Magazinrundschau - Archiv

NZZ Folio

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Magazinrundschau vom 05.02.2013 - Folio

Das neue Themenheft ist der Korruption gewidmet. Florian Leu nimmt mutig die eigene Branche aufs Korn und begibt sich auf seine erste - und letzte - gesponserte Fahrt auf einem Luxusdampfer fürs Reiseressort: "Am Ende unserer Werbetexte, die Monate später erscheinen, steht manchmal, dass die Reise von der Agentur 'unterstützt' worden sei. Unterstützung heißt nicht nur, dass wir alles umsonst bekommen. Es heißt oft auch, dass die Geschichte vorgespurt ist: für eigene Ausflüge, für eigenständige Recherchen bleibt uns kaum Zeit. Das unterscheidet Pressereisen für Gruppen von solchen, die es Journalisten ermöglichen, kostenlos in ein Land zu gehen und selber nach Geschichten zu suchen, ohne sich an den Plan eines Veranstalters halten zu müssen. Solche Reisen ließ sich auch das Folio schon zahlen oder vergünstigen. Ist das statthaft? Wir fanden: ja, weil wir den Lesern so eine journalistische Leistung bieten konnten, auf die sie sonst hätten verzichten müssen. Aber natürlich ist das nicht konsequent und macht auch uns zu Recht angreifbar."

Magazinrundschau vom 21.08.2012 - Folio

Soja - die gesunde Bohne? Na ja, meint NZZ Folio, das dem Shooting star unter den Nahrungsmitteln ein eigenes Heft widmet. In Brasilien und den USA führt der Sojaanbau zu riesigen Monokulturen, für die fleißig Regenwald abgeholzt wird, berichtet Tjerk Brühwiller. Der größte Sojaproduzent der Welt, die USA, baut praktisch nur noch genmanipulierten Soja an, den sich Gentechnikkonzerne wie Monsanto von den Bauern teuer bezahlen lässen, erklärt Dirk Asendorpf.

Und Soja stillt heute keineswegs den Hunger der Menschen - über 97 Prozent der geernteten Soja werden an Vieh verfüttert, vor allem in China, wo riesige Schweinezuchtanlagen den wachsenden Fleischkonsum der Chinesen stillen. Die eigene Sojaproduktion wurde lange vernachlässigt, berichtet Xifan Yang. Heute kann sie mit der Konkurrenz nicht mithalten, vor allem, weil sie keine billige genmanipulierte Soja anbieten kann: "Trotz der enormen Nachfrage ist chinesische Soya auf dem Heimatmarkt bisweilen derart chancenlos, dass Bauern in der Mandschurei ihre Erträge exportieren müssen, vorwiegend nach Japan, Südkorea oder Europa. China zählt zu den weltweit größten Exporteuren von Bio-Soyabohnen. Die Ausfuhrmengen sind aber vergleichsweise gering, 350 000 Tonnen oder 0,5 Prozent des jährlichen Gesamtverbrauchs. 'Es ist verrückt', sagt Ma Wenfeng. 'China exportiert teure, qualitativ hochwertige Soya und deckt sich mit minderwertiger Soya ein.'"

Magazinrundschau vom 17.07.2012 - Folio

Jahreszeitengemäß geht es im aktuellen Folio ums Reisen. Anja Jardine befasst sich mit chinesischen Touristen, die von aller Welt natürlich kräftig umworben werden: "Die chinesische Reisebranche ist jung. 1994 genehmigte die Volksrepublik ihren Werktätigen erstmals ein zweitägiges Wochenende, alle 14 Tage. Die meisten Chinesen gingen trotzdem zur Arbeit, sie wussten nicht, was das sein sollte - Freizeit. Erst mit der Einführung der drei 'goldenen Wochen' zum Frühlingsfest, zum Tag der Arbeit und zum Nationalfeiertag kamen sie auf den Geschmack und wurden reiselustiger. Zunächst nur innerhalb Chinas, aber Anfang des Jahrtausends wagte die chinesische Regierung den nächsten Schritt ihrer Politik der kontrollierten Öffnung. Die Tourismusbehörde CNTA verleiht seitdem anderen Ländern in bilateralen Verträgen den 'Approved Destination Status', also die Erlaubnis, sich von chinesischen Reisegruppen besuchen zu lassen. Es müssen mindestens fünf Personen in Begleitung eines chinesischen Reiseleiters reisen und ihre Reise bei einem lizenzierten Reiseveranstalter gebucht haben."

