Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

613 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 62

Magazinrundschau vom 16.04.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des Magazins erzählt Ben Taub die berührende Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Ex-al-Kaida-Terroristen Mohamedou Salahi und seinem ehemaligen Wärter in Guantánamo, Steve Wood, der schließlich zum Islam konvertierte und Pate von Salahis Sohn wurde: "Manchmal öffnete Wood Salahis Koran auf gut Glück und nannte ihm die Verszahl, und Salahi rezitierte laut aus dem Gedächtnis, zuerst auf Arabisch, dann auf Englisch. Es war das erste Mal, dass Wood mit dem Koran in Berührung kam. Er wollte Salahi mehr über den Inhalt fragen, aber er vermutete, dass es Mikrofone und Kameras in der Zelle gab. Außerhalb von Echo Special (Salahis Zellentrakt, d. Red.) begann Wood, auf aktivistischen Websites über Guantánamo zu lesen, aber ein Kollege warnte ihn, dass das Internet auf der Basis überwacht würde. Er fürchtete, seine Kollegen könnten seine immer komplexeren Gefühle für Salahi entdecken und ihn für unpatriotisch halten und verraten. 'Ich habe versucht, meine Zeit in Guantánamo moralisch neutral zu gestalten, ohne als Verräter zu gelten', so Wood. 'Ich hatte Angst, zu viele Fragen zu stellen, ich hatte Angst, ein Buch über den Islam zu lesen, während ich da drin war, oder zu viel Interesse zu zeigen.' Woods Bedenken waren nicht ungerechtfertigt. Während Salahi gefoltert wurde, entdeckte James Yee, der muslimische Militärkaplan, dass er und die Dolmetscher in Guantánamo - viele von ihnen waren muslimische Amerikaner aus Nahost - von Geheimdienstbeamten ausspioniert wurden … Im Oktober 2004 brachte Woods Freundin ihre gemeinsame Tochter Summer zur Welt. Sieben Monate später endete sein Einsatz. Bevor er Guantánamo verließ, gab er Salahi Steve Martins Roman 'The Pleasure of My Company'. Als Widmung schrieb er: 'Viel Glück für dich. Denk daran, dass Allah immer einen Plan hat. Ich hoffe, du siehst uns nicht nur als Wärter. Ich glaube, wir sind alle Freunde.' Aber er war sich nicht sicher, ob Salahi ihm glaubte."

Außerdem: D. T. Max stellt den Dramatiker Lucas Hnath und sein neues Broadway-Stück "Hillary and Clinton" vor. Elizabeth Kolbert konstatiert, dass die größten Verschwörungstheoretiker heute keine Outsider mehr sind, sondern unsere politischen Führer. Jennifer Homans porträtiert den Choreografen Akram Khanl, der gerade "Giselle" neu choreografiert hat. Julian Lucas liest Ian McEwans neuen retrofuturistischen Roman "Machines like me". Alex Ross stellt den Komponisten Tyshawn Sorey vor. Und Anthony Lane sah im Kino Robert Budreaus Film "Stockholm".
Stichwörter: Guantanamo

