In der taz lässt sich Yelizaveta Landenberger von Marko Halanevych, Mitglied der gerade durch Deutschland tourenden Kiewer Band DakhaBrakha, die musikalischen Besonderheiten der Ukraineerklären - und davon gibt es einige: "In den Karpaten gibt es fast keinen polyphonen Gesang. Er ist eher rhythmisch, und es geht um meditative Geschichten. Man sitzt da, hört zu und taucht in eine bestimmte Atmosphäre ein. In Polesien oder auch in der Region Dnipropetrowsk sind es laute, mehrstimmige Gesänge. Es gibt Lieder, die in der Region Luhansk aufgenommen wurden und die wir verwenden, es gibt Lieder aus Donezk und Cherson. Wir sind ziemlich divers für ein einziges Land." Gemeinsam mit Serhij Zhadan haben sie den Song "Ptakh" (Vogel) aufgenommen: "'Ptakh' ist seitdem für viele Ukrainer zu einem Symbol geworden, das uns damals wie heute Inspiration und Glauben an die Zukunft schenkt. Ein Vogel, wie jener biblische Vogel, der einen Ölzweig im Schnabel trägt und die Hoffnung vermittelt, dass Leben möglich ist. Die Hoffnung, dass wir, die Ukrainer, in unserem Land leben können - frei, demokratisch, glücklich. Wir arbeiten darauf hin."
Weitere Artikel: Martin Wittmann stellt in der SZ die iranische Sängerin Googoosh vor, die hierzulande fast unbekannt ist, in ihrer Heimat aber absoluten Legendenstatus hat: "Wer sich in ihrer Heimat verliebt, verliebt sich zu ihren Melodien, und wem das Herz gebrochen wird, findet Trost in ihren persisch-blumigen Chansons." Jan Paersch porträtiert in der taz den Produzenten und Musiker Farhot. Vanessa Fatho geht für die FAZ bei Rosalías Kölner Konzert in die Messe, Silvia Silko sieht das Konzert der Musikerin für den Tagesspiegel in Berlin. Volker Schmidt erlebt mit Tame Impala in Frankfurt ein reichlich beliebiges Konzert für die FR.
In der NMZschaltet sich ein ziemlich zorniger Enjott Schneider, früherer Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA, in die Debatte um die Reform der Tantiemengesellschaft ein. "Nicht die GEMA schafft Kunst und 'E'-Musik ab, sondern dieGesellschaft", schreibt er und listet zahlreiche Posten auf - unter anderem, dass Neue Musik im Hörfunk, in den Feuilletons und in den Konzertsälen kaum mehr stattfinde, sich selber in die Nische einigle und auch an den Gymnasien keine Arbeit mehr geleistet werde, um möglichen Nachwuchs heranzuziehen, während der digitale Musikkonsum ohnehin an der Neuen Musik völlig vorbeiziehe. "Aus diesen Gründen ist es absurd zu behaupten, die GEMA betreibe 'Kulturvernichtung' oder 'Hinrichtung der E-Musik'. ... Alle die Punkte (es wären noch viele mehr…) sind dem GEMA-Inkasso vorgelagert und die GEMA trägt keinerlei Verantwortung für diese gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Die GEMA ist per Vertrag ein wirtschaftlicher Verein, eine 'collecting society' und darf über das eingesammelte Geld nur in engen Grenzen verfügen." Eine Ausnahme im Hörfunk bildet im übrigen die Sendereihe "Neue Musik" im Dlf Kultur.
"Große Orchester wählen in den letzten Jahren besonders gern jüngereDirigentinnenundDirigenten mit außergewöhnlichen Geschichten an ihre Spitze", aber diese haben "oft nur wenig Erfahrung an Repertoire-Häusern", beobachtet Axel Brüggemann auf Backstage Classical eine Tendenz im Klassikbetrieb. Und "die neuen Gesichter tun der klassischen Musik ja auch gut. ... Ihr schneller Aufstieg setzt dabei allerdings einen alten Mechanismus des Klassik-Betriebs außer Kraft", nämlich den des sich langsam Nach-Oben-Arbeitens, um im Zuge Kompetenz, Meisterschaft und Elefantenhaut zu entwickeln. "Kein Wunder also, dass ein leises Grummeln in einer Generation zu vernehmen ist, die noch auf diesen Karrierewegen gesetzt hat und nun, da der letzte Sprung zu den ganz großen Orchestern, ans Pult der Berliner oder Wiener Philharmoniker, nach Cleveland oder Boston nicht stattfindet, erkennen muss, dass der Weg nach oben ins Stocken gerät."