In einem ziemlich wütenden Artikel beschreibt Petra Reski den Ausverkauf Venedigs durch die Exkommunisten: "Barockpalazzi, Renaissancejuwele, ganze Inseln - alles muss raus... Seitdem der langjährige und von den Medien gehätschelte 'Philosophenbürgermeister' Massimo Cacciari die Zukunft Venedigs in der Privatisierung sah, wird das venezianische Rathaus auch Ca' Farsetti Real Estate genannt."

Und Luca Turin erklärt, dass er nur in den Möbel der klassischen Moderne leben kann: "Bis zum heutigen Tag finde ich nur in ­ihrer Umgebung Frieden - oder ich muss jede Menge Codein schlucken."
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Stichwörter: Reski, Petra, Venedig

Magazinrundschau vom 29.03.2011 - Folio

Sponsoring ist das Thema dieses Hefts. Andreas Heller und Benno Maggi unterhalten sich mit Dietrich Mateschitz, dem Gründer von Red Bull, der beim Marketing nicht gern kleckert: "Unser Gesamtmarketingbudget beträgt ungefähr 1,3 Milliarden Euro". Mateschitz' Sponsoringaktivitäten sind eher untypisch, er fördert keine Ereignisse oder Institutionen, sondern beteiligt sich mit eigenen Teams an Sportereignissen: Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel gewann gerade die Formel-1-Weltmeisterschaft. "Wenn wir Eishockey oder Fußball spielen und dabei gewinnen, wenn wir Formel 1 fahren und Weltmeister werden, dann ist der Effekt viel größer. Die Medien berichten im redaktionellen Teil darüber, wir sind es selber, die den Erfolg feiern."

Auch im Kulturbereich klebt man nicht mehr nur Logos auf die Einladungskarten, berichtet Andreas Heller. "Man will dem Kunden wenn möglich etwas Exklusives bieten, was er für Geld nicht so leicht kaufen kann. Das kann eine Führung des Museumsdirektors persönlich sein, ein Blick hinter die Kulissen des Theaters, der Besuch einer Hauptprobe oder ein Gespräch mit einem Solisten im Anschluss an das Konzert. Das höchste der Gefühle für Sponsoren und ihre Gäste ist ein festliches Essen im Beisein eines Weltstars, so wie unlängst im Konzerthaus Dortmund, als Cecilia Bartoli nach ihrem Rollendebut in 'Norma' eine handverlesene Gästeschar mit ihrer Anwesenheit am Galadiner beglückte."

Magazinrundschau vom 04.01.2011 - Folio

Das Thema dieser Ausgabe ist Seelennot. Die Psychiaterin Brigitte Woggon findet diesen Titel "bescheuert! Wenn einer ein Bein gebrochen hat, spricht man ja auch nicht von 'Beinnot'. Oder wenn einer an einer Blinddarmentzündung leidet, sagt man auch nicht, er habe 'Blinddarmnot'. Unser Gehirn ist ein Organ wie jedes andere auch, und eine psychische Störung hat mit der Seele gar nichts zu tun. Ich verwende deshalb den Begriff psychiatrische Erkrankung." Woggon arbeitet mit Psychopharmaka und erklärt im Interview, warum diese zu Unrecht einen schlechten Ruf haben.

Die Grenze zwischen einem Melancholiker und einem Depressiven ist fein und kann jederzeit überschritten werden. Wilhelm Genazino versucht, den "inneren Erfahrungskern eines melancholischen Vorbehalts einzukreisen". Und der liegt darin, dass er Glück hat: Er kann schreiben und davon leben. An schlimmen Tagen, "so will es die Psyche, flösst mir meine 'Bevorzugung' plötzlich Schuld ein. Das Schuldgefühl, das ich meine, ist ein Gesellschaftsprodukt. Es entsteht, weil sich Menschen gegenseitig beobachten, beurteilen und beneiden - und dadurch Schaden an sich selbst nehmen. Die im Gefühlsleben verharrende, das heißt nie wieder verschwindende Schuld geht irgendwann, ihrer Untilgbarkeit wegen, in Melancholie über. Deswegen ist die Melancholie das Zielgefühl glücklicher Menschen. Das obszöne Glück ist begeistert über jeden melancholischen Überfall."

