ehren von
Udo Lindenberg. Bertram Job
stimmt in der
taz auf die Tour des Punk-Urgesteins
Undertones ein.
Besprochen werden ein von
Zubin Mehta anlässlich dessen 90. Geburtstags dirigiertes Berliner Konzert der
Staatskapelle Berlin (
Tsp, hier das Programmbuch als Download), der Auftakt des
Musikfests Hamburg mit
Franz Schmidts Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" (
VAN), die im
Ersten gezeigte Doku-Serie über den überraschend verstorbenen Rapper
Xatar (
Welt) und ein Konzert des Jazzmusikers
Joshua Redman in Wien (
Standard).