Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

866 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 87

Magazinrundschau vom 12.08.2025 - New Yorker

Im New Yorker versucht David D. Kirkpatrick herauszufinden, ob und wie sehr Donald Trump persönlich von seiner Präsidentschaft profitiert. Nach einer erschöpfenden Recherche kommt er auf rund dreieinhalb Milliarden Dollar. Das es so schwierig ist, das herauszufinden, sagt einiges aus über den Zustand der Demokratie in den Vereinigten Staaten. "Während Trumps erster Amtszeit hatten er und seine Familie sich verpflichtet, keine neuen Geschäfte im Ausland zu tätigen. Das ist nun passé. Die Trumps profitieren derzeit allein im Persischen Golf von fünf großen Geschäften. ... Viele Zahlungen, die jetzt an Trump, seine Frau, seine Kinder und deren Ehepartner fließen, wären ohne seine Präsidentschaft undenkbar: eine Investition in Höhe von zwei Milliarden Dollar aus einem Fonds, der vom saudischen Kronprinzen kontrolliert wird; ein Luxusjet vom Emir von Katar; Gewinne aus mindestens fünf verschiedenen Unternehmungen, die mit Kryptowährungen handeln [mehr zu Trumps Profiten aus Krypto hier]; Gebühren von einem exklusiven Club, dem Kabinettsmitglieder angehören und der den Namen 'Executive Branch' trägt." Noch wichtiger als die Frage, wie sehr Trump von seiner Präsidentschaft finanziell profitiert, ist für Kirkpatrick die Frage, "was Käufer wirklich für ihr Geld bekommen. ... Der Geldhunger der Familie macht Fragen nach Interessenkonflikten umso dringlicher. Hat Trump stillschweigende Vereinbarungen mit Justin Sun oder C.Z. getroffen, oder mit den Medienunternehmen, die ihm hohe Abfindungen gezahlt haben, oder mit den Monarchen am Golf? Wird Katars Flugzeuggeschenk das Land vor einer weiteren Blockade schützen? Hat der Kauf von Stablecoins im Wert von zwei Milliarden Dollar durch die Vereinigten Arabischen Emirate ihnen Zugang zu sensibler amerikanischer Technologie verschafft? Haben Zahlungen von arabischen Monarchen Trump zu Luftangriffen gegen den Iran veranlasst? Quid pro quos sind äußerst schwer zu beweisen. Aber Wertheimer, führender Befürworter einer Reform der Regierungsethik, sagte über Trump: 'Die Art und Weise, wie er jeden nur denkbaren Weg verfolgt, um an Geld zu kommen, vermittelt denjenigen, die dieses Geld bereitstellen, das klare Gefühl, dass sie dafür eine Gegenleistung erhalten werden. Fast jeder, der sieht, was vor sich geht, muss davon ausgehen, dass dieses Geld die Gunst des Präsidenten erkauft.'"

Weiteres: Louis Menand liest James Baldwin und Nicholas Boggs' neue Baldwin-Biografie. Dhruv Khullar beschreibt die Krankheit Progeria, die Teenager in Achzigjährige verwandelt. Amanda Petrusich porträtiert Mac DeMarco, den "letzten Indie-Rockstar". Richard Brody sah im Kino Horrorfilme von Zach Cregger und Athina Rachel Tsangaris. Lesen dürfen wir außerdem eine Erzählung von Annie Proulx, "The Corn Woman, Her Husband, and Their Child".
Stichwörter: Trump, Donald, Korruption, Katar