Außerdem: Der Psychiater Mario Etzensberger erklärt im Interview, warum er kein Freund der Langzeitanalyse ist: "Wir passen uns im Lauf der Zeit auch in einer Therapie an das Reden, Denken und Argumentieren des Therapeuten an, ohne dass uns das bewusst wird. Und sobald ich mich gut angepasst habe, passiert nicht mehr viel." Barbara Klingbacher erzählt von Patienten auf der Akutstation einer Psychiatrischen Klinik. Thomas Schenk erzählt von vier psychisch Kranken, die im Laufe ihrer Krankheit Partner, Kinder, Freunde und Arbeit verloren haben.
Stichwörter: Genazino, Wilhelm

Magazinrundschau vom 07.12.2010 - Folio

Vor Weihnachten widmet sich das NZZ-Folio dem Ritual. Der Reiseschriftsteller James Hamilton-Paterson erkundet die Grenzregion, in der aus Gewohnheit Zwang wird: "In gewissem Sinn gehört die Neigung zu Wiederholungen bei uns, wie übrigens bei vielen Tieren, zur Grundausstattung. Es ist schmerzlich, das Zwangsverhalten zu beobachten, das viele Zootiere als Reaktion auf ihre Gefangenschaft an den Tag legen, die geistlosen Runden, welche die Wölfe drehen, die in der Natur ein Gebiet von hundert Quadrat­kilometern durchstreifen, oder das Koppen der Pferde an den Futterkrippen. Zu den häufigsten tierischen Ritualen gehört das Putzen: die Gewohnheit andauernden Pfotenleckens kann ebenso durch Stress ausgelöst werden wie der Waschzwang eines Menschen, und beides kann zu Hautreizungen und blutenden Wunden führen."

Außerdem: Christian Seiler warnt vor den miesen Absichten, die hinter großen Geschenken stecken: "Wie es der Ethnologe Marcel Mauss sagte: 'Geben heißt, seine Überlegenheit beweisen, zeigen, dass man mehr ist und höher steht.'" Barbara Klingbach beschreibt ethnologische Feldforschung in Vorstandsetagen. Und Luca Turin besingt die Originalität britischer Büros: "Mit ihren eigenwilligen Formen und Proportionen wirken die Büros wie die Koffer längst ausgestorbener, riesenhafter Musikin­strumente. Und die Seelen der Menschen, die in diesen Räumen arbeiten, neigen eher dem Kontrafagott zu als dem quäkenden Kazoo eines Großraumbüros."
Stichwörter: Mauss, Marcel, Zootiere

Magazinrundschau vom 02.11.2010 - Folio

NZZ Folio inspiziert in seiner neuen Ausgabe das Gehirn. Mathias Plüss führt uns in die Grundlagen der Intelligenzforschung ein. Hirn macht erfolgreich, musikalisch und gesund, aber nicht glücklich, erfahren wir. Hirn hat sogar echte Nachteile: "Kurzsichtigkeit ist hier noch das geringste Übel, auch wenn das Klischee für einmal stimmt: Extrem hochbegabte Schüler tragen viermal so häufig eine Brille wie durchschnittliche. Weniger harmlos ist, dass intelligente Menschen offenbar nicht gut mit Geld umgehen können. Wer einen höheren IQ hat, hat zwar auch ein höheres Einkommen, aber nicht ein höheres Vermögen. Große Gehirne sparen weniger, gehen öfter pleite und überziehen ihre Kreditkarte häufiger."

Ulrich Bahnsen hat bei einer Umfrage unter Neurowissenschaftler gelernt, dass es mit dem Hirndoping noch nicht so richtig klappt, an der Wirkung von Modasomil, Donepezil oder Ritalin muss noch gefeilt werden, erklärt ihm Kognitionsforscher Ralph Schumacher von der ETH Zürich: "'Nach der Einnahme von Neuro-Enhancern fühlen sich die meisten leistungsstark und mächtig', sagt Schumacher. Bei Tests mit Studenten habe Ritalin jedoch geradezu desaströse Effekte gezeitigt: 'Sie werden sehr impulsiv und fahrig, beginnen mit dem Lösen von Aufgaben, bevor sie alle relevanten ­Informationen haben.' Am Ende seien ihre Leistungen schlechter als die der Placebogruppe gewesen. 'Ritalin', folgert der ETH-Forscher, 'führt bei gesunden Menschen nicht zu einer Leistungssteigerung, sondern zu Selbstüberschätzung.'"

