Magazinrundschau - Archiv

New York Magazine

98 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 10

Magazinrundschau vom 30.06.2020 - New York Magazine

Dass die amerikanischen K-Pop-Fans für politischen Trubel sorgen - erst haben sie einen von Rassisten verwendeten Twitter-Hashtag gekapert, dann eine Trump-Kundgebung so sabotiert, dass der Präsident vor einer halbleeren Halle sprach -, hätte man durchaus kommen sehen können, meint T.K. Park. Stattdessen reagierten weite Teile der Öffentlichkeit mit völliger Überforderung und blanker Unkenntnis der Materie. Aber woher kommt dieser hohe Grad an Online-Kompetenz gerade in diesem an sich wenig politischen Segment der Popkultur? Zum einen erfahren wir, dass in den USA tatsächlich viele Schwarze Jugendliche diese Musik hören und das Media-Hacking quasi zum Alltag dazugehört: "Fan einer angesagten K-Pop-Gruppe zu sein verlangt einem mehr ab als, sagen wir, Fan von Taylor Swift zu sein ... Jede K-Pop-Band kommt mit einer Reihe vorgefertigen Kennzeichen für die Fans: Spitznamen für die Unterstützer (BTS hat seine 'Army', Blackpink nennt sie Blinks), Farben (die Farbe von NCT ist 'perliges Neo-Champagner'), Hymnen und Slogans. Jede Fangemeinde fordert ihre jeweiligen Anhänger zu koordinierten Aktionen auf, um ihre Stars zu unterstützen, etwa massenhaft bei Radiosendern anzurufen, sich ein bestimmtes Lied zu wünschen, oder abgesprochenes Streaming bestimmter Stücke zu einer bestimmten Zeit - alles, um die Chartposition der Stars zu verbessern. Um das Image ihrer Stars aufzupolieren, organisieren die Fanclubs Spendenaufrufe und andere ehrenamtliche Dienste in deren Namen. Wichtig ist dabei: All diese Aktivitäten kommen ohne herausragende Prsonen oder Hierarchien aus. Vielmehr entfalten sie sich horizontal durch Echtzeit-Kommunikation auf Sozialen Netzwerken. Unter dem Strich steht damit eine partizipatorische Erfahrung von Popkultur. Eine K-Pop-Fangruppe liebt ihre Stars nicht nur für ihre Musik, ihr Aussehen oder ihre Choreografie, obwohl das alles häufig notwendige Voraussetzungen sind. Die engagiertesten K-Pop-Fans kultivieren mit ihrem Zeit- und Energieaufwand zugunsten ihrer Stars ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu ihren Stars und, noch wichtiger, untereinander. Als Kollektiv prägt die Fangruppe den Weg des Idols zum Star - der Erfolg des Idols ist auch der Erfolg der Fans."

Stichwörter: K-Pop, Popkultur

Magazinrundschau vom 09.06.2020 - New York Magazine

In einem um verstörende Fotos bereicherten Artikel des Magazins begibt sich Zak Cheney-Rice in die Straßen von Minneapolis, wo sich nach der Ermordung von George Floyd die Fronten verhärten und ein gesellschaftlicher Widerspruch sichtbar wird: "Als Trump am 1. Juni die Gouverneure dazu aufforderte, die Dissidenten 'in den Griff' zu bekommen und notfalls das Militär zu schicken, wusste er den Großteil der Nation hinter sich: In einer Umfrage sagten 60 Prozent der Amerikaner, sie unterstützten die Entsendung des Militärs zur Hilfe lokaler Polizeikräfte im Kampf gegen den Aufruhr. Das muss wie ein Widerspruch wirken. Einerseits die Proteste zu unterstützen, andererseits ihre Niederschlagung, könnte als Hinweis gelten auf die Weigerung, die Widersprüche der eigenen politischen Impulse zu bedenken. Die Kluft wird verständlich vor dem Hintergrund eines typisch amerikanischen Verständnisses von Ordnung: Störende Spannungen werden durch Gewalt abgestellt, ohne dass sie wirklich gelöst würden, selbst, wenn die Ursachen als richtig erachtet werden. Was genau heißt 'störend'? Das unterscheidet sich je nach Person und Zeit, aber der Begriff 'Aufruhr' ist eine Konstante durch die Generationen. Das passt zu seiner sozialen Funktion. Aufruhr ist keine Taktik, mit der man breite Sympathien gewinnt, sondern Ausdruck für die Vergeblichkeit anderer Anstrengungen. Das Gleiche gilt allerdings für weniger gewalttätige Proteste … Erst Ordnung, dann Reform - als ob die Struktur der Ordnung nicht genau das wäre, was die Protestierenden ändern wollten."

