Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 15.02.2011 - Outlook India

In seinem "Delhi Diary" stellt Vinod Mehta die Frage, die sich so mancher in manchem Land dieser Erde nach den Ereignissen von Ägypten wohl stellt: "Könnte es auch hier passieren? Die führerlose Revolution in Ägypten hat für so manche Besorgnis gesorgt, ob nicht die Verdammten unserer Erde sich zusammentun könnten, um ihre Herrscher herauszufordern. Experten aller Couleur antworten auf diese Frage zunächst mit einem emphatischen nein. Wir leben in einer lebendigen Demokratie mit regulären Wahlen, freien Medien und einer wachen Justiz... Freilich kann man argumentieren, dass es in Wahrheit hier schon passiert. Die Ungerechtigkeit, gegen die die Protestierenden vom Tahrir-Platz wüten - Korruption, keine Jobs, steigende Preise, schlechte Regierungen -, all das findet man an vielen Ecken unseres gesegneten Landes. Die tribale Bevölkerung Indiens, drei Mal so umfangreich wie die Gesamtbevölkerung von Ägypten, lebt Tag für Tag mit Beschwernissen, die zehn mal so schlimm sind wie die, die die gewöhnlichen Bewohner von Kairo durchmachen müssen. Das Pro-Kopf-Einkommen in Ägypten ist vier mal so hoch wie das Pro-Kopf-Einkommen der indigenen Bevölkerung in Dantewada."

Magazinrundschau vom 08.02.2011 - Outlook India

Das britische Außenministerium spart - und darum macht das BBC-Hindi-Programm nach siebzig Jahren dicht. Das Entsetzen unter vielen gebildeten Indern ist groß, der Sender hatte treue Fans, die ihn für seine Verlässlichkeit verehrten. Namrati Joshi hat einen regelmäßig sich treffenden 200-köpfigen Zuhörerclub getroffen: "Die Mitglieder wollen ans britische Außenministerium schreiben und manche planen eine öffentliche Verbrennung von Bildnissen David Camerons... Derart tief empfundene Reaktionen gegenüber etwas so Profanem wie einem Radiosender mögen den Fernseh- und Internet-gewohnten Kids von heute seltsam vorkommen, nicht jedoch ihren Mittelschicht-Eltern, die mit BBC Hindi aufwuchsen... Der TV-Produzent Sonal Joshi erinnert sich daran, wie der verstorbene Hindi-Dichter Bhawani Prasad Mishra, ein Freund der Familie, dem Sender lauschte. 'Wir waren sieben oder acht und mussten mucksmäuschenstill sein, wenn er die Nachrichten hörte.' Der Softwareprogrammierer Anurag Narayan konstatiert, dass BBC Hindi für die Erwachsenen in seiner Familie so etwas wie die Bibel war. 'Ich erinnere mich, wie mir mein Großvater versicherte, dass alles, was die BBC sagte, korrekt sein musste. Er stellte sogar seine Uhr nach den BBC-Nachrichten."
Stichwörter: Cameron, David, Mittelschicht

Magazinrundschau vom 09.11.2010 - Outlook India

In Burma stehen demnächst Wahlen an. Das kann nur eine Farce werden, meint Amartya Sen. Er fordert die Welt auf, endlich etwas zu tun, um den unterdrückten Burmesen zu helfen. Seine konkreten Vorschläge: Die UN sollte eine Untersuchungskommission einsetzen und von ihrer windelweichen Position Burma gegenüber abrücken. Ein Wirtschaftsembargo, dass vor allem die Industrien betrifft, an denen die Militärs beteiligt sind. Ein Reiseembargo für die Mitglieder der herrschenden Militärjunta (die ihre Alterskrankheiten gern im Ausland behandeln lassen). Und schließlich eine starke Reaktion der Weltgemeinschaft, die ihre wirtschaftlichen Interessen noch immer über die burmesische Bevölkerung stellt. "Es ist allerdings schwierig, Regierungen wie Indien, Thailand oder China davon zu überzeugen, dass ihre Politik in Bezug auf Burma grausam und roh ist, wenn die westlichen Länder, die die Herrscher von Myanmar gern scharf verurteilen, in ihren eigenen Beziehungen zu Burma längst nicht alles tun, was in ihrer Macht steht. Verschiedene europäische Länder sowie andere Staaten haben starke Geschäftsbeziehungen zu Burma, zum Beispiel was das Öl angeht. Weder die EU noch die USA oder die Schweiz, Kanada und Australien haben ihre Macht benutzt, finanzielle Sanktionen über das Regime verhängen zu können, um substantielle Veränderungen in dessen Politik zu fordern."

