Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 02.08.2011 - Outlook India

Auch in Indien hat Anders Breiviks Manifest ein kleines Erdbeben ausgelöst, weil er sich auf die Hindu-Bewegung bezieht. Da stellt sich für Saba Naqvi die Frage: "Was ist der Unterschied zwischen der extremen Rechten weltweit und den Islamisten? Die Rechten - von den USA über Europa bis nach Indien - schwadronieren über Minderheiten, Muslime, Hispanics, Schwarze. Die islamischen Radikalen wiederum schimpfen über die Politik des Westens, den 'großen Satan' Amerika, und - wenn man sich die Mails ansieht, die eine Gruppe verschickt, die sich 'Indische Mudschajedin'nennt, dann sind sie gegen das indische System, - über 'anti-muslimische' Anwälte und die Gerichtsbarkeit'." Gleichzeitig, so Naqvi, gibt es eine "Übereinstimmung zwischen dem Vokabular rechter Verrückter im Westen und ihrem Gegenpart in Indien. Beide spiegeln den Extremismus in der Mehrheit der Gesellschaft wieder, die glaubt, sie würde von muslimischen Horden oder Farbigen ausgebootet, die bald die Herrschaft übernehmen."

Neha Batt singt ein Loblied auf die Lokaljournalistin Geeta Mohanpuria, die sich von einem scheuen Mädchen, das "nicht aus dem Haus gehen mochte", in eine echte Powerfrau verwandelt hat, die ein kleines feines lokales Blatt für Dörflerinnen rausbringt, Khabra Ri Potli. Und was macht die Chose möglich? Moderne Kommunikationsmittel. "Auf der Höhe der Zeit hat ein neuer wacher Newsservice im Dorf Rampur-Mathura im Bezirk Uttar Pradesh ein junges Mädchen als Reporterin engagiert, während in Andhra Pradesh über 50 Frauen für Kurzfilme und Nachrichten ausgebildet wurden, die regelmäßig von den regionalen Fernsehsendern zitiert werden. Einige dieser Geschichten, die zum Beispiel die Korruption in Negra behandeln, werden von überregionalen Zeitungen aufgegriffen."

Magazinrundschau vom 19.07.2011 - Outlook India

Erneut hat es in Mumbai Terroranschläge gegeben. Die Stadt steht kurzfristig unter Schock; die Auswirkungen der ständigen Gefahr sind freilich - wie Smruti Koppikar in der Titelgeschichte meint - mit Sicherheit von längerer Dauer: "Tief im Herzen vieler Mumbaikar mischen sich die Gefühle in seltsamer Weise - Wut, Bitterkeit, Hilflosigkeit, Angst, Verletzlichkeit und eine Frage: Warum wird meine Stadt wieder und wieder attackiert? 'Ich weiß, dass es logisch ist, Mumbai anzugreifen, weil die Arterien des Landes durch die Stadt laufen; es gibt eine unmittelbare, globale Reaktion, aber diese Logik ändert nichts daran, dass wir Angst haben', meint Rajit Kapoor, ein bekannter Schauspieler, der in Mumbai lebt. Diese Angst, die die Mehrzahl der Mumbaikar heute resignativ akzeptiert, ist spürbar in den Augen all jener sieben Millionen, die die Vorstadtzüge besteigen, von denen jeder eine bewegliche Bombe sein könnte. Im Schritt der vier Millionen, die zu Bushaltestellen schleichen, die potenzielle Ziele sein könnten. Mumbai ist in der Tat eine mit Narben bedeckte Stadt."

In Indien hat eine große Studie begonnen, die der einfach klingenden, aber gar nicht leicht zu beantwortenden Frage nachgeht, wie viele Sprachen im riesigen Land eigentlich gesprochen werden. Die letzte Untersuchung zum Thema stammt aus dem Jahr 1894 und wurde vom britischen Linguisten George Abraham Grierson erstellt (Hörproben). Erste Ergebnisse der neuen Studie lassen, wie Degarshi Dasgupta berichtet, Hochrechnungen zu: "Ganesh Devy ist der Vorsitzende der Organisation Bhasha, die sich für marginalisierte indische Sprachen einsetzt und die Studie initiiert hat, erwartet, dass es am Ende auf 'rund 900' Sprachen hinauslaufen wird. Grierson dagegen war auf 179 Sprachen und 544 Dialekte gekommen. 'Wenn es 900 Sprachen werden, dann erwarte ich 9000 Kontroversen', meint Devy. 'Ich halte diese Debatte aber für entscheidend, da sie eine Linguistik in Frage stellt, die Sprachen nur für eine einzigarte Sprachform halten. Hier zeigt sich nämlich, dass Menschen ihre linguistische eng mit ihrer ethnischen Identität assoziieren und davon ausgehen, dass eine separate ethnische auch eine separate sprachliche Identität impliziert.'"

