Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

684 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 69

Magazinrundschau vom 18.05.2021 - New Yorker

In einem Beitrag der aktuellen Ausgabe erkennt Jill Lepore im Anstieg der Burnout-Erkrankungen aufschlussreiche Hinweise auf unser Arbeitsleben: "Burnout zu hinterfragen, heißt nicht, das Ausmaß des Leidens oder die Verwüstungen im Zuge der Pandemie zu leugnen: Verzweiflung, Bitterkeit, Müdigkeit, Langeweile, Einsamkeit, Entfremdung und Trauer - vor allem Trauer. Burnout zu hinterfragen, bedeutet sich zu fragen, welche Bedeutung sich hinter dieser Vorstellung verbirgt und ob sie tatsächlich jemandem von Nutzen sein kann, der darunter leidet. Burnout ist eine als Diagnose getarnte Metapher. Sie leidet unter zwei Verwechslungen: des Besonderen mit dem Allgemeinen und des Klinischen mit dem Umgangssprachlichen. Wenn Burnout universell und ewig ist, ist es bedeutungslos. Wenn jeder ausgebrannt ist und es schon immer war, ist Burnout einfach die ganz normale Hölle des Daseins. Doch wenn Burnout ein relativ junges Problem ist, wenn es aus den frühen 1970ern stammt, als es seinen Namen erhielt, so wirft es eine historische Frage auf: Was ist die Ursache? … Burnout mag unserem heutigen Zustand entsprechen, es hat aber ganz besondere historische Wurzeln. In den siebziger Jahren, als Herbert J.  Freudenberger zum ersten Mal Burnout in verschiedenen Berufen untersuchte, stagnierten die Reallöhne, die Gewerkschaften litten unter Mitgliederschwund, und immer mehr Arbeitsplätze in der Fertigung wurden durch Service-Jobs ersetzt. Einige dieser Trends kehren sich neuerdings um, doch das Gerede über Burnout in den letzten Jahrzehnten hat nichts dazu beigetragen, die ursächlichen Probleme zu lösen. Stattdessen wurde die Verantwortung für enorme wirtschaftliche und soziale Umwälzungen und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt auf den einzelnen Arbeiter übertragen."

Außerdem: Rebecca Mead überlegt, zu welchem Zweck das Scharrbild des Riesen von Cerne Abbas in Dorset mit seinem sieben Meter langen Penis wohl angelegt wurde. William Finnegan sorgt sich um das Fortbestehen des Pferderennsports. Und Joan Acocella befasst sich mit neuer Literatur über den Maler Francis Bacon.
Stichwörter: Burnout

Magazinrundschau vom 11.05.2021 - New Yorker

In einem Beitrag erkundet Thomas Meaney anhand eines Buches von Tim Harper ("Underground Asia") das Schicksal einiger Aktivisten im asiatischen Raum, die sich nach der Russischen Revolution gegen den Imperialismus aus Europa stemmten. Dazu gehörten beispielsweise Manabendra Nath Roy, ein bengalischer Brahmane, der die Kommunistische Partei Indiens mitbegründet hatte und später während des chinesischen Bürgerkriegs als führender sowjetischer Gesandter in China war. Oder der Indonesier Tan Malaka, der in Holland studiert hatte und fest davon überzeugt war, dass die kommunistische Revolution mehr Chancen in Asien hätte als in Europa - und dabei auch auf das revolutionäre Potential des Islam setzte: "Die Geschichte asiatischer Untergrundbewegungen ist wenig bekannt, weil es für kaum jemand Anreiz gibt, sie zu erzählen. Siegreiche antikolonialistische Nationalisten in Indonesien und Indien mochten ihre Erfolge nicht mit ein paar geisterhaften Gestalten teilen, von denen nicht wenige zu ihren Feinden gehörten. In der Ära der Globalisierung bevorzugen viele Historiker ein Narrativ, in dem der Kolonialismus selbst durch Handel und Weltoffenheit, die er in Asiens Hafenstädte brachte, die Bedingungen für antiimperialistisches Bewusstsein schuf. Andere scheuten die Infragestellung nationaler Revolutionsbewegungen". Aber woher sie auch kamen, "die Mitglieder des asiatischen Undergrounds waren trotzig modern. Sie hingen in Cafés und Kinos herum. Frauen trugen ihre Haare in Dutts und versteckten Bomben in ihren Handtaschen. Schreibmaschinen waren ebenso begehrt wie Pistolen. Harper schreibt, dass die Revolutionäre 'Asien als eine Reihe kleinerer Regionen erlebten, jede mit ihren eigenen Bräuchen, ihrer eigenen Lingua franca und ihrem Geheimwissen'. Aber sie teilten die Überzeugung, dass es kein Zurück zu einem vorkolonialen goldenen Zeitalter gab."

