YannickNézet-Séguin und dem Lucerne Festival Orchestra ist mit ihrer Darbietung von Bruckners Vierter Beachtliches gelungen, nämlich eine "durchaus auch eigenwillige Interpretation, die Bruckners Musik emotional entfesselt und ihr alles Weihevolle austreibt", lobt Christian Wildhagen in der NZZ. "Hier werden, anders als üblich, keine Klangkathedralen errichtet, die in ihrer Erhabenheit überwältigen, aber auch einschüchtern können. Stattdessen entfalten Nézet-Séguin und das Orchester ein ungeheuer reiches Panorama wechselnder Stimmungen und Naturbilder vor den Ohren der Hörer. Das hat etwas Einladendes, ja Verführerisches - das 'Romantische' ist in dieser Lesart nicht bloss die Losung einer vergangenen Epoche, sondern ein packendes, sehr gegenwärtiges Lebensgefühl. Konzerte, die in so profilierter Weise neues Licht auf Werke des gängigen Kanons werfen, sind Glücksfälle."
Albrecht Selge resümiert für VAN die ersten Konzerte des MusikfestsBerlin, darunter auch den Abend, den das niederländische Radio Filharmonisch Orkest (international auch als Netherlands Radio Philharmonic Orchestra bekannt) bestreitet. Diesem glückt ein "herrlich schräger Bogen von Boulez zu Rachmaninow" und es "lässt indes schon in OlivierMessiaens frühen 'Les Offrandes oubliées' staunen, wie gerade Musiker aus dem calvinistischen Flachland einen derartigen Sensor für den LSD-CharakterdermessiaenschenEucharistie haben können. Auf rosiger Wolke (der Synästhet Messiaen hätte natürlich andere Farbempfindungen parat) levitieren uns da die kristallhohen Streicher durch sich verdünnisierende Luft in eine unbekannte Stadt." In der Mediathek des Festivals ist ein Mitschnitt des Konzerts für Mitte September angekündigt.
Weitere Artikel: Ben Robin König resümiert in der taz das FestivalBerlinAtonal. Stephanie Grimm berichtet in der taz vom Berliner Pop-Kultur-Festival. Mit "einer doch recht holzschnittartigen Unverblümtheit" protestiert Neil Young in einem neuen Song gegen DonaldTrump, meldet Edo Reents in der FAZ.
Besprochen werden ein Konzert des OrchestrePhilharmoniquedeRadioFrance mit MirgaGražinytė-Tyla und JuliaHagen in Grafenegg (Standard), Cindy Laupers Abschiedskonzert in Los Angeles (Standard), ein Konzert von CandyDulfer & theKids in Wiesbaden (FR), das neue Album von SabrinaCarpenter (SZ), der dritte und abschließende Band von RickyRiccardis monumentaler Louis-Armstrong-Biografie (FAZ) und neue Pop- und Rockveröffentlichungen, darunter "Hymns and Fiery Dances" von The Division Men (Standard).
Bei ihrem Saisonauftakt mit KirilPetrenko stellten die Berliner Philharmoniker unter Beweis, dass sie haben, was den WienerPhilharmonikern aus strukturellen Gründen fehlt, schreibt Jan Brachmann in der FAZ - nämlich einen klaren Fokus auf die Gestaltung unter künstlerisch konzentrierter Leitung. Fest macht er dies an den ersten Akkorden aus RobertSchumanns Ouvertüre zu LordByrons dramatischem Gedicht "Manfred": Diese "spielen die Berliner Philharmoniker mit ungestümer Haltlosigkeit, die gezielt in eine Pause stürzt. (...) Harmonisch steht hier alles auf so wackeligen Füßen wie Manfred an der Klippe. (...) Die Musik taumelt metrisch. Petrenko entwickelt daraus einen Gestaltungsauftrag: Man kann diesen Taumel, weil das Bezugssystem nicht definiert ist, am Anfang gar nicht hören. Man hört ihn nachträglich, wenn nach der Schockpause die Elegie der Oboe einsetzt. Der Schock entsteht rückwirkend durch Erinnerung, die zwischen Ausnahme und Normalität erst Bezüge herstellt. Auch im weiteren Verlauf arbeitet Petrenko mit seinem Orchester minutiös heraus, dass Schumann Akzente zwischen Bläsern und Streichern häufig phasenverschoben setzt. So wie die Harmonik und Metrik der Anfangsakkorde wackeln, ist auch die Tektonik der Phrasen in dieser Ouvertüre buchstäblich verrückt."
