Magazinrundschau - Archiv

New York Magazine

92 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 10

Magazinrundschau vom 17.06.2019 - New York Magazine

Dass Shared Workspaces zwar gewinnbringend sein können, aber noch lange nicht Glück für alle bedeuten, erläutert Reeves Wiedeman in einem Beitrag am Beispiel der heftig expandierenden Firma WeWork: "In Dutzenden Interviews bezweifeln aktuelle und ehemalige Mitarbeiter und Führungskräfte von WeWork, ob die Unternehmenskultur die Verbreitung wert ist. Trotz des Unternehmensmottos 'Make a Life, not just a Living', geben Mitarbeiter auf allen Ebenen an, 70-Stunden-Wochen zu haben … Bei der jährlichen Hauptversammelung erfasst das Unternehmen die Anwesenheit seiner Mitarbeiter auf Panels und Veranstaltungen mittels Scannen der Armbänder. Auffällige Abwesenheiten werden gemeldet. Mitarbeitern beschreiben einen fatalen Zyklus bei WeWork: Potenzielle Mitarbeiter werden von der Mission des Unternehmens angelockt, nur um ausgebrannt und durch neue ersetzt zu werden … Für jemanden, der Community als Geschäftsidee verkaufen will, hat CEO Adam Neumann eine erstaunliche Ähnlichkeit mit einem Immobilienhai … Und gegen eine Reihe seiner Konkurrenten wie UrWork und WE Labs hat WeWork Verfahren wegen Markenrechtsverletzung eingeleitet."
Stichwörter: Shared Workspaces

Magazinrundschau vom 07.05.2019 - New York Magazine

Die Schauspielerin Anjelica Huston plaudert in einem langen Interview über ihre erste Filmrolle, ihren Vater John Huston, Hollywood, #Metoo, Roman Polanski und Woody Allen, Jack Nickolson und ihren Ehemann, den 2008 verstorbenen Künstler Robert Graham, der ihr fehlt, gerade weil ihre Ehe nicht perfekt war: "Nein, nichts ist perfekt, besonders wenn man ein Leben wie meines hatte und die Unvollkommenheiten genauso interessant sind wie die Perfektionen, wenn nicht sogar interessanter. Es war nicht so, dass Bob nicht perfekt gewesen wäre, denn er war fast perfekt, aber er war ein Künstler. Eines der Dinge, die ich an Bob wirklich mochte, war, dass ich dachte: 'Nun, wenn ich morgen sterbe, wäre es sicherlich nicht das Ende seines Lebens.' Bob besaß vieles, das nicht von mir abhing. Er war in gewisser Weise in seinem eigenen Flugzeug unterwegs. Ich konnte mir etwas ansehen, das Bob gemacht hatte und denken: 'Wie zum Teufel hat er das geschafft?'"

Alex Kotlowitz erzählt die Geschichte Alex Garcias, eines illegal aus Honduras in die USA eingewanderten Flüchtlings, der ausgerechnet in der Trump liebenden Kleinstadt Poplar Bluff in Missouri landete, dort 15 Jahre lebte, Freunde fand, heiratete und jetzt im Keller einer Kirche sitzt, um nicht abgeschoben zu werden: "Das ist genauso ihre Geschichte wie die von Garcia. Für einige hat die Bekanntschaft mit dem inzwischen 37-jährigen honduranischen Einwanderer ihre Sichtweise auf Trump und auf Menschen, die illegal in dieses Land einreisen, verändert. Andere kämpfen immer noch mit konkurrierenden Loyalitäten: gegenüber Garcia und einem Präsidenten, der Einwanderer als Vergewaltiger, Mörder und Tiere angeprangert hat und der in den letzten Wochen die Rhetorik noch höher getrieben hat, indem er erklärte, dass 'unser Land voll ist' und drohte, die Grenze zu schließen."