Außerdem: Douglas Preston ist auf den Spuren eines alten Geheimnisses über eine verschollene Gruppe von Skifahrern im Ural. Sheelah Kolhatkar überlegt, ob Apps den Aktienhandel demokratisieren oder nur riskantes Verhalten befördern. Und Jiayang Fan besucht das Disgusting Food Museum in Schweden.

Magazinrundschau vom 04.05.2021 - New Yorker

In einem Beitrag für das neue Heft erkundet Sam Knight die auf die Unabhängigkeit Schottlands zielende Politik von Nicola Sturgeon als Kopf der Scottish National Party. Sturgeon ist eine ungewöhnliche Politikerin: eine linke Nationalistin, die den Brexit, ein nationalistisches Projekt, das Sturgeon verabscheut, benutzt um ihr eigenes Projekt durchzubringen: die Unabhängigkeit Schottlands. Aber die S.N.P. hat die Debatte über Schottlands Unabhängigkeit von der Geschichte weg und hin zu der Frage gewendet, in welcher Gesellschaft die Wähler leben wollen, in Boris Johnsons Brexit Britannien oder Nicola Sturgeons sozialdemokratischem Schottland. Und viele Schotten haben weder vergessen noch verziehen, wie sie jahrzehntelang von den Engländern, besonders Margaret Thatcher, behandelt wurden. Dass Sturgeon außerdem die Pandemie besser gemeistert hat als Boris Johnson, könnte mithelfen, den größten Haken in der Unabhängigkeitsbewegung zu ignorieren: "Der Brexit hat die Unterstützung für ein schottisches Unabhängigkeitsreferendum gefestigt, aber er ist auch ein Faktor, der die Dinge kompliziert. Großbritannien hat nun sowohl den Binnenmarkt als auch die Zollunion der EU verlassen. Infolgedessen werden für die meisten Waren, die mit Europa gehandelt werden, neue Zoll- und Grenzkontrollen durchgeführt. Wenn Schottland unabhängig wird, muss es sich entscheiden zwischen dem grenzenlosen Handel mit dem Rest Britanniens, in das es jährlich Waren im Wert von etwa sechzig Milliarden Pfund exportiert, und dem Beitritt zum EU-Binnenmarkt, in den es ein Viertel dieser Menge exportiert. Im Februar berechnete die London School of Economics, dass ein Austritt aus dem Vereinigten Königreich für die schottische Wirtschaft handelstechnisch zwei- bis dreimal so schädlich wäre wie der Brexit. ... Als ich Andrew Wilson, einen ehemaligen S.N.P.-Funktionär, der an einem kürzlich veröffentlichten Wirtschaftsplan für ein unabhängiges Schottland mitgeschrieben hat, fragte, ob das Land zwischen dem EU-Binnenmarkt und dem des Vereinigten Königreichs wählen müsste, antwortete er: 'Ja, ganz klar.'"