Weitere Artikel: Thomas Lindemann porträtiert für Frankfurter Allgemeine Quarterly die Organistin AnnaLapwood, der auf Social Media die Herzen der Welt und dies nicht nur aus der Klassikszene zufliegen. Marco Frei berichtet in der NZZ vom ComposerSeminar in Luzern. Andreas Busche hört für den Tagesspiegel das neue Album von BloodOrange. Merle Zils stellt in der taz das Berliner Rap-Duo 6euroneunzig vor, das auf die Krisen der Gegenwart mit rotzigem Hedonismus reagiert.
Merle Krafeld spricht für VAN mit Marion Wörle und Maciej Sledziecki, die als Gruppe gamut inc aktuell die fünfte Ausgabe des Aggregate Festivals für automatisierte Pfeifenorgeln vorbereiten. Der Computer hat über den MIDI-Standard zwar schon seit langem Einzug ins Orgelspiel erhalten, bislang aber vor allem als Stütze für den Organisten gedient. Ihnen geht es darum, das Tool davon zu emanzipieren und die Ästhetik des Orgelspiels zu erweitern: Zwar ist der Mensch besser in "Materialverständnis, Interpretation, Ausdruck, Improvisation", doch "diese Eigenschaften werden sich mit einer KI imitieren lassen, das interessiert uns aber nicht, weil es zu keiner Materialerweiterung führt, sondern nur zu Stilkopien. ... Uns interessiert es, den Klang der Orgel zu modifizieren - eine erweiterte Klangsprache, bei der unterschiedliche Cluster, Phänomene und Klangsynthese zu unserem Alphabet werden. Dafür nutzen wir unterschiedliche algorithmische Verfahren, coden Strukturen, bei denen mikroskopisch kleine graduelle Veränderungen zu einer größeren Form auswachsen können. Es ist oft ein Hin und Her zwischen konzeptuellem Denken und sinnlichem Klangerleben."
Auf Backstage Classicalärgert sich Axel Brüggemann darüber, wie die Tiroler Festspiele Erl den 2018 wegen zahlreicher MeToo-Vorwürfe aus dem Amt geschiedenen Dirigenten GustavKuhn zum 80. Geburtstag "lobhudelnd" feiern: "Eine derartige Gratulation klingt wie Hohn und Spott und zeigt, dass die Festspiele aus ihrer unsäglichen Geschichte unter Gustav Kuhn nur wenig gelernt haben. Dem Kulturbetrieb scheint der Umgang mit sexuellen Übergriffen und autoritärem Verhalten von Führungskräften gerade sehr schwer zu fallen. Gerade hat die Pianistin Shoko Kuroe das Beethovenfest Bonn für seinen Umgang mit der #metoo-Debatte kritisiert. Hier geht es darum, dass Opfer sexueller Gewalt nicht auf dem Podium sitzen, stattdessen mit 'Ehrenkarten' zuZuschauerngemacht werden sollen." Weiteres: Philipp Bovermann plaudert für die SZ mit HelgeSchneider, der heute 70 Jahre alt wird, weshalb ihm Patrick Bahners in der FAZgratuliert. Gerald Felber schreibt in "Bilder und Zeiten" der FAZ über die Arbeit der Sullivan-Gesellschaft, die sich in Deutschland der Pflege des Werks von Arthur Sullivan und anderen britischen Komponisten kümmert. Christian Schachinger stimmt im Standard auf das Elektro-Festival Unsafe+Sounds in Wien ein. Joachim Göres blickt für die taz auf den Schallplattenboom der letzten Jahre, an dem auch immer mehr Frauen Anteil haben. Alana Tongers porträtiert für die FAZ die Band BigThief. Joachim Hentschel porträtiert für die SZ die deutsche Metalband Halloween. Martin Scholz plauscht für die WamS mit dem Rockmusiker JohnFogerty. Jan Brachmann schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den russischen Komponisten Rodion Schtschedrin. Jakob Biazza (SZ) und Edo Reents (FAZ) gratulieren VanMorrison zum 80. Geburtstag.
