Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 43 von 43

Magazinrundschau vom 29.04.2002 - Economist

Der Titel untersucht den Coup Le Pens, "Frankreichs Schande", hält sie aber für durchaus heilsam: "There is no cause to panic. With lucky Jacques Chirac almost certainly back in the Elysee Palace for another five years, Mr Le Pen will soon have no more say in running France than he did before. At the same time, the jolt to the system he reviles is salutary. Some of the questions he raises need answering." Die Immigranten-Frage etwa oder diejenige nach Frankreichs Platz in der Welt und in der EU.

Ein anderer Artikel nimmt die gesamteuropäische politische Lage in den Blick und will ebenfalls beruhigen: Die Wahlerfolge der stramm Rechten seien so berauschend gar nicht, viele Rechts-Wähler seien mitnichten Rassisten, sondern eher enttäuschte Anhänger der gemäßigten Parteien und - Parteien können sich ändern. "For instance, Italy's cannily revamped post-fascist, Gianfranco Fini, is now generally considered, even by the post-Communist opposition, to be a respectable democrat ... no one questions the impeccably democratic credentials of Jose Maria Aznar, Spain's centre-right prime minister, who sees Britain's Labour leader, Tony Blair, as his soulmate in the EU, though the embryo of Mr Aznar's party was created by politicians who served the dictator, General Franco."

Ferner: "Books and Arts" wartet mit neuen Mutmaßungen über die Nachfolge Wolfgang Wagners in Bayreuth auf und hält eine Troika mit Wolfgangs Tochter Katharina als Direktorin, dem Chef des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz, Klaus Schultz, als Manager und Christian Thielemann von der Deutschen Oper Berlin als Hausdirigent für möglich.

Wir lesen, dass McDonald's (trotz Bove) in Frankreich ganz groß rauskommt, "where it now has some 900 restaurants-more per head than most of its European neighbours, including Germany, Italy, Spain and the Netherlands. (Britain is still just ahead, but the company opened there earlier.) McDonald's now claims to be the leading restaurant chain in France."

Schließlich erfahren wir mehr über die Zusammenhänge von Körpergröße und Einkommen: Wer als Teenager zu den Großen gehörte, besagt eine Studie, verdient als Erwachsener mehr, weil ihn das "soziale und kulturelle Stigma" des Kleinseins nicht bei der Ausbildung von Selbstvertrauen und sozialen Kompetenzen im Weg stand.

Magazinrundschau vom 22.04.2002 - Economist

Die US-Geheimdienste, sagt der Direktor der CIA George Tenet, machen ihren Job gut. Sollten sie auch, bei einem Jahresbudget von 30 Milliarden Dollar! Wie lässt es sich also erklären, dass 09/11 dennoch passieren konnte? Ein Beitrag über den Reformbedarf bei FBI, NSA usw. gibt Aufschluss: "There is no local equivalent of James Bond; in fiction, spies are mostly portrayed as right-wing lunatics or bungling fools. Americans are less interested in going overseas than other people are, and they stick out more when they do. Even during the CIA's mythical heyday during the cold war, nearly all its best agents were freedom- or cash-loving traitors who offered their services without prompting. And the agency has never been that good on the Islamic world. More important, at home Americans value privacy more than most other people ... One former CIA chief speculates that you could call September 11th 'the failure of the ideology of the open society'."

Am 16. April mussten die Römer zu Fuß gehen, und die Touristen standen vor geschlossenen Museen. Was der erste italienische Generalstreik von Tageslänge seit 20 Jahren und weitere seiner Art für das Bündnis gegen Berlusconi bewegen könnten, lässt ein Artikel ahnen: "Rousing rallies in city squares may turn out, after all, to be the best way of inspiring what has been a feeble and divided opposition to the government. Mass demonstrations, some recall, helped bring down Mr Berlusconi's previous shorter-lived government, in 1994."

Außerdem: Der Titel sieht die Kluft zwischen Amerika und seinen Verbündeten in Sachen Israel wachsen. Ein Beitrag untersucht die grausigen Ereignisse in Dschenin ("Belege für die Missachtung zivilen Lebens durch Israels Militär sind allgegenwärtig"). Es gibt ein Porträt des streitbaren Vivendi-Chefs Jean-Marie Messier. Einen Artikel, der dem evolutionsbiologischen Rätsel allzu toleranter Ameisen auf den Grund geht, sowie die Anzeige einer überraschenden Wiedergeburt: Das italienische Kino belebt den Neo-Realismus neu.