Weiteres: Gary Wolf porträtiert den polnischen Entwickler Piotr Wozniak, der den idealen Moment sucht, um etwas, das man gelernt hat, zu repetieren: "Der richtige Zeitpunkt ist kurz bevor man den Stoff vergisst." Reto Schneider hat erfahren, dass wir mitunter einen Computer anlügen, um seine Gefühle nicht zu verletzen. Und Luca Turin erzählt, warum seine Vorstellungen von Personen manchmal noch prägender sind als seine tatsächlichen ersten Eindrücke.
Stichwörter: Geld, Enhancement

Magazinrundschau vom 07.09.2010 - Folio

NZZ Folio hatte die wunderbare Idee, neun Schriftsteller um eine Geschichte über die Zukunft zu bitten. Mit dabei: Yoko Tawada, Milena Moser, Judith Hermann, Wilhelm Genazino, Dorothee Elmiger, Anton Grünberg, Leon de Winter (alle Links hier). Und diese zwei:

In Brigitte Kronauers Geschichte empfangen die Herren Franz, Hans und Heinz abends zum Schachspiel die Zukunft in Gestalt eines Herrn Fendle. Hier der Anfang der Geschichte: "Manchmal muss sich Herr Fritzle, Fritzle mit den Hochstammrosen nahe der Unterführung, beim Schachspielen mächtig zusammenreissen. Noch eben saß er friedlich zu einem Gläschen Genever mit den Freunden und einem Gast am Tisch, tut es immer noch, aber seine Gelassenheit ist dahin. Fritzle hat plötzlich das Gefühl, dass jemand draußen steht und durch die Scheiben beäugt, wie sie vier sich behaglich fühlen. Der Jemand tut ihnen nichts, aber er starrt sie schändlich an. Fritzle, das ist das Unheimliche, sieht auf einmal sich, die beiden Freunde und den redlichen Gadow mit den hungrigen Augenlöchern des Beobachters draußen an und wie grausig sie drinnen entblößt sind von jedem wohligen Schmelz. Fritzle wird diesen Jemand, diesen Schädling, das steht für ihn fest, niemals einlassen, und wenn der sich die Nase am Fenster blutig drückt! Natürlich hütet sich Fritzle, eine Silbe davon zu verraten. Er atmet nur tief auf, wenn die Musterung aus der Nacht für diesmal vorüber ist."

Lars Gustafssons
Ich-Erzähler und Doktor Pecus sind mit dem Rad unterwegs zu einem Kloster, wo ein mysteriöses, altes Schaufelrad entdeckt wurde. Sie denken über dessen mögliche Erfinder nach: "'Ich glaube', murmelte ich zu Dr. Pectus hin, der sich immer noch über seinen Lenker beugte, als suche er nach einer defekten Stelle am Vorderreifen, 'ich glaube, was uns von den Alten trennt, ist, dass die Zeit für sie ganz und gar zusammenhängend gewirkt haben muss. Sie sahen offenbar Zeit und Raum als ein Kontinuum.' - 'Du hast so recht, mein Junge. Ja, so sahen sie es. Zweifellos.' - 'Sie haben keinen Zeitrutsch, keine Senkungen und Lawinen erlebt.' - 'Oder', sagte Dr. Pectus, der jetzt eher bemüht schien, das Gespräch zu beenden, um in seine eigenen Überlegungen zu flüchten, 'als sie zu verstehen begannen, war es leider eigentlich schon zu spät.' Die Alten hatten die kompliziertesten mathematischen Beweise den Maschinen überlassen. Irgendwann unterwegs war diese Unsicherheit entstanden. Was sie tatsächlich erfunden oder eher entdeckt hatten, war viel mehr, als sie selbst begreifen konnten. Ein Riss im dichten Gewebe der Zeit."