Besprochen werden SabrinaCarpenters Album "Man's Best Friend" (Standard, Tsp, NZZ, WamS), die Autobiografie "Your Heaven, My Hell" des Metal-Musikers MillePetrozza (FAS), eine CD-Edition zum 80. Geburtstag des Geigers ItzhakPerlman (FAZ), ein von FranzWelser-Möst dirigiertes Konzert der WienerPhilharmoniker in Salzburg (Standard), das neue Album von Apache207 (SZ), ein Konzert von SebastianSternal mit der hr-Bigband (FR), ein Konzert des RoyalPhilharmonicOrchestra mit BruceLiu in Wiesbaden (FR) und "Bury the Key", das neue Album der Indieband Tops ("Jeder Ton, jede Hi-Hat-Betonung, jede Silbe sitzt, alles wirkt dabei so mühelos, lässig und vor allem verdammteinladend", schwärmt Aram Lintzel in der taz).
Maxi Broecking porträtiert für die taz die in New York lebende Saxofonistin IngridLaubrock, die eben mit dem DeutschenJazzpreis ausgezeichnet wurde. Aldona Gustas besucht für VAN den Komponisten MikalojusKonstantinasČiurlionis. Clemens Haustein gratuliert in der FAZ dem Geiger ItzhakPerlman zum 80. Geburtstag. Ebenfalls in der FAZgratuliert Jan Brachmann der Sängerin BernardaFink zum 70. Geburtstag. Besprochen wird TheBeths' Album "Straight Line Was a Lie" (FR).
Dorothea Walchshäusl verneigt sich in der NZZ vor SimonGaudenz' und AndreaLorenzoScartazzinis Projekt, GustavMahlers Sinfonien mit gegenwärtigen Kompositionen fortzuschreiben. Alice von Lenthe porträtiert in der taz die Berliner Rapperin Ceren. Im Standardgratuliert Stefan Weiss Helge Schneider zum 70. Geburtstag. Dessen Selbstporträt "The Klimperclown" (unser Resümee) steht gerade in der ARD-Mediathek. Besprochen werden ein Konzert des Gustav Mahler Jugendorchesters beim Rheingau Musikfestival (FR) und ein Auftritt von ThomasQuasthoff in Wiesbaden (FR).
Ueli Bernays spricht in der NZZ mit der Komponistin LaurieAnderson insbesondere über die mehr als bedrückende Lage nicht nur der Kunst in den USA, die voll im Griff der Cancel Culture ist: "Trump hat die kulturelle Landschaft total verändert. Der öffentliche Diskurs wird auch dadurch erschwert, dass immer mehr Begriffe aus staatlichen Dokumenten verbannt werden; zum Beispiel 'immigrants', 'trans', 'female', 'diversity', 'Gulf of Mexico'. Wer mit dem Regime nicht einverstanden ist, wird als Terrorist angesehen. Redefreiheit und künstlerische Freiheit gelten so kaum noch." Auch "wurden bereits Künstler von der Polizei aufgefordert, kritische Kollegen aufzulisten." Aber "ich empfehle im Moment niemandem, auf die Straße zu gehen. Die Straßen sind von Truppen besetzt, das gilt jedenfalls für Washington (DC), Los Angeles, Chicago, wo Soldaten mit Gewehren und Panzern patrouillieren."
Der Streaming-Erfolg der komplett KI-generierten Alternative-Rock-Band TheVelvetSundown (hier dazu mehr) gibt Konstantin Nowotny im Freitag immer noch zu denken. Droht hier gar das Ende der Musikkritik? Vielleicht ja gerade nicht: "Wenn KI-Kunst täuschend echt wird, könnten es doch gerade geschulte Augen und Ohren sein, die das Uninspirierte, Mittelmäßige, vielleicht sogar 'Falsche' in einem Werk aufdecken. ... Es ist ein optimistischer Gedanke, denn er setzt voraus, dass die Rezipient*innen auch in fernerer Zukunft noch ein Interesse an Originalität, Kreativität und Authentizität haben und Musik als Kunst schätzen - und nicht nur als Begleitung. Denn, so viel gehört auch zur Wahrheit: Wem Mittelmaß schon früher genügt hat, für den dürften die Songs von The Velvet Sundown zufriedenstellend klingen."
Außerdem: Wolfgang Sandner berichtet in der FAZ vom Kunstfest Arcus Temporum im ungarischen Pannonhalma, denn "wo sonst, wenn nicht in der tausendjährigen Benediktinerabtei Pannonhalma, könnte man etwas über das Paradies erfahren". tazlerin Leyla Roos spricht mit dem Rapper Conny, der mit dem in seinem Genre immer noch sehr präsenten Männlichkeitsfetisch aufräumen will. Ulrich Amling berichtet im Tagesspiegel vom Festival Crete Senesi des Collegium Vocale Gent in Siena. Besprochen wird RafaelSchmauchs Buch "Battlerap" (Jungle World).
