Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

238 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 24

Magazinrundschau vom 12.05.2015 - The Atlantic

Auch in der Mode werden 3D-Drucker immer wichtiger werden, meint Robinson Meyer. Laut einer Industriestatistik probieren Frauen im Schnitt elf Jeans an, bevor sie sich für eine entscheiden, erfährt er von der Unternehmerin Crystal Beasley. Man kann sich leicht vorstellen, wie in Zukunft vom Computer maßgefertigte Kleidung die Massenware ablöst. Aber das ist nicht alles: "Weil 3D-Drucker bisher unmögliche Formen und Muster herstellen können, könnte sich unser Geschmack ändern. Die Software von Nervous Systems inspiriert sich an Mustern der fraktalen Geometrie, so dass die Produkte des Studios eine organische Form haben. Mary Huangs Kleider haben ungewöhnlich vieleckige Muster. Solche Designs sagen eine Zeit voraus, in der geschützte Algorithmen einer Marke einen Look kreieren kann, der mindestens genauso unverwechselbar ist wie zum Beispiel das Burberry-Karo. Auch wenn 3D-Drucke noch beschränkt sind auf feste Materialien wie Plastik und Blech, werden zukünftige Maschinen mit größter Sicherheit einmalige Designs aus anderen Materialien produzieren können. Schon jetzt hat Knyttan, eine in London ansässige Firma, eine Software entwickelt, die eine industrielle Strickmaschine individuelle Pullover und Schals herstellen lässt."

Magazinrundschau vom 24.02.2015 - The Atlantic

Oft wird behauptet, der Islamische Staat sei nicht islamisch. Aber das ist nicht richtig, so bequem es auch sein mag, dies zu glauben, schreibt Graeme Wood nach Gesprächen mit verschiedenen IS-Anhängern im Westen in einem sehr langen Artikel. Eroberungskrieg, Mord, Sklaverei, Amputation von Gliedmaßen - all das ist erlaubt unter den Bedingungen des Kalifats. So stehe es schwarz auf weiß geschrieben und lasse sich nicht wegdiskutieren. Was also tun? Graeme, der sich sehr gründlich in die Argumentation des IS vertieft hat, sieht zwei Ansätze: Ohne das Kalifat sind die oben beschriebenen Gräuel nicht erlaubt. Das Kalifat setzt aber ein festes Territorium voraus. Hier kann man ansetzen. Und intern, im Westen? Müsste man den Salafismus als Antidot betrachten, meint Wood. Denn die Salafisten nehmen die Koran so wörtlich wie der IS. Nur in einem Punkt liegen sie auseinander: den Einsatz von Gewalt, der nur unter den allergrößten Ungerechtigkeiten gerechtfertigt ist - Kalifat hin oder her. "Die Menschen, die an einem Punkt angelangt sind, an dem sie für ihren Glauben kämpfen wollen, können nicht alle vom Dschihadismus abgehalten werden. Aber die, deren Hauptmotiv darin liegt, eine ultrakonservative, unkompromittierte Version des Islam zu finden, haben hier eine Alternative. Es ist kein moderater Islam. Die meisten Muslime werden ihn als extrem bezeichnen. Es ist aber eine Form des Islam, die die Buchstabengläubigen nicht sofort heuchlerisch oder blasphemisch finden werden."

Magazinrundschau vom 06.01.2015 - The Atlantic

Was genau ist ein Künstler? In der Renaissance galt er als Kunsthandwerker, in der Romantik als einsames Genie, nach dem Zweiten Weltkrieg war er ein von Institutionen beglaubigter Profi - und heute? Heute sehen wir, wie er sich dank des Internets zum Entrepreneur entwickelt, erklärt William Deresiewicz und beschreibt die Veränderungen, die damit einhergehen: "Wir sehen in dem neuen Paradigma - sowohl auf die externen Beziehungen des Künstlers wie auf seine inneren kreativen Fähigkeiten bezogen - was wir überall in der Kultur sehen: Tiefe wird durch Breite ersetzt. Ist das eine gute oder schlechte Sache? Es ist zweifellos beides, allerdings in einem noch unbekannten Verhältnis. Klar erscheint jedenfalls, dass dieses neue Paradigma die Ausbildung von Künstlern verändern wird. Ein kürzlich geschaffenes M.F.A.-Programm in Portland, Oregon, ist in der Rubrik "angewandtes Kunsthandwerk und Design" aufgelistet. Studenten aus den verschiedensten Disziplinen studieren Entrepreneurship ebenso wie kreative Tätigkeiten. Das Machen, erkennt das Programm, ist jetzt verflochten mit dem Verkaufen und Künstler brauchen ein Training in beidem - eine Tatsache, die die Ausbreitung dualer M.B.A./M.F.A.-Programme widerspiegelt."