Magazinrundschau vom 15.04.2002 - Economist

Während die Cover-Story noch die Grundlage eines dauerhaften Friedens in Nahost benennt (Hoffnung für beide Seiten: auf ein Ende des Terrors bzw. der Besetzung) ist ein Special Report schon dabei, über die Zeit nach dem Krieg nachzudenken und die Heilige Stadt in palästinensische und israelische Häppchen aufzuteilen.

Wir werfen einen Insel-Blick auf die Kirch-Krise, die im Economist wie eine richtig große Sache ausschaut: "Kirch's fall has made a splash far beyond the world of finance. Many German football clubs depend on TV money from Kirch. Smaller clubs fear ruin, while the bigger ones worry about a loss of talent to England and Spain. German politicians fret that Mr Murdoch or Mr Berlusconi might get their hands on Kirch's TV assets. And the discomfort of Bayerische Landesbank has been a cheap source of political capital for Germany's chancellor, Gerhard Schröder. His challenger in September's general election is the Bavarian premier, Edmund Stoiber, on whom Mr Schröder and his chums have been eagerly heaping blame for the Kirch fiasco."

Dem Eingangsartikel eines Dossiers über die Zukunft des Fernsehens entnehmen wir folgende beruhigende Nachricht: Trotz aller Anstrengungen in Richtung eines multifunktionalen, multimedialen Fernsehens, wird die Flimmerkiste auch künftig vor allem Unterhaltungsmedium sein. "Although the digital era will vastly widen the choice of entertainment on TV, it will leave its potency as a mass medium undiminished." Im Dossier geht's aber auch um so magische Dinge wie "TV-on-demand" und den "personal video recorder".

Was noch? Die Annoncierung eines neuen Konkurrenzblattes für die "New York Times": "The New York Sun", heißt es, "will be a 12-30-page broadsheet ... it will be more conservative than the Times and write more about the city". Wissenswertes über die Existenz eines neuen Superkontinents mit Namen "Columbia". Und "Books and Arts" lässt zwei britische Biografien über Primo Levi gegeneinander antreten: "One is modest, useful, well-written, a credit to its subject; the other is not." Erstere ist "The Double Bond: The Life of Primo Levi" von Carole Angier, letztere "Primo Levi" von Ian Thomson.

Magazinrundschau vom 08.04.2002 - Economist

Haben die Briten den Klassenkampf überwunden, wie Tony Blair glaubt? Der Economist äußert Bedenken und hält die "meritocracy", in der Fleiß, nicht Geld und Einfluss den Ausschlag geben für Erfolg, allenfalls für eine gute Idee. "If he really believes in meritocracy, the prime minister might, on one definition of that term, be thinking about enabling more downward mobility from the middle classes. Since the (arguably unfair) advantages middle-class parents confer on their children include intangibles such as contacts and confidence, that would be tricky even if it were desirable. But the government could, for instance, raise inheritance taxes, or try to prevent the middle-classes monopolising the best state schools."

Ein anderer Artikel befasst sich mit Sexualdelikten gegen Kinder und kommt zu dem einleuchtenden Schluss, dass die Täter vor allem dort zu suchen sind, wo Kinder sind: in Schulen, Sportvereinen, Heimen etc. Auch wie das heikle Verhältnis zwischen Aufsichtsperson und Minderjährigem kontrolliert werden kann, weiß das Magazin. "Any responsible institution ought to begin with a thorough background check of all potential volunteers or employees, ... have a system of management and supervision that limits the time any adult spends alone with a child ... Above all, parents have to teach their children to be alert, and must take note of adults who cross the moral boundary. Let them remember that the problem of adults abusing positions of trust and authority by preying on young people is not confined to the Catholic church."

Außerdem: Die Cover-Story versucht, Ariel Scharon zu verstehen und räumt seiner Politik geringe Gewinnaussichten ein, ein Special Report liefert eine Phänomenologie des Schiffs-Kontainers in Zeiten des Terrors und Waffenschmuggels, ein Wissenschafts-Beitrag sieht unruhige Zeiten für Physiker voraus: die physikalischen Konstanten verändern sich! "Books and Arts" bespricht eine Sozialgeschichte des Automobils. Und mit einer letzten Verneigung verabschiedet sich der Economist von der Königinmutter.