Magazinrundschau vom 02.04.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker schreibt Adam Gopnik über den amerikanischen Bürgerkrieg und seine Folgen für die Schwarzen. Während der Wiedereingliederungsphase der Südstaaten in die USA zwischen 1861 und 1877 gab es die trügende Hoffnung auf ein Ende der Rassentrennung: "Bis vor kurzem wurde der Bürgerkrieg als das zentrale moralische Drama dieses Landes angesehen. Jetzt denken wir, dass seine Folgen - die Konfrontation nicht von Blau und Grau, sondern von Weiß und Schwarz, und die Wiedereinführung der Apartheid durch Terror - die tiefste Spur in der amerikanischen Geschichte hinterlassen haben. Anstatt darüber zu streiten, ob der Krieg anders hätte verlaufen können, streiten wir darüber, ob die Nachkriegszeit anders hätte verlaufen können. Gab es jemals eine echte Chance für eine volle schwarze Staatsbürgerschaft, für Gleichheit vor dem Gesetz, für eine Agrarreform? Oder hat die Kombination aus Feindseligkeit und Gleichgültigkeit unter den weißen Amerikanern die Katastrophe unvermeidlich gemacht? Henry Louis Gates Jr. nimmt in seinem neuen Buch 'Stony the Road: Rekonstruktion, weiße Vorherrschaft und der Aufstieg von Jim Crow' zu Recht an, dass diese Frage in der Post-Obama- oder Mid-Trump-Ära besonderes Gewicht hat. Er vergleicht die rosige Zuversicht 2008, dass der Schandfleck des amerikanischen Rassismus mit der Wahl eines schwarzen Präsidenten verblassen würde, mit kurzlebigen Hoffnung von 1865, dass all das Leiden des Krieges zwangsläufig zu bürgerlicher Gleichheit führen würde. Stattdessen schien das Auftreten afroamerikanischer Ermächtigung jedoch die Wut einer weißen Mehrheit nur zu vertiefen. Es folgte der Klan-Terror und Jim Crow im Süden und mit Trump der zweifellos rassistischste Präsident seit Woodrow Wilson, der sich offen an eine weiße revanchistische Basis wendet. Es ist eine deprimierende Aussicht, und Gates lässt seiner Depression freien Lauf."

Weitere Artikel: Louis Menand stellt ein Buch vor, das sich mit der Messbarkeit von Talent befasst. Douglas Preston besucht einen Paläontologen, der Spuren des Asteroiden entdeckt hat, der die Dinosaurier ausrottete. Und Anthony Lane sah im Kino Harmony Korines "The Beach Bum".

Magazinrundschau vom 26.03.2019 - New Yorker

In einem Text für die aktuelle Ausgabe des Magazins zieht Jon Lee Anderson Parallelen zwischen Brasiliens Staatspräsident Jair Messias Bolsonaro und Donald Trump: "Als Bolsonaro im Juli 2018 die Nominierung seiner Partei gewann, schien er eine Wende der politischen Macht und Ideologie zu verkörpern. Das Militär, das sich laut Verfassung aus der Politik herauszuhalten hat, unterstützte ihn offen, ebenso eine Reihe von Geschäftsleuten. Sein stärkster Konkurrent, Lula, wurde ins Abseits gedrängt; Sérgio Moro, der Richter, der die Car-Wash-Prozesse leitete, hatte ihn wegen Korruption und Geldwäsche zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt … Bolsonaros Regierung besteht zu einem Teil aus militärischen Führungsfiguren, acht der 22 Kabinettspositionen werden von ehemaligen Generälen besetzt. Seine Ideen stammen von Olavo de Carvalho, einem Philosophen und ehemaligen Astrologen, dessen exzentrische Interpretationen von Machiavelli, Descartes u.a. eine große Anhängerschaft finden. Carvalho, einundsiebzig, lebt in Richmond, Virginia, wo er sich mit der amerikanischen 'Redneck'-Kultur identifiziert, indem er Bären jagt, raucht und trinkt. Auf seine Empfehlung hin wurden zwei aktuelle Kabinettsminister ernannt: der Bildungsminister Ricardo Vélez Rodríguez, ein konservativer Theologe, und der Außenminister Ernesto Araújo. Beide halten an Carvalhos Vorstellungen fest, dass der 'kulturelle Marxismus' die westliche Gesellschaft verpestet hat und der Klimawandel eine marxistische Idee ist. Carvalho verleiht den Vorschlägen von Bolsonaro eine Patina des Intellektualismus. Kürzlich sagte Carvalho in einem Interview, Brasiliens Problem mit Gewaltkriminalität hätte abgewendet werden können, wenn das Militärregime die richtigen zwanzigtausend Menschen getötet hätte. Ein Großteil der politischen Unterstützung von Bolsonaro kommt von der Agrarwirtschaft, der Rüstungsindustrie und der religiösen Rechten, einem Machtzusammenhang, der als die drei 'B's, beef, bullets and bibels, bezeichnet wird." (Mehr zum Thema auch in unserer neuen Post aus Brasilien.)

