Magazinrundschau - Archiv

Il Foglio

72 Presseschau-Absätze - Seite 3 von 8

Magazinrundschau vom 03.07.2007 - Foglio

Benny Lai war von 1951 bis 1978 Korrespondent im Vatikan. Nur wenige kennen soviele Anekdoten und Geschichten aus dem kleinsten Staat der Welt. Stefano di Michele hat Lais Erinnerungen an "Il 'mio' Vaticano" sehr genossen und zitiert hier und hier ausgiebig daraus. "Wer von außen zum Vatikan kommt, dem erscheint er groß. Wer dort lebt, spürt genau das Gegenteil. Alle wissen, was Du machst, was Du isst, ob Du spät aufgestanden bist... Der Geruch der Priester ist unergründlich: es ist ein süßlicher, schläfriger Duft, ein wenig nach altem Fleisch und Körpersäften. Die Kleidung ist damit getränkt und wird so konserviert. Manchen Frauen gefällt das, es ist schließlich auch ein männlicher Duft. Wenn er nicht sein langes schwarzes Gewand trägt, bleibt dem Priester nur der Geruch seiner Kaste."
Stichwörter: Duft, Geruch, Vatikan, Kleidung

Magazinrundschau vom 26.06.2007 - Foglio

Nachdem nun alle Zahlen und Berechnungen von der Renovierung des Turms von Pisa aus dem Jahr 2001 veröffentlicht wurden, kann Gabriella Mecucci den Fortbestand des Turms garantieren. Ganz unwissenschaftlich, dafür schöner sind die Geschichten dazu, warum er überhaupt so schief ist. "Man erzählt sich auch, es sei die Schuld des Guglielmo von Innsbruck, der Konstrukteur, der mit Bonanno Pisano zusammenarbeitete, einem der umstrittenen Architekten des Turms. Der Österreicher war bucklig, und um sich für seine verunstaltetes Äußeres zu rächen, sorgte er dafür, dass der Bau ebenfalls deformiert war. Und schließlich gibt es die eschatologische Erklärung, die die Neigung direkt auf den Willen Gottes zurückführt. Der wollte einen schiefen Turm haben, der immer gefährdet ist, aber nie umfällt; der sich wie durch ein Wunder aufrecht hält, zum ewigen Ruhm der göttlichen Macht."

Desweiteren porträtiert Fabiana Giacomotti die Musikerin Peggy Gilbert, die sich in den Dreißigern in den von Männern beherrschten Jazz vorwagte.

Magazinrundschau vom 19.06.2007 - Foglio

Auf der Biennale in Venedig wird Sandro Fusinas Herz hier und hier von den Zwangsminimalisten aus Rumänien erobert. "Mit ein paar Tausend Euro haben sie ihr Problem der Teilnahme an der 52. Internationalen Kunstausstellung in Venedig gelöst. Den Pavillon hatten sie schon, er ist ziemlich groß, direkt bei den Gärten. Um ihn einzurichten, haben sie an der Wand ein paar Zementsäcke hingestellt, die wahrscheinlich schon beim Kauf durchlöchert waren, ein wackliges Tischchen mit einem Buffetaufsatz, vielleicht noch aus Ceaucescu-Zeiten, einen Porzellanhund mit einem kaputten Ohr, einen Puppenkopf ebenfalls aus Porzellan und noch mehr Krempel, den kein Trödler mehr annehmen würde. Ein Monitor aus anderen Zeiten zeigt ein unscharfes Video. Auf dem Linoleumboden des Pavillons sind noch die Spuren des Weißens zu sehen, ein Hinweis darauf, das entweder die Folien vor oder die Reinigungsmittel nach dem Aufbau eingespart wurden. Sogar die Hostess ist die unansehnlichste der ganzen Biennale."

Angeregt von Elena Kostioukovitchs Buch "Perche agli Italiani piace parlare del cibo", spürt Fabiana Giacomotti der Verbindung von Sprache und Essen nach. "Die italienische Sprache duftet nach Herd und Speisekammer. Das Italienische schiebt sich Brot zwischen die Zähne, kaut, verschlingt und zerkleinert, während das Englische sich darauf beschränkt, eine bestimmte fade Tasse Tee nicht zu mögen. 'It's not my cup of tea.' Das Italienische ist eine Maccheroni-Variante des Lateinischen, wie der Kavalier und Großmeister der barocken Schule Marino feststellte."