In weiteren Magazinbeiträgen zum Thema spricht die demokratische Politikerin und Aktivistin Ilhan Omar über strukturellen Rassismus und Ungerechtigkeit (hier), und der Bürgerrechtler John Lewis teilt seinen unerschütterlichen Glauben (im Interview).

Magazinrundschau vom 05.05.2020 - New York Magazine

Corona ist keineswegs der große Gleichmacher, der für alle Amerikaner tödlich ist, schreibt Zak Cheney-Rice in einem bitteren Artikel. Strafgefangene oder Obdachlose sterben in den USA in horrenden Zahlen. "Aber das Leiden ist noch größer als das Sterben. Jüngste Umfragen zeigen, dass bis zu zwei Drittel der erwachsenen Latinos aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs ihren Arbeitsplatz verloren oder ihr Einkommen verringert haben. Ein Großteil davon ist auf ihren hohen Anteil im Dienstleistungs- und Gastgewerbe zurückzuführen, die in der Krise oft schließen mussten. ... Vorläufige Daten deuten darauf hin, dass schwarze Amerikaner am stärksten von dem Virus betroffen sind, wie jeder hätte vorhersagen können, noch bevor diese Daten ins Spiel kamen. Obdachlose, inhaftierte und verarmte Menschen in den USA waren und sind unverhältnismäßig schwarz, mit den damit einhergehenden Gesundheitsrisiken: höhere Raten von Diabetes, Bluthochdruck und Herzkrankheiten, alles zuverlässige Indikatoren dafür, ob ein ansonsten beherrschbarer Fall von COVID tödlich enden könnte. Schwarze Opfer machen zum Beispiel 40 Prozent der infizierten Toten in Michigan aus, aber 14 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates. Es sind 70 Prozent der Toten in Louisiana, einem der größten Epizentren des Landes außerhalb New Yorks, aber nur 33 Prozent der Bevölkerung. In Chicago und Milwaukee - wo im letzteren Fall die durchschnittliche Lebenserwartung für Schwarze 14 Jahre kürzer war als für Weiße vor der Pandemie - machen die Todesfälle durch schwarze COVID 55 Prozent bzw. 81 Prozent der Gesamtzahl aus, obwohl Schwarze in beiden Städten weniger als 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen."
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Stichwörter: Corona, Pandemie

Magazinrundschau vom 10.03.2020 - New York Magazine

Molly Fischer hat die Nase voll vom Millennial-Style. Er ist überall und scheint nie zu enden, mit seinen Pastellfarben, abgerundeten Ecken und zuckrigen Harmlosigkeit: "Jedes Sofa und jeder Softcup-BH präsentiert sich nicht als Beweis für einen unverwechselbaren Geschmack, sondern als die eleganteste, wirtschaftlichste und ethischste Lösung für das Problem der Sofas oder Softcup-BHs. Die Einfachheit des Designs fördert den Eindruck, dass alle Mängel und Kunstgriffe weggefallen sind. Die Millennial-Ästhetik verspricht eine Art Teleologie des Geschmacks: als ob wir erst jetzt, endlich, dank Innovation und Verfeinerung, zu der objektiv richtigen Art und Weise gekommen sind, wie die Dinge aussehen sollten. Wenn man sich gleichzeitig keinen Schnickschnack und kein Scheitern leisten kann, dann hat man am Ende ein Millennial-Design: massentauglich, risikoscheu, gerade genug Aufmerksamkeit erregend, um klar zu machen, dass man es versucht hat. ... Das Design ist weich in seinen Farben und in seinen Linien, geschwungen und unbedrohlich - nicht unähnlich dem iPhone, wie Jessica Helfand, die Mitbegründerin und Kreativdirektorin von Design Observer, betont. Es ist abgerundet, ebenso wie all die kleinen Logos für Apps, die es bewohnen, eingerahmt sind von sanft gerundeten Kanten. 'Die Rundung suggeriert, von Natur aus 'freundlicher' wie in: einfacher, weicher', sagt Helfand. 'Echter Modernismus, echter Minimalismus wäre das Quadrat.' Der Minimalismus verlangt jedoch Strenge, und die Millennial-Ästhetik hat keine."