Magazinrundschau vom 12.03.2019 - New York Magazine

Peter Bogdanovich war einst der vielleicht am höchsten gehandelte Regisseur am Himmel von New Hollywood - bis einige Flops und taktisch unkluge Entscheidungen seine Karriere de facto zum Erliegen brachten. Auch ein Meister der epischen Interviews mit alternden Hollywood-Größen ist er gewesen - im Herbst seines Lebens ist er nun selbst Gegenstand eines solchen, an Anekdoten und Sottisen reichen Gesprächs, in dem Hollywood einmal mehr als Haifischbecken voller Verrat, Verletzungen und Ehebrüchen erscheint. Unter anderem geht es um Dorothy Stratton, die 1980 von ihrem Ehemann ermordet wurde: Das frühere Playmate spielte in Bogdanovichs "They All Laughed" mit und hatte zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Regisseur eine schon länger andauernde Affäre. Bogdanovich berichtet: "Ich war noch nie so dermaßen am Boden zerstört. Wissen Sie, niemand aus Hollywood hat mich angerufen, als Dorothy ermordet wurde. Niemand, außer den Leuten, die direkt am Film beteiligt waren und sie kannten. Niemand rief mich an außer Cary Grant. Cary war sehr freundlich. ... Später rief ich Bob Fosse an. 'Stimmt das, dass Du einen Film über Dorothy drehst', fragte ich. Er bejahte das, worauf ich ihn fragte: 'Und warum tust Du das?' Er dann: 'Weil das eine gute Geschichte ist.' Und ich: 'Woher zur Hölle weißt Du denn, was hier die Geschichte ist? Ich weiß nicht, was hier die Geschichte ist.' 'Naja, es geht hier nicht um Dich, sondern um sie.' Und ich: 'Das wäre mir völlig egal, wenn es um mich ginge. Völlig egal. Lass es mich mal so ausdrücken, Bob: Wenn Dir das passiert wäre, würde ich keinen Film darüber drehen.' ... Ich musste den Film dann später sehen, weil Nelly darin dargestellt wird. Für mich verwendeten sie einen anderen Namen, also konnte ich nichts dagegen tun. Ich schaute ihn mir aus rechtlichen Gründen an und es war schrecklich. Ich saß da bei Warner alleine im Vorführraum und in der ersten Szene als meine Figur unter anderem Namen auf der Leinwand erscheint, sagt sie: 'Nun, weißt Du denn irgendwas von mir?' Und ich denke mir nur so: 'Okay, Bob, verstanden. Du bist auch nur ein verdammtes Arschloch.' Eifersüchtig, neidisch, zur Hölle mit ihnen allen."

Außerdem in der aktuellen Ausgabe: Simon van Zuylen-Wood fragt sich, warum sich in Brooklyn und Queens jeder Hipster mittlerweile als Sozialist bezeichnet. Tatsächlich "hat die radikale Linke seit den späten 60er und frühen 70ern keinen solchen Moment mehr erlebt", erklärt der demokratisch-sozialistische Historiker Michael Kazin im flankierenden Interview. "Vielleicht hat dieser Moment sogar noch mehr Potential. Diese frühere Phase war von der Black-Power-Bewegung, der Anti-Kriegs-Bewegung und den Anfängen der schwulen und lesbischen Bewegung bestimmt. Insbesondere die letzten beiden Bewegungen sind bis heute gut aufgestellt. Aber all diese Bewegungen waren eher auf sich bezogene Fragmente als Bestandteil einer größeren, selbstbewussten Linken. Im Gegensatz dazu ist es heute vielversprechend, dass die Linke derzeit offenbar einen Weg findet, sich auf ökonomische Themen zu konzentrieren - den Sozialstaat ausbauen, mehr Gleichberechtigung -, Ziele also, die einen größeren Kreis an Leuten erreichen können."
Anzeige

Magazinrundschau vom 29.01.2019 - New York Magazine

Andrew Sullivan befasst sich eingehend mit dem Phänomen homosexueller Priester in der katholischen Kirche, die in durchaus stattlicher Zahl vertreten sind. Innerhalb des Klerus hat sich - trotz schöner Sonntagsreden von Papst Franziskus - der rechte Flügel längst daran gemacht, in Anlehnung an Papst Benedikts harten Kurs, Homosexuelle per se für die zahlreichen Kindesmissbrauchsfälle innerhalb der Kirche verantwortlich zu machen. "Auf diese Weise als Sündenbock herhalten zu müssen, hat viele Priester, mit denen ich gesprochen habe, verletzt. Ein doppeltes Stigma hat sich herausgebildet: Die Obrigkeit nimmt einen aufs Korn dafür, schwul zu sein, die generelle Öffentlichkeit dafür, angeblich pädophil zu sein. Viele der Leute, mit denen ich sprach, ob katholisch oder nicht, rollten beim Thema schwule Priester mit den Augen und stellten Fragen nach dem Missbrauch von Kindern. Die Nachrichten sind voll mit solchen Geschichten - und das mit allem Recht -, doch finden sich kaum öffentliche Beispiele für die überwältigende Zahl von Priestern, die nicht einmal im Traum darauf kämen, sich an Schutzlosen zu vergreifen."