Weiteres: Jan Wiele spricht in der FAZ mit dem Jazzmusiker und -labelmacher AdrianYounge über dessen Initiative "Played By Humans", die mit einer Software KI-freieMusikveröffentlichungen zertifiziert. Christoph Becher (NZZ) und Eleonore Büning (VAN) resümieren die WittenerTagefürKammermusik. Moritz Baumstieger und Sara Peschke plaudern in der SZ mit den Kids-Rappern von DeineFreunde. Holger Noltze schreibt in VAN einen Nachruf auf den Dirigenten und Musikwissenschaftler PeterGülke. VAN sammelt Stimmen und Erinnerungen zum Tod des Kammermusikers GünterPichler. Besprochen wird das neue Album "Brilliance of a Falling Moon" des experimentellen Hiphop-Musikers Dälek (es "ballert nahezu von Anfang bis Ende", schwärmt Benjamin Moldenhauer in der taz).
Ueli Bernays hat sich für die NZZ in der Welt der KI-generierten Musik auf Streamingdiensten umgesehen: Die Zahl entsprechender Uploads nimmt ständig zu, für traditionelle Musiker erhöht sich damit der Druck im Hauen und Stechen um die spärlichen Tantiemen nochmals, während etwa Spotify darin ein Mittel zur Kostenersparnis sieht: "Es geht um den Zusammenhalt eines Publikums, das sich um ein Idol schart, das menschliche Empfindungen weckt und verarbeitet - fast wie ein Therapeut. So entsteht eine Art Intimität zwischen Musikern und den Zuhörern. Aber welch eine Irritation, wenn man plötzlich merkt, dass die Melancholie, die Euphorie oder Verletzlichkeit, die einen berührt, von einer Maschine simuliert ist. ... Wahrscheinlich aber ändert sich mit der Musik auch die musikalische Sensibilität. Kommende Generationen werden die Songs aus dem Computer genießen wie den Kaffee aus dem Automaten."
Die türkischeJustiz geht derzeit gegen den Rapper MabelMatiz vor - zunächst wurde sein Liebeslied "Perperişan" auf staatlichen Druck in der Türkei aus den Streamingangeboten entfernt und wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht, drohen ihm nun wegen "Obszönität" auch noch drei Jahre Haft. Da Matiz homosexuell ist, wird ihm auch sein Song entsprechend homoerotisch ausgelegt. Es ist "eine weitere Station im jüngsten Feldzug der türkischen Justiz gegen die Popkultur des Landes: Sänger, Tänzerinnen, Influencer und Komiker werden mit den absurdesten Vorwürfen vor Gericht gestellt", schreibt Susanne Güsten im Tagesspiegel. "Staatsanwaltschaft und Familienministerium nahmen besonderen Anstoß daran, dass in dem Lied ein 'bebe', ein 'Baby', angesprochen wird - als würde das Wort 'baby' nicht so oft in Popsongs vorkommen wie 'yeah'. ... Dass die Gerichte solche Anklagen nicht aus dem Saal lachen, können die sechs Sängerinnen der Band Manifest bezeugen. Sie wurden kürzlich zu dreimonatigen Gefängnisstrafen verurteilt, weil Regierung und Richter ihre Tanzbewegungen auf der Bühne 'unanständig' und 'exhibitionistisch' fanden."