Der Pianist AlexanderLonquich ist "einer der begnadetsten und beglückendsten Interpreten unserer Zeit" und momentan obendrein "auf dem Zenit seines Könnens", doch angesichts dessen beim breiten Publikum noch viel zu unbekannt, schreibt Marc Zitzmann in der FAZ, der mit sprühendem Enthusiasmus alles daran setzt, dies zu ändern. Bei Lonquich kommt man "kaum heraus aus dem Staunen, wie sauber und souverän Lonquich sein Handwerk beherrscht. Das meint nicht vordergründige Brillanz und Bravour, sondern den Feinschliff. Die Fähigkeit etwa, Stimmverläufen und Strukturen durch das milligrammgenaue Austarieren von Doppelgriffen und Akkorden in beiden Händen Prägnanz ohne Penetranz zu verleihen. Oder die Steuerung der Polyphonie gleichsam durch drei oder vier unabhängige Hirne. ... Lonquichs quasiidealen Mozart möchte man ähnlich beschreiben wie den 'David' in seiner Wahlheimatstadt Florenz: muskulös ohne Steroide, elegant ohne Manieriertheit, superlativisch proportioniert ohne das geschleckt Unpersönliche eines Vorzeigemodel(l)s." Youtube-Aufnahmen davon liegen zwar vor, sind aber "leider klanglich eingeebnet", wie Zitzmann warnt.
Außerdem: Frederik Hanssen blickt für den Tagesspiegel ins Programm des MusikfestsBerlin, das in wenigen Tagen beginnt. Gerrit Bartels schwelgt im Tagesspiegel in Erinnerungen an Musik, die er dem kürzlich verstorbenenAlfredHilsberg verdankt.
Besprochen werden Billy Shebars und David Roberts' "kaleidoskopartiges" Kinoporträt "Monk in Pieces" über die Komponistin MeredithMonk, das laut tazlerin Stephanie Grimm "selbst ein kleines Kunstwerk ist", AsmikGrigorians Liederabend bei den SalzburgerFestspielen (SZ) und neue Popveröffentlichungen, darunter JamesYorkstons Folkalbum "Songs for Nina and Johanna", das "mit dem Charme des leger Angerichteten und rasch Eingefangenen besticht, wie Karl Fluch im Standardschreibt.
Zu Beginn des LucerneFestival waren "gleich mehrere Dirigenten erleben, bei denen das Geheimnis ihrer Kunst" im "Grenzbereich zur Magie und zum Irrationalen zu liegen schien", berichtet Christian Wildhagen in der NZZ. RiccardoChailly etwa - sicherlich einer der "präzisesten Dirigenten unserer Zeit" - fokussierte beim Eröffnungskonzert bei Mahler "gerade nicht auf Entfesselung, sondern auf die gezielte Dosierung des Ausdrucks, der aber durch die Sublimation eine unerhörte Intensität und innere Freiheit gewinnt. Diese Verdichtung durch Verzicht auf jede bloß äußerliche Leidenschaftlichkeit ist eins der Paradoxe bei der Interpretation von Musik. Wenn sie gelingt, entstehen, wie hier, oft Sternstunden." Ein weiterer im Bunde ist SimonRattle: Bei ihm "kann man eine Entwicklung beobachten, die sich bei vielen Dirigenten im Alter verstärkt: Sie bauen immer souveräner auf ihren Erfahrungsschatz, modellieren als Meister des Überblicks in erster Linie Formverläufe und setzen zugleich an allen Schlüsselstellen, die sie genau kennen, Wegmarken und Akzente. Das eröffnet den Musikern Freiräume." Mit Sorge beobachtet Axel Brüggemann auf Backstage Classical eine sich im Klassikbetrieb wieder breitmachende Unbekümmertheit, die Musik am liebsten wieder nur Musik und Politik nur Politik sein lassen möchte. Wenn Teodor Currentzis durch die Lande tourt, werde dazu in erster Linie gute Stimmung verbreitet, bei François-Xavier Roth gebe es auch keine nennenswerten Nachfragen mehr. "So wurde dieser Klassik-Sommer auch ein Sommer der vermeintlichen Normalisierung des alten Geschäfts." Oder "mit anderen Worten: War was? Ist was? Wollen wir nach diesem Sommer wirklich so weiter machen wie immer? Oder wäre es nicht gerade jetzt an der Zeit, auch in der Kultur ein politisches Bewusstsein zu etablieren?"
