Magazinrundschau - Archiv

New York Magazine

101 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 11

Magazinrundschau vom 06.10.2020 - New York Magazine

Als sei das nicht genug, feiert auch QAnon weiter Erfolge, die wild zusammengewürfelte Truppe von Verschwörungstheoretikern, die bei den nächsten Kongresswahlen 24 Kandidaten stellen. Ihre Kernthese: Hollywood und die US-Regierung wimmelten von Pädophilen und Dämonenanbetern, die Donald Trump zur Verantwortung ziehen will. Im Gespräch mit den Kandidaten machte Simon van Zuylen-Wood eine geradezu außerirdische Erfahrung: "Sie stimmen mit nichts überein, was ich für gesicherte Fakten über die Welt halte. Das fühlt sich neu an. Es ist eine Sache, wenn Politiker zynisch aufrührerische Komplotte ihrer Gegner vortäuschen, wie sie es schon immer getan haben. Es ist eine andere Sache, wirklich zu glauben, dass das politische Establishment der Nation von satanischen Vergewaltigern angeführt wird, und dann nach Washington aufzubrechen, um mit ihnen zusammenzuarbeiten." Aber der Reporter lernt auch dies: "Der rote Faden, der die Q-Kandidaten, mit denen ich gesprochen habe, verbindet, kommt aus dem wirklichen Leben: der Fall Jeffrey Epstein. 'Der Grund, warum ich misstrauisch bin, wenn die Leute sagen, Q sei eine Verschwörungstheorie, ist, dass ich seit Jahren von Epstein und dem Lolita-Express gehört habe, und dass er diese Insel besitzt', sagte Raborn, der Kandidat aus Chicago. 'Ich dachte immer, es sei eine Verschwörungstheorie. Und dann wurde er verhaftet. Und wir erfuhren von dem Flugzeug. Ich meine, okay, whoa. Wie viele Dinge halte ich für Verschwörungen, die es in Wirklichkeit gar nicht sind?' Tracy Lovvorn, eine Physiotherapeutin, die für einen Sitz im Zentrum von Massachusetts kandidiert, machte praktisch die gleiche Bekehrungserfahrung. Sie staunt über 'alles, was das FBI in den Jahren 2005, 2006 wusste', und dann, sagt sie, 'musste er so sterben'? Dito Cargile, dessen Interesse an Q aus Epsteins Selbstmord (seinem mutmaßlichen Selbstmord) resultierte: 'Wer hat das geschehen lassen? Wer will nicht, dass er redet? Wer ist am meisten gefährdet, wenn Jeffrey Epstein im Zeugenstand steht und Namen nennt?' Als Fallbeispiel für das Versagen der Elite könnte man es schlimmer treffen, als sich zu fragen, warum Epstein, als er 2007 zum ersten Mal wegen Sex mit Minderjährigen angeklagt wurde, von Floridas damaligem US-Staatsanwalt Alexander Acosta - dem späteren Arbeitsminister von Trump - einen Sweetheart-Deal bekam, der ihm zusicherte, nicht strafrechtlich verfolgt zu werden. (Oder warum Harvey Weinstein oder Gymnastiktrainer Larry Nassar oder die Hierarchie der katholischen Kirche sich so lange der Strafverfolgung entziehen konnten)."

Magazinrundschau vom 01.09.2020 - New York Magazine

Der Statistiker David Shor, der in Obamas Wahlkampfteam für Nathan Silver arbeitete, wurde über Nacht berühmt, als ihn sein Arbeitgeber Civis Analytics kürzlich wegen eines Tweets entließ, in dem Shor auf eine Studie aufmerksam machte, wonach 1968 gewaltlose Demonstrationen erfolgreicher darin waren, die öffentliche Meinung nach links zu schieben, als gewalttätige. Wenn sie die kommende Präsidentschaftswahl gewinnen wollen, müssen sich die Demokraten einer sehr unangenehmen Tatsache stellen, meint Shor in einem epischen, aber sehr lesenswerten (wenn man sich für Wahlkampftaktiken interessiert) Interview. Die weiße Arbeiterklasse ist in ihrer Mehrheit wirtschaftlich links, aber gesellschaftlich rechts. Aber auch in der schwarzen Arbeiterklasse gibt Strömungen hin zu den Republikanern. "Bildung korrelliert in hohem Maße mit der Offenheit für neue Erfahrungen", sagt Shor. "Als die europäischen Staaten das schulpflichtige Alter von 16 auf 18 Jahre anhoben, hatte die erste Generation von Schülern, die länger in der Schule blieb, wesentlich liberalere Ansichten zur Einwanderung als ihre unmittelbaren Vorgänger. Und dann sind Menschen mit College-Abschluss auch eher bereit, fremdes Essen zu probieren oder ins Ausland zu reisen. Es scheint also wirklich so zu sein, dass Bildung die Menschen offener für neue Erfahrungen macht. Politisch manifestiert sich dies bei der Einwanderung. Und das ist in Stein gemeißelt. Man kann sich die Meinungsumfragen aus den 1940er Jahren anschauen, ob Amerika jüdische Flüchtlinge aufnehmen sollte: Menschen mit College-Ausbildung waren dafür, Menschen ohne College-Ausbildung dagegen. Es ist länderübergreifend so: Südafrikaner aus der Arbeiterklasse sind gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus Simbabwe, während die Südafrikaner mit College-Abschluss die Aufnahme befürworten."