Magazinrundschau vom 02.11.2010 - Outlook India

In Outlook India hatte Roy bereits im September ausführlich zu Kaschmir geschrieben. Outlook dokumentiert auch Roys Statement, nachdem ihre Verhaftung wegen Volksverhetzung gefordert worden war: "Manche Zeitungen beschuldigten mich, eine Hasspredigerin zu sein und Indien zerbrechen zu wollen. Aber was ich sage, kommt im Gegenteil aus Liebe und Stolz. Und aus meinem Widerwillen, dass Menschen ermordet, vergewaltigt, ins Gefängnis gesteckt und durch Ausreißen von Fingernägeln gezwungen werden zu sagen, dass sie Inder sind."

Der Psychologe Ashis Nandy, der als Mitbegründer der weltweiten Post-Colonial Studies gilt, reagiert in Outlook auf die entfesselte Wut gegen Roy und sieht die Schuld bei der in den letzten zwei Jahrzehnten aufgestiegenen Mittelschicht, die einen Ultranationalismus pflege und weder zu Empörung über Folter und Unterdrückung in Kaschmir noch überhaupt zu demokratischen Idealen imstande sei: Dieser "gedankenlose, zu Selbstkritik unfähige Ultranationalismus stellt sich gegen jeden, der nicht die Mainstream-Meinung teilt. Er wird weder von den Armen, noch von der älteren Mittelschicht geteilt. Die Armen, die daran gewöhnt sind, mit schwindelerregender sozialer und kultureller Vielfalt zurechtzukommen, haben kein Problem mit politischer Vielfalt. Auch die ältere Mittelschicht hat kein Problem damit."

Magazinrundschau vom 26.10.2010 - Outlook India

Outlook feiert seinen fünfzehnten Geburtstag und hat das aktuelle Heft ganz der Presse gewidmet. Im Interview erklärt Noam Chomsky, warum er rein gar nichts von der Presse hält. Sie dient nur dazu, die Leute dumm zu halten. "Das ist ganz klar ihr Ziel. Tatsächlich ist es ihr erklärtes Ziel. In den 1920er Jahren bezeichnete man sie ganz offen als Propaganda. Aber dieses Wort bekam durch die Nazis einen schlechten Klang. Jetzt nennt man sie nicht mehr Propaganda. Die riesige Public-Relations-Industrie zum Beispiel hat das Ziel, Einstellungen und Überzeugungen zu kontrollieren. Liberale Kommentatoren wie Walter Lippmann meinten, wir müssen Konsens produzieren und den Pöbel draußen halten. Wir sind die verantwortlichen Männer, wir müssen die Entscheidungen treffen und wir müssen davor beschützt werden - ich zitiere Lippmann - 'von der verwirrten Herde, der Öffentlichkeit, niedergetrampelt zu werden'. In einem demokratischen Prozess sind wir Beteiligte, sie gucken zu. Und die Aufgabe der Intellektuellen, der Medien und so weiter, ist es sicherzustellen, dass sie still sind, geduckt und gehorsam. Das ist der Blick vom liberalen Ende des Spektrums."

Sumir Lal beschreibt den Niedergang der indischen Zeitungen seit Mitte der achtziger Jahre: heute verkaufen sie ihre Anzeigenplätze an kommerzielle Kunden, nicht Neuigkeiten an Leser. Laut Lal gehört der Medienmogul Ravi Dhariwal (Times of India) zu den Verantwortlichen für diesen Niedergang und wenn man das Interview mit ihm liest, ist das nicht ganz unglaubwürdig. Paranjoy Guha Thakurta beklagt, dass die Korruption der indischen Medien inzwischen institutionalisiert ist: Zeitungen und Fernsehsender verbreiten für Geld Informationen, die als 'Neuigkeiten' ausgegeben werden, tatsächlich aber den Interessen einzelner Personen, Firmen oder Politiker dienen. Shashi Tharoor würde gern mehr über Politik statt Liebesaffären lesen. Vielleicht könnten die Medien von der Filmindustrie lernen, meint Amrita Shah. Roy Greenslade ist überzeugt, dass der Journalismus im Internet überleben wird, wenn er sich neu definiert.