Weiteres: Stephanie Grimm blickt in der taz ins Programm des heute beginnenden Berliner Popkultur-Festivals. Karl Fluch blickt im Standard-Gespräch mit dem Nino aus Wien auf die seit 15 Jahren anhaltende Austropop-Renaissance zurück. Ljubiša Tošić berichtet im Standard vom Jazzfestivalin Saalfelden.
Besprochen werden BernardMacMahonsNetflix-Doku über LedZeppelin (Standard), ein Konzert des Royal Concertgebouw Orchestra in Salzburg (Standard) und Renée Rapps Popalbum "Bite Me" (SZ).
Albrecht Selge hört für die FAZ Kammermusik beim Molyvos International Music Festivalauf der Insel Lesbos. Elmar Krekeler flaniert für die WamS mit dem Bariton ChristianGerhaher durch Bad Kissingen. Julie Queloz spricht im Tages-Anzeiger mit der Schweizer Sängerin VendredisurMer. Christian Schachinger freut sich im Standard auf das Wiener Konzert der Band Goat, denn "irgendwie kann einen diese Musik total begeistern". Peter Richter schreibt in der SZ einen Nachruf auf den Gitarristen BrentHinds der Progressive-Metal-Band Mastodon, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.
Besprochen werden ein Jazzkonzert von JacobKarlzon in Frankfurt (FR) und das Album "The New Eve is Rising" von TheNewEves (Standard).
"Auch wer viel hört, hat so etwas noch nicht gehört: ein R'n'B-Album, das so wahnsinnig cool ist, obwohl es sich so irrwitzig uncool aufführt", staunt Joachim Hentschel in der SZ über "Baby", das neue Album von Dijon, dem Hentschel bereits gute Chancen ausrechnet, demnächst absolut durch die Decke zu gehen. Zwar könnte "der Zuckerschock-Soul, den Dijon hier zwar nicht erfindet, aber zu einer atemberaubenden Schlüssigkeit führt, mehrfach verspiegelt, schlaflos gestottert und mit endlos entspannter Hyperaktivität durchtanzt (...) auch auf dem Friedhof der Konsensplatten landen. Bei der Musik, die alle in den Himmel loben, aber keiner hört, weil sie fürs normale Leben zu anstrengend ist. Hier, da wagen wir mal eine Prognose, wird das nicht passieren. Weil Dijon - mitten in seinem Rummelplatz des R'n'B-Pointillismus, dem Kabinett der verschiedenen Hallkammern, den lustigenSchlüsselreiz-Samples und Prince-Referenzen - mit so unfassbar viel Herz am Werk ist." Zu erleben ist hier eine "große Feier der Lebendigkeit, mitten im Auge der Dekonstruktion".
"Dijons Musik ist abstrakt und lautmalerisch", schreibt Mathis Raabe auf Zeit Online. "Sie klingt zwar collagiert - man soll die Übergänge ruhig bemerken, die Schnitt- und Klebestellen, an denen der Kitt hervorquillt -, aber sie klingt auch vertraut, nach Funk, Soul und R&B vergangener Jahrzehnte. Vor allem seine Verehrung für Prince kann Dijon kaum verbergen. (...) Wären Laptops und erschwingliche Schnittprogramme schon zu dessen Zeiten üblich gewesen, hätte er womöglich ähnliche Musik gemacht wie Dijon."
Weiteres: Bertram Job erzählt in der taz von seiner Reise durch Nordirland auf den Spuren von VanMorrison, der Ende des Monats 80 Jahre alt wird. Für die SZ spricht Andrian Kreye mit dem Jazzpianisten JonBatiste, der mit "Big Money" gerade ein neues Album veröffentlicht hat.
Besprochen werden UlrikeHaages und EricSchaefers Album "Sternenhimmel" mit Musik zur Hörspielversion von RaoulSchrottsBuch "Sternenhimmel der Menschheit" (FR), eine Neuausgabe des Talking-Heads-Album "More Songs About Buildings and Food" (Standard) sowie MaximePascals und LeBalcons Auftakt der Boulez-Reihe bei den Salzburger Festspielen (Standard).
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