Außerdem: Peter Hessler berichtet von den Erfahrungen eines schwulen Ägypters in seiner Heimatstadt Kairo. John Lanchester liest ein Buch über die kleine Eiszeit. Für Lauren Oyler ist Andrea Dworkin längst noch nicht außer Mode. Und Anthony Lane sah im Kino Jordan Peeles "Us".
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Stichwörter: Brasilien, Bolsonaro, Jair

Magazinrundschau vom 19.03.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker berichtet Ed Caesar über die Machenschaften des britischen Geschäftsmannes und Mitbegründers der Leave.EU-Kampagne, Arron Banks: "Banks kanzelt seine Kritiker als überhitzte Brexit-Gegner ab. Was die Medien über genaue Herkunft seiner Zahlungen (von 8,4 Millionen Pfund, die Red.) an die Kampagne schreiben, nennt er ein Produkt durchgedrehter Journalisten. Das erinnert an Trumps Verteidigung seiner russischen Kontakte. Banks behauptet, er habe die Kampagne auf völlig legale Weise unterstützt und werde nun dafür bestraft, dass seine Hilfe effektiv war. Alle strafrechtlichen Ermittlungen wären ähnlich politisch motiviert … Bei aller Bonhomie hat Banks eine finstere Seite. Der Social-Media-Feed von Leave.EU, der von ihm beaufsichtigt wird, vertrat oft die Ansicht der alternativen Rechten, dass liberale globale Eliten einen zu großen Einfluss auf Politik und Medien ausüben. Zwei kürzlich von Leave.EU veröffentlichte Beiträge enthielten Bilder des Investors George Soros, der Ziel antisemitischer Hassreden und rechter Verschwörungstheorien ist. In einem Beitrag wurde Soros als Marionettenspieler dargestellt, der Tony Blair kontrolliert. Das Bild erinnerte an ein Nazi-Propaganda-Poster der vierziger Jahre, auf dem ein Jude die Marionetten Churchill und Stalin lenkt … In gewisser Weise war die von Banks geleitete Kampagne eine Protestbewegung gegen den selbstgefälligen Globalismus der herrschenden Klasse - gegen die 'große Politik', die Farage in seiner Siegesrede verurteilte. Aber es war auch eine Kampagne der Hundepfeifen. Unmittelbar nach dem Massaker in einem Schwulen-Nachtclub in Orlando, Florida, twitterte Leave.EU ein Foto von Isis-Kämpfern zu diesem Text: 'Der freie Handel mit Kalaschnikows in Europa hilft Terroristen. Stimmen Sie am 23. Juni für mehr Sicherheit, stimmen Sie für #Leave.' Und explizit die Tragödie ausnutzend weiter: 'Handeln Sie jetzt, bevor wir hier eine Gräueltat im Orlando-Stil sehen.'"

Außerdem: Alexandra Schwartz porträtiert die kanadische Schriftstellerin Miriam Toews, die sich von ihrer menonitischen Kirche gelöst hat. Hua Hsi erklärt, wie die Kulturwissenschaftlerin Lauren Berlant in ihrem Buch "Cruel Optimism" die Politik à la Trump vorausgesehen hat. Und Joshua Rothman entdeckt versteckte Energiequellen in den Bildern des Malers Peter Sacks. Carrie Battan hört d.j. Mike Lévy. Alex Ross hört neue Klavierkonzerte von Thomas Ades und John Adams. Und Anthony Lane sah im Kino Anthony Maras' Film "Hotel Mumbai" über die islamistische Terrorattacke in Indien 2008.