Magazinrundschau vom 19.08.2025 - New Yorker

Das größte Problem mit Trumps Justizministerin Pam Bondi ist ihre absolute Hörigkeit, konstatiert Ruth Marcus: "Auch andere Justizminister haben enge - manchmal beunruhigend enge - Beziehungen zu den Präsidenten gepflegt, die sie ernannt haben. Robert F. Kennedy war mit 35 der bescheiden qualifizierte Attorney General und Berater seines Bruders. Eric Holder hat sich einmal als Barack Obamas 'Wingman' bezeichnet und den Präsidenten als 'mein Junge'. Aber, selbst in einem Team voller Trump-Höflinge, sticht Bondi durch ihre anhimmelnde Bewunderung hervor. In einer frühen Kabinettssitzung, die vor allem dazu diente, die Regierung zu preisen, drehte sich Bondi zu Trump und sagte: 'Präsident, ihre hundert ersten Tage haben die jeder anderen Präsidentschaft jemals weit übertroffen, jemals, jemals.' Sie fuhr fort mit der fantasiereichen Behauptung, die Beschlagnahmung von 22 Millionen Fentanylpillen in diesem Zeitraum 'rettete - seid ihr bereit dafür, Medien? - 258 Millionen Leben.' (Die gesamte US-Bevölkerung umfasst weniger als 350 Millionen Menschen, die Nummer an Fentanyltoten jedes Jahr ist weniger als 74 000. Bondies Folgsamkeit für den Präsidenten umfasst auch so unwichtige Dinge wie das Ende der Papierstrohhalm-Käufe im Department. Eine Exekutivverordnung Trumps erkannte, dass Papierstrohhalme 'nichtfunktional, teurer und potentiell gefährlich' seien, schrieb sie im März an die Belegschaft. 'Das Department steht an der Seite des Präsidenten, diese fehlgeleiteten Bestrebungen zurückzuweisen.'" Marcus fürchtet, was da noch kommen mag: "Es stellt sich die beunruhigende Frage, was passiert, wenn wieder ein Demokrat zum Präsidenten gewählt wird. Folgt eine Säuberungsaktion auf die nächste? Wenn das Justizsystem einmal gegen den politischen Gegner eingesetzt wird, kann der Kreislauf dann noch gebrochen werden?"

Magazinrundschau vom 05.08.2025 - New Yorker

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In Scott Andersons Buch "King of Kings" erfährt Daniel Immerwahr, von wie vielen Zufällen die iranische Revolution abhing und wie viele Unsicherheiten sich dabei auftaten: "Millionen von Iranern hatten, zu ihrer eigenen Überraschung, dafür gesorgt, dass das mächtigste Regime der Region einfach dahinschmolz. 'Glaubt ihr, wir hätten tatsächlich geplant, eine Revolution zu starten?', fragte einer von Khomeinis Vertrauten. 'Wir waren genauso überrascht wie alle anderen auch.' 'Tod dem Schah' war der Ruf der Revolution, aber er besagte nicht, was als nächstes geschehen sollte. Der Post-Schah-Staat war ein Mischmasch aus Krawatten und Turbanen, mit Bazargan als Premierminister und Khomeini irgendwo darüber schwebend. 'Man weiß oft nicht einmal, wer den Verkehr dirigiert', beschwerte sich Bazargan. Khomeini hat diese Unsicherheit ausgenutzt. Er hat sich bewegt wie 'ein Bulldozer, der alle Steine und Wurzel in seinem Weg niedermäht', so Bazargan. (…) Als er sicher im Sattel saß, hat sich Khomeini gegen seine früheren Verbündeten gewendet, insbesondere gegen die links von ihm. Sie waren keine 'wirklichen Linken', wie er betonte, sondern 'künstliche', die von Washington eingesetzt worden waren 'um uns zu sabotieren und zu zerstören'. In einer Reihe von Exekutionen hat Khomeinis Regierung 1988 tausende politische Gefangene getötet - Human Rights Watch spricht von 'zwischen 2800 und 5000', was vermutlich deutlich mehr sind als je in den vierzig Jahren der Schah-Herrschaft. Die Gefängnisse und Folterkammern wurden mit Kommunisten, Liberalen, Feministinnen, Homosexuellen, Baha'i und Monarchisten gefüllt. Man müsste meinen, dass solche Grausamkeiten die Islamische Republik destabilisiert hätten. Doch das ist nicht der Fall. Seit 1979 wurde der Iran von nur zwei Männern regiert: Ruhollah Khomeini und, seit seinem Tod 1989, von seinem früheren Gefolgsmann Ali Khamenei. Heute rangiert Khamenei unter den ältesten und am längsten regierenden Staatsoberhäuptern. Er ist der oberste Führer, die Generation Taylor Swifts kennt nur ihn."