Außerdem: Matthew Hutson macht sich Gedanken über die Regenerationsfähigkeit unseres Körpers. Adam Gopnik verliert sich in Proust. Außerdem gibt es einen Auszug aus den Erinnerungen des afroamerikanischen Künstlers Winfred Rembert, der in den Siebzigern während einer Gefängnisstrafe in einer Chain Gang (also mit anderen an eine Kette gefesselt) arbeiten musste.
Anzeige

Magazinrundschau vom 20.04.2021 - New Yorker

In einem Beitrag für das neue Heft fragt Ed Caesar, ob jemand Nordkoreas Hacker stoppen kann: "Paradoxerweise hat Nordkorea, wo nicht mehr als zehn Prozent der Menschen Internetzugang haben, einige der geschicktesten Hacker hervorgebracht. Als würde Jamaica Gold im Bobfahren gewinnen. Aber die Cyberbedrohung aus Nordkorea ist echt und sie wächst. Wie viele andere Länder auch hat Nordkorea sein Militär mit Cyberwaffen ausgestattet. 2016 entwendeten Programmierer des Militärs in Pjöngjang mehr als 200 Gigabyte südkoreanischer Geheimdokumente, darunter das Szenario eines möglichen Krieges zwischen Nord- und Südkorea und der Plan, Kim Jong-un zu beseitigen … Nordkorea ist außerdem die einzige Nation in der Welt, deren Regierung dafür bekannt ist, offen Cybercrime zu begehen, um Geld zu verdienen. Teile des militärischen Geheimdienstes sind extra dafür ausgebildet … Das Cybercrimeprogramm hat den Kopf einer Hydra und beherrscht vom Bankraub über die Installierung von Schadsoftware bis zum Diebstahl von Coins aus Kryptobörsen allerhand Techniken. Es ist schwer festzustellen, wie erfolgreich Pjöngjangs Hacker sind. Anders als Terrorbanden zeichnen sie nicht offiziell für ihre Taten verantwortlich, und die Regierung weist Verantwortung reflexartig von sich. Mit dem Resultat, dass sogar genaue Beobachter selten mit dem Finger auf Nordkorea zeigen, wenn es um einzelne Angriffe geht. Ein UN-Bericht von 2019 geht allerdings davon aus, dass Pjöngjangs Einnahmen aus Cyberkriminalität ca. zwei Milliarden Dollar betragen könnten. Seitdem hat die Bedrohung noch zugenommen. Die UN geht weiter davon aus, dass das Geld ins Militärbudget fließt."

Außerdem: Christine Kenneally untersucht, ob Hirnimplantate die Identität verändern. Amanda Petrusich stellt das neue Album von Dawn Richard vor, das Elektronik mit New-Orleans-Sound verbindet. Margaret Talbot denkt mit Danielle Dreilingers Buch "The Secret History of Home Economics" über Haushaltswirtschaft und Emanzipation nach. Pankaj Mishra legt dar, wie Edward Said zu seinen postkolonialen Überzeugungen gelangte. Hilton Als schreibt über die Alice-Neel-Ausstellung im Met-Museum. Und Anthony Lane sah im Kino Neil Burgers Film "Voyagers".

Magazinrundschau vom 16.03.2021 - New Yorker

In einem Beitrag für das neue Heft untersucht Andrew Salomon, wie Polyamorie und Polygamie herkömmliche Familienkonzepte auf den Kopf stellen: "Polygamisten und Polyamoristen drängen immer mehr auf Gleichberechtigung, seit die gleichgeschlechtliche Ehe in den USA legal ist. Anders als die Polygamie, die meist religiös motiviert ist und einen Mann mit mehreren Frauen meint, die untereinander keine sexuelle Beziehung haben, gründet die Polyamorie auf utopischen Ideen von sexueller Freiheit und erlaubt viele Konstellationen. Der eigentliche Unterschied aber liegt im Auge des Betrachters; wie üblich in der Identitätspolitik ist die Zugehörigkeit eine Frage der Selbstbestimmung. In der allgemeinen Vorstellung sind Polygamisten rechtsorientierte Frauenhasser und Polyamoristen dekadente Linke, doch die beiden Gruppierungen haben gemeinsame Ziele und häufig auch Lebensweisen."