Magazinrundschau vom 02.03.2010 - Folio

Chinas Führung verzehrt ausschließlich grüne Lebensmittel, berichtet Bernhard Bartsch. Die ökologische Landwirtschaft ist zum Trend geworden. Zumindest für diejenigen, die es sich leisten können, den zwei bis dreifachen Preis für Kürbisse, Schlangengurken und Bittermelonen zu zahlen. Mit seiner riesigen Landbevölkerung hätte China beste Voraussetzungen dafür, internationales Exportland für Bioprodukte zu werden. Allerdings ist das Ansehen der chinesischen Qualitätskontrolleure nicht das beste: "Zwar verfügt auch China über Zertifikate, deren Standards zumindest auf dem Papier internationalen Vergleichen standhalten. Doch das Image der chinesischen Produktkontrolleure ist schlecht - selbst bei chinesischen Konsumenten. 'Letztlich ist man in China vor Betrug und Korruption nie sicher', sagt der Liuminying-Kunde Wang. 'Aber da ich jede Woche sehe, wie die Bauern hier arbeiten, glaube ich ihnen einfach, etwas anderes bleibt mir nicht übrig.' Ausländische Importeure können es dagegen nicht beim Vertrauen lassen und sehen sich deswegen häufig gezwungen, selbst nach europäischen Standards zu testen."

Weitere Artikel zum Thema: Bernhard Pötter erzählt, wie aus einer Handvoll Hippies der schlagkräftige "Ökomulti" Greenpeace wurde. Ute Eberle erzählt, wie die niederländische Stadt Venlo zur "C 2 C Modellstadt" ausgebaut wird - C 2 C, "cradle to cradle", bedeutet, dass kein Abfall entsteht, weil alle Materialien wiederverwendet werden. Und Marcel Hänggi erklärt den Handel mit CO2-Abgaben.

In der Duftnote feiert Luca Turin den dreiunddreißigsten Geburtstag von Yves Saint Laurents Parfüm "Opium". Nicht nur das Parfüm, auch die erste Anzeige dafür war toll: "Der Werbespruch lautete 'Pour les femmes qui s'adonnent a Yves Saint Laurent' (die sich YSL hingeben). Die Frauen in den Anzeigen, obschon vollständig bekleidet, wirkten so, als habe das große schwule Genie etwas entdeckt, was noch besser sei als Sex."

Magazinrundschau vom 05.01.2010 - Folio

Diese Ausgabe ist dem Tod gewidmet. Unter der Überschrift "Du schon wieder?" erzählt Mary Roach von Reisen mit dem Forscher Kirti S. Rawat, der in Indien mit wissenschaftlichen Methoden Fälle von Wiedergeburt untersucht. Sie besuchen einen Jungen, Aishwary, der im Alter von drei Jahren begonnen hat, über Personen aus einem früheren Leben zu sprechen. "Die Familie hält Aishwary für einen wiedergeborenen Fabrikarbeiter namens Veerpal Singh, der einige Dörfer weiter wohnte und kurz vor Aishwarys Geburt bei einem Unfall durch einen Stromschlag getötet wurde. Rawat zeigt mir einige Fotos, die er vor einem Monat, zu Beginn seiner Untersuchung, geschossen hat. Ein Bild zeigt Aishwary mit Rani, der 26jährigen Witwe des Fabrikarbeiters. Auf dem Foto blickt der Junge seine angebliche frühere Frau zärtlich an, lüstern würde man sagen, wenn man zu viel Zeit mit Reinkarnationsforschern zugebracht hätte. Ich lebe in Kalifornien, die Reinkarnation eines Fabrikarbeiters stellt für mich ein Novum dar. Rawat erklärt mir, dass dergleichen hierzulande die Regel sei: 'Es sind ganz gewöhnliche Leute, die sich an ein ganz gewöhnliches Vorleben erinnern.'"

Anna Gosline stellt äußerst sachlich zehn Todesarten im Vergleich vor: "Die Enthauptung kann, so schauerlich sie uns anmutet, eine der schnellsten und am wenigsten schmerzhaften Todesarten sein, vorausgesetzt, der Scharfrichter versteht sein Handwerk, führt eine scharfe Klinge - und der Verurteilte hält still."

Außerdem: Reto U. Schneider erzählt von einer todkranken jungen Frau, die bis zum Schluss ihr Leben und sogar ihre Trauerfeier bestimmt hat. Und Lukas Egli recherchiert Bestattungskosten. In der Duftnote hofft Luca Turin auf Nischendüfte.
Stichwörter: Enthauptung, Kalifornien