Möchten Sie gern ewig leben? In Amerika poppen immer mehr Longevity Kliniken aus dem Boden, die ihrer superreichen Klientel ein deutlich längeres Leben versprechen. Ihre Zahl ist von ein paar hundert 2013 auf 3000 2025 gestiegen, erzählt Tad Friend. Es sind - Überraschung! - vor allem Männer, die darauf anspringen: "Bryan Johnson, der Gründer der Zahlungsplattform Braintree, einst reich, mollig und depressiv, ist heute, mit 47 Jahren, reich, durchtrainiert und entschlossen, ewig zu leben. Er gibt dafür jährlich eine Viertelmillion Dollar aus. Zu seinem Programm gehören eine Kalorienbeschränkung auf 1.977 Kalorien pro Tag, eine hochfrequente Stimulation seines Bauches, um die Wirkung von 20.000 Sit-ups zu simulieren, und die Stimulation seines Penis mit Stoßwellen aus zweifellos guten Gründen. Johnson leitet eine Bewegung namens 'Don't Die', deren Anhänger hoffen, dass auch sie ihren Körper und Geist neu programmieren können. Er veröffentlicht seine Biomarker online, von seinem Body-Mass-Index bis hin zur Gesamtdauer seiner nächtlichen Erektionen (drei Stunden und sechsunddreißig Minuten bei einem kürzlichen Klimakterium). Seine Gewohnheit, von seinen Mitarbeitern die Unterzeichnung von Vertraulichkeitsvereinbarungen zu verlangen und dann fast nackt unter ihnen herumzulaufen, hat ebenso wie seine Penis-Messwerte einige negative Kommentare hervorgerufen. Aber Johnson sagte mir, dass dies eine großartige Möglichkeit sei, die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen. 'Wenn man jemandem sagt, er solle rechtzeitig ins Bett gehen, reagiert er mit Na und?', sagte er. 'Wenn man ihm sagt, dass schlechter Schlaf seine Erektionen ruiniert - dass er ohne nächtliche Erektionen eine um 70 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit hat, vorzeitig zu sterben -, ist das wirklich wirksam. Niemand möchte seine nächtlichen Erektionen verlieren. Das ist ein Männerding.'"

Magazinrundschau vom 29.07.2025 - New Yorker

Adam Gopnik liest die Renaissance-Experten Bernd Roeck mit "Der Morgen der Welt" und Ada Palmer mit "Inventing the Renaissance" und zieht Parallelen zu heute. Die Renaissance hat etwas zutiefst Modernes, lernt er: "Filippo Brunelleschi wusste, wie man Gebäude denken und Gebäude bauen konnte. Galileo hat ebenso viel Zeit mit dem Schleifen von Linsen verbracht wie mit der Theoretisierung von Planetenbewegungen. Diese Aufgaben waren notwendigerweise gemeinschaftliche - man braucht eine Gilde, um ein Teleskop zu bauen - und haben dabei geholfen, horizontale Sozialstrukturen zu schaffen, die egalitäre, sogar demokratische Gewohnheit geformt haben, die wiederum geholfen haben, die Welt neu zu formen. Was den 'Renaissancemenschen' auszeichnet, ist nicht die Vielfältigkeit von Aufgaben, sondern vielmehr eine so intensive Bestimmung, dass die Begeisterung für alle Facetten einer einzigen Aktivität reicht. (…) Obwohl demokratische Staaten noch in ferner Zukunft lagen, keimten demokratische Gepflogenheiten in den Gilden, Fakultäten und sogar Klöstern auf. Die Renaissanceleute waren keine bewussten Egalitaristen, aber sie waren an offene Wettbewerbe und Konkurrenz gewohnt, eines der Markenzeichen der Moderne. (..) Neue Perspektiven kommen von alten Dingen, die neu gesehen werden. Wenn die Aufklärung es darauf abgesehen hat, die Welt so zu sehen wie sie ist, hat die Renaissance die Welt, wie sie war, und die Welt, wie sie werden würde, ausbalanciert. Dieses doppelte Bewusstsein gibt den Gemälden, und der Zeit, ihre Anmut. Botticellis Figuren haben die 'Wehmütigkeit der Exilanten', um mit Walter Pater zu sprechen. Ihre Melancholie entsprang der Unsicherheit einer Zeit voller Wandel. Dieser Spirit, zu unserer ursprünglichen Melodie zurückzukehren, war ähnlich dem Spirit der disruptiven Rockmusik der 1960er, die sich wiederum nach einem verlorenen England oder einem verschwindenden Amerika voll Zügen und Outlaws sehnten. Renaissance-Malerie nimmt einen ähnlichen Raum zwischen dem Magischen und dem Materiellen ein, oder, wenn man so will, zwischen dem Mittelalterlichen und dem Modernen - den gleichen Raum, den Shakespeare einnimmt, der ihn zum letzten Renaissancemeister macht. Es ist dieses doppelte Bewusstsein, das uns heute noch so hellsichtig scheint. Sie wussten, dass nichts unter ihren Füßen fest war, selbst als sich die Sterne über ihren Köpfen neu bewegten."