Szene aus Paul Schraders "First Reformed" mit Ethan Hawke und Amanda Seyfried


Man glaubt es kaum, aber für seinen Film "First Reformed" (mit Ethan Hawke als Pastor Ernst Toller) ist Filmkritiker, Drehbuchlegende und Regisseur Paul Schrader tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben für einen Oscar nominiert worden. Auch bei der Kritik ist der Film ein künstlerischer Erfolg. Keine Selbstverständlichkeit bei Schrader, dessen Karriere in den letzten zehn, fünfzehn Jahren eine Abfolge von Rückschlägen und Misserfolgen war. Mark Jacobson hat den großen Grantler aus New Hollywood zum Gespräch getroffen. Unter anderem geht es um die Goldenen Zeiten als Hollywood kollabierte und sich damit die Pforten für die großen Erneuerer des Kinos öffneten. "Das ging '67 los. Insbesondere 'Hello Dolly!' und 'Paint Your Wagon' scheiterten an der Kasse, was Hollywood wirklich verängstigte. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, mit wie viel Unsicherheit und Zorn man auf die Gegenkultur reagierte. Hollywood war wütend. Sinatra war wütend, alle waren sie wütend. Die dachten: 'Das ist nicht mehr unsere Welt. Und wir haben keinen Plan, wie wir unsere Produkte an diese Kids verkaufen sollen.' ... Die Studios zerbrachen sich die Köpfe darüber, wie sie den jugendlichen Markt erreichen könnten. Also öffnete sich ein Fenster, durch das man reinkam. Francis Ford Coppola erzählte mir damals: 'Du gehst da einfach rein und sagst denen: Heute ist euer Glückstag, denn ich will einfach nur Geld verdienen und ich weiß, wie man Geld verdienen kann, und ich werde für euch Geld verdienen.' Und er erzählte weiter: 'Die sind so verunsichert, die glauben dir das.' Das war die Zeit, als sich Türen öffneten. Ich erinnere mich aber auch genau an den Moment, als sie sich wieder schlossen: im Jahr 1978. Ich war gerade bei Paramount und bereitete 'American Gigolo' vor. Barry Diller war von ABC gekommen, um Paramount zu leiten. Sein Abteilungsleiter für Marktforschung arbeitete damals noch auf der gegenüber liegenden Seite des Studios. Barry holte diesen Typen von ABC und setzte sein Büro direkt vor unsere Nase. Wenn wir mit Barry sprechen wollten, mussten wir durch das Büro von diesem Typen. Das war das Signal an alle: 'Wir brauen euch nicht mehr, um uns zu erzählen, was wir tun sollen. Wir haben das rausgekriegt. Jetzt erzählen wir euch, wie es läuft.'"

Magazinrundschau vom 30.10.2018 - New York Magazine

Penny Martin ist die Chefredakteurin des derzeit wohl renommiertesten Modemagazins der Welt, The Gentlewoman. Hier begegnen sich Frauen als Kollegen, sie sprechen im Interview detailliert über ihre Arbeit in der Mode, im Film, in der Architektur oder Kunst. Und sie sind "interessant, weil sie es riskieren dürfen, langweilig zu sein, was einem wie ein Luxus vorkommt. Der Leser absorbiert ihre Bekenntnisse wie eine zufällig mitgehörte Unterhaltung in einem ruhigen Restaurant - unvertraut, aber intim und fesselnd", schreibt Molly Fischer, in ihrem Porträt Penny Martins. "Martin war einst Doktorandin in Designgeschichte. Ihre Arbeit - die sie nie abgeschloss - handelte vom Thatcherismus und der britischen Mode der 1980er Jahre. Zu dieser Zeit begannen Werbetreibenden das so genannte moving target zu verfolgen, ein Branchenbegriff für die schwer fassbare berufstätige Frau, die Martin auf den Seiten der Vogue 'mit einer Aktentasche vor Lloyd's of London die Straße hinunterkommen sah'. Anna Wintour, in jener Zeit Redakteurin der britischen Vogue, spielte in Martins Projekt eine wichtige Rolle. Martin interessierte sich bereits für die Vogue, bevor sie zur die Universität ging; heute hat sie eine Sammlung, die bis in die frühen 1960er Jahre zurückreicht. Als sie an ihrer Doktorarbeit arbeitete, fanden die meisten ihrer Altersgenossen die Vogue-Fotos 'zutiefst unmodern', eine 'absolute Apotheose des neokonservativen Images'. Doch sie faszinierten Martin. Die Fotos zielten auf ihre Art darauf ab, Frauen in Bewegung darzustellen, als Menschen, die Dinge tun. 'Ich würde nicht sagen, dass unsere Politik, unsere Imageträger oder gar unser Geschmack gleich sind', erklärt sie - aber sie sieht den Einfluss des Magazins in The Gentlewoman."