Weitere Artikel: Wie bereits der Schauspieler Matthew McConaughey hat nun auch TaylorSwift anhand von Soundschnippsel und ikonischen Fotos ihre Stimme und ihr Aussehen beimUS-Patentamtals Marke gesichert, um gegenüber KI-Gebrauch und Deepfakes juristisch eine stärkere Position zu haben, meldet Inga Barthels im Tagesspiegel. "Diese in den USA als 'Trademark yourself'-Strategie bezeichnete Vorgehensweise ist kein Garant, um in Urheberrechtsprozessen zu gewinnen", kommentiert David Steinitz in der SZ, "aber helfen könnte sie vor Gericht schon". Christine Lemke-Matwey schreibt auf ZeitOnline einen Nachruf auf den Dirigenten und Musikgelehrten Peter Gülke. Im NDstaunt Florian Schmid darüber, wie viele gute neue Punkbands es in Deutschland gibt. Irland bleibt bei seiner antisemitischen Haltung und will den ESC wegen der israelischen Beteiligung nicht übertragen, meldet die Jüdische Allgemeine. Peter Blaha (FAZ) und Egbert Tholl (SZ) gratulieren dem Dirigenten ZubinMehta zum 90. Geburtstag.
Besprochen werden PaperclipMinimisers Album "II" (FR), ein Konzert des LondonSymphonyOrchestras in Wien (Standard) und ein gemeinsames Album von NineInchNails und BoysNoize ("ein fulminantes, völlig unerwartet veröffentlichtes Album", staunt Max Dax in der FR).
Und dies hier ist ganz klar das Musikvideo der Saison (wie die Macher auf Twitter auch gleich selbst behaupten).
LeonardBernsteins Spätwerk "The Dybbuk" wird selten gespielt und war in Deutschland bislang nur ein einziges Mal und damals auch nur in Auszügen zu hören. Jetzt dirigiert KentNagano, selbst ein später Bernstein-Schüler, das Werk mit dem DeutschenSymphonie-OrchesterBerlin in voller Länge. "Wie bei anderen Künstlern, denen früh Erfolg beschieden war, wurde dies für ihn bisweilen zur Herausforderung", sagt der frühere Leiter des Orchesters im Tagesspiegel-Interview. "Manchmal scheint das Publikum einem Künstler nicht zugestehen zu wollen, sich weiterzuentwickeln." Bernstein "erkundet in 'The Dybbuk' seine eigeneMusiksprache, bindet komplexe rhythmische Strukturen ein und experimentiert mit Zwölftontechniken. Man hört einen raffinierten Kontrapunkt, freie Tonalität und rhythmische Raffinessen, die die Exotik der Dämonen verdeutlichen. Das Ergebnis ist eineinzigartiges Klangspektrum. Vielen, die Bernsteins frühere Musik liebten, war das wohl zu schwierig. Mich fasziniert nicht zuletzt sein Mut."
Weitere Artikel: Beim Debüt des japanischen Dirigenten KazukiYamada beim DeutschenSymphonie-Orchester Berlin, das er ab Herbst leiten wird, war "tatsächlich ein Gefühl von Aufbruch" zu spüren, hält Ulrich Amling im Tagesspiegel fest. Bernhard Uske resümiert in der FR das "Festival der Jugendorchester" in Frankfurt. "Schon lang hat kein Hype mehr so viel Spaß gemacht" wie der um das kanadische Math-Rock-Duo Anginede Poitrine, schreibt Max Fellmann in der SZ (mehr dazu bereits hier und dort). Christian Schachinger stimmt im Standard aufs Donaufestivalin Krems ein. Und Helene Slancar porträtiert im Standard das österreichische Schrammelindie-Trio Lovehead, das aus weiblicher Perspektive übers Teeniedasein und Erwachsenwerden singt.
Besprochen werden JanWehns Geschichte des Deutschraps (Standard), Stefan Hentz' Biografie von MilesDavis (FAZ) und IrminSchmidtsKomposition "Requiem" (The Quietus).