Magazinrundschau vom 12.03.2019 - New Yorker

Für die aktuelle Mode- und Design-Ausgabe des New Yorker checkt Rebecca Mead die neuen Wandfarben der Dekokönige von Farrow & Ball. Schon die Namen sind schräg: "Elephant's Breath, gewöhnlich als Taupe bezeichnet, verkauft sich besser als weniger originell benannte Grautöne. Farrow & Ball lassen sich von der Natur inspirieren. Toter Lachs ist ein dunkelrosa Braun. Mizzle, ein Graugrün, hat seinen Namen von einem umgangssprachlichen Begriff für die bekannte britische Wetterlage zwischen Nebel und Nieselregen. Ein beliebter Trick von Farrow & Ball ist es, ein einfaches Wort zu nehmen und es ins Französische zu übersetzen: Ein Braunton, der das Designteam an ein Paar Hosen erinnerte, wurde zu Pantalon, und ein knackiges Weiß heißt Chemise. Ein muffiges Blau ist De Nimes, nach der französischen Stadt, in der Denim erfunden wurde. Andere Namen sind pervertiert: Ein cremefarbener Farbton wird als geschwärzt bezeichnet. Die Fans von Farrow & Ball schwärmen für die beispiellose Farbtiefe und das Schillern der Farben je nach Lichtverhältnissen. Wem die Unterscheidungsfähigkeit abgeht, dem bleibt der außergewöhnliche Preis. Farrow & Ball Farben kosten ca. 110 Dollar die Gallone, fast doppelt so viel wie gewöhnliche Farbe … Es ist wie eine Designer-Handtasche für Ihr Haus (und genau wie manche Leute Prada-Kopien kaufen, gibt es Hausbesitzer, die mit einer Farbprobe von Farrow & Ball in den Baumarkt gehen, um die Farbe zu kopieren. Was an Farbtiefe verloren geht, wird an Dicke der Brieftasche gewonnen.) Als David Cameron in seinem Garten einen Schuppen bauen ließ, in dem er seine Memoiren schreiben wollte, ließ er ihn mit einem Farrow & Ball Farbton namens Mouse's Back streichen. Der Schuppen kostete dreißigtausend Dollar. Hätten Farben von Farrow & Ball im 18. Jahrhundert in Frankreich existiert, hätte Marie Antoinette das Petit Trianon damit verschönert."

Außerdem: Doreen St. Felix porträtiert den Fashion-Designer Virgil Abloh und seine Mode für Männer. Jia Tolentino stellt die Athleisure-Modemarke "Outdoor Voices" vor. Leo Robson denkt über einen alternativen Literaturkanon mit John Williams an der Spitze nach. Hua Hsu hört Songs von Helado Negro. Und Anthony Lane empfiehlt statt des neuesten Marvel-Films Yuri Norsteins 1979 entstandenen Trickfilm "Tale of Tales":


Stichwörter: Farrow & Ball, Wandfarbe

Magazinrundschau vom 05.03.2019 - New Yorker

Für die aktuelle Ausgabe des New Yorker begibt sich Helen Rosner in die Küche von Niki Nakayama in Los Angeles, wo die japanische Meisterköchin den Stil des Kaiseki zelebriert: "Kaiseki ist kein bestimmtes Gericht oder eine Technik, sondern ein Format, das oft ein Dutzend oder mehr kleine Gänge umfasst. Es ist mit den strengen Ritualen der japanischen Teezeremonie verwandt und integriert ästhetische Elemente aus japanischen Kunstformen wie Kalligrafie und Blumendekoration. In seiner Exaktheit und Zurücknahme sah Paul Bocuse einen Ansatz, der in vieler Hinsicht das Gegenteil der dekadenten französischen Haute Cuisine war. Als Bocuse die Nouvelle Cuisine entwickelte, die moderne Neuinterpretation der französischen Küche, die auf Saisonalität, Qualität der Zutaten und die Folge aufeinander abgestimmter Gänge setzte, stützte er sich auf die Prinzipien des Kaiseki … Es gibt keine futuristische kulinarische Chemie oder extravagante Tischdeko. Die Praktizierenden des Kaiseki sprechen davon fast als von einer Form des Dienstes, einer Unterordnung des Koches. Als ich Nakayama traf, erklärte sie, im Kaiseki seien 'die Zutaten wichtiger als der Koch. Alles daran ist wichtiger als du, und das musst du respektieren. Ein Teil davon ist wirklich stolz, ehrgeizig, und doch versucht er, sich zurückzuhalten.' … Im Zentrum des Kaiseki steht die Vorstellung vom Shun: der Moment, da eine Zutat, ein Stück Obst, ein Gemüse oder Fisch auf seinem Höhepunkt ist. Kaiseki-Köche teilen das Jahr nicht in Viertel, sondern in 72 Mikrosaisons. Der erste Gang der Mahlzeit, Sakizuke, ist wie ein Wegweiser auf einer Karte: Du bist hier. Als ich Mitte Januar bei Nakayama aß, bedeutete das die Vorführung subtropischer Wintersüße: gewürfelte Hokkaido-Muschel unter Orangengelee, daneben ein noch helleres Karottenpüree, aus dem Strahlen knusprig gebratener lila Karotte brachen, wie die Strahlen der südkalifornischen Sonne." Lecker!