Magazinrundschau vom 30.06.2020 - New York Magazine

Dass die amerikanischen K-Pop-Fans für politischen Trubel sorgen - erst haben sie einen von Rassisten verwendeten Twitter-Hashtag gekapert, dann eine Trump-Kundgebung so sabotiert, dass der Präsident vor einer halbleeren Halle sprach -, hätte man durchaus kommen sehen können, meint T.K. Park. Stattdessen reagierten weite Teile der Öffentlichkeit mit völliger Überforderung und blanker Unkenntnis der Materie. Aber woher kommt dieser hohe Grad an Online-Kompetenz gerade in diesem an sich wenig politischen Segment der Popkultur? Zum einen erfahren wir, dass in den USA tatsächlich viele Schwarze Jugendliche diese Musik hören und das Media-Hacking quasi zum Alltag dazugehört: "Fan einer angesagten K-Pop-Gruppe zu sein verlangt einem mehr ab als, sagen wir, Fan von Taylor Swift zu sein ... Jede K-Pop-Band kommt mit einer Reihe vorgefertigen Kennzeichen für die Fans: Spitznamen für die Unterstützer (BTS hat seine 'Army', Blackpink nennt sie Blinks), Farben (die Farbe von NCT ist 'perliges Neo-Champagner'), Hymnen und Slogans. Jede Fangemeinde fordert ihre jeweiligen Anhänger zu koordinierten Aktionen auf, um ihre Stars zu unterstützen, etwa massenhaft bei Radiosendern anzurufen, sich ein bestimmtes Lied zu wünschen, oder abgesprochenes Streaming bestimmter Stücke zu einer bestimmten Zeit - alles, um die Chartposition der Stars zu verbessern. Um das Image ihrer Stars aufzupolieren, organisieren die Fanclubs Spendenaufrufe und andere ehrenamtliche Dienste in deren Namen. Wichtig ist dabei: All diese Aktivitäten kommen ohne herausragende Prsonen oder Hierarchien aus. Vielmehr entfalten sie sich horizontal durch Echtzeit-Kommunikation auf Sozialen Netzwerken. Unter dem Strich steht damit eine partizipatorische Erfahrung von Popkultur. Eine K-Pop-Fangruppe liebt ihre Stars nicht nur für ihre Musik, ihr Aussehen oder ihre Choreografie, obwohl das alles häufig notwendige Voraussetzungen sind. Die engagiertesten K-Pop-Fans kultivieren mit ihrem Zeit- und Energieaufwand zugunsten ihrer Stars ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu ihren Stars und, noch wichtiger, untereinander. Als Kollektiv prägt die Fangruppe den Weg des Idols zum Star - der Erfolg des Idols ist auch der Erfolg der Fans."