Weitere Artikel: David Remnick zeichnet ein Stimmungsbild der Israelis. Rebecca Mead besucht den Astronom des Papstes. Und Anne Enright steuert die Erzählung "The Bridge stood fast" bei.
Stichwörter: Renaissance, Renaissancekunst

Magazinrundschau vom 22.07.2025 - New Yorker

Antonia Hitchens stellt uns im New Yorker den Handelsminister Howard Lutnick vor, der vor diesem Posten Leiter des Finanzunternehmens Cantor Fitzgerald war. Wie Trump hält auch er Zölle für eine absolut geniale Idee, und wie Trump nutzt er sein Amt, um sich zu bereichern: "Es kümmert Lutnick nicht, dass die Barriere zwischen Finanzen und Politik brüchig wirkt und einige Gesetzgeber behauptet haben, dass er von seiner Position finanziell profitieren würde. Nachdem er vom Senat in sein Amt eingesetzt worden war, wurden seine älteren Söhne Brandon und Kyle, die in ihren späten Zwanzigern sind, zum Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden von Cantor ernannt (Kyle ist eigentlich DJ). Letztes Jahr hat Cantor fünf Prozent der Anteile von Tether erworben, eine Kryptofirma, die mit Geldwäsche, Terrorismus und internationalem Betrug in Verbindung gebracht wird. (Tether ist allerdings nicht angeklagt worden). Cantor managt auch eine substantielle Menge von Tethers Vermögenswerten, wofür die Firma Millionen Dollar in Gebühren bezieht. Seit Trumps Wahl ist der Marktwert von Tether auf mehr als 160 Milliarden Dollar gestiegen. Dem Wall Street Journal zufolge hat Giancarlo Devasini, Tether's Vorsitzender, Mitarbeitern erzählt, dass Lutnick seine 'politische Aufmerksamkeit nutzen würde, um Gefahren von Tether abzuwehren.' (Ein Sprecher von Lutnick hat dies verneint.) Angeblich hat Lutnick einen Lobbyisten zu Übergangsmeetings mitgebracht, der sowohl für Tether als auch für Cantor arbeitet, nun arbeitet er für eine von Trumps Krypto-Beratergruppen, die entscheidet, wie Firmen wie Tether reguliert werden. 'Es bereitet ihm physische Schmerzen, eine Business-Möglichkeit zu verpassen', erzählte mir einer seiner alten Freunde."

Außerdem: Rachel Aviv berichtet über neue Erkenntnisse zur Schizophrenie. Keith Gessen fragt mit Tim Weiner: Was wird aus der CIA unter Trump. Margot Talbot liest eine Geschichte der Bärte-Kultur in Amerika. Amanda Petrusich hört Musik von Mk.gee. Justin Chang sah im Kino Ari Asters Horror-Western "Eddington", mit Joaquin Phoenix, Emma Stone und Pedro Pascal. Lesen dürfen wir noch Mona Awads Erzählung "The Chartreuse".