Außerdem: Karen Swallow Prior beschreibt T.S. Eliots J. Alfred Prufrock als Urbild des Hipsters.

Magazinrundschau vom 28.10.2014 - The Atlantic

Stalin war grausam, aber nicht verrückt, er war hochintelligent, aber komplett ideologisch: Überzeugend findet Anne Applebaum das Stalin-Bild, das der Historiker Stephen Kotkin in einer neuen und recht voluminösen Biografie zeichnet. "Der Stalin, den Kotkin offenbart, war weder ein dröger Bürokrat noch ein Bandit, sondern ein Mann, der sich strikt an die reine Lehre hielt. Seine Gewalt entsprang nicht seinem Unterbewusstsein, sondern der bolschewistischen Hingabe an die marxistisch-leninistische Ideologie. Diese bot Stalin ein Gefühl von Gewissheit angesichts politischer und ökonomischer Rückschläge. Wenn eine Politik anstatt mehr Wohlstand mehr Armut hervorbrachte, dann konnte dafür immer eine Erklärung gefunden werden: Die Theorie war nicht korrekt interpretiert worden, die Reihen waren nicht fest genug geschlossen, die Funktionäre hatten versagt. Wenn die sowjetische Politik selbst unter Arbeitern unpopulär war, dann konnte auch das erklärt werden: Die Widersprüche verschärften sich, weil der Klassenkampf in eine intensivere Phase trat."

Im Aufmacher fragt sich Hanna Rosin, warum Teenager Nacktfotos von sich verschicken oder online posten.

Magazinrundschau vom 11.11.2014 - The Atlantic

In den USA erlebt die Bezeichnung "Weird Fiction" gerade eine beachtliche Renaissance. Sie beschreibt ein in jeder Hinsicht uneinheitliches literarisches Feld, das Elemente von Horror, moderner Literatur, Surrealismus und Phantastik enthält und dessen Autoren - von Georg Heym bis Haruki Murakami - sich sowohl aus dem Pulp, als auch aus der anerkannten Literatur rekrutieren. Zu verdanken ist das nicht zuletzt der langjährigen Herausgeber-Tätigkeit des Schriftstellers Jeff Vandermeer, der mit Anthologien (wie etwa dieser hier) und einem Webmagazin als prominentester Fürsprecher der "Weird Fiction" reüssiert. In einem Essay für Atlantic umkreist er die Faszinationskraft der "sonderbaren Literatur" und wie sie dem Mensch und seinem Selbstverständnis dienen kann: "Wir glauben gerne, dass wir unser Universum verstehen. "Weird Fiction" glaubt das nicht und zeigt uns mit ihrer Distanz und Universalität, wie man mit dieser Erkenntnis umgehen kann. Es liegen so viele Widersprüche in dem, was heute ein menschliches Wesen ausmacht - eingebettet in eine Kultur der modernen Technologie und des "Fortschritts", die immer noch primitiv ist, vergleicht man sie etwa mit der Art, wie Pflanzen Quantenmechanik während der Photosynthese benutzen. In diesem Moment, der eine Frühphase unseres Verständnisses von der Welt darstellt, ist es kathartisch, Geschichten aufzuspüren und zu erzählen, die nicht versuchen, die unlogische, widersprüchliche und oft instinktive Art, in der Menschen die Welt wahrnehmen, glatt zu bügeln und diese Elemente statt dessen nutzen um uns zu zeigen, wie wir wirklich sind. Widerspenstig. Unbeherrscht. Abergläubisch. Absurd. Subjekt tausender destabilisierender Ängste und Hoffnungen."

