
Tom Burgis
zeichnet, als Ergebnis einer langjährigen Recherche, einen verwickelten Fall von
Wirtschaftskriminalität nach oder genauer: einen Fall verhinderter Aufklärung von Wirtschaftskriminalität. Burgis rekonstruiert, wie das britische Serious Fraud Office (
SOF), einst gegründet, um großformatige Betrugsfälle in der heimischen Wirtschaft aufzuklären, gegen den von Oligarchen aus ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken kontrollierten Multi
ENRC Ermittlungen aufnahm, die mit dem Kauf einer Minenlizenz in Südafrika zu tun hatten. Nach langem hin und her steht in der Sache bald ein Urteil an - verurteilt werden wird jedoch nicht ENRC: "Der Konflikt zwischen den Oligarchen und der SFO hat die rechtliche Landschaft des Vereinigten Königreichs grundlegend verändert, was Themen wie
Vertraulichkeit,
Überwachung, Verleumdung, Meinungsfreiheit und die Pflichten von Anwälten gegenüber ihren Mandanten betrifft. Und dennoch stellte die Behörde 2023 ihre Untersuchung gegen die ENRC ohne Anklage ein, da sie angab, es gebe nicht genügend zulässige Beweise. Es gibt jedoch ein Urteil, das noch aussteht. Ein Urteil nicht über die Oligarchen, sondern über die SFO selbst. Ein Richter, der bereits festgestellt hat, dass die Behörde das Firmenimperium des Trios misshandelt hat, wird nun entscheiden, wie viel britische Steuergelder als
Schadensersatz an das Unternehmen der Oligarchen gezahlt werden sollen. Die SFO hat dafür eine Viertelmilliarde Pfund zurückgestellt. Das wirft vor allem eine Frage auf: Wie konnte eine der bekanntesten Finanzkriminalitätsuntersuchungen im Vereinigten Königreich in einer derartigen Demütigung enden?"
Seán Columb
berichtet über seine Recherchen zu
transnationalem Organhandel, einem - selbstverständlich illegalen - Geschäft, das vor allem im Mittleren Osten und in Nordafrika boomt. Columb unterhält sich mit den Opfern, aber auch mit anderen Beteiligten: "Die Organmakler, die ich interviewte, sahen ihr Handeln nicht unbedingt als falsch an. Wenn jemand schuld ist, sagen sie, dann sind es die Ärzte, die wissentlich illegale Transplantationen durchführen. Sie sehen sich größtenteils als Dienstleister, als Teil einer Lieferkette in einem ohnehin schon korrupten Gesundheitssystem. Für sie war es
einfach ein Geschäft. Ich traf Hakim im Februar 2020 in Ägypten. Er war in das Maklergeschäft eingeführt worden, nachdem er in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. 'Mein Onkel nahm mich unter seine Fittiche', erzählte er. Seine Familie stammte aus Khartum, und sein Onkel war ein
etablierter Organmakler mit Verbindungen zu Ärzten und Transplantationseinheiten in Ägypten und im Ausland, hauptsächlich in Saudi-Arabien, Oman und den VAE. Hakim sagte, sein Onkel habe ihn 'allen wichtigen Leuten vorgestellt, den Ärzten und anderen Vermittlern, die mit den Kunden arbeiten'. Die Kunden sind Transplantationspatienten, einige aus Ägypten, andere aus Europa, dem Nahen Osten und Nordamerika."