Magazinrundschau vom 22.05.2007 - Foglio

Die Agnelli-Familie war als Eigentümer von Fiat zwar reich, schreibt Marco Ferrante in seinem Buch über Italiens berühmte Dynastie, aus dem Auszüge abgedruckt sind. Aber Klasse kam erst durch Brando Brandolini ins Haus, der Gianni Agnellis Schwester Cristiana heiratete. "Er war ein Mann aus einer anderen Zeit. Venezianische Familie, Tausende von Jahren alt, Neffe mütterlicherseits des achten Herzogs von Cadaval, portugiesisch (Verbindungen zu den Braganzas und zu der Herzogin von Berry), Held der venezianischen Fünfziger, überaus elegant, Hemdenexperte, zum blauen Anzug trug er 'Pumps', niedrige Smoking -Schuhe, mit einem flockigen Gros-Grain, um den Ausschnitt zu schließen. Er war Opernliebhaber, mit der Callas befreundet, und mochte Stendhal und Balzac."

Weiteres: Francesca Bellino besucht das jüdische Viertel von Buenos Aires. Fausto Biloslavo stellt den italienischen Journalisten Almerigo Grilz vor, der 1987 in Mosambique ermordet wurde. Und Gabriella Mecucci berichtet von den italienisch-israelischen Konservatoren der Rollen von Qumram.

Magazinrundschau vom 15.05.2007 - Foglio

Stefano di Michele denkt hier und hier über die alternde Priesterschaft und die Technik des 21. Jahrhunderts nach, deren prekäre Beziehung die gutgemeinte Internetberatung pretionline zeugte. "Dort sitzen Dutzende und Dutzende Experten, jeden Alters und aus allen möglichen Diözesen, die nur darauf warten, alle möglichen Fragen per Computer zu beantworten. 'Ist die Ampel grün, ist der Priester bereit zu antworten. Ist die Ampel gelb, steht der Priester zur Verfügung, ist aber möglicherweise gerade beschäftigt. Ist die Ampel rot, ist der Priester derzeit nur schlecht zu erreichen.' Falls sich nun ein theologischer Notfall ergibt, ein nagender Zweifel, eine bohrende Frage, bleibt einem allerdings doch nur der Gang in die Sakristei: auf die vor Tagen eingesandte Anfrage hat noch niemand reagiert."

Weiteres: Manuela Maddamma erklärt Joseph Sheridan Le Fanus "Carmilla" zur Urmutter aller Vampire. Francesco D'Agostino schreibt den Nachruf auf den Philosophen Sergio Cotta. Und Fabio dal Boni klagt über das Kreuz mit dem Telefon.
Stichwörter: Vampir, Priesterschaft

Magazinrundschau vom 08.05.2007 - Foglio

Eine Dame mit dem schönen Namen Michaela Vittoria Barmbilla, die von sich behauptet, keine Politikerin, sondern Unternehmerin zu sein, könnte der kleinste gemeinsame Nenner einer vereinigten Mitte-Rechts Partei werden. "Ecce homo novus berlusconianus", verkündet Marianna Rizzini. Dieser homo berluscionianus ist "ein ernstzunehmender Kandidat für den Premierposten. Er ist kein Politiker, dieser neue Mensch. Er ist überhaupt kein Mann, auch wenn er von sich immer in mannhafter Weise spricht. Er ist eine großgewachsene Frau mit langen Haaren, in einem schönen hellen Rot mit einem Hauch Orange, wie ein Blogger nach ihrem Auftritt in Ballaro bemerkte. Sie heißt Michaela Vittoria und hat diesen ruhigen lombardischen Familiennamen Brambilla. Als Enddreißiggerin ist sie sie Präsidentin des Handelsverbands Confcommercio, sitzt im Vorstand zweier Unternehmen und ist Präsidentin der Circoli della Liberta."

Weitere Artikel: Joe Warren porträtiert Rupert Murdoch. Eduardo Camurri fragt sich, ob das Fernsehen nicht in unguter Weise dem Schöpfer Konkurrenz macht. Angiolo Bandinelli erinnert sich an die koloniale Vergangenheit Italiens.