Magazinrundschau vom 12.07.2011 - Outlook India

Ein recht neues Phänomen stellt die Titelgeschichte vor: Amateur-Autoren bei englischsprachigen indischen Verlagen, die keine literarischen Ambitionen, aber ein in die Millionen zählendes Publikum haben. Also so etwas wie die Autoren-Variante des Amazon-Rezensenten: "Es hilft für ihren Erfolg, dass diese neuen 'Autoren aus Zufall', wie einer von ihnen sich selbst beschreibt, 'nicht von irgendwelchen Vorstellungen von sprachlicher Reinheit' oder dem literarischen Stil, den traditionelle Verlagshäuser von ihren Autoren erwarten, 'belastet sind'. In der Tat lehnen fast alle von ihnen literarische Schriftsteller als zu westlich, zu umständlich, zu weit entfernt vom Wirklichen Indien ab und halten sie für Verfasser von Bücher, die keiner mehr lesen will, in einem Stil, 'der echt anstrengend ist', für den man Wörterbücher beim Lesen benötigt. Ihr Englisch ist, im Gegensatz dazu, eine indische Version eines Englisch, mit dem man sich wohlfühlt, eine 'dil ki bhasha' (Sprache des Herzens) im Unterschied zu einer 'pet ki bhasha' (Sprache des Kommerzes)."

Magazinrundschau vom 05.07.2011 - Outlook India

Vom exemplarischen Fall der Aneignung und Umwendung einer verpönten Kastenbezeichnung berichtet Chander Suta Dogra. Eigentlich ist "Chamar" (zu deutsch: Haut, der traditionelle Name der wegen der Arbeit mit Leder als unrein verachteten Kaste der Schuster und Gerber) ein Schimpfwort, dessen Verwendung mit Gefängnisstrafe bewehrt ist. Nur nennen die Angehörigen dieser Kaste sich inzwischen selbstbewusst selber so, es ist sogar unter den Jugendlichen eine richtige Musikkultur rund um die Aneignung des Begriffes entstanden: "Was den Jugendlichen an diesen Songs am allermeisten gefällt, sind die Videos mit ihren stattlichen, gutgebauten Chamar-Jungs, die ihren Bizeps präsentieren und mit Schwertern und Gewehren hantieren. Diese Selbstdarstellung als Machos ist ganz klar der Versuch, sich als der höher angesehenen Kaste der Jat Sikhs gleichwertig zu präsentieren, die als stark und kraftvoll gelten. Pamma Sunar, ein Musiker aus Phagwar, hat im Januar diesen Jahres den Song 'Fighter Chamaar' veröffentlicht, mit provokativem Text und gewagten Videobilder. 'Wir kämpfen um Gleichberechtigung und Selbstachtung und schon werden wir deswegen bedroht', erklärt Sumar, der Mitglieder der Jat Sikhs für die Urheber von Drohbriefen und telefonischen Schimpfkanonaden hält."


Hier das Video zu "Fighter Chamaar":


Stichwörter: Aneignung, Gleichberechtigung, Led

Magazinrundschau vom 31.05.2011 - Outlook India

Die Titelgeschichte gilt einer Generation neuer Bollywood-Protagonisten, die sich von Helden der Vergangenheit stark unterscheiden. Sie spielen Rollen, die näher an gewöhnlichen Menschen sind als die überlebensgroßen Figuren der früheren Superstars. Die Regisseurinnen und Regisseure, Komponisten und Kameraleute haben ganz andere Horizonte als ihre Vorgänger. Namrata Joshi fasst das Neue in ihrem großen Überblick so zusammen: "Was diese Newcomer auszeichnet, ist ihre mit einer Leidenschaft fürs Kino verbundene Professionalität. Sie kennen sich alle bestens aus im Kino. 'Sie habe Filme aus allen Weltteilen gesehen und dann eine eigene Sprache entwickelt. Sie entwickeln die Grammatik unseres Kinos weiter', meint der als Regisseur und Produzent bereits etablierte Anurag Kashyap. Bisher fasste man in der Industrie vor allem mit Hilfe von Familienverbindungen Fuß - für die meisten der Newcomer gilt das nicht mehr. Die Mehrzahl hat keinerlei Bollywood-Hintergrund, stammt aus Mittelschicht-Familien mit Bildungshintergrund und kommt aus entlegenen Ecken des Landes wie Madhepura und Hazaribagh."

Magazinrundschau vom 17.05.2011 - Outlook India

Als Literat genoss und genießt der Nobelpreisträger Rabindranath Tagore Weltruhm. Zu seinem 150. Geburtstag wird jetzt jedoch auch der Künstler und Maler Tagore entdeckt und sein Werk in einem großen Buchprojekt, wie Arpita Basu berichtet, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: "Tagores künstlerische Arbeiten existierten für den Laienn bislang nur als Fußnote eines überwältigenden Werks aus Prosa, Drama, Musik und Poesie. Diese 'Fußnote' umfasst allerdings ein überraschendes Korpus: mehr als 2.000 Kritzelzeichnungen, Skizzen und Gemälde. Obwohl es siebzig Jahre gedauert hat, dieses Oeuvre einmal zusammenzutragen, hat das Warten sich gelohnt. Die Gemälde werden gerade mit Spezialkameras fotografiert und in vier Bänden als Rabindra-Chitravali veröffentlicht werden. Der erste Band ist letzte Woche in Delhi erschienen, die anderen drei folgen im Juni. Die Bilder werden in Kategorien von fantastischen Tierformen bis Menschengesichtern als Masken und Porträts, Landschaften und einigen mehr zusammengefasst. Sie deuten eine 'modernistische Wendung' an: eine Bewegung weg von den klassischen Zügen von Balance und Harmonie, hin zu einer Ästhetik des nicht Vorhersehbaren."
Stichwörter: Delhi, Skizzen

Magazinrundschau vom 10.05.2011 - Outlook India

Noch immer ist offiziell nicht ganz klar, wie weit Pakistan in die Aktion gegen Osama bin Laden eingeweiht war. Für Amir Mir ist die Sache - wie er in durchaus überzeugenden Einzelheiten belegt - recht klar: Die pakistanischen Geheimdienste waren recht früh informiert, Pakistan fürchtet in Wahrheit nicht den Zorn der USA, sondern der Islamisten. Eine Schlüsselfigur ist Shuja Pasha, Direktor des militärischen pakistanischen Nachrichtendiensts ISI: "Am 26. April trat eine Versammlung des pakistanischen Komitees der Vereinigten Stabschefs zusammen, das aus führenden Armeekommandanten besteht. Obgleich kein reguläres Mitglied des Komitees, war auch Pasha unter den Teilnehmern. Und zwar, wie aus Insiderkreisen verlautet, um eine Einschätzung der Konsequenzen der möglichen Tötung Osamas vorzutragen. Nach der Aktion vom 1. und 2. Mai bestätigte Paha der Asia Times Online, dass der ISI von dem Überfall in Abbottabad wusste. Diese Aussage ist bis heute nicht dementiert... Warum aber scheut sich Pakistan immer noch, zu seiner Rolle in der Jagd auf Osama zu stehen? Quellen in der Regierung sagen ganz klar, dass Pakistan Angst vor den Rückwirkungen seiner Beteiligung an der Tötung Osamas hat.".

Magazinrundschau vom 05.04.2011 - Outlook India

Sheela Reddy möchte Joseph Lelyvelds Gandhi-Biografie auf keinen Fall verboten, sondern diskutiert wissen. Aber den Autor, der sich gegen den Vorwurf verwahrt hat, er hätte Gandhi als Homosexuellen dargestellt, findet sie doch etwas sensationsheischend, um nicht zu sagen heuchlerisch. "Lelyveld beginnt damit, seine Leser zu warnen: 'In einem Zeitalter, in dem das Konzept der platonischen Liebe wenig glaubwürdig erscheint, können ausgewählte Details über die Beziehung und Zitate aus den Briefen leicht so arrangiert werden, dass sie zu bestimmten Schlussfolgerungen führen.' Dann leitet er seine Leser unerklärlicherweise zu genau der Schlussfolgerung, vor der er sie gerade gewarnt hat: Uns wird erzählt, dass Kallenbach lebenslang Junggeselle war, Gymnast und Bodybuilder [...] 'Selbst wenn Gandhi nicht in ihn vernarrt war, fühlte er sich doch auf jeden Fall hingezogen zu dem Architekten.' Und Lelyveld weiter, aus einem von Gandhis Briefen zitierend: 'Dein Porträt (das einzige) steht auf dem Kaminsims meines Schlafzimmers.' Er beschreibt liebevoll die Details in Gandhis Brief: Baumwolle und Vaseline, 'eine beständige Erinnerung'."

Magazinrundschau vom 08.03.2011 - Outlook India

Auch Indien hat, wie die Titelgeschichte von Outlook India zeigt, seinen Karl Theodor zu Guttenberg, das heißt einen charismatisch-populistischen Politiker neuen Typs. Allerdings sieht Baba Ramdev etwas anders aus und hat einen Yoga- statt eines Schlosshintergrunds. Genauer gesagt: Er ist der größte Yoga-Guru des Landes, der sich nun zum Vorkämpfer gegen Korruption und Schwarze Kassen stilisiert und mit einer eigenen Partei antreten will - geschickterweise unterbreitet er allerdings den großen Parteien attraktive Kooperationsangebote. Sheela Reddy hat ihn getroffen und beschreibt das von ihr mit Skepsis, aber nicht ohne Anerkennung betrachtete Phänomen: "Nicht gerade der Selbstbeschreibung des asketischen Mönchs entspricht sein offenkundiges Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Bei seinem Auftritt vor der Fernsehkamera ist ein Auge immer aufs Studiopublikum gerichtet, das er nicht weniger ängstlich als irgendein Schauspieler beobachtet, um zu sehen, wie die Performance ankommt. (...) Seine Kritiker spotten über seine Tendenz, die riesige Anhängerschaft - 'mehr als eine Milliarde Menschen', erinnert mich Ramdev mehr als einmal - mit potenziellen Wählern zu verwechseln. (...) 'Im vergangenen Jahr', berichtet er, 'habe ich mit meiner Kampagne gegen Korruption und Schwarzgeld zig Millionen Menschen im halben Land erreicht. Im nächsten Jahr kommt die andere Hälfte dran.'"

Magazinrundschau vom 01.03.2011 - Outlook India

Im Jahr 2011 findet in Indien eine große Volkszählung statt. Gesellschaftliche Veränderungen werden an neuen Kategorien deutlich: Sexarbeiterinnen werden nicht mehr länger mit Bettlern in dieselbe Schublade gesteckt, eine Transgender-Kategorie gibt es jetzt auch. Noch nicht ganz gelöst scheint, wie Debarshi Dasgupta berichtet, das Problem mit mancher abseits aller Öffentlichkeit lebenden Ethnie, insbesondere jener der Sentinelesen: "Diese gehörten zu den ersten Bewohnern Indiens, sind Abkömmlinge derjenigen, die vor rund 70.000 Jahren Afrika verließen und sind heute nur noch auf einer der Andaman und Nicobar-Inseln - der Nord-Sentinel-Insel - zu finden. Die Sentinelesen stellen aus drei Gründen eine Herausforderung für die Volkszählungs-Beamten dar. Zum einen gelten sie als Fremden gegenüber sehr feindlich eingestellt; zweitens spricht niemand sonst ihre Sprache; und drittens gibt es eine offizielle Regelung, dass die Sentinelesen in Ruhe gelassen werden sollen. In der Vergangenheit wurden von den Volkszählern Säcke mit Lebensmitteln, vor allem Früchten wie Kokosnüssen, entlang der Küste der Nord-Sentinel-Insel zurückgelassen, um sie aus ihrem Habitat zu locken. Wenn sie dort dann auftauchten, wurden sie fotografiert und nach diesen Fotos gezählt.... Unter Verwendung dieser 'Locken-und-Schießen'-Methode kam man 2001 auf eine Bevölkerungszahl von 39, wobei man allerdings glaubt, dass die wirkliche Zahl zwischen 50 und 200 liegt."
Stichwörter: Transgender, Volkszählung