Magazinrundschau vom 01.07.2025 - New Yorker

New-Yorker-Mitarbeiter Hua Hsu ist gleichzeitig Englischprofessor am Bard College. In einem Essay überlegt er, was es bedeutet, in Zeiten von Künstlicher Intelligenz zu lehren und welchen Wert höhere Bildung noch hat, wenn es nur darum geht, mit wenig Aufwand Bestnoten zu erzielen, ohne selbst etwas dabei zu lernen. Eine Lösung hat er auch nicht: "Studenten dieser Tage betrachten das College wie Konsumenten, auf Arten und Weisen, die mir in ihrem Alter nie eingefallen wären. Sie sind in einer Zeit aufgewachsen, in der die Gesellschaft schnelle Meinungen wertschätzt, nicht langsames, kritisches Denken. (…) Bildung, insbesondere in den Geisteswissenschaften, verlässt sich auf die Annahme, dass neben den praktischen Dingen, die Studenten behalten, auch manche arkane Idee, die im Vorbeigehen geäußert wird, sich in ihren Hirnen festsetzt und irgendwann blühen kann. AI sorgt dafür, dass wir uns alle wie Experten fühlen können, aber es sind Risiko, Zweifel, Scheitern, die uns menschlich machen. Ich sage meinen Studenten oft, dass dies das letzte Mal in ihrem Leben ist, dass jemand lesen muss, was sie geschrieben haben, sie mir also auch einfach sagen können, was sie wirklich denken. Trotz des momentanen Aufruhrs um schummelnde Studenten sind sie nicht diejenigen, denen man die Schuld zuschieben sollte. Sie haben nicht dafür gekämpft, dass Laptops eingeführt werden, als sie in der Grundschule waren, und es ist nicht ihre Schuld, dass sie während der Pandemie Unterricht über Zoom hatten. Sie haben die AI-Tools nicht kreiert und waren auch nicht an vorderster Front, als es darum ging, technologische Innovationen zu hypen. Sie waren nur die early adopters, die versuchen, das System zu überlisten, in einer Zeit, in der das so einfach ist wie nie zuvor. Und sie haben nicht mehr Kontrolle darüber als der Rest von uns."

Im übrigen ist dies die Fiction-Ausgabe: Zadie Smith, Jhumpa Lahiri und Ottessa Moshfegh haben jeweils eine Erzählung beigesteuert (hier, hier und hier) und außerdem einen Text über das Buch, das sie zu ihrer Erzählung inspiriert hat (hier, hier und hier). Thomas Mellon erzählt, was New-Yorker-Autoren für die erste Ausgabe des Magazins 1925 gelesen haben. Anthony Lane schreibt über den Stil Elmore Leonards. Molly Fisher liest ein Buch von Matt Richtel, das fragt, ob Handys wirklich das Leben der Teenager ruinieren. Und Daniel Alarcón stellt die populäre sechsjährige Comicfigur Mafalda vor, die der argentinische Zeichner Quino in den Sechzigern schuf.

Magazinrundschau vom 24.06.2025 - New Yorker

Elizabeth Kolbert tauscht sich für den New Yorker mit verschiedenen Experten darüber aus, wie wir die stetig wachsende Bevölkerungszahl umweltfreundlicher ernähren könnten - und woran es momentan scheitert. Im Labor Kultiviertes hat schon mal nicht den gewünschten Erfolg gebracht, erklären die Bücher "We Are Eating the Earth: The Race to Fix Our Food System and Save Our Climate" von Michael Grunwald und "How to Feed the World: The History and Future of Food" von Vaclav Smil. Letzterer argumentiert, "die Welt könnte deutlich besser mit dem Ernährungsbedarf Schritt halten, wenn wir besser mit den Vorräten haushalten. Ein Report, der von der Food and Agriculture Organization der United Nations in Auftrag gegeben wurde, schätzt, dass global etwa 40 Prozent Obst und Gemüse, 30 Prozent Getreide und 20 Prozent Fleisch und Milchprodukte nicht gegessen werden. Das Problem ist am schlimmsten in wohlhabenden Ländern wie den USA, wo mehr als 200 Pfund Lebensmittel pro Jahr und Person weggeschmissen werden. 'Selbst geringe Reduzierungen von Lebensmittelverschwendung würden kumulativ große Einsparungen bedeuten', hat Smil beobachtet. Dann gibt es da noch Verschwendung, die aus unbedachten Gewohnheiten resultiert. Fotosynthese hat energietechnisch schon eine niedrige Konversionsrate, die Ernten an Tiere zu verfüttern, verstärkt das Problem um ein Vielfaches. Smil zufolge verstoffwechselt Mais circa 0,7 Prozent der Sonnenenergie, die auf ihn trifft, wenn er als Kuhfutter benutzt wird, im Steak sind nur noch ungefähr 0,002 Prozent der ursprünglichen Energie enthalten. Schweine und Hühner sind besser darin, Getreide zu Fleisch werden zu lassen. Trotzdem kostet es ein Vielfaches der Ressourcen, ein Pfund Schwein oder Hühnchen zu produzieren als dieselbe Menge Maisbrei. Fleischkonsum zu reduzieren, wäre, wie Smil argumentiert, 'sowohl rational als auch höchst wünschenswert.'" Allerdings ist auch ein erhöhter Anbau von pflanzlichen Nahrungsmitteln nicht ganz risikofrei, wie Bestrebungen mit manipuliertem Getreide zeigen: "Erhöhter Wasserbedarf, Pestizide und Düngernutzung führen derweil zu einer Menge Umweltprobleme. In Indien beispielsweise hat die Regierung Bauern dazu ermutigt, ihre durstigen Pflanzen zu bewässern, indem sie Bohrungen in unterirdischen Grundwasserleitern vornehmen. Um die dreißig Millionen Rohrbrunnen wurden verlegt. Jetzt, nach mehreren Dekaden Pumpen, sind viele der Brunnen trocken. Einem kürzlich bei Deccan Herald erschienenen Bericht zufolge, 'ist Indien mit der schlimmsten Grundwasserkrise seiner Geschichte beschäftigt.'" Übrigens gibt es auch Prognosen, dass die Weltbevölkerung schrumpft, was auch wieder doof ist, unser Resümee.