Außerdem: Jane Mayer geht der Frage nach, ob Fox News Trumps Propagandakanal ist, ein Umstand, den Medienbeobachter nahelegen, die seit August 2018 mehr als zweihundert Fälle verzeichnen, in denen der Präsident Hinweise auf Fox News Artikel an seine 58 Millionen Twitter-Follower weiterreichte. David Remnick porträtiert den letzten Blues-Musiker Buddy Guy. Peter Schjeldahl erläutert den Spaßfaktor an Mirós Modernismus. Francisco Cantú liest ein Buch des Historikers Greg Grandin, "The End of the Myth: From the Frontier to the Border Wall in the Mind of America". Und Anthony Lane sah im Kino Sebastian Lelios "Gloria Bell" mit Julianne Moore.

Magazinrundschau vom 26.02.2019 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker überlegt Jill Lepore, ob Roboter uns wirklich die Jobs streitig machen: Die Angst, dass neue Technologien Arbeitsplätze vernichten, ist so alt wie die Angst vor Einwanderern, meint sie, die beide Ängste als die zwei Seiten einer Medaille betrachtet. Aber diesmal ist es anders, sagen Wissenschaftler wie Martin Ford in seinem Buch 'Rise of the Robots' von 2015. Ford gibt zu, dass alle früheren Paniken vor neuen Techniken unbegründet waren: am Ende standen immer mehr und besser bezahlte Jobs. "Das war damals. Der Grund dafür, dass die Dinge diesmal anders sein werden, so Ford, hat mit dem sich ändernden Tempo des Wandels zu tun. Der Übergang von der landwirtschaftlichen zur industriellen Wirtschaft verlief linear; die aktuelle Beschleunigung ist exponentiell. Das erste folgte dem Newtonschen Gesetz, das zweite folgte Moores. Die Beschäftigungsapokalypse wird, wenn sie kommt, so schnell geschehen, dass die Arbeitnehmer keine Zeit haben werden, sich durch die Verlagerung auf neue Beschäftigungssektoren anzupassen, und selbst wenn sie Zeit zur Anpassung hätten, gäbe es keine neuen Beschäftigungssektoren, in die sie gehen könnten, denn Roboter könnten fast alles tun. Es ist durchaus möglich, dass diese These richtig ist; es ist nicht möglich zu wissen, dass sie richtig ist."

Außerdem: Oliver Sacks fragt, wieviel Wirklichkeit ein dementer Patient verträgt. Peter Schjeldahl geht der rätselhaften Kunst von Jasper Johns auf den Grund. Lidija Haas liest die Autorin Rachel Ingalls vor. Adam Gopnik stellt uns Denis Diderot als Pornograf und Häftling vor. Und Anthony Lane sah im Kino Ty Roberts' Film "The Iron Orchard".