Außerdem lesenswert: Jessica Presslers Porträt der deutsch-russischen Hochstaplerin Anna Delvey, die New York um den den Finger wickelte.

Magazinrundschau vom 25.09.2018 - New York Magazine

In einem aktuellen Beitrag des Magazins untersucht Andrew Sullivan das aggressive polarisierende Klima in den USA, seine Ursachen, Begleiterscheinungen und Folgen: "Diese reflexartige, tückische Einteilung in In-Gruppen und Out-Gruppen, angefeuert von den sozialen Medien, von Trumps abscheulicher Identitätspolitik, von der Campus- und Unternehmenskultur. Es scheint nur noch zwei Kategorien zu geben: Unterdrücker und Unterdrückte, die Globalisierungselite und die Normalos. Du gehörst entweder dem einen oder dem anderen Lager an, oder du bist im öffentlichen Diskurs irrelevant … Es handelt sich um eine kulturelle Revolution, legitimiert von oben, durchgesetzt von unten. Jeder ist aufgefordert, Freunde, Kollegen, Chefs für ihr Tun zu verurteilen. Kollegen konkurrieren darin zu signalisieren, dass sie nicht zu den Unterdrückern gehören. Stillschweigen ist nicht genug, es ist sogar verdächtig. Man muss die Revoution bejahen, feiern, bestärken und seine Position beweisen. Drückeberger werden angeprangert, um die Angst aufrechtzuerhalten … Wir leben in einem Paradox. Unsere Gesellschaft ist mit weniger Kriminalität und Gefahren konfrontiert als je zuvor, und doch sehen wir überall die Bedrohung. Sie ist ethnisch und kulturell vielfältiger als jede andere Gesellschaft in der Geschichte der Menschheit, aber sie wird geplagt von 'Suprematisten' und 'Horden von Illegalen'. Hinterfragen darf man diese Gefühle nicht, denn Subjektivität ist wichtiger als Objektivität, und Empfindlichkeit geht vor Wirklichkeit. Schwule, Lesben, Transgender leben in einer für den größeren Teil der Menschheit und noch für unsere Vorfahren von vor fünf Jahren unvorstellbaren Welt, und doch wollen uns unsere Anführer weismachen, wir befänden uns 'in einem Zustand der Belagerung' . Während Frauen wirtschaftlich und kulturell vorankommen wie in keiner Generation zuvor, ist die Reaktion die blanke Wut … Solches Stammesdenken ist emotional so befriedigend wie toxisch. Niemand ist frei davon. Es ist der Grund dafür, dass wir einen Stammespräsidenten haben, der das Stammesdenken seinerseits intensiviert - bei seinen Gegnern wie bei seinen Unterstützern. Es ist der Grund dafür, dass in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten unserer Hochschulen nur noch Linke zu finden sind, dafür, dass Fox News regimekritische Konservative feuert und die Herausgeber unserer Zeitungen und Magazine langsam dazu gedrängt werden, die Meinungsvielfalt einzuschränken."

Magazinrundschau vom 07.08.2018 - New York Magazine

Vor zehn Jahren stürzten die USA mit der Pleite der Bank Lehman Brothers in die große Rezession. Das New York Magazine bilanziert die ökonomische Katastrophe, die durch die Hilfsgelder von 830 Milliarden Dollar nur leicht gemildert wurde, die seitdem von der Regierung in die Wirtschaft gepumpt wurden - mehr als während des New Deals. Um 11 Billionen Dollar ist das Vermögen amerikanischer Haushalte seit 2008 gesunken, der Median der Vermögen sank von 126.000 auf 97.000 Dollar; der Börsenwert amerikanischer Unternehmer halbierte sich seitdem von 63 Billionen auf 28,6 Billionen Dollar. Die Zahl der Amerikaner, die sich um die Wirtschaft Sorgen machen, versechsfachte sich von 16 auf 86 Prozent, die Selbstmordrate steig um vier Prozent. Auch die Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit bekam Nahrung: Zwar litten die Haushalte in allen Bevölkerungsgruppen, aber in einigen mehr als in anderen: Unter den Latinos 66 Prozent, unter den Schwarzen 53 Prozent und unter den Weißen 16 Prozent.