Weitere Artikel: Joshua Yaffa erzählt, wie Donald Trump die Natomitgliedsstaaten dazu brachte, ihre Verteidigungsbudgets anzuheben. Jia Tolentino liest nach, ob junge Menschen genug Sex haben. Amanda Petrusich hört die neue Platte von Haim. Alex Ross hört Bach. Und Justin Chang sah im Kino Joseph Kosinkis Brad-Pitt-Vehikel "F1". Lesen dürfen wir außerdem Han Ongs Erzählung "Happy Days".

Magazinrundschau vom 17.06.2025 - New Yorker

Für den New Yorker analysiert Benjamin Wallace-Wells, was in Donald Trumps und Elon Musks Department of Government Efficiency (DOGE) in den letzten Monaten angerichtet hat. Ein Beispiel ist die quasi ruinierte U.S.A.I.D., die US-Behörde für Entwicklungshilfe: "Vor DOGE hatte U.S.A.I.D. eine führende Rolle beim Sammeln von Gesundheitsdaten über Kinder- und Müttersterblichkeit, Krankheitsfälle, Unterernährung und den Zugang zu sauberem Wasser in ärmeren Ländern gespielt. Nun war die Möglichkeit, diese Informationen zu sammeln - 'das Frühwarnsystem für die nächste Pandemie', wie der ehemalige U.S.A.I.D.-Leiter Andrew Natsios es ausdrückte - nicht mehr gegeben. Ein Netzwerk von Hilfsorganisationen hatte eine globale Lieferkette für Medikamente, antiretrovirale Mittel und Impfstoffe aufgebaut. Es ist nun unklar, was mit den Verträgen für dieses System geschieht, die einige Milliarden Dollar pro Jahr kosten und von U.S.A.I.D. bezahlt werden. 'Es gibt keine Möglichkeit, diese Dinge ohne große Vertragspartner zu tun, da es sich um weltweite Verträge handelt', sagte Natsios. 'Keine N.G.O. kann diese Lücke füllen.' Die Beamten der DOGE sahen sich mit einer einfachen Haushaltswahrheit konfrontiert: Die radikale Kürzung der D.E.I.- und humanitären Programme sparte nicht viel Geld. Die Ausgaben von U.S.A.I.D. beliefen sich im letzten Haushaltsjahr auf rund vierzig Milliarden Dollar, weniger als ein Prozent des gesamten Bundeshaushalts. Natsios betonte jedoch, dass die USA infolge der Kürzungen mit einer schwierigeren Welt konfrontiert sein würden. In den nächsten zwei Jahren rechne er mit einer verstärkten Massenmigration und Instabilität aufgrund von Hungersnöten. Er sei ein bekennender Anti-Trump-Republikaner, sagte er. 'Aber die Verantwortung hierfür liegt bei Musk', sagte er. 'Er ist derjenige, der mit Mord davonkommt.'"