"Nur Rhythmus und Richtung - sonst nichts, weder Farbe noch Linie, noch Melos: Musik als reine Bewegung, als nackter Kraftakt": FAZ-Kritiker Jan Brachmann ist schwer beeindruckt von der deutschen Erstaufführung von Beat Furrers neuem Klavierkonzert bei der Musica viva in München. Es spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit dem Pianisten Francesco Piemontesi. Worum ging's? Um das Klavier als Schlagzeug. Denn: "Gesanglichkeit auf dem Klavier ist eine Illusion, die nur aus dem Zusammenspiel unseres traditionellen Tonalitätsdenkens und der Eigenresonanzanregung durch Obertonverstärkung bei diesem Instrument entsteht. Was bleibt, wenn ohne den alten Tonalitätsbegriff nur noch die akustischen Bedingungen fortexistieren, das hat Furrer hier kompositorisch zu zeigen versucht. Er selbst hielt einen langsamen Satz aus einer Mozart-Sonatefür die beste Zugabe zu seinem Konzert. Und als Piemontesi, perfekt ausbalanciert, das B-Dur-Adagio aus Mozarts Sonate KV 332 als Zugabe spielt, wird der Gegensatz aus Schlagen und Singen auf dem Klavier auch als geschichtlicher entfaltet." Bei BR Klassik kann man sich den Abend noch fünf Tage lang anhören. Das kanadische Math-Rock-Duo Angine de Poitrine (Bild: ReimsCroixRouge, CC BY-SA 4.0) Seit Anfang Februar, nachdem der US-Sender KEXP ein Konzertvideo des kanadischen Duos online gestellt hatte (hier hatten wir es Ihnen bereits empfohlen), geht Angine de Poitrine mit seinem mikrotonalenMath-Rock durch jede Social-Media-Decke: die LPs werden zu Höchtspreisen gehandelt und in größere Hallen verlegte Tourneen sind ratzfatz ausverkauft. Und das für zwei vermeintliche Außerirdische in beknackten Polka-Dot-Kostümen, die eine völlig quer zum Mainstream liegende, hochgradig vertrackte, aber dennoch sonderbar tanzbare Musik spielen. Der ganze Hype ist "künstlerisch durchaus berechtigt" stellt Nick Joye in der NZZ fest, die Band zeigt gerade auf der Bühne "eine erstaunlicheVirtuosität. Mittels allerlei Loop-Stations und sonstigen Effektpedalen generiert der Gitarrist und Bassist Khn de Poitrine multiple ineinander verschachtelte und übereinander geschichtete Klangschlaufen, die der Schlagzeuger Klek de Poitrine mit wendigen Polyrhythmen nachzeichnet. ... Inzwischen muten einzelne Influencer Angine de Poitrine eine ideologische Gravität zu. Ihre handgespielte Musik sei ein AntidotzumKI-Slop, den die Plattenindustrie in den Mainstream pumpen wolle, so wird behauptet." Weitere Artikel: Christoph Forsthoff porträtiert in der NZZ das britische AuroraOrchestra. Manuel Brug schreibt in der Welt zum Tod des Dirigenten MichaelTilsonThomas. Rüdiger Görner schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Dirigenten PeterGülke. Besprochen wird das neue Album von FelixHauptmanns Trio Percussion (FR).
Jakob Biazza staunt in der SZ, wie gut Ringo Starr auf seinem neuen Album "Long Long Road" singt. Für seine Stimme war der Drummer der Beatles bisher nicht bekannt: "Wenn Starr singt, ist das auch weiterhin keine Drahtseilnummer. Keine Aneignung oder gar Eroberung der Worte und Gefühle. Es ist eher ein Rezitieren und dabei bleibt er, zumal für einen Drummer, rhythmisch auch weiterhin seltsam sperrig. Klobig fast. Als würde er im Kopf den Takt mitzählen. Aber: Er hat darin nun tatsächlich einen eigenen Sound gefunden. Ein bisschen wie ein altersgütiger, wohlgenährter Rabe, der den Menschen vom Dach herunter Mut zuspricht, und diese Rolle steht ihm irre gut."
Herbert Blomstedt, 98 Jahre alt, brauchte einen Stuhl, um die Berliner Philharmoniker mit Bruckners Siebter Sinfonie zu dirigieren, aber das Ergebnis war fabelhaft, versichert eine begeisterte Christiane Peitz im Tagesspiegel: "Alles singt, alles schwingt. Blomstedt modelliert die Themen der E-Dur-Symphonie mit minimalen Rubati, lässt Klänge erblühen und ersterben, sorgt zwischen Blech-Fortissimi, der C-Dur-Apotheose des Adagio (mit dem berühmten einzigen Einsatz von Becken und Triangel) und Wagnertuben-Chorälen für Ruhe und weite Spannungsbögen, strahlt noch in cis-Moll Heiterkeit aus. Die Trauermusik des Adagio (Richard Wagner gewidmet, der 1883 während Bruckners Arbeit an der Symphonie starb) wird zur Trostmusik, gelassen, innig, himmelwärts. Je älter er wird, desto mehr erweist sich Blomstedt als Meister der Transzendenz und bleibt doch zutiefst menschlich. Das Pathos interessiert ihn weniger als das Kantable, das tänzerisch Grazile des Scherzos, die hüpfenden Doppelpunktierten im Finale."