Magazinrundschau vom 19.11.2019 - New York Magazine

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Magazins gibt Lane Brown uns ein Update in Sachen Gesichtserkennung und die Folgen: "Dunkle Haut ist nicht das einzige Feature, mit dem Gesichtserkennungssoftware Schwierigkeiten hat. Ein Test des 'National Institute of Standards and Technology' (NIST) ergab, dass sogar die besten Algorithmen Probleme hatten, Fotos ein und derselben Person in verschiedenen Altersstadien zu identifizieren und oft nicht in der Lage waren, Zwillinge zu unterscheiden - selbst zweieiige gleichgeschlechtliche nicht. Außerdem hängt die Leistung der Programme stark von der Qualität der Fotos ab. NIST verglich vor allem HD-Fahndungsfotos miteinander, aber unter realen Bedingungen mit unscharfen Bildern von Überwachungskameras und ungünstigen Aufnahmewinkeln, dürften die Ergebnisse anders ausfallen. Auch eine Gesichtserkennung mit niedriger Fehlerquote kann im breiten Einsatz Probleme verursachen. Sechs neuere Tests der Londoner Polizei auf öffentlichen Straßen ergaben 42 Matches für gesuchte Personen, aber nur acht davon waren korrekt … Bei der Gesichtserkennung geht es um mehr als nur darum, wer wir sind, was wir einkaufen, welche Verbrechen wir begangen haben und dass unsere Ähnlichkeit mit einem Sexualstraftäter uns das Leben schwer macht - es geht auch darum, was wir fühlen, denn die Technik kann Gefühle erkennen [siehe dazu auch heute die NZZ]… Das Beunruhigendste aber ist vielleicht, wie leicht zugänglich die Gesichtserkennung ist. Nicht nur Regierungen und Unternehmen können sie nutzen, auch du und ich, unser Vermieter, der Perverse von nebenan, jeder mit einem Computer und einer Kamera und zu einem unerwartet günstigen Preis. Amazon bietet eine einjährige Probenutzung seiner Gesichtserkennungssoftware an: 5000 Bilder oder 1000 Minuten Video pro Monat."

Magazinrundschau vom 24.09.2019 - New York Magazine

In der aktuellen Ausgabe des Magazins erklärt Gabriel Debenedetti die aktuelle Spaltung zwischen der Demokratischen Partei und den Monopolisten im Silicon Valley: "Eine neue Phase der Regulation mit Strafen bis 5 Milliarden (für Facebooks Datenmissbrauch) lässt kleinere Unternehmen zurückschrecken. Gerade hat das Repräsentantenhaus persönliche Emails von den Bossen bei Amazon, Apple, Facebook und Google angefordert. Aber die Spaltung hat das Miteinander von Partei und Industrie auch als Nutzengemeinschaft entlarvt, ganz anders als zu Zeiten Obamas, als Liberale unterwegs in Sachen technokratischer Fortschritt in der Bay Area ihre natürlichen Verbündeten fand. Vielleicht hat einfach niemand die ideologischen Einzelheiten genau beachtet. Im großen Ganzen bleibt das Valley sozialliberal und anti-Trump. Seine Aufsichtsräte und Chefetagen sind voll mit Leuten aus der Obama-Ära. Doch was einst wie ein intuitives gegenseitiges Verstehen aussah zwischen der demokratischen Mehrheit und den Räuberbaronen des 21. Jahrhunderts, hat sich in gegenseitiges Misstrauen, ja Aggressivität verwandelt. Die Techies gehen nicht mehr selbstverständlich davon aus, dass die liberalere Partei ihre Werte teilt, und die Demokraten in Washington wollen von den Technologie-Milliardären nicht länger als ahnungslose, zuverlässige Funktionäre betrachtet werden … Es handelt sich nicht nur um eine Frage der Ideologien. Einige Gründe für die Zerrüttung liegen in den kalkulierten Manövern einiger weniger politischer Aufsteiger und Techies, die Politik spielen wollten, wobei keine Seite bereit war, den Respekt zu geben, den die andere Seite beanspruchte. Die Demokraten hätten sich viel leichter damit getan, Big Tech seine Sünden zu vergeben, wenn die Bosse im Valley bei ihren Reaktionen auf politische Skandale oder in ihrer öffentlichkeitswirksamen Bearbeitung von Kandidaten auch nur die geringste politische Demut oder Reue gezeigt hätten."