Außerdem: Jane Meyer berichtet von den andauernden juristischen Untersuchungen gegen Donald Trump. Jennifer Gonnerman blickt hinter die Kulissen eines 5-Sterne-Hotels in New York. Louis Menand schaut zurück auf die Bewegung der Neuen Linken in den 1960er und 70ern und ihr Erbe.

Magazinrundschau vom 09.03.2021 - New Yorker

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe erkundet Amanda Petrusich, wie die Streamingdienste herkömmliche Ordnungssysteme für Musik und Genres durcheinanderwirbeln: "Seit Streamingdienste die Plattenläden ersetzen, hat sich auch die Art, Musik zu entdecken, zu kaufen und zu ordnen verändert. Spotify arbeitet mit Playlists, sortiert Musik nach Stimmung, was vielleicht noch vager ist als die Etikettierung mit einem Genre, aber ganz gut dazu passt, wie und warum wir Musik hören … Trotzdem hat das 'Genre' noch nicht ausgedient und ist bedeutsam bei der Vermarktung eines neuen Künstlers. Aaron Bay-Schuck, CEO von Warner Records erklärt, dass die Einordnung in ein Genre ausschlaggebend ist für die Art und Weise, wie ein Künstler von einem Major-Label der Öffentlichkeit vorgestellt wird: 'Wir fragen uns: Wer ist das Publikum für diese Musik, wer die Fans, was ist unser Einstieg? Solche Fragen bestimmen unsere Strategie fürs Radio, die Presse und das Marketing.' Er gibt zu, dass es schwierig sein kann, das Ästhetische und das Musikalische in Einklang zu bringen. 'Bei der Bestimmung des Genres in rein musikalischer Hinsicht geht es um musikalische und lyrische Bedeutungsträger, die Performance, den Produktionssound. Aber vom Marketingstandpunkt gesehen dreht sich alles um die kontextuellen Bedeutungsträger. Gefährlich wird's, wenn beides nicht zusammenpasst.'"

Außerdem: Peter Hessler schaut hinter die Kulissen des Handelskriegs zwischen den USA und China und entdeckt, dass Produkte aus Chinas in den USA gefagter sind denn je, ein Blick auf Amazon genügt. Und Peter Schjeldahl stellt uns den Pop-Art-Künstler Brian Donnelly aka KAWS vor, der sehr erfolgreich nah am Kitsch surft.

Magazinrundschau vom 02.03.2021 - New Yorker

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe fragt sich Dexter Filkins, was aus Afghanistan wird, wenn die US-Truppen abziehen. Die Verhandlungen mit den Taliban gestalten sich schwierig: "Die Unterhändler der afghanischen Regierung müssen Zugeständnisse machen oder die Gespräche werden scheitern und die westlichen Länder werden die Bevölkerung allein lassen. 'Ich werde mit Zähnen und Klauen für die Rechte kämpfen, die wir uns erobert haben, aber es besteht das Risiko, diese Rechte wieder einzubüßen', sagt Fatima Gailani, Delegierte der Regierung und Frauenrechtlerin. Ein Ort, um dieses Risiko besser einzuschätzen, ist das Center für die Entwicklung der Kompetenzen von Frauen in Kabul. Es gibt Näh- und Cateringkurse in Zusammenarbeit mit einem Restaurant. Das Center bietet auch Frauen und Kindern Schutz, die vor den Gefahren einer Gesellschaft fliehen, in der in vielen Teilen weiterhin uralte Gesetze herrschen. Fast jeden Tag kommt eine Frau, die vor einer Zwangsheirat geflohen ist oder sich scheiden ließ und von ihrer Familie verstoßen wurde … Würde dieser Schutzraum ein Taliban-Regime überleben?" Was Frauen blüht, die sich emanzipieren, konnte man zuletzt im Januar sehen, als zwei Richterinnen in Kabul auf dem Weg zur Arbeit erschossen wurden.

