
In einigen US-amerikanischen Bundesstaaten, unter anderem in Ohio, gibt es kostenintensive
Bildungsgutscheine, die zunächst einmal dafür sorgen sollen, dass auch Kinder aus einkommensschwachen Familien die Chance haben, auf eine Privatschule zu gehen. Alec MacGillis
erklärt, dass dadurch Schlupflöcher entstehen, die vor allem von
konservativ-religiösen Privatschulen genutzt werden und öffentlichen Schulen schaden: Das Geld, das die Eltern von der Regierung erhalten, wandert direkt in die Kassen religiöser Organisationen: "Eine Initiative, die über Jahre hinweg als Bürgerrechtsbewegung beworben wurde - armen Kindern in schwierigen Schulverhältnissen zu helfen - droht, eine
nationale Profitmasche zu werden. Viele Privatschulen erhöhen das Schulgeld, um von der Förderung zu profitieren, und neue Schulen werden gegründet, um sich daran zu bereichern. (…) Staaten, die die Familien mit Mitteln zu Homeschooling und Bildung versorgen, sehen sich mit Berichten konfrontiert, dass das Geld so ungewöhnliche Käufe wie Kayaks, Videospielkonsolen und Reitstunden finanziert." Ganz besonders profitiert das
Center for Christian Virtue, die laut MacGillis auch kräftig bei den jüngsten Gesetzgebungen zugunsten eines größeren Budgets für die Bildungsgutscheine mitgemischt haben: Es ist, nachdem das Budget verabschiedet wurde, "stärker denn je. Die Organisation hat ein Netzwerk von dutzenden Schulen aufgebaut, die dem Center fünf Dollar pro eingeschriebenem Schüler zahlen, bis zu 3000 Dollar pro Schule, um
Lobbyarbeit in ihrem Sinne zu betreiben. Essentiell können die religiösen Schulen nun einiges vom Steuergeld, das sie beziehen, nutzen, um für weitere Förderung zu werben. Zwischen 2020 und 2022 haben sich die Einnahmen des Centers mehr als verdreifacht, auf 4,2 Millionen Dollar."
Warum war die afroamerikanische
Autorin Zora Neale Hurston so besessen von Juden,
fragt sich Louis Menand. Sie versuchte sogar, eine Geschichte der Juden zu schreiben - "was im Grunde bedeutet hätte, die Bibel neu zu schreiben", so Menand: Das ganz eigene an ihrer Geschichtsversion, die sich in ihrem Entwurf für das Buch formuliert: Für sie sind die Juden quasi die ersten Amerikaner, denn sie sieht sie als die ersten, die universale Werte formuliert hätten. "Zwei Dinge fallen bei 'Just Like Us' auf. Erstens bezieht sie sich kaum auf Ethnie oder Geschlecht. Hurston sagt nicht, dass sie sich als schwarzer Mensch, der unter Stereotypen und Diskriminierung gelitten hat, mit den Juden identifiziert, und sie sagt nicht, dass sie sie als Frau, die in einer patriarchalischen Gesellschaft untergeordnet wurde, versteht. Sie sagt, dass sie sich mit den Juden
als Amerikanerin identifiziert. Das 'wir' in ihrem Titel sind die
Amerikaner. Das zweite, was auffällt, ist der
persönliche Charakter des Dokuments. Die forsche, selbstbestimmende, selbständige Figur, die Hurston als Prototyp des Juden beschwört, ist Hurston selbst, eine Frau, die sich nicht von anderen vorschreiben lässt, wie sie zu leben hat. Was dieses Persönlichkeitsmerkmal für zeitgenössische Leser von Hurston kompliziert gemacht hat, ist, dass sie nicht meinte, dass die Weißen ihr nicht vorschreiben könnten, wie sie zu leben habe. Weiße Menschen waren nicht ihr Problem... Die Menschen,
deren Führung sie sich widersetzte, waren die Freunde der Schwarzen,
die Liberalen. Ihre Rabbiner waren die Ethnienführer der N.A.A.C.P. Hurston war der Meinung, dass die Liberalen des Nordens den Schwarzen eine Rolle zuwiesen, und sie weigerte sich, diese zu spielen. 'Ich gehöre nicht zu den schluchzenden Negern, die glauben, dass die Natur ihnen irgendwie ein schmutziges Schicksal beschert hat, und deren Gefühle deswegen verletzt sind', schrieb sie
1928, ein Satz, den sie ihr Leben lang wiederholte. Briefe an weiße Freunde unterzeichnete sie manchmal mit 'Your pickaninny'. Sie sah keinen Grund, sich über die Sklaverei zu beschweren. 'Sklaverei', sagte sie, 'ist der Preis, den ich für die Zivilisation bezahlt habe'."