Außerdem: Die frühe Modebloggerin und Rookie-Gründerin Tavi Gevinson meditiert darüber, wie es war, mit Instagram aufzuwachsen. David Wallace-Wells beschreibt "Gretas Welt".

Magazinrundschau vom 17.06.2019 - New York Magazine

Dass Shared Workspaces zwar gewinnbringend sein können, aber noch lange nicht Glück für alle bedeuten, erläutert Reeves Wiedeman in einem Beitrag am Beispiel der heftig expandierenden Firma WeWork: "In Dutzenden Interviews bezweifeln aktuelle und ehemalige Mitarbeiter und Führungskräfte von WeWork, ob die Unternehmenskultur die Verbreitung wert ist. Trotz des Unternehmensmottos 'Make a Life, not just a Living', geben Mitarbeiter auf allen Ebenen an, 70-Stunden-Wochen zu haben … Bei der jährlichen Hauptversammelung erfasst das Unternehmen die Anwesenheit seiner Mitarbeiter auf Panels und Veranstaltungen mittels Scannen der Armbänder. Auffällige Abwesenheiten werden gemeldet. Mitarbeitern beschreiben einen fatalen Zyklus bei WeWork: Potenzielle Mitarbeiter werden von der Mission des Unternehmens angelockt, nur um ausgebrannt und durch neue ersetzt zu werden … Für jemanden, der Community als Geschäftsidee verkaufen will, hat CEO Adam Neumann eine erstaunliche Ähnlichkeit mit einem Immobilienhai … Und gegen eine Reihe seiner Konkurrenten wie UrWork und WE Labs hat WeWork Verfahren wegen Markenrechtsverletzung eingeleitet."
Stichwörter: Shared Workspaces

Magazinrundschau vom 07.05.2019 - New York Magazine

Die Schauspielerin Anjelica Huston plaudert in einem langen Interview über ihre erste Filmrolle, ihren Vater John Huston, Hollywood, #Metoo, Roman Polanski und Woody Allen, Jack Nickolson und ihren Ehemann, den 2008 verstorbenen Künstler Robert Graham, der ihr fehlt, gerade weil ihre Ehe nicht perfekt war: "Nein, nichts ist perfekt, besonders wenn man ein Leben wie meines hatte und die Unvollkommenheiten genauso interessant sind wie die Perfektionen, wenn nicht sogar interessanter. Es war nicht so, dass Bob nicht perfekt gewesen wäre, denn er war fast perfekt, aber er war ein Künstler. Eines der Dinge, die ich an Bob wirklich mochte, war, dass ich dachte: 'Nun, wenn ich morgen sterbe, wäre es sicherlich nicht das Ende seines Lebens.' Bob besaß vieles, das nicht von mir abhing. Er war in gewisser Weise in seinem eigenen Flugzeug unterwegs. Ich konnte mir etwas ansehen, das Bob gemacht hatte und denken: 'Wie zum Teufel hat er das geschafft?'"

Alex Kotlowitz erzählt die Geschichte Alex Garcias, eines illegal aus Honduras in die USA eingewanderten Flüchtlings, der ausgerechnet in der Trump liebenden Kleinstadt Poplar Bluff in Missouri landete, dort 15 Jahre lebte, Freunde fand, heiratete und jetzt im Keller einer Kirche sitzt, um nicht abgeschoben zu werden: "Das ist genauso ihre Geschichte wie die von Garcia. Für einige hat die Bekanntschaft mit dem inzwischen 37-jährigen honduranischen Einwanderer ihre Sichtweise auf Trump und auf Menschen, die illegal in dieses Land einreisen, verändert. Andere kämpfen immer noch mit konkurrierenden Loyalitäten: gegenüber Garcia und einem Präsidenten, der Einwanderer als Vergewaltiger, Mörder und Tiere angeprangert hat und der in den letzten Wochen die Rhetorik noch höher getrieben hat, indem er erklärte, dass 'unser Land voll ist' und drohte, die Grenze zu schließen."