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Magazinrundschau vom 07.07.2020 - New York Magazine

Jonathan Chait beschreibt das gefährlich hysterisierte Klima der Debatte in den Vereinigten Staaten, nicht nur in den Kreisen um Trump, sondern auch auf der Linken. Er erzählt die Geschichte eines jungen linken Sozialdemokraten, der aus seinem Thinktank gefeuert wurde, weil er seriöse Untersuchungsergebnisse retweetet hatte, die besagten, das gewaltsame Proteste bei Wahlen eher den Republikanern zugutekommen. Und die Geschichte Lee Fangs, eines Redakteurs von The Intercept, der sich wortreich entschuldigen musste, weil er das Interview eines jungen Schwarzen retweete, der auch die Gewalt unter Schwarzen thematisieren wollte. Und er kommt auf die New York Times zurück, wo der Meinungsredakteur gehen musste, weil er den Meinungsartikel eines republikanischen Senators publiziert hatte - was eine alte Gepflogenheit der eigentlich linken Times ist. Aus der Times wird nun im Namen der Diversität ein Parteiblatt gemacht fürchtet Chait: "Warum kann man repräsentativere Newsrooms nicht nutzen, um die Idee der Neutralität zu verfeinern, statt sie aufzugeben? Wäre es für Teams, die die Bevölkerung besser widerspiegeln, nicht leichter, die Perspektiven aller Seiten aufzunehmen und dem heiklen Ziel der Objektivität näher zu kommen? Ein konkretes Beispiel: Es brauchte ein gewisse Menge schwarzer Reporter, um die Medien zu zwingen, akkurat über Polizeigewalt zu berichten. Die Folge ist also, dass Diversity die Objektivität verbessert, nicht dass die Idee der Objektivität versagt."

Magazinrundschau vom 09.06.2020 - New York Magazine

In einem um verstörende Fotos bereicherten Artikel des Magazins begibt sich Zak Cheney-Rice in die Straßen von Minneapolis, wo sich nach der Ermordung von George Floyd die Fronten verhärten und ein gesellschaftlicher Widerspruch sichtbar wird: "Als Trump am 1. Juni die Gouverneure dazu aufforderte, die Dissidenten 'in den Griff' zu bekommen und notfalls das Militär zu schicken, wusste er den Großteil der Nation hinter sich: In einer Umfrage sagten 60 Prozent der Amerikaner, sie unterstützten die Entsendung des Militärs zur Hilfe lokaler Polizeikräfte im Kampf gegen den Aufruhr. Das muss wie ein Widerspruch wirken. Einerseits die Proteste zu unterstützen, andererseits ihre Niederschlagung, könnte als Hinweis gelten auf die Weigerung, die Widersprüche der eigenen politischen Impulse zu bedenken. Die Kluft wird verständlich vor dem Hintergrund eines typisch amerikanischen Verständnisses von Ordnung: Störende Spannungen werden durch Gewalt abgestellt, ohne dass sie wirklich gelöst würden, selbst, wenn die Ursachen als richtig erachtet werden. Was genau heißt 'störend'? Das unterscheidet sich je nach Person und Zeit, aber der Begriff 'Aufruhr' ist eine Konstante durch die Generationen. Das passt zu seiner sozialen Funktion. Aufruhr ist keine Taktik, mit der man breite Sympathien gewinnt, sondern Ausdruck für die Vergeblichkeit anderer Anstrengungen. Das Gleiche gilt allerdings für weniger gewalttätige Proteste … Erst Ordnung, dann Reform - als ob die Struktur der Ordnung nicht genau das wäre, was die Protestierenden ändern wollten."

In weiteren Magazinbeiträgen zum Thema spricht die demokratische Politikerin und Aktivistin Ilhan Omar über strukturellen Rassismus und Ungerechtigkeit (hier), und der Bürgerrechtler John Lewis teilt seinen unerschütterlichen Glauben (im Interview).

Magazinrundschau vom 05.05.2020 - New York Magazine

Corona ist keineswegs der große Gleichmacher, der für alle Amerikaner tödlich ist, schreibt Zak Cheney-Rice in einem bitteren Artikel. Strafgefangene oder Obdachlose sterben in den USA in horrenden Zahlen. "Aber das Leiden ist noch größer als das Sterben. Jüngste Umfragen zeigen, dass bis zu zwei Drittel der erwachsenen Latinos aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs ihren Arbeitsplatz verloren oder ihr Einkommen verringert haben. Ein Großteil davon ist auf ihren hohen Anteil im Dienstleistungs- und Gastgewerbe zurückzuführen, die in der Krise oft schließen mussten. ... Vorläufige Daten deuten darauf hin, dass schwarze Amerikaner am stärksten von dem Virus betroffen sind, wie jeder hätte vorhersagen können, noch bevor diese Daten ins Spiel kamen. Obdachlose, inhaftierte und verarmte Menschen in den USA waren und sind unverhältnismäßig schwarz, mit den damit einhergehenden Gesundheitsrisiken: höhere Raten von Diabetes, Bluthochdruck und Herzkrankheiten, alles zuverlässige Indikatoren dafür, ob ein ansonsten beherrschbarer Fall von COVID tödlich enden könnte. Schwarze Opfer machen zum Beispiel 40 Prozent der infizierten Toten in Michigan aus, aber 14 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates. Es sind 70 Prozent der Toten in Louisiana, einem der größten Epizentren des Landes außerhalb New Yorks, aber nur 33 Prozent der Bevölkerung. In Chicago und Milwaukee - wo im letzteren Fall die durchschnittliche Lebenserwartung für Schwarze 14 Jahre kürzer war als für Weiße vor der Pandemie - machen die Todesfälle durch schwarze COVID 55 Prozent bzw. 81 Prozent der Gesamtzahl aus, obwohl Schwarze in beiden Städten weniger als 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen."