Weitere Artikel: Daniel Immerwahr denkt über die Absurdität von Trumps Faszination für den 25. US-Präsidenten William McKinley (1843-1901) nach. Was nur wurde aus den Frauen der #MeToo-Bewegung, fragt Alexis Okeowo in einem Brief aus Alabama. Siddhartha Mukherjee beschreibt die Schwierigkeiten der Früherkennung von Krebs. Amanda Petrusich hört Addison Rae. Lesen dürfen wir noch Yiyun Lis Erzählung "Any Human Heart".
Stichwörter: Musk, Elon, Trump, Donald, Doge, Metoo

Magazinrundschau vom 27.05.2025 - New Yorker

Evan Osnos beschäftigt sich mit der Kultur der Korruption, die Donald Trump derzeit in Washington installiert. Gleichzeitig ändert sich in der Gesellschaft der Blick auf individuellen Reichtum: "Vor zwei Jahrzehnten begann Jeffrey Winters, Professor für Politikwissenschaft an der Northwestern University, einen Kurs mit dem Titel 'Oligarchen und Eliten' zu unterrichten. Seine damaligen Studenten hielten das für ein exotisches Thema. Einer protestierte: 'In Russland gibt es Oligarchen. In Amerika gibt es reiche Leute.' Doch im Laufe der Jahre bemerkte Winters einen Wandel bei seinen Studenten, der sich durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von 2010, die Begrenzung von politischen Spenden aufzuheben, noch beschleunigte. 'Die eigentliche Herausforderung bestand schließlich darin, sie davon zu überzeugen, dass die Vereinigten Staaten überhaupt noch eine Demokratie sind', sagte Winters. 'Sie argumentierten, dass Oligarchen alles dominieren, was zählt.' Viele Amerikaner hegen heute zwei scheinbar gegensätzliche Gefühle gegenüber den Superreichen: Groll und Bewunderung. In einer Harris-Umfrage von 2024 sagten 59 Prozent der Befragten, dass Milliardäre die Gesellschaft ungerechter machten - und fast genauso viele gaben an, selbst Milliardäre werden zu wollen. Es wächst das Gefühl, dass nur diejenigen, die zum Club gehören, wirklich erfolgreich sein können. Neue Anlageinstrumente ermöglichen es Menschen, die Portfolios von Kongressmitgliedern zu kopieren - in der Annahme, dass Gesetzgeber einen Wissensvorsprung haben, den der Rest von uns nicht hat. Der Rapper Kendrick Lamar sicherte sich seinen Status als Ikone des Liberalismus, indem er in der Halbzeitshow des Super Bowls gegen die Ungerechtigkeit des Lebens in Amerika protestierte. Gleichzeitig veröffentlichte er eine Hymne auf 'mehr Geld, mehr Macht, mehr Freiheit', deren Refrain lautet: 'Ich verdiene alles.'"

Weitere Artikel: Rivka Galchen stellt neue Schmerzmittel vor, die nicht abhängig machen sollen. Michael Schulman porträtiert die inzwischen 70-jährige Theaterdiva Patti LuPone. Louis Menand liest eine neue Biografie des amerikanischen Konservativen William F. Buckley jr.. Justin Chang sieht im Kino die jüngste Folge von "Mission Impossible". Lesen dürfen wir außerdem Louise Erdrichs Story "Love of My Days".
Stichwörter: Korruption, Trump, Donald