Magazinrundschau vom 12.03.2019 - New York Magazine

Peter Bogdanovich war einst der vielleicht am höchsten gehandelte Regisseur am Himmel von New Hollywood - bis einige Flops und taktisch unkluge Entscheidungen seine Karriere de facto zum Erliegen brachten. Auch ein Meister der epischen Interviews mit alternden Hollywood-Größen ist er gewesen - im Herbst seines Lebens ist er nun selbst Gegenstand eines solchen, an Anekdoten und Sottisen reichen Gesprächs, in dem Hollywood einmal mehr als Haifischbecken voller Verrat, Verletzungen und Ehebrüchen erscheint. Unter anderem geht es um Dorothy Stratton, die 1980 von ihrem Ehemann ermordet wurde: Das frühere Playmate spielte in Bogdanovichs "They All Laughed" mit und hatte zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Regisseur eine schon länger andauernde Affäre. Bogdanovich berichtet: "Ich war noch nie so dermaßen am Boden zerstört. Wissen Sie, niemand aus Hollywood hat mich angerufen, als Dorothy ermordet wurde. Niemand, außer den Leuten, die direkt am Film beteiligt waren und sie kannten. Niemand rief mich an außer Cary Grant. Cary war sehr freundlich. ... Später rief ich Bob Fosse an. 'Stimmt das, dass Du einen Film über Dorothy drehst', fragte ich. Er bejahte das, worauf ich ihn fragte: 'Und warum tust Du das?' Er dann: 'Weil das eine gute Geschichte ist.' Und ich: 'Woher zur Hölle weißt Du denn, was hier die Geschichte ist? Ich weiß nicht, was hier die Geschichte ist.' 'Naja, es geht hier nicht um Dich, sondern um sie.' Und ich: 'Das wäre mir völlig egal, wenn es um mich ginge. Völlig egal. Lass es mich mal so ausdrücken, Bob: Wenn Dir das passiert wäre, würde ich keinen Film darüber drehen.' ... Ich musste den Film dann später sehen, weil Nelly darin dargestellt wird. Für mich verwendeten sie einen anderen Namen, also konnte ich nichts dagegen tun. Ich schaute ihn mir aus rechtlichen Gründen an und es war schrecklich. Ich saß da bei Warner alleine im Vorführraum und in der ersten Szene als meine Figur unter anderem Namen auf der Leinwand erscheint, sagt sie: 'Nun, weißt Du denn irgendwas von mir?' Und ich denke mir nur so: 'Okay, Bob, verstanden. Du bist auch nur ein verdammtes Arschloch.' Eifersüchtig, neidisch, zur Hölle mit ihnen allen."

Außerdem in der aktuellen Ausgabe: Simon van Zuylen-Wood fragt sich, warum sich in Brooklyn und Queens jeder Hipster mittlerweile als Sozialist bezeichnet. Tatsächlich "hat die radikale Linke seit den späten 60er und frühen 70ern keinen solchen Moment mehr erlebt", erklärt der demokratisch-sozialistische Historiker Michael Kazin im flankierenden Interview. "Vielleicht hat dieser Moment sogar noch mehr Potential. Diese frühere Phase war von der Black-Power-Bewegung, der Anti-Kriegs-Bewegung und den Anfängen der schwulen und lesbischen Bewegung bestimmt. Insbesondere die letzten beiden Bewegungen sind bis heute gut aufgestellt. Aber all diese Bewegungen waren eher auf sich bezogene Fragmente als Bestandteil einer größeren, selbstbewussten Linken. Im Gegensatz dazu ist es heute vielversprechend, dass die Linke derzeit offenbar einen Weg findet, sich auf ökonomische Themen zu konzentrieren - den Sozialstaat ausbauen, mehr Gleichberechtigung -, Ziele also, die einen größeren Kreis an Leuten erreichen können."