Magazinrundschau vom 10.03.2020 - New York Magazine

Molly Fischer hat die Nase voll vom Millennial-Style. Er ist überall und scheint nie zu enden, mit seinen Pastellfarben, abgerundeten Ecken und zuckrigen Harmlosigkeit: "Jedes Sofa und jeder Softcup-BH präsentiert sich nicht als Beweis für einen unverwechselbaren Geschmack, sondern als die eleganteste, wirtschaftlichste und ethischste Lösung für das Problem der Sofas oder Softcup-BHs. Die Einfachheit des Designs fördert den Eindruck, dass alle Mängel und Kunstgriffe weggefallen sind. Die Millennial-Ästhetik verspricht eine Art Teleologie des Geschmacks: als ob wir erst jetzt, endlich, dank Innovation und Verfeinerung, zu der objektiv richtigen Art und Weise gekommen sind, wie die Dinge aussehen sollten. Wenn man sich gleichzeitig keinen Schnickschnack und kein Scheitern leisten kann, dann hat man am Ende ein Millennial-Design: massentauglich, risikoscheu, gerade genug Aufmerksamkeit erregend, um klar zu machen, dass man es versucht hat. ... Das Design ist weich in seinen Farben und in seinen Linien, geschwungen und unbedrohlich - nicht unähnlich dem iPhone, wie Jessica Helfand, die Mitbegründerin und Kreativdirektorin von Design Observer, betont. Es ist abgerundet, ebenso wie all die kleinen Logos für Apps, die es bewohnen, eingerahmt sind von sanft gerundeten Kanten. 'Die Rundung suggeriert, von Natur aus 'freundlicher' wie in: einfacher, weicher', sagt Helfand. 'Echter Modernismus, echter Minimalismus wäre das Quadrat.' Der Minimalismus verlangt jedoch Strenge, und die Millennial-Ästhetik hat keine."

Magazinrundschau vom 19.11.2019 - New York Magazine

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Magazins gibt Lane Brown uns ein Update in Sachen Gesichtserkennung und die Folgen: "Dunkle Haut ist nicht das einzige Feature, mit dem Gesichtserkennungssoftware Schwierigkeiten hat. Ein Test des 'National Institute of Standards and Technology' (NIST) ergab, dass sogar die besten Algorithmen Probleme hatten, Fotos ein und derselben Person in verschiedenen Altersstadien zu identifizieren und oft nicht in der Lage waren, Zwillinge zu unterscheiden - selbst zweieiige gleichgeschlechtliche nicht. Außerdem hängt die Leistung der Programme stark von der Qualität der Fotos ab. NIST verglich vor allem HD-Fahndungsfotos miteinander, aber unter realen Bedingungen mit unscharfen Bildern von Überwachungskameras und ungünstigen Aufnahmewinkeln, dürften die Ergebnisse anders ausfallen. Auch eine Gesichtserkennung mit niedriger Fehlerquote kann im breiten Einsatz Probleme verursachen. Sechs neuere Tests der Londoner Polizei auf öffentlichen Straßen ergaben 42 Matches für gesuchte Personen, aber nur acht davon waren korrekt … Bei der Gesichtserkennung geht es um mehr als nur darum, wer wir sind, was wir einkaufen, welche Verbrechen wir begangen haben und dass unsere Ähnlichkeit mit einem Sexualstraftäter uns das Leben schwer macht - es geht auch darum, was wir fühlen, denn die Technik kann Gefühle erkennen [siehe dazu auch heute die NZZ]… Das Beunruhigendste aber ist vielleicht, wie leicht zugänglich die Gesichtserkennung ist. Nicht nur Regierungen und Unternehmen können sie nutzen, auch du und ich, unser Vermieter, der Perverse von nebenan, jeder mit einem Computer und einer Kamera und zu einem unerwartet günstigen Preis. Amazon bietet eine einjährige Probenutzung seiner Gesichtserkennungssoftware an: 5000 Bilder oder 1000 Minuten Video pro Monat."