Weiteres: Wolfgang Sandner schreibt in der FAZ den Nachruf auf den Dirigenten Michael TilsonThomas. Besprochen werden Lala Lalas neues Album "Heaven 2" (FR) und "Your Favourite Toy" von den Foo Fighters (Standard).
In der Debatte um einen Reformvorschlag für die GEMA sind sich fast immer fast alle einig: Dessen Umsetzung würde der E-Musik erheblichen Schaden zufügen und ihren Fortbestand aufs Spiel setzen. Der Filmkomponist Anselm Kreuzervertritt auf BackstageClassical eine andere Position: Die Trennung von E- und U-Musik "wirkt heute wie ein Relikt. Die Musiklandschaft hat sich längst verändert: Sie ist vielfältiger, hybrider, diverser, weniger binär. Die Folgen sind gravierend. Während die Zahl der E-Werke sinkt - viele klassische Werke fallen aus der Schutzfrist - bleibt das Fördervolumen konstant. Das führt dazu, dass immer weniger Berechtigte immer größere Anteile aus den sogenannten Wertungsgeldern erhalten. Gleichzeitig bleiben andere künstlerisch anspruchsvolle Bereiche systematisch ausgeschlossen. Die Förderung driftet auseinander - und verliert zusehends ihre Legitimation. ... Der Reformansatz bricht mit der alten Dichotomie und zielt auf eine offenere, gerechtere Förderung. Mehr Genres sollen berücksichtigt werden, mehrjungeUrheber:innen, mehr tatsächlich aktive Kreative. Förderung soll nicht länger an historischenKategorien hängen, sondern an künstlerischer Relevanz und aktueller Praxis."
Für die Idee, das bei Hamburg gelegene Haus der vor einem Jahr verstorbenen Komponistin SofiaGubaidulina von den Erben abzukaufen und daraus mittels einer Stiftung einen Ort für Stipendiaten zu machen, können sich zwar viele erwärmen - allein, es kommt nichts so recht in Gang, berichtet Jan Brachmann in der FAZ. Ein Mäzen trat zurück, die Kühne-Stiftung hat andere Baustellen und die Politik bewegt sich nur in Zeitlupe. Bei den Enkeln, "die nun schon ein Jahr lang den Unterhalt des Hauses finanzieren" reißt langsam die Geduld. "Sie würden die Immobilie, deren Marktwert auf 400.000 bis 500.000 Euro geschätzt wird, gern verkaufen. Damit wäre das Stiftungsziel aber gescheitert. Laut einem Konzept des Enkels Alexander Alexandrov wäre etwa eine Million Euro nötig für den Kauf von Haus und Instrumenten, die Gründung einer Stiftung und den geringfügigen Umbau zum Wohn- und Arbeitsort für Stipendiaten." Für den Unterhalt "veranschlagt Alexandrov eine weitere Million Euro. ... Private Geldgeber mit Herz für die Musik sind wieder einmal dringend gesucht."
Weiteres: Auf ihrem neuen Album will die deutsche Popmusikerin ChristinNichols wirklich nur das Gute, aber gerade bei dieser Eindeutigkeit packtZeitOnline-Rezensentin Juliane Liebert einfach nur das kalte Grausen: Alles klingt hier so, "als sei der Therapiesprech ihre einzige verfügbare Wahrheit." Helmut Mauró schreibt in der SZ zum Tod des Dirigenten MichaelTilsonThomas. Die neue Pro7-Show "Staying Alive - Stars singen mit Legenden", bei der Kandidaten mit per KI wiederbelebten Stars auf der Bühne um die Wette singen, ist ein "Sendung gewordener Moralspagat", findet Johanna Schmidt in der taz. Im zweigeteilten Reflektor-Podcast spricht Jan Müller von Tocotronic hier und dort mit BenjaminvonStuckrad-Barre über UdoLindenberg.
