
Über den Ausgang der
polnischen Parlamentswahlen macht sich der Politikwissenschaftler
Ivan Scipiades Gedanken: "Polen hat kein stabiles Parteiensystem: die Parteien gestalten sich permanent um, lösen sich auf, vereinen sich, neue Parteien entstehen und
Minderheitsregierungen werden allmählich zur Norm. ... In diesem Wahlkampf kommt es zum ersten Mal vor, dass die dominanten Figuren keine Neulinge sind, und keine neue Partei in den Sejm gewählt wird. Dafür wird die
Linke, der bislang einzige stabile Punkt dieses instabilen Parteiensystems, zu
Staub." Der Kommentator sagt den Sieg der Bürgerlichen Plattform (PO) voraus: "Polen wird nationalistischer und kämpferischer mit Deutschland, Russland und der EU umgehen."
In unserer Zeit haben sämtliche
Ideologien ausgedient,
behauptet der serbische
Experimentalfilmer Dusan Makavejev im Gespräch. "In der Computerära gliedert sich alles in
Einsen und Nullen, es gibt kein Zentrum, kein Origo, im Verhältnis zu dem man seinen Platz bestimmen könnte. Ich bin neugierig, wohin diese Vereinfachung führt, weil ich meine, dass sich das Zeitalter der Computer seinem Ende nähert. Ein russisches Volkslied passt gut zu unserer Situation: Tanja und Wanja wollen bis ans Ende der Welt gelangen, und als sie es wirklich schaffen, dann lassen sie nur noch ihre
Beine baumeln. Wir erleben so etwas wie in den 1960er Jahren: neue Ideen müssen her, die alten sind alle tot."