Magazinrundschau vom 02.04.2002 - Economist

Wie neutral war die Schweiz, und wie neutral konnte sie sein? fragt ein Artikel und zitiert aus Berichten der Untersuchungskommission, die das Verhältnis des Alpenlandes zu Nazideutschland zu untersuchen hatte: "Switzerland plainly did have its share of shameless profiteers. One of the new studies released last week focused on its weapons makers. By one means or another, they supplied the Allies; they paid huge bribes to get also into the German market. They undermined their own country's defence, exposed it to blackmail, and defied neutrality, the historians maintain." Ärgerlich nur, dass den Schweizern die hellen Seiten ihrer Vergangenheit so viel lieber sind als die dunklen und sie auch noch drauf bestehen, nicht die einzigen schwarzen Schafe gewesen zu sein.

Ein anderer Beitrag befasst sich mit der Ethik des Grabens. Spätestens seitdem eBay ägyptische Ausgrabungsfunde feilbietet, erfahren wir, entwickelt die Archäologie so etwas wie ethische Sensibilität. "These ethical concerns fall into three broad areas. First, there is the question of how to treat human remains ... Next is the question of ownership of artefacts ... A third ethical problem concerns the preservation of sites. Should battlefields be left alone as memorials, redeveloped for tourism, or preserved for the archaeologists of the future?" Gute Frage, meint der Economist, seltsam allerdings, "that it has taken so long for archaeologists, investigators of the relics of the past, to recognise that archaeological standards, too, are products of their time".

Außerdem: Die Cover-Story erklärt, wie die hohen Preise für Einzelhäuser in aller Welt (ausgenommen Japan und Deutschland) die Rezesssion milderten, ein Business-Artikel fragt, ob die Europäer auf das mobile Internetsystem "i-mode" abfahren werden und wie die Japaner künftig Cartoons und Horoskope aufs Handy laden wollen, wir lernen über die traurigen finanziellen und strukturellen Probleme der Oxford University, und "Books and Arts" stellt uns den Crossover-Jazzer Uri Caine vor.

Magazinrundschau vom 25.03.2002 - Economist

Es gibt viele Gründe (religiöse, historische, die Tradition betreffende), warum die arabische Welt sich schwer tut mit der Demokratie. Alles keine Entschuldigung dafür, es nicht zu versuchen, meint der Economist in seiner Cover Story. Weder seien die Araber besonders gut gefahren ohne sie noch dürfe man Beispiele wie die Türkei oder den Iran übersehen, wo man dabei sei, "die Muskeln des Pluralismus" zu trainieren. Der Westen indessen "must not impose its values, but needs to say out loud that its own achievements of religious tolerance and liberal democracy are not just luxuries to be consumed at home. They are universal ideals that can, and should, be welcomed by Arabs too."

Sie tragen Fundsachen grundsätzlich ins Fundbüro, arbeiten gern ehrenamtlich und geben Trinkgeld, auch wenn sie den Kellner nie wieder sehen? Dann sind sie ein "starker Reziprokator". Was das nun wieder ist? Schweizer Wissenschaftler haben es herausgefunden: "A person is a strong reciprocator if he is willing to sacrifice resources to be kind to those who are being kind, and to punish those who are being unkind. Significantly, strong reciprocators will behave this way even if doing so provides no prospect of material rewards in the future." Erklären würde diese Idee "both previously inexplicable altruistic acts and the existence of spite", schreibt der Economist und hat auch einen Vorschlag zur gesellschaftlichen Nutzbarmachung: "If policymakers want to achieve certain public goods, such as the sharing of common resources, it might be useful to provide opportunities for the public-spirited to punish the free-riders in society ... Extending these sorts of penalties to society at large could pit the better side of human nature against its other half, and make things better for everyone." Wer's glaubt.

Ferner zu lesen: Über besorgte Mienen in Hollywood: die Filmpiraterie im Internet nimmt Napster-Dimensionen an. Ein penibel recherchierter Special Report zeigt, welchen wirtschaftlichen Schaden die Demokratisierung des Glamours in der Luxusgüterindustrie anrichtet. Und Books and Arts gibt einen Überblick über laufende Video-Kunst-Ausstellungen in New York, Berlin, Turin.