Besprochen werden ein neues Album von RingoStarr (Welt) und das Debütalbum des HipHop-Duos TapeHead & Noni, das tazler Konstantin Nowotny "hocherfrischend" findet.
"Mit neuerKammermusik wird sicherlich kein Einfluss aufs Weltgeschehen genommen", sagt AnselmCybinski, der in diesem Jahr erstmals die Wittener Tage für Kammermusik leitet, im FAZ-Gespräch gegenüber Jan Brachmann, "aber vielleicht kommt über sie ein Bewusstwerdungsprozess in Gang." Politische Bekenntnisse von Künstlern einzufordern hält er indessen für "falsch und gefährlich. Das käme einer Instrumentalisierung von Kunst gleich. Sollten wir Positionen vorfinden, die völkerrechtswidrig oder nicht verfassungskonform wären, müsste man natürlich sofort einschreiten. Aber was wir hier, einer emphatischen Idee von Kammermusik folgend, leisten können, ist eine Auseinandersetzung mit all diesen Fragen in deren ganzer Vielschichtigkeit. Das muss von uns nicht auktorial vorgegeben werden. Die Leute, die hier zusammenkommen, sind ja mündigeMenschen."
Weitere Artikel: Die Agenturen melden, dass 1100Musikschaffende - darunter die üblichen Gestalten wie Roger Waters, Macklemore und Co. - zum Boykott des Eurovision Song Contest aufrufen, weil auch Israel an dem Wettbewerb teilnehmen wird. Thomas Wochnik porträtiert im Tagesspiegel den japanischen Dirigenten KazukiYamada, der ab der Saison 2026/27 das DeutscheSymphonie-OrchesterBerlin leiten wird. Georg Rudiger porträtiert in der NZZ die Dirigentin MarieJacquot, die heute Abend erstmals das Tonhalle-Orchester in Zürich dirigiert. Merle Krafeld spricht für VAN mit der Sopranistin AnnetteDasch. Torsten Groß plaudert für die SZ mit Foo-Fighters-Frontmann DaveGrohl. Phil Hebblethwaite porträtiert für VAN den Gitarristen SeanShibe.
Besprochen werden der im Kino gezeigte John-Lennon-Konzertfilm "Power to the People" (FR), ein Konzert von FazilSay in Frankfurt (FR), LucyKrugers neues Album "Pale Bloom" (FR), der Auftakt des BerlinerKlavierfestivals mit SeverinvonEckardstein (VAN) und CourtneyBarnetts Album "Creature of Habit" (SZ).
Das oberöstereichische Mundart-Akrobatik-Akkordeon-Punk-Duo Attwenger hat mit "Wos" wieder zugeschlagen. Erneut greift "Markus Binder die im Land weitverbreitete Kulturtechnik des verbalen Kreistanzes und die Kunst der variantenreichen Wiederholung ganz im Geiste des Attwenger-Fans ErnstJandl" auf, schreibt Christian Schachinger im Standard. "Attwenger 2026 bedeutet auch weiterhin lose an volksmusikalische Muster angelehnten, scheppernden und polternden und im Zeichen eines maximalen Minimalismus stehenden akustischen Läst. Er dient als zeitgemäße, elektrisch verstärkte Zündstufe für Konkrete Poesie. ... Die politische Grundhaltung ist und bleibt links. Insofern ist ihr Gizi, LästundGrant auf die Lage des Landes seit ihrer Gründung vor 36 Jahren nicht geringer geworden."
Besprochen werden Slayyyters Album "Wor$t Girl in America" (Standard), Fleas Album "Honora" (FR) und neue Pop- und Rockalben, darunter SofiaIsellas EP "Something is a Shell", auf der laut Standard-Kritiker Christian Schachinger "in Bild und Ton ein Gesamtkunstwerk geboten wird, das sich mit dem Patriarchat, GewaltundSexismus beschäftigt".
Besprochen werden das neue Album von JoeJackson (Standard), ein Auftritt von BokoYout in Köln (taz) und das Album "Minora Sky" des JanSchreinerLargeEnsembles (FR).
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