Magazinrundschau vom 29.01.2019 - New York Magazine

Andrew Sullivan befasst sich eingehend mit dem Phänomen homosexueller Priester in der katholischen Kirche, die in durchaus stattlicher Zahl vertreten sind. Innerhalb des Klerus hat sich - trotz schöner Sonntagsreden von Papst Franziskus - der rechte Flügel längst daran gemacht, in Anlehnung an Papst Benedikts harten Kurs, Homosexuelle per se für die zahlreichen Kindesmissbrauchsfälle innerhalb der Kirche verantwortlich zu machen. "Auf diese Weise als Sündenbock herhalten zu müssen, hat viele Priester, mit denen ich gesprochen habe, verletzt. Ein doppeltes Stigma hat sich herausgebildet: Die Obrigkeit nimmt einen aufs Korn dafür, schwul zu sein, die generelle Öffentlichkeit dafür, angeblich pädophil zu sein. Viele der Leute, mit denen ich sprach, ob katholisch oder nicht, rollten beim Thema schwule Priester mit den Augen und stellten Fragen nach dem Missbrauch von Kindern. Die Nachrichten sind voll mit solchen Geschichten - und das mit allem Recht -, doch finden sich kaum öffentliche Beispiele für die überwältigende Zahl von Priestern, die nicht einmal im Traum darauf kämen, sich an Schutzlosen zu vergreifen."

Szene aus Paul Schraders "First Reformed" mit Ethan Hawke und Amanda Seyfried


Man glaubt es kaum, aber für seinen Film "First Reformed" (mit Ethan Hawke als Pastor Ernst Toller) ist Filmkritiker, Drehbuchlegende und Regisseur Paul Schrader tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben für einen Oscar nominiert worden. Auch bei der Kritik ist der Film ein künstlerischer Erfolg. Keine Selbstverständlichkeit bei Schrader, dessen Karriere in den letzten zehn, fünfzehn Jahren eine Abfolge von Rückschlägen und Misserfolgen war. Mark Jacobson hat den großen Grantler aus New Hollywood zum Gespräch getroffen. Unter anderem geht es um die Goldenen Zeiten als Hollywood kollabierte und sich damit die Pforten für die großen Erneuerer des Kinos öffneten. "Das ging '67 los. Insbesondere 'Hello Dolly!' und 'Paint Your Wagon' scheiterten an der Kasse, was Hollywood wirklich verängstigte. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, mit wie viel Unsicherheit und Zorn man auf die Gegenkultur reagierte. Hollywood war wütend. Sinatra war wütend, alle waren sie wütend. Die dachten: 'Das ist nicht mehr unsere Welt. Und wir haben keinen Plan, wie wir unsere Produkte an diese Kids verkaufen sollen.' ... Die Studios zerbrachen sich die Köpfe darüber, wie sie den jugendlichen Markt erreichen könnten. Also öffnete sich ein Fenster, durch das man reinkam. Francis Ford Coppola erzählte mir damals: 'Du gehst da einfach rein und sagst denen: Heute ist euer Glückstag, denn ich will einfach nur Geld verdienen und ich weiß, wie man Geld verdienen kann, und ich werde für euch Geld verdienen.' Und er erzählte weiter: 'Die sind so verunsichert, die glauben dir das.' Das war die Zeit, als sich Türen öffneten. Ich erinnere mich aber auch genau an den Moment, als sie sich wieder schlossen: im Jahr 1978. Ich war gerade bei Paramount und bereitete 'American Gigolo' vor. Barry Diller war von ABC gekommen, um Paramount zu leiten. Sein Abteilungsleiter für Marktforschung arbeitete damals noch auf der gegenüber liegenden Seite des Studios. Barry holte diesen Typen von ABC und setzte sein Büro direkt vor unsere Nase. Wenn wir mit Barry sprechen wollten, mussten wir durch das Büro von diesem Typen. Das war das Signal an alle: 'Wir brauen euch nicht mehr, um uns zu erzählen, was wir tun sollen. Wir haben das rausgekriegt. Jetzt erzählen wir euch, wie es läuft.'"