Magazinrundschau vom 12.02.2019 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker erklärt Jeffrey Toobin, was Trumps ehemaliger Spin-Doctor Robert Stone mit der von Sonderermittler Robert Mueller untersuchten Beeinflussung des amerikanischen Wahlkampfes 2016 zu tun hat: "Die Anklageschrift gegen Stone liest sich wie eine schwarze politische Komödie über ein seltsames Aktivisten-Paar, Stone und den rechten Schriftsteller Jerome Corsi, der sich ohne offizielle Verbindungen zur Trump-Kampagne auf eine transatlantische Suche nach Schmutz machte. Die Schrift erhebt keine Anklage gegen Stone wegen Hackings, aber beschuldigt ihn, das Komitee des Geheimdienstes über seine (und Corsis) Anstrengungen belogen zu haben, die gehackten E-Mails von WikiLeaks zu bekommen. Darüber hinaus wird Stone wegen des Versuchs angeklagt, Randy Credico, eine New Yorker Mediengestalt und ein zeitweiliger Freund Stones, dazu zu bewegen, die Arbeit des Komitees zu stören. Der Anklageschrift zufolge schickte Stone Credico bedrohliche E-Mails, darunter eine mit dem Satz 'Bereiten Sie sich auf den Tod vor', gefolgt von einem Schimpfwort, um zu verhindern, dass er sein Wissen preisgibt. Er drohte auch, Credicos Therapiehund, einen Coton de Tulear namens Bianca, zu entführen. Stone hat auf Muellers Anklage mit fiebriger Übertreibung reagiert. 'Wer meint, Muellers Ermittlungen seien bald abgeschlossen, täuscht sich', erklärte er Anfang Februar nach seiner Anklage vor dem Bundesgericht in Washington, DC. 'Das Ganze ist nur ein Vorwand, Trump und Pence zu entfernen und durch 'Leather Face' Nancy Pelosi zu ersetzen. Dann kann sie Hillary Clinton zum VP ernennen, das war von Anfang an der Plan.' Stone schwört, gegen die Anklagen anzugehen. 'Wir werden jedes Beweismittel bekämpfen, jeden Zeugen. Wir werden nichts zugeben.' Corsi wurde nicht angeklagt, aber im Dezember verklagte er seinerseits Mueller auf 350 Millionen Dollar, u. a. wegen illegaler Überwachungsmaßnahmen."

Außerdem: Adam Entous und Ronan Farrow decken Machenschaften eines privaten israelischen Geheimdienst-Organisation Psy-Group im Zusammenhang mit der Beeinflussung der amerikanischen Wahlen auf. Michael Schulman porträtiert die Dramatikerin Heidi Schreck, die die Trump-Ära auf die Bühne bringt. Joan Acocella untersucht Missbrauchsvorwürfe im New York City Ballet. Jill Lepore liest ein Buch über den amerikanischen Sozialisten und Gewerkschafter Eugene V. Debs. Alex Ross hört Barockmusik. Und Anthony Lane stellt den neuen Film von Asghar Farhadi vor, in dem Penelope Cruz und Javier Bardem ein Ex-Liebespaar spielen.

Magazinrundschau vom 05.02.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker lauscht Burkhard Bilger dem Avantgarde-Vokalensemble "Roomful of Teeth". Gegründet von Brad Wells erkundet die Gruppe seit 2009 grenzüberschreitende Gesangserfahrungen: "Eine Art Laborexperiment für die menschliche Stimme. Seine acht Sänger decken einen Bereich von fünf Oktaven ab, von grunzenden Tiefs bis zu Hundepfeifen. Drei haben eine perfekte Tonlage, alle haben ein klassisches Training, und Wells hat Experten hinzugezogen, um ihnen eine verwirrende Auswahl anderer Techniken beizubringen: alpines Jodeln, bulgarisches Schmettern, persisches Tahrir und Inuit und Tuvan Kehlkopfgesang. Da die Gruppe fast alle Stücke schreibt oder in Auftrag gibt, kann sie Vokaleffekte erzeugen, die die meisten Sänger niemals ausprobieren würden. Die erste Platte gewann 2013 den Grammy Award für Best Chamber Music/Small Ensemble Performance. Im selben Jahr gewann Caroline Shaw, eine der beiden Mezzosopranistinnen der Gruppe, als die jüngste Preisträgerin bisher den Pulitzer-Preis für ihr Stück 'Partita for 8 Voices' … Darwin glaubte, Musik und Sprache hätten sich zum Teil entwickelt, indem Menschen natürliche Klänge nachahmten. 'Roomful of Teeth', so könnte man sagen, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Die exotischen Techniken der Gruppe stützen sich nicht nur auf verschiedene Teile der Stimmanatomie, es sind Tonabzüge der Landschaften, in denen sie entwickelt wurden. In Sardinien existiert die Tradition des 'cantu a tenòre', bei der vier Männer Harmonien singen, die sich an den Stimmgeräuschen ihres Viehs orientieren: Die tiefste Stimme ist eine Kuh, die mittleren Stimmen sind ein Schaf und das Geräusch des Windes, und der Solist ist wie ein Hirte, der zu seiner Herde singt. Indem sie solche Klänge mit den widerhallenden Echos eines Schweizer Jodlers oder mit dem peitschenden Regen des koreanischen P'ansori kombiniert und sie mit Kenntnissen eines Komponisten bearbeiten, produziert die Gruppe Musik, die ursprünglich und anspruchsvoll, uralt und verblüffend modern ist. 'In der klassischen Stimmpädagogik gab es diese harten Grenzziehungen und Beschränkungen', sagt Wells. 'Die Meinung war: Alles andere ist eine minderwertige Verwendung der Stimme. Aber wenn Menschen diese Techniken so lange in verschiedenen Teilen der Welt eingesetzt haben, wie könnten sie sich dann irren? Ich liebe eine kehlige oder eine widerliche Stimme. Ich liebe Stimmen, wenn sie knacken. Ich liebe es, den Sand in der Stimme zu hören. Es geht einzig darum, die Grenzen des Schönen zu erweitern.'"