Magazinrundschau vom 16.09.2014 - The Atlantic

In Afghanistan gibt es Familien, in denen eins der Mädchen als Junge aufwächst: Sie kann mit den Jungs zur Schule gehen oder als Aushilfe arbeiten, bis sie in die Pubertät kommt. Dann muss sie sich allerdings wieder in ein Mädchen verwandeln, erzählt Jenny Nordberg in einer Reportage. Die Gründe für diese Verwandlung sind unterschiedlich, aber sie kommen in reichen und armen Familien vor. Das kleine Mädchen Mahnoush zum Beispiel wurde mit sieben zu Mehran: "Mehran scheint sich gut an seine neue Rolle gewöhnt zu haben. Sie nimmt jede Gelegenheit waren, den Menschen um sie herum mitzuteilen, dass sie ein Junge ist. Sie weigert sich zu nähen oder mit Puppen zu spielen. Lieber fährt sie Rad, spielt Fußball oder rennt. Die Lehrer spielen alle mit und helfen ihr, in der Schule ihr Geheimnis zu wahren, indem sie sie ihre Kleider wenn nötig in einem separaten Raum wechseln lassen. "Also ist das alles normal für Sie? Ganz gewöhnlich", frage ich die Lehrerin Miss Momand. "Das vielleicht nicht gerade, aber es ist auch kein Problem.""

Magazinrundschau vom 01.07.2014 - The Atlantic

In The Atlantic skizziert der afghanische Journalist Mujib Mashal das Erbe, das Präsident Hamid Karzai seinem Nachfolger hinterlässt. Karzai hat viele verfeindete Gruppen versöhnt und die Gesellschaft auf den Weg der Modernisierung geschoben. Das Problem dabei ist, so Mashal: Seine Politik beruhte fast vollständig auf persönlichen Beziehungen. Stabile Institutionen hat er nicht aufgebaut: "Meine Altersgenossen - ausgebildete Städter, die mit der Welt verbunden sind und Meinungsfreiheit genießen - empfinden eine wachsende Nostalgie für Karzai. Er wird als Mann mit großer persönlicher Würde eingeschätzt, der trotz seiner Fehler alles versucht hat, das Blutvergießen zu verringern, in das meine Generation hineingeboren wurde. Unser Afghanistan ist geformt von den Prinzipien, die Karzai als wesentlich und unverhandelbar ansah. Aber wegen seines Führungsstils erscheinen diese Fortschritte jetzt gefährdet. Unter Karzai konnte eine relativ freie Presse aufblühen, aber immer wenn sie bedroht wurde, wurden diese Angriffe nicht von den Institutionen abgewehrt oder neuen Gesetzen, sondern vom Präsidenten selbst. Dasselbe kann man für Frauenrechte sagten, die enorm verbessert wurden, aber ohne den Schutz institutioneller Wächter blieben."

Magazinrundschau vom 07.03.2014 - The Atlantic

Alexis C. Madrigal hat für eine großartige Geschichte (die ausgedruckt gut 30 Seiten umfasst) das gesamte Wasserversorgungssystem des Staates Kalifornien inspiziert. Dort herrscht bekanntlich seit Jahren große Trockenheit. Wo das Land nicht bewässert wird, wächst keine Pflanze mehr. Unter anderem besucht Madrigal das winzige Städtchen Hood, unweit des Sacramento-Deltas, wo der Gouverneur zwei gigantische unterirdische Wasserpipelines bauen will, die länger wären als der Tunnel unter dem Ärmelkanal. Die Einwohner sind begreiflicherweise ein bisschen skeptisch: "Das Delta, so fürchten sie, könnte austrocknen wie das Owens Valley, das einst einen Hundertquadratmeilen-See besaß: Aber Los Angeles schlürfte ihn aus wie ein kaltes Bier an einem heißen Tag. "Chinatown" handelte von dieser Schlacht, und die Bewohner des Deltas möchten nicht durch eine Fortsetzung dieses Films unsterblich gemacht werden. Allerdings würde aus diesem Ort keine Staubschüssel wie aus dem Owens Valley, sondern eher eine Salzwassergegend. Nach Inbetriebnahme der Tunnel würde Süßwasser aus den Wasserwegen des Deltas verschwinden, und Salzwasser aus der Bucht von San Francisco würde nachdrängen."