Magazinrundschau vom 20.05.2025 - New Yorker

Nicolas Niarchos erzählt in einer niederschmetternden, aber unbedingt lesenswerten Reportage von der Flucht von Wanis, Intisar und ihren sieben Kindern aus Khartoum zu ihren Verwandten in die Nuba-Berge, immer auf der Flucht vor dem Krieg und den Rebellen des R.S.F.. Verzweifelt ist schon kein Ausdruck mehr, um die Lage im Sudan zu beschreiben: "Im derzeitigen Bürgerkrieg im Sudan - dem dritten seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien und Ägypten im Jahr 1956 - schwanken die Schätzungen der Opferzahlen zwischen sechzigtausend und hundertfünfzigtausend. Das Land verfügt jedoch nur über wenige Ressourcen, um die Toten zu zählen, so dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer möglicherweise nie bekannt wird. Seit 2024 herrscht im Sudan außerdem eine Hungersnot, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass die Kämpfe die Verbreitung humanitärer Hilfe behindert haben. Neben der R.S.F. kämpfen mindestens sechzehn Milizen um die Macht. Die R.S.F. hat das Chaos ausgenutzt, um Gold, das im Sudan in großem Umfang abgebaut wird, aus dem Land zu bringen, und ist damit die bei weitem reichste Miliz. (In dem Maße, wie sich die Lage im Sudan verschlechtert hat, ist der Weltmarktpreis für Gold in die Höhe geschossen und hat vor kurzem ein Allzeithoch erreicht.) Hemedti, der R.S.F.-Warlord, ist ein arabischer Sudanese, der als Mohamed Hamdan Dagalo als Sohn eines Kamelzüchters geboren wurde, der zwischen Darfur und dem Tschad, dem westlichen Nachbarland des Sudan, pendelte. In seinen Fünfzigern wurde Hemedti zum Milliardär, vor allem dank des Schwarzmarkthandels mit Gold durch die RSF. Er unterhält enge Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, die ein bevorzugtes Ziel für das Edelmetall sind. ... Die arabische Vorherrschaft ist eine der Leitideen der RSF, und nichtarabische Sudanesen werden zunehmend zur Zielscheibe rassistisch motivierter Gewalt. Laut Tom Perriello, dem Sondergesandten für den Sudan während der Biden-Administration, hat die R.S.F. in einigen Teilen des Landes sogar nichtarabische Zivilisten vergiftet, indem sie angeblich Mehlsäcke mit Dünger versetzte. (Die Trump-Administration hat noch keinen neuen Gesandten ernannt.)"

Clare Malone fragt sich, womit Jeff Bezos die Washington Post wohl am meisten beschädigt hat, nachdem er die Zeitung 2013 gekauft hatte. Während er sich anfangs als Freund der Tradition des Blattes gerierte, zeigt sich immer mehr, dass ihn die Integrität der Zeitung kaum interessiert, wichtiger ist das Geld: "Jahrelang schienen Bezos' Ideen für die Post auf seiner Erfahrung mit Amazon zu basieren. 'Er meinte, 'Ich hätte lieber zweihundert Millionen Abonnenten, die zehn Dollar im Jahr zahlen als eine geringere Anzahl, die einen höheren Preis zahlt'', berichtet mir ein früherer Redakteur. 'Einfach die Zahlen in die Höhe treiben. Das war immer seine Auffassung eines wirklich erfolgreichen digitalen Nachrichtenunternehmens. Aber in einer Zeit, wo Mainstream-Medien oft nicht getraut wird, ist die Menge an Leuten, die für Qualitätsjournalismus in Amerika zahlen wollen, empfindlich geringer als die jener, die zweilagiges Toilettenpapier bestellen wollen, das am nächsten Tag ankommt.'" Insbesondere die Meinungsseiten der Zeitung stehen jetzt unter Beschuss: "Als Bezos begann, über Veränderungen der Meinungsseiten nachzudenken, hat er die Sache mit Barry Diller besprochen, dem Medienmogul, der neben Rupert Murdoch an der Gründung der Fox Broadcasting Company beteiligt war. (…) Der neue Fokus, so Diller, reflektiert Meinungen, die Bezos seit Langem hat. Aber es gibt auch Risiken, gibt Diller zu. Bezos' Motivation könnte falsch interpretiert werden als Versuch, 'eine unparteiische Beziehung zu der neuen und möglicherweise gefährlichen Regierung' zu halten. Das, unglücklicherweise oder nicht für Bezos, scheint zu passieren. 'Ich habe ihn kennengelernt und ich glaube, er versucht einen guten Job zu machen,' so Trump im März über Bezos. 'Jeff Bezos versucht einen guten Job mit der Washington Post zu machen, und das ist vorher nicht passiert.'"

Weitere Artikel: Früher misstrauten Linke den Experten, heute sind es Rechte: Daniel Immerwahr überlegt, wie es dazu kam. Adam Gopnik liest die Memoiren von Barry Diller. Hua Hsu hört und sieht ein experimentelles musikalisches Biopic über die amerikanische Indieband Pavement. Alex Ross sieht zwei Strauss-Produktionen in New York. Lesen dürfen wir außerdem Patricia Lockwoods Story "Fairy Pools".