Frank Rich glaubt sogar, dass 2008 selbst die Amerikaner aufhörten, den amerikanischen Traum zu träumen: Die Folgen der großen Rezession seien für die USA einschneidender und dauerhafter als die Terroranschläge vom 11. September - Heroinsucht und Selbstmordraten sind auf Rekordhoch, Stimmung und Geburtenrate im tiefsten Tief seit dreißig Jahren. Donald Trump konnte die Frustration der Menschen für seine Zwecke auszubeuten, geschaffen hat er sie nicht: "Während der Rezession wurde offenkundig, wie nachlässig oder auch willfährig das Establishment in beiden Parteien die Raubzüge der Uppercrust hingenommen hat. Um nur ein Beispiel zu geben: 2011 berief Barack Obama mit großen Fanfaren einen neuen Job Council ein und übertrug in einer Geste der Überparteilichkeit die Leitung einem prominenten Republikaner, Jeffrey Immelt, dem CEO von General Electric. Niemand in Obamas Weißem Haus schien es zu interessieren, wie die New York Times bald berichten sollte, dass GE seit 2002 ein Fünftel seiner Beschäftigten entlassen hatte und 2010 auf einen Gewinn von 14,2 Milliarden Dollar fast keinerlei Steuern an den Bund gezahlt hatte. Immelt blieb trotzdem auf seinem Posten. Anders als die Räuberbarone vergangener Zeiten oder die Betrüger von Enron und ihre Nachahmer bei Theranos war GE seit Jahrzehnten einer der meistbewunderten amerikanischen Konzerne. Gegründet von Thomas Edison, gehörte er zu dem einen Dutzend Konzerne, die 1896 bei seinem Start im Dow Jones zusammengefasst wurden... Heute stehen die Aktionäre von GE genauso gelackmeiert da wie seine Mitarbeiter, im Juni flog der Konzern aus dem Dow Jones. Die Bilanz, die Immelt als Obamas König der Arbeit hinterlässt, ist nicht weniger eindrücklich: Er hat nichts erreicht, ein ganzes Jahr lang hat er den Council nicht einmal zusammenkommen lassen. Aber er wurde für sein Versagen in keiner Weise zur Verantwortung gezogen, weder in der Öffentlichkeit noch auf Unternehmerseite. Von Entschädigungen ganz zu schweigen."

Magazinrundschau vom 10.07.2018 - New York Magazine

Henry Taylor, "Untitled" (2013). Courtesy of the artist and Galerie Blum & Poe, Los Angeles/New York/Tokyo

Rachel Kaadzi Ghansah stellt den längst bekannten und doch als Outsider gehandelten Maler Henry Taylor vor; seine Porträts nennt sie eine Chronik des modernen afroamerikanischen Lebens im 20. Jahrhundert: "Porträtmalerei  heißt, die Funktion des Spiegels übernehmen. Der Pinsel fungiert als Finger, zeichnet die Kurve nach, erfasst das Fleisch … Die ganze Sinnlichkeit und Exaltation Gauguins steckt in Taylors nackten Frauen. Nur das Gefühl des Übergriffs fehlt. Bei Taylor ist der Mann selbst präsent im Akt, als wäre die Schönheit der Frau nicht außerhalb seiner selbst, sondern sinnbildlich für ihn. Frauen, die einst im Schatten saßen, einen Fächer in der Hand, stehen bei Taylor im Zentrum, von ihrer Befangenheit befreit als diejenigen, die schön sind. Das ist eine radikale Entscheidung. Und es verwundert nicht, wenn mancher sich dabei derart ungemütlich fühlt, dass er Taylors Arbeit außerhalb des Kanons verortet."