Im März-Heft untersucht Caitlin Flanagan den desaströsen Einfluss von Bruderschaften reicher Studenten auf amerikanische Universitäten. Der kanadische Autor Chris Koentges reist nach Turku, um den den siebzigjährigen finnischen Eishockeytrainer Urpo Ylönen zu besuchen, der gerade den Sport mit einem revolutionären Torhütertraining transformiert (mit der Folge, dass finnische Eishockeyspieler die kanadischen verdrängen). Und Claire Dederer erklärt in einem sehr persönlichen Text, warum es für Frauen so schwer ist, über Sex zu schreiben.

Magazinrundschau vom 07.02.2014 - The Atlantic

Auch bei uns ist er zurück: der Männerbart. Sogar in seiner wilhelminischen Form schmückt er derzeit diverse Models, die für schicke Label fotografiert werden. In The Atlantic erzählt Sean Trainor eine kleine Kulturgeschichte des Männerbarts seit dem 18. Jahrhundert. "Wie unzählig andere Geschichten ist auch diese voller Widersprüche. Sie beginnt mit weißen Amerikanern, die zur Zeit der Revolution Rasieren als eine Angelegenheit von "Minderwertigen" betrachteten. Sie geht weiter mit schwarzen Unternehmern, die es in eine Quelle von Reichtum und Prestige verwandelten. Und sie schließt mit der Anerkennung des Bartes - einer aus der Verzweiflung geborenen Mode, die sich in ein Symbol männlicher Autorität und weißer Überlegenheit verwandelte."
Stichwörter: Models, Schmuck, Model

Magazinrundschau vom 07.01.2014 - The Atlantic

Eine spannende, hervorragend aufgedröselte Recherche von Alexis C. Madrigal: Der hat sich mit einem Script einen Überblick über die "Micro-Genres" verschafft, anhand derer der Video-on-Demand-Anbieter Netflix sein Filmangebot auf denkbar feingliedrige Weise kategorisiert. Satte 76897 solcher "Mirco-Genres" hat er dabei ausfindig gemacht, die von "Japanese Sports Movies" über "Cult Evil Kid Horror Movies" bis zu "Critically-Acclaimed Emotional Underdog Movies" reichen und in einem cleveren Attributierungsverfahren genutzt werden und dabei auch auf den Kunden zugeschnitten sind. Hinter diesem System steckt die "Netflix-Quantentheorie", wie er sich von Netflix-Geschäftsführer Todd Yellin erklären lässt: "Obwohl er von unserer Nerdiness beindruckt ist, erklärt er uns geduldig, dass wir gerade einmal ein einzelnes Endprodukt der gesamten Netflix-Dateninfrastruktur aufgeschüttelt haben. Es befinden sich noch soviel mehr Daten und noch sehr viel mehr Intelligenz in dem System, das wir aufgedeckt haben. ... Was Netflix so herausragend macht, ist die Tatsache, dass die beschreibende Einschätzung der Filme in den Vordergrund rückt. Es ist nicht nur so, dass Netflix einem Dinge zeigen kann, die einem gefallen könnten, sondern auch, dass es einem sagen kann, um was für Dinge es sich dabei handelt. Auf eine sehr sonderbare Weise handelt sich dabei um ein Werkzeug der Introspektion."

Außerdem porträtiert Taylor Clark Jesse Wilms, der mit diversen dubiosen Geschätfsmodellen im Netz diverse Vermögen ergaunert und verloren hat. Und Christopher Dorr fragt sich, warum die Werke eines so herausragenden amerikanischen Krimiautors wie Elmore Leonard meist so schlechte Verfilmungen nach sich ziehen.