Magazinrundschau vom 18.03.2002 - Economist

Francis Fukuyama (mehr hier), der einst das Ende der Geschichte proklamierte, beschert uns düstere Aussichten. Der Economist stellt sein neues Buch "Our Posthuman Future" vor, in dem sich der US-Intellektuelle als "scholary outsider" kritisch und umfassend dem Gebiet der Biotechnologie widmet. "Ahead of us, he sees embryo research slipping inexorably from strictly curative purposes into selective breeding for intelligence, sex and personality - designer babies and worse." Und weil Fukuyama seine Befürchtungen möglichst undogmatisch darlegt, verdient er wohl diese Empfehlung des Rezensenten: "For readers new to a complex subject, this book will be an invaluable guide, even if they do not go away agreeing with all, or any, of Mr Fukuyama's conclusions. Those who already know the area well may still want to remind themselves how its different bits fit together."

Thema eines Leaders ist die neue, auf kleinere Sprengköpfe setzende Nuklearstrategie der USA. Anders als die New York Times, die sie als echt schurkisch klassifizierte, findet der Economist sie im wesentlichen korrekt und den veränderten Anforderungen angemessen, fürchtet allerdings ein neues atomares Wettrüsten "and hence any overturning of the test ban, since that would blow to bits the whole anti-proliferation effort. The test ban was part of a deal that won the indefinite extension of the Nuclear Non-Proliferation Treaty. If America walks away from that agreement, as now it may, so can others." Gleichfalls eher gelassen sieht's ein ergänzender Artikel, der erklärt, dass die Pläne des Pentagon so "neu" gar nicht sind, sondern vielmehr von Kontinuität in der Nuklerarpolitik zeugen. Schließlich habe schon Bush senior Bagdad 1991 mit der Atomkeule gedroht. Feiner Trost ist das.

Ferner im Heft: Ein Technology Quarterly (hier ein Artikel zum Thema Haftbarkeit bei fehlerhafter Software), ein Nachruf auf den Avantgarde-Komponisten Leo Ornstein (der noch älter wurde als Gadamer), Neues über Entwicklung und Anwendung von Anti-Plagiatoren-Software, ein Beitrag über die expansive Metropole London. Und dann stellt das Magazin noch eine echte Konkurrenz für Journalisten vor: Den Newsblaster, ein Programm, das Agenturmeldungen selbständig klassifiziert und zusammenfasst.

Magazinrundschau vom 11.03.2002 - Economist

Ein interessanter Artikel versteckt sich im Ressort "Science and Technology" und geht ein Problem an, das gegenwärtig besonders die USA beschäftigt: Wie lassen sich akademische Freiheit und Wissensvermittlung (besonders im Bereich der Biotechnologien) und ein erhöhtes nationales Sicherheitsbedürfnis, gegründet auf die Angst vor Bioattacken, unter einen Hut bringen? Schon zeigen Wissenschaftler sich besorgt, "that new areas of bioscience may become classified, that the government is considering reviewing work prior to publication (with an option on refusing permission to publish) and that it might insist that the methods sections of some research papers are removed ... But if a paper lacks a methods section, there is no way of verifying whether the results were simply invented". Mit anderen Worten: Zensur kann keine Lösung sein, zumal es, wie es hier heißt, wohl kaum einen sichereren Weg geben dürfte, das wissenschaftliche Potenzial eines Landes auszutrocknen. "For America, a country that depends on the advancement of science for much of its success, that consideration is worth thinking about."

Was die britische Judikative derzeit unternimmt, um das Recht auf Privatsphäre besser zu schützen und der Sensationspresse eins auszuwischen, findet der Economist nicht ganz unproblematisch, auch wenn er nicht gerade zu den "tabloids" zählt: "The main consequence of judicial activism will be to threaten the livelihoods of tabloid newspapers and the paparazzi who feed them. Nobody is likely to cry about that, since the tabloids are generally despised even by those who read them. But there is something more serious at stake. Law put together piecemeal by the courts will be messy, and it risks protecting secrecy that should be exposed as well as privacy that shouldn't."

Außerdem: 6 Monate nach 09/11 zieht das Magazin in seiner Cover Story eine Bilanz des "war on terror", prüft die Partnerschaft zwischen Europa und den USA auf ihre Belastbarkeit und berichtet, wie Downtown Manhattan langsam wieder zu seinem Rhythmus zurückfindet. Wir lesen über ein Buch, das dem alten Traum vom mechanischen Leben nachspürt - von den ersten Schachautomaten bis zur Robotik -, und, damit wir wissen, wo wir stehen, eine Rangliste der 10 reichsten Menschen (darunter allein 5 "Wal-Mart" Waltons!).