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - Foglio

Camillo Langone feiert "Terra matta", die Autobiografie des weitgereisten, chaotischen und orthografisch kreativen sizilianischen Abenteurers Vincenzo Rabito als Essenz des Italienischen. "Florenz 1920: Und so sind wir Soldaten im Palazzo Vecchio stationiert. Diesen Palast müssen wir verteidigen. Wenn die Kommunisten mit ihren roten Fahnen kommen, müssen wir sie erschießen, und wenn die Faschisten kommen und ihre schwarze faschistische Fahne hissen, müssen wir sie auch erschießen. Also sind wir mitten zwischen zwei Revolutionen."

Weiteres: In Neuseeland, weiß Ugo Bertone, gibt es eine treue Anhängerschaft des Fiat Cinquecento, der dort "Schneekätzchen" gerufen wird (auch in Liechtenstein wird der 500 geliebt). Carlo Panella hält das Köpfen von Entführten im Irak nicht nur für eine Hinrichtung, sondern für einen neuen Ritus des Islamismus. Besprochen wird eine Ausstellung über Albrecht Dürer (der laut Maurizio Stefanini ja eigentlich ein Italiener war) in den Scuderien im Quirinalspalast in Rom.

Magazinrundschau vom 24.04.2007 - Foglio

Andrea Monda porträtiert die Nonne Cristiana Dobner, eine sehr wache Intellektuelle, die sich als Feministin bezeichnet, aus zehn Sprachen übersetzt, Agatha Christie liebt und unter anderem als Literaturkritikerin tätig ist. "Als ich sie per E-Mail kontaktierte, sagte sie mir, sie benutze Skype: 'Es ist schneller als der Messenger und die elektronische Post. Es gibt immer mal wieder Störungen, aber die Verbindung wird immer besser. Meine Priorin weiß, dass ich es für die Arbeit benutze und vertraut mir.' Und so spreche ich also mit Cristiana über Skype, per Videokonferenz. Auf dem Monitor erscheint das schöne Gesicht einer Frau von etwa sechzig Jahren, eingehüllt von der Kopfbedeckung der Karmeliterinnen, in ihrem Fall wiederum eingerahmt von den weißen Kopfhörern beim Telefonieren."
Stichwörter: Christies, Messenger

Magazinrundschau vom 17.04.2007 - Foglio

Mehr als tausend italienischen Kommunisten, die aus dem Italien Mussolinis in die Sowjetunion geflohen waren, wurde dort der Prozess gemacht, weiß Gabriella Mecucci und erzählt einige besonders tragische Fälle wie den von Clementina Perone. Noch jung und sehr attraktiv verließ sie ihren Ehemann und ihre beiden kleinen Söhne, um Giovanni Parodi, der nach dem Krieg ein wichtiger Mann in der Gewerkschaftsbewegung geworden war, in die UdSSR zu folgen. Tina wurde zum ersten Mal 1937 in Moskau verhaftet, ihr Partner war zu der Zeit auf Befehl der Partei schon wieder nach Italien zurückgekehrt und wurde dort gefasst und verurteilt. Die junge Frau landete in der Lubjanka (mehr) und danach in einem Konzentrationslager. Dank der Hilfe russischer Freunden konnte sie entrinnen und kehrte nach Moskau zurück. Das Schlimmste aber sollte noch kommen."

Magazinrundschau vom 03.04.2007 - Foglio

Gabriella Mecucci erinnert an die Biennale von Venedig aus dem Jahr 1977, die dem Dissidententum gewidmet war. Mit Diskussionsrunden zur Reform des Kommuinismus und eine Ausstellung zur Samizdat-Literatur wurd die Biennale zum wichtigsten kulturellen Ereignis der Siebziger und zum Grund für Spannungen mit der UdSSR. "Riccardo Manzini ließ Biennale-Chef Ripa di Meana (mehr) zu sich kommen und hielt ihm einen kleinen Vortrag: 'Sehr verehrter Präsident, Ihre Entscheidung hat eine ernste Verstimmung in der UdSSR hervorgerufen. Nikita Rijov (der russische Botschafter) hat mich besucht und mir mitgeteilt, dass seine Regierung das Programm des Jahres 1977 als Akt schwerer Feindseligkeit, als Angriff auf die Sowjetunion empfindet.' Die Gegenmaßnahmen waren also im Kern der Institutionen angekommen und Ripa di Meana reichte seinen Rücktritt mit dem Hinweis auf die 'unerträgliche und inakzeptable Einmischung äußerer Mächte' ein. Es schien, dass Botschafter Rijov ins Schwarze getroffen hatte: es folgten gut einhundert parlamentarische Anfragen zwischen Parlament und Senat."
Stichwörter: Venedig