Magazinrundschau vom 12.06.2018 - New York Magazine

In der aktuellen Ausgabe des Magazins schildert Josef Adalian, wie Netflix gerade Hollywood leerkauft und mehr produziert als jeder andere Sender und auch, warum das so prima funktioniert: Big Data heißt das Zauberwort: "Netflix nennt die Gruppierung ähnlicher Programme 'Vertikale' - superspezifische Genres wie Comedies für junge Erwachsene oder Romanzen aus bestimmten Epochen. Traditionelle Sendeanstalten, die auf ein breites Publikum zielen, versuchen ihr Programm auch mit Shows verschiedenster Kategorien zu füllen: HBO bringt alles, von der Comedie-Satire bis zum Sci-Fi-Thriller. Was Netflix davon unterscheidet, ist die Menge an Kategorien, die dort mit Inhalten gefüllt werden. Um den Erfolg einer Sendung zu beurteilen, prüft Netflix die Menge der Zuschauer und ob die Sendung kosteneffektiv ist, aber auch, ob sie sich gut über verschiedene Vertikale verkauft. Letzteres bedeutet, die Serie erreicht ein größere Zahl an 'Bestandsgruppen'. Wenn Vertikale bei Netflix ausschlaggebend dafür sind, was produziert und eingekauft wird, helfen Geschmacksgruppen herauszufinden, wie Mitglieder mit der Programmgestaltung interagieren … Anstatt Mitglieder nach Alter oder Aufenthaltsort zusammenzufassen, verfolgt Netflix ihre Sehgewohnheiten und konnte so 2.000 Mikro-Cluster identifizieren. Geschmacksgruppen sind Netflixes Äquivalent für die demografischen Erhebungen werbefinanzierter Sender, nur weiter entwickelt. Weil ihr Geschäftsmodell auf der Befriedigung der Werbekunden basiert, verlassen sich Sender wie NBC oder Lifetime auf die Demografie - Frauen unter 35, Männer von 25 bis 54, Afroamerikaner zwischen 18 und 49 - um sicherzustellen, dass ihre Sendungen auch mit der vom Werbekunden begehrten Zielgruppe korrelieren."

In einem anderen Artikel erzählt Reeves Wiedemann vom fantastischen, aber schwindenden Erfolg des Vice-Magazines und seines Gründers Shane Smith: "Während die enorme Wertsteigerung des Magazins Smith ein Luxusleben erlaubte, sah es für die Angestellten anders aus … Eine Führungskraft des Magazins fasst es so: Bei Vice verfahren wir nach Regel 22: Stelle nur 22-Jährige an, zahle ihnen 22.000 Dollar Jahresgehalt und lasse sie 22 Stunden am Tag schuften."

Magazinrundschau vom 24.04.2018 - New York Magazine

In einer vielstimmigen Reportage gehen Michael Slenske und Molly Langmuir der Frage auf den Grund, ob und unter welchen Umständen weibliche Akte von männlichen Malern objektivierend sind. Um diese Frage von möglichst vielen Perspektiven her auszuleuchten, haben sie etliche Künstlerinnen und Künstler interviewt. Künstler sollen malen, was sie wollen, meint beispielsweise die feministische Künstlerin und Schriftstellerin Judy Chicago, eine der Gründerinnen des CalArts Feminist Art Programs am California Institute of Arts: "Vor einem Jahrzehnt unterrichtete ich ein Graduiertenseminar an der Universität von North Carolina in Chapel Hill, als ein junger Mann eine Frauenskulptur anfertigte, der er zuerst einen Mund hackte, um ihn dann mit einer Bandage zu bedecken. Die Frauen im Kurs hat das sehr verärgert. Als ich jünger war, hätte ich sie vollkommen unterstützt. Aber jetzt verstehe ich es als meine Aufgabe, nicht zu zensieren, sondern den Dialog zu eröffnen und dann zu versuchen, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Das Problem ist, dass Maler mehr Frauen malen als umgekehrt, was bedeutet, dass Frauen den Brutalitäten der männlichen Psyche ausgesetzt sind, während es für Männer kaum ein Gegenstück gibt. Also sagte ich den Studentinnen, dass ich mit ihnen fühlte, aber dass die menschliche Psyche nicht politisch korrekt ist. Sie ist voller unangenehmer Gefühle, weil  wir alle in einer patriarchalischen, sexistischen, frauenfeindlichen Gesellschaft aufgewachsen sind. Und wenn man anfängt, Kunst zu machen und seine Psyche auszuloten, kommen alle möglichen Dinge heraus."
Stichwörter: Aktmalerei