Magazinrundschau vom 24.09.2019 - New York Magazine

In der aktuellen Ausgabe des Magazins erklärt Gabriel Debenedetti die aktuelle Spaltung zwischen der Demokratischen Partei und den Monopolisten im Silicon Valley: "Eine neue Phase der Regulation mit Strafen bis 5 Milliarden (für Facebooks Datenmissbrauch) lässt kleinere Unternehmen zurückschrecken. Gerade hat das Repräsentantenhaus persönliche Emails von den Bossen bei Amazon, Apple, Facebook und Google angefordert. Aber die Spaltung hat das Miteinander von Partei und Industrie auch als Nutzengemeinschaft entlarvt, ganz anders als zu Zeiten Obamas, als Liberale unterwegs in Sachen technokratischer Fortschritt in der Bay Area ihre natürlichen Verbündeten fand. Vielleicht hat einfach niemand die ideologischen Einzelheiten genau beachtet. Im großen Ganzen bleibt das Valley sozialliberal und anti-Trump. Seine Aufsichtsräte und Chefetagen sind voll mit Leuten aus der Obama-Ära. Doch was einst wie ein intuitives gegenseitiges Verstehen aussah zwischen der demokratischen Mehrheit und den Räuberbaronen des 21. Jahrhunderts, hat sich in gegenseitiges Misstrauen, ja Aggressivität verwandelt. Die Techies gehen nicht mehr selbstverständlich davon aus, dass die liberalere Partei ihre Werte teilt, und die Demokraten in Washington wollen von den Technologie-Milliardären nicht länger als ahnungslose, zuverlässige Funktionäre betrachtet werden … Es handelt sich nicht nur um eine Frage der Ideologien. Einige Gründe für die Zerrüttung liegen in den kalkulierten Manövern einiger weniger politischer Aufsteiger und Techies, die Politik spielen wollten, wobei keine Seite bereit war, den Respekt zu geben, den die andere Seite beanspruchte. Die Demokraten hätten sich viel leichter damit getan, Big Tech seine Sünden zu vergeben, wenn die Bosse im Valley bei ihren Reaktionen auf politische Skandale oder in ihrer öffentlichkeitswirksamen Bearbeitung von Kandidaten auch nur die geringste politische Demut oder Reue gezeigt hätten."

Außerdem: Die frühe Modebloggerin und Rookie-Gründerin Tavi Gevinson meditiert darüber, wie es war, mit Instagram aufzuwachsen. David Wallace-Wells beschreibt "Gretas Welt".

Magazinrundschau vom 17.06.2019 - New York Magazine

Dass Shared Workspaces zwar gewinnbringend sein können, aber noch lange nicht Glück für alle bedeuten, erläutert Reeves Wiedeman in einem Beitrag am Beispiel der heftig expandierenden Firma WeWork: "In Dutzenden Interviews bezweifeln aktuelle und ehemalige Mitarbeiter und Führungskräfte von WeWork, ob die Unternehmenskultur die Verbreitung wert ist. Trotz des Unternehmensmottos 'Make a Life, not just a Living', geben Mitarbeiter auf allen Ebenen an, 70-Stunden-Wochen zu haben … Bei der jährlichen Hauptversammelung erfasst das Unternehmen die Anwesenheit seiner Mitarbeiter auf Panels und Veranstaltungen mittels Scannen der Armbänder. Auffällige Abwesenheiten werden gemeldet. Mitarbeitern beschreiben einen fatalen Zyklus bei WeWork: Potenzielle Mitarbeiter werden von der Mission des Unternehmens angelockt, nur um ausgebrannt und durch neue ersetzt zu werden … Für jemanden, der Community als Geschäftsidee verkaufen will, hat CEO Adam Neumann eine erstaunliche Ähnlichkeit mit einem Immobilienhai … Und gegen eine Reihe seiner Konkurrenten wie UrWork und WE Labs hat WeWork Verfahren wegen Markenrechtsverletzung eingeleitet."
Stichwörter: Shared Workspaces