Für einen anderen Beitrag besucht Ian Urbina die Einwohner von Bolong Fenyo, einem Küstenort in Gambia, wo die globale Fischfarm-Industrie große Umwälzungen in Gang setzt - auf Kosten der Einheimischen: "Die am schnellsten wachsende Lebensmittelsparte ist die Aquakultur, sie ist 160 Milliarden Dollar schwer und verantwortlich für ca. die Hälfte des weltweite Fischkonsums. Während der Pandemie ging der Verkauf in Restaurants und Hotels zwar zurück, doch dafür aßen die Leute zu Hause mehr Fisch. Die USA importieren 80 Prozent ihrer Meeresfrüchte, hauptsächlich aus Aquakulturen, vor allem aus China … Einerseits profitiert die Umwelt davon. Richtig ausgeführt verbraucht Aquakultur weniger Frischwasser und Ackerland und produziert weniger Kohlenstoff als herkömmliche Landwirtschaft. Aber es gibt versteckte Kosten. Wenn Millionen Fische zusammengepfercht leben, produzieren sie eine Menge Abfall. Die Folge ist eine dicke Schleimschicht auf dem Meeresboden, die Pflanzen und andere Tiere erstickt. Der Stickstoff- und Phosphorgehalt nimmt zu und führt zu Algenwachstum und dem Absterben einheimischer Wildfische. Außerdem werden Touristen abgeschreckt."

Magazinrundschau vom 23.02.2021 - New Yorker

In einem Text für die aktuelle Ausgabe untersucht der Krebsforscher Siddhartha Mukherjee, warum die Pandemie manche Länder härter trifft als andere: "Ein epidemiologisches Rätsel, denn normalerweise folgen Infektionskrankheiten (Malaria, Thyphus, Diphterie, H.I.V.) einem traurigen Muster: Die armen Länder trifft es am härtesten, die reichen am wenigsten. Das Muster von COVID-19 sieht anders aus. Die meisten Toten verzeichnen Belgien, Italien, Spanien, die USA, Großbritannien. Die Todesrate in Indien mit seinen 1,3 Milliarden Menschen und seinem maroden Gesundheitswesen beträgt ein Zehntel derer der USA. Unter Nigerias zweihundert Millionen Menschen beträgt sie etwa ein Hundertstel. Reiche Länder mit gutem Gesundheitswesen sind stärker betroffen als arme Länder in Südasien oder Subsahara-Afrika. Die Frage nach den Ursachen beschäftigte mich, ein epidemiologisches Whodunnit. Hatte es mit der Demografie zu tun, mit falschen Zahlen, mit den Reaktionen der jeweiligen Regierung auf die Krise oder mit weniger offensichtlichen Faktoren? … Im Juli und August untersuchte ein Team des Gesundheitsökonomen Manoj Mohanan die Anzahl der Infizierten im 64-Millionen Staat Karnataka in Südwestindien. Proben ergaben eine Rate für Antikörperträger von 45 Prozent, fast die Hälfte der Bevölkerung hatte sich also irgendwann infiziert … In Neu Delhi ergaben die Zahlen 56 Prozent, also 10 Millionen Menschen … Wenn es wahr ist, dass bestimmte Pathogene in der Bevölkerung ein hohes Immunitätslevel bedeuten, dann müsste sich ihre Verbreitung, sagen wir in Lagos oder Los Angeles, in geografisch bestimmbaren unterschiedlichen Todesraten manifestieren."

Außerdem: Ian Parker freut sich über neue, angstvolle, witzige und romantische Arbeiten der Malerin Nicole Eisenman. Nick Paumgarten berichtet über die fantasiereichen Einfälle von Restaurantbesitzern. Und Anthony Lane stellt eine Biografie über den Dramatiker Tom Stoppard vor.

Magazinrundschau vom 16.02.2021 - New Yorker

In einem Online-Beitrag schreibt Kate Klonick über die Arbeit des mächtigen Facebook-Beirats aus externen Fachleuten, der über Sprachregelungen auf der Plattform entscheiden soll und sogar Zuckerberg überstimmen kann: "Anders als beim obersten Gericht, das die Gesetze des Landes entwirft, werden die vom Beirat beschlossenen Verfügungen nicht automatisch Facebook-Gesetz. Beschließt der Beirat die Entfernung von Content eines Unternehmen, muss Facebook nur den einen entsprechenden Post entfernen, weitere Löschungen liegen in Facebooks Ermessen (dazu heißt es von Facebook, man werde 'identische Posts mit ähnlichem Kontext' auf Basis seiner 'operationellen und technischen Möglichkeiten' entfernen). Betreffend die Geschäftspolitik hat der Beirat beratende Funktion, sein Einfluss ist hier begrenzt. Die Hoffnung ist, dass seine Empfehlungen öffentlichen Druck herstellen. Letzten Sommer sprach ich mit Mark Zuckerberg via Zoom. Er trug einen Patagonia Fleece-Pullover und saß in einem holzgetäfelten Raum vor einem Marmor-Kamin. Bei der Schaffung des Beirats war er stark involviert, er korrigierte Dokumente, las Memos, sah sich mögliche Mitglieder an. 'Facebook kann sich der Selbstkorrektur nicht entziehen. Wir brauchen zusätzliche institutionelle Kontrolle von außen', meinte er. Er hoffe, der Beirat sorge dafür, dass Facebook die richtigen Entscheidungen treffe und anderenfalls Mittel bereithalte, die falschen zu korrigieren. Er sah müde aus. Es schien ihm leichter zu fallen, über Produkte oder Tools zu sprechen als über Ethik und Politik. Mir wurde plötzlich klar, dass Zuckerberg im Grunde ein Programmierer war, der sich eines Tages in der Rolle des Managers für einen globalen Marktplatzes der Ideen wiederfand."

Magazinrundschau vom 12.01.2021 - New Yorker

In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe erklärt Elizabeth Kolbert, wie Gentechnik bedrohte Arten vor dem Aussterben bewahren oder ungeliebte Arten ausrotten kann: "In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Gentechnik dank CRISPR gewandelt, zu einer Reihe von Techniken, die man Bakterien abgeschaut hat und die es leichter machen, DNA zu manipulieren. CRISPR erlaubt es, ein Stück DNA herauszuschneiden, es auszuschalten oder zu ersetzen. Unendliche Möglichkeiten … Seit den 1960er Jahren träumen Biologen davon, die Möglichkeiten von 'Gene Drives' (die beschleunigte Ausbreitung von Genen in Populationen, d. Red.) auszureizen. CRISPR hat diesen Traum wahr gemacht. Bei Bakterien funktioniert CRISPR als eine Art Immunsystem. Sie können DNA-Teile eines Virus in ihr Genom aufnehmen. Sie nutzen diese Teile wie Fahndungsfotos, um potenzielle Angreifer zu erkennen. Dann versenden sie Enzyme, die wie kleine Messer die Angreifer-DNA an kritischen Stelgene len kappen und außer Kraft setzen. Genetiker haben diese Methode adaptiert, um praktische jede erdenkliche DNA-Sequenz zu kappen, und eine beschädigte Sequenz zu veranlassen, ein Stück fremder DNA in sich einzugliedern. Da es sich bei CRISPR-Cas um ein biologisches Konstrukt handelt, ist es gleichfalls in DNA kodiert. Das ist der Schlüssel für den 'Gene Drive'. Setze einem Organismus CRISPR-Cas-Gene ein, und der Organismus kann so programmiert werden, dass er die genetische Umprogrammierung selbst vornimmt."

Außerdem: Julian Lucas porträtiert den ghanaischen Bildhauer El Anatsui. Francisco Cantú stellt ein Buch vor, das zeigt, wie der Hunger nach Land die moderne Welt geprägt hat. Und Rachel Kushner erzählt vom Aufwachsen in San Francisco.