Hier was zum Reinhören:




Außerdem: Dan Chiasson stellt den Dichter Shane McCrae vor, der in seinen Gedichten Formen der Renaissance und das Gestammel von Donald Trump kombiniert. David Denby zeichnet ein liebevolles Porträt des Drehbuchautors Ben Hecht, dem Adina Hoffman gerade eine "superbe" Biografie gewidmet hat: "Ben Hecht: Fighting Words, Moving Pictures" (in the Yale Jewish Lives series). Und Anthony Lane sah im Kino Florian Henckel von Donnersmarcks Film "Werk ohne Autor".

Magazinrundschau vom 29.01.2019 - New Yorker

Für die aktuelle Ausgabe des New Yorker trifft Carolyn Kormann den jungen niederländischen Unternehmer Boyan Slat, der die Ozeane vom Plastikmüll befreien will: "Sommer 2016 brachte Slat den Prototyp Boomy McBoomface (ein Vorschlag von Social-Media-Fans) in die Nordsee. Innerhalb von zwei Monaten hatte der Ozean ihn zerrissen. Obwohl die Ingenieure davon überzeugt waren, dass die Verankerung am Meeresboden nicht funktionieren würde, zögerte Slat, sich von seiner Idee zu verabschieden … Der endgültige Entwurf hat keine Anker. Er besteht aus einem frei schwebenden Ausleger in Form eines Hufeisens, an dessen Unterseite eine Schürze befestigt ist. Die neue Idee ist, dass das Gerät, angetrieben von den Kräften des Windes und der Wellen wie ein Kehrmaschine wirken würde, die sich neu ausrichtet, wenn der Wind die Richtung ändert. Tests zeigen, dass die Kehrmaschine etwa fünfzehn Zentimeter pro Sekunde schneller sein würde als der Kunststoff und 2,2 Tonnen Müll pro Woche sammeln könnte. G.P.S. Tracker, Kameras und Sensoren, die alle hundert Meter entlang des Booms positioniert sind, teilen dem Team an Land den Fortschritt des Systems mit, erkennen vorbeifahrende Schiffe und die Tierwelt. Langjährige Kritiker der Ozeanreinigung wie Miriam Goldstein vom liberalen Thinktank am Center for American Progress haben wiederholt auf die Gefahr hingewiesen, das Ökosystem an der Meeresoberfläche zu schädigen, Quallen und Kleinlebewesen. Slat möchte die Kritik aufnehmen, da sie dazu beiträgt, das System zu optimieren, wie er sagt."

Hier mehr darüber, wie das System funktioniert:



Außerdem: Sheelah Kolhatkar berichtet, wie amerikanische Ärzte sich zu Informanten des Staates in Sachen Medicare-Betrug machen. Louis Menand erinnert an den Fall vor dem Supreme Court, der die Rassendiskriminierung zum Gesetz machte. James Wood liest Valeria Luisellis Roman "Lost Children Archive". Und Anthony Lane sah im Kino Steven Knights "Serenity".