Magazinrundschau vom 14.09.2010 - Outlook India

In einer furiosen Anklageschrift von epischer Länge macht Arundhati Roy eines völlig klar: Indien ist denkbar weit davon entfernt, eine lupenreine Demokratie zu sein. Gewaltsam geht die Regierung als williger Vollstrecker von Konzerinteressen gegen das eigene Volk vor. Roy verurteilt die Morde der Maoisten, macht aber keinen Hehl daraus, dass sie in der Sache auf ihrer Seite ist, der Seite der Revolution. Die Mittel allerdings können und müssen, je nach Lage, variieren: "Die Entscheidung, ob man wie Gandhi handelt oder wie die Maoisten, ob militant oder friedlich, oder von beidem etwas, hat nicht notwendig nur mit Moral oder Ideologie zu tun. Oft genug ist sie rein taktisch. Gandhis Strategie der Gewaltlosigkeit war eine Form politischen Theaters. Um etwas zu bewirken, braucht sie ein sympathisierendes Publikum, das Dorfbewohner tief im Wald nicht haben. Wenn eine Truppe von 800 Polizisten einen Kordon um ein Dorf tief im Wald legt und die Häuser niederzubrennen und die Bewohner zu erschießen beginnt, wird da ein Hungerstreik viel nützen? (Können Verhungernde einen Hungerstreik beginnen? Und funktioniert ein Hungerstreik, den das Fernsehen ignoriert?)"

Weitere Artikel: Sugata Srinivasaraju porträtiert unter dem Titel "Brahms in Bengaloruu" indische Virtuosen der klassischen Musik des Westens. Salman Khan, der Bad Boy des Bollywood-Kinos ist zurück: Namrata Joshi schildert den gewaltigen Hype um seinen jüngsten Film "Dabangg".

Magazinrundschau vom 13.07.2010 - Outlook India

Der Aufmacher ist dem organisierten Hindu-Terror in Indien gewidmet, den kaum jemand wahrhaben will. "'In den letzten zehn Jahren sind Geschichten über Gewalttaten rechter Hindus durchgesickert. Statt einer systematischen Untersuchung gab es nur Fall-zu-Fall-Untersuchungen. Die größere Geschichte wurde kaum untersucht und es wurde kaum darüber berichtet', sagt der in Mumbai ansässige Anwalt und Menschenrechtsaktivist Mihir Desai. Der CBI hat jetzt erst auf eine Anordnung des Innenministeriums hin angefangen, die Anschläge in Ajmer, Mecca Masjid, Malegaon und anderswo im Zusammenhang zu sehen, nachdem es keine Hinweise darauf gibt, dass islamische Gruppen involviert sind."

In Pakistan hat eine unselige Allianz aus zwei sunnitischen Splittergruppen - Deobandis und Wahabiten - die restlichen 80 Prozent der pakistanischen Gesellschaft zu Ungläubigen erklärt, die getötet werden müssen, schreibt Amir Mir nach dem Terroranschlag auf einen Sufitempel in Lahore. "So sagt der Historiker Mubarak Ali, 'eine der Konsequenzen aus dem Krieg gegen Afghanistan ist die Auflösung des religiösen pakistanischen Patchworkteppichs. Während früher die Trennlinie zwischen Sunniten und Schiiten lag, verläuft sich jetzt auch zwischen Barelvis und Deobandis, die beide Sunniten sind.' Da die Barelvis moderat sind und gegen die Taliban, betrachten die Deobandis sie als Handlanger des Staates, als Häretiker, die auf jeden Fall den Tod verdienen, sagt Ali."

Außerdem: John Mary berichtet über einen Vorfall im indischen Kerala, wo einem Lehrer die Hand abgehackt wurde, weil er sich despektierlich über Mohammed äußerte. Und ein Sprecher der indischen Maoisten antwortet auf B.G. Verghese, der sich in einem kritischen Artikel strikt gegen Verhandlungen mit den Maoisten ausgesprochen hat.

Magazinrundschau vom 18.05.2010 - Outlook India

Es gibt einen neuen Typus islamistischer Attentäter, schreibt Pranay Sharma in der Titelgeschichte von Outlook India. Sie leben im Westen, sind an westlichen Universitäten ausgebildet, sind integriert und wohlhabend. Sharma nennt als Beispiele den pakistanisch-amerikanischen Finanzanalysten Faisal Shahzad, der eine Bombe am Times Square platziert hatte, oder den amerikanischen Psychiater Nidal Malik Hasan, der letzten November 13 Menschen in Fort Hood niederschoss. Welche Rolle spielt für diese Männer Osama bin Laden? Er bietet ihnen ein breites Spektrum an Rechtfertigungen, meint Sharma, in dem die Religion nur noch eine Nebenrolle spielt. Zu diesen Rechtfertigungen gehören die amerikanischen Truppen in Afghanistan und im Irak, der Nahostkonflikt und "in letzter Zeit hat sich Al Kaidas Agenda noch erweitert und schließt jetzt auch entscheidende politische Themen wie Umweltschutz und Globalisierung ein. In seinen letzten öffentlichen Verkündigungen hat Osama den Westen angeklagt, die Welt zu verpesten und die Globalisierung zu fördern, um die unterentwickelte Welt ausbeuten zu können. Experten glauben, er habe das getan, um auch die Menschen zu erreichen, die zum Islam konvertiert oder die säkulare Muslime sind und sich nicht in einer exklusiv islamischen Agenda wiederfinden würden."

Ein Leser- bzw. Autorenbrief hat uns auf einen Streit aufmerksam gemacht, über den im April in Outlook zu lesen war. Amitav Ghosh und Margaret Atwood sollten von der Tel Aviv Universität in Israel mit dem "Dan David"-Preis ausgezeichnet werden. Als das bekannt wurde, erhielten die beiden massenhaft Mails und Öffentliche Briefe, in denen sie aufgefordert wurden, den Preis nicht anzunehmen, solange Palästinenser misshandelt würden. Ghosh erklärte in Outlook daraufhin, warum ein Boykott für ihn und Atwood nicht in Frage kommt: "Ich glaube sehr stark daran, dass man die Auffassung verteidigen muss, Kultur- und Bildungsinstitutionen seien - im Prinzip jedenfalls - vom Staat unabhängig. Sonst würde jeder Autor in Amerika und Großbritannien und jeder, der an einer britischen oder amerikanischen Universität lehrt, mit dem Irakkrieg in Zusammenhang gebracht oder mit Israels Aktionen in Gaza und Palästina. Jeder indische Autor oder Akademiker wäre in die Aktionen der indischen Regierung in Krisengebieten verwickelt. Wenn wir dieses Prinzip [der Unabhängigkeit] nicht verteidigen, wie wollen wir dann das Recht auf Dissidenz jener Universitätsangehörigen verteidigen - vor allem in Zeiten des Krieges, wenn die Argumente des Staats benutzt werden können, um eine Komplizenschaft zu begründen?" Abgedruckt wurde auch die gemeinsame Rede, die Ghosh und Atwood bei der Preisverleihung hielten.

Magazinrundschau vom 27.04.2010 - Outlook India

In Indien wurden die Handygespräche mehrer Minister und oppositioneller Politiker abgehört, berichtet Outlook India in einem Dossier. "'Das ganze System funktioniert wegen der Möglichkeit, alles abstreiten zu können', erklärt ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter gegenüber Outlook. 'Es kann überall eingesetzt werden. Wir brauchen keine Genehmigung, weil wir keine Telefongespräche über das Fernmeldenetz abhören, sondern Signale zwischen dem Telefon und dem Sendemast auffangen und auf eine Festplatte speichern. Wenn zuviele Fragen gestellt werden, können wir die Festplatte entfernen und das Gespräch löschen. Niemand erfährt etwas."

Außerdem: Vir Sanghvi warnt am Beispiel von Shashi Tharoor, der 700.000 Follower bei Twitter hatte und trotzdem nach Korruptionsvorwürfen von seinem Amt als Außenminister zurücktreten musste, vor den wankelmütigen Twitter-Followern, die sich einfach nicht als Loyalisten vereinnahmen ließen. Und Pushpa Iyengar berichtet über seltsame religiöse Bräuche im aufstrebenden indischen Bundesstaat Tamil Nadu: dazu gehört die Heirat mit einem Frosch und das Zerbrechen von Kokosnüssen auf einheimischen Köpfen.

Magazinrundschau vom 30.03.2010 - Outlook India

Indien ist die viertgrößte Nation der illegalen Downloader, berichten sieben Reporter im Aufmacher von Outlook India. Die Gründe dafür sind vielfältig. "'Inder sparen ihr Geld genauso wie ihre Energie', sagt Dr. Harish Shetty, ein in Bombay praktizierender Psychiater. 'Außerdem downloaden Inder die ganze Zeit, weil es ihnen Spaß macht, das in ihrem privaten Bereich zu tun.' Es ist auch eine Generationsfrage. Murthy [Chef einer Marketingfirma] nennt als Beispiel seinen 12-jährigen Sohn, der Software-Anleitungen herunterlud und seinen Vater überraschte, als er in wenigen Wochen ein neues Paket ohne jedes formelle Training meisterte. 'Mit schrecklich intelligenten Menschen wie ihm', sagt der stolze Vater, 'müssen Musiklabels, Musiker, Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Softwareprogrammierer neue Wege finden, um Geld zu verdienen. Es reicht einfach nicht, CDs rauszuhauen in der Hoffnung, dass Konsumenten wie er sie